Personal & Führung

Das Gründen mit Freunden will sorg­fäl­tig ge­plant sein

Freun­de ha­ben viel ge­mein­sam, mö­gen und ver­ste­hen sich, wol­len zu­sam­men Ideen ver­wirk­lichen. Aber ge­rade das Grün­den mit Freun­den muss gut ge­plant sein. Wer ohne Hil­fe von An­walt oder Steu­er­be­ra­ter ein­fach los­legt, ge­fähr­det sonst leicht­fer­tig die Freund­schaft.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Wie sagt der Kölner so schön: „Echte Fründe stonn zesamme“. Echte Freunde stehen zusammen. Das gilt nicht nur im Rheinland, und nicht nur im Karneval. In der Wirtschaft ist das Gründen mit Freunden sehr beliebt. Deshalb betreibt die gleichnamige Initiative des Deutschen Gründerverbands einen Blog mit Erfolgsgeschichten zum Thema. Das betrifft nicht nur Studierende oder Auszubildende im selben Kurs, die sich anschließend beruflich zusammentun. Auch viele gestandene Unternehmer nutzen ihr Netzwerk, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Oder zapfen Freunde als Finanziers für ihren Betrieb beziehungsweise konkrete Projekte an. Bei der gemeinschaftlichen Unternehmenserweiterung oder dem Gründen mit Freunden gilt es allerdings einiges zu beachten. Sonst zerbricht an Problemen bei einem vielleicht nur kleinen Vorhaben schnell die Freundschaft. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schilderte dazu einen Fall, der nachdenklich macht. Befreundete Gründer sollten Anwalt und Steuerberater einschalten, um Klippen zu umrunden und tragfähige Regelungen fürs Unternehmen zu finden.

Auch Gründen mit Freunden nur mit kla­ren Ver­trägen

Zumindest einen großen Startvorteil hat jedes Unternehmen, das durch Gründen mit Freunden entsteht: Die Beteiligten wissen bereits, dass sie sich mögen und verstehen – sonst würden sie nicht zusammen etwas auf die Beine stellen. Auch eine Art gemeinsame Mission ist bei dieser Art der Unternehmensgründung meistens vorhanden – mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest unausgesprochen. Freunde teilen in der Regel bestimmte Werte, die dann im Betrieb gelebt und vielleicht sogar ausdrücklich zum Unternehmenszweck werden sollen. Das ist wichtig – mit gutem Grund raten Experten zur Formulierung eines sogenannten Mission Statements, also Unternehmensleitbildes, auch und gerade Familienbetrieben. Neben zahlreichen Pro-Argumenten gibt es allerdings auch einige höchst gewichtige Contras, die gegen das Gründen mit Freunden sprechen. Kein Wunder, dass so mancher dem daher skeptisch gegenübersteht.

Befreun­de­te Grün­der müs­sen Rech­te und Pflich­ten be­denken

An den Vorbehalten ist durchaus etwas dran. Unternehmer, die das Gründen mit Freunden planen, sollten Gegenargumente aber erstmal als wichtige Fragen begreifen, auf die sie Antworten suchen. Mit Anwalt und Steuerberater lassen sich viele Probleme im Rahmen einer umfassenden Gründungsberatung lösen. Finanzielle Verhältnisse und Kreditwürdigkeit gehören natürlich gleich zu Beginn vollständig und offen auf den Tisch. Verantwortlichkeiten sollten so klar wie möglich geregelt sein. Beides kann später viel Ärger ersparen. Die Freunde sollten sich auch der teils recht umfassenden Haftungsrisiken für Geschäftsführer bewusst sein. Vereinbarungen für den Konfliktfall und den möglichen Ausstieg eines Gründers dürfen Freunde bei aller emotionalen Verbundenheit ebenfalls nicht vergessen. Hier sind dringend klare, vom Anwalt geprüfte Regelungen erforderlich. Auch die Eigentumsverhältnisse sowie die Rechtsform sollten wohl durchdacht sein. Sinnvoll klingt außerdem der Tipp, bereits vorab zu besprechen, wie ein Ausstieg im Guten und wie im Schlechten aussehen könnte. So lassen sich dafür dann unterschiedliche Regelungen vereinbaren.

Ratio­na­li­tät ist beim Grün­den mit Freun­den wichtig

Was vorher geklärt ist, macht später im Unternehmensalltag keinen Ärger. So einfach ist das auch beim Gründen mit Freunden. Und vielleicht zeigt sich bereits bei diesen Vorgesprächen, dass die Kumpel kein so gutes Gründerteam sind wie gedacht. Das kann Schwierigkeiten verhindern und sogar Freundschaften retten. Vielleicht lässt sich die gemeinsame unternehmerische Idee besser auf anderen Wegen realisieren? Stellt sich erst nach der Gründung mit Freunden heraus, dass man doch nicht gut harmoniert, sind vereinbarte Probephasen oder definierte Zündstufen für Ausstiegsszenarien und -regelungen hilfreich. Klar sollte jedenfalls allen Beteiligten sein: Kommunikation und feste Absprachen sind beim Gründen mit Freunden ebenso wichtig wie rationale Entscheidungen und Verträge, die private Eventualitäten berücksichtigen. Am besten sprechen befreundete Gründer in spe gemeinsam mit Anwalt und Steuerberater. Der Aufwand lohnt sich, um Klarheit zu bekommen. Immerhin steht mit einem gemeinschaftlichen Unternehmen im Zweifel berufliche Existenz und Freundschaft auf dem Spiel.

Auch für das pri­va­te Um­feld sind Re­ge­lungen nötig

Auch das private Umfeld sollte beim Gründen mit Freunden in die Planung einfließen. Regelungen im Ehevertrag empfehlen sich für Unternehmer sowieso. Da sich Berufliches und Privates beim Gründen mit Freunden automatisch stärker vermischt, ist es umso wichtiger, den Betrieb außen vor zu halten. Eng absprechen müssen sich Unternehmer detailliert und frühzeitig auch mit dem Steuerberater. Dabei sollte es unter anderem um die Frage der Gewerbesteuerpflicht gehen – sicher ist besser, selbst für Freiberufler. In die Entscheidung über die optimale Rechtsform sollten die Gründer den Steuerberater in jedem Fall gleich zu Beginn eng einbinden. Selbstverständlich lassen sich diese Beratungskosten in der Regel steuerlich geltend machen. Wie, auch das weiß der Steuerberater. Möglich ist es selbst für den Fall, dass das gemeinsame Unternehmen doch rasch wieder aufgegeben wird. Ein Abbruch der Gründung spricht nicht gegen eine ernsthafte Gewinnerzielungsabsicht, wenn sich im Laufe der Planung wichtige Gründe hierfür herauskristallisieren.

Die fünf Psychofallen rund ums Gründen mit Freunden

Einem bekannten Sprichwort folgend hört beim Geld die Freundschaft auf. Wer mit Freunden ein Unternehmen gründen will, sollte sich das eine Warnung sein lassen. Immerhin: Es geht hier nicht um einen Automatismus. Wer es richtig anstellt, kann auch mit Freunden ein florierendes Unternehmen betreiben. Aber es gehört einiges dazu. Diese Fallen sollten Unternehmer beim Gründen mit Freunden umrunden:

1. Unklare Kommunikation

Beim gemeinsamen Bierchen und selbst bei tiefschürfenden Gesprächen muss nicht immer alles bis in Letzte geklärt sein. Hier reicht oft eine grundlegende Übereinstimmung. Sympathie und Freundschaftsgefühl tragen dann auch unterschiedliche Positionen oder Missverständnisse. Bei der Arbeit ist das anders. Hier müssen die Gründer darauf achten, nicht nur grundsätzliche Übereinstimmung zu erzielen, sondern offene Fragen unmissverständlich zu klären. Das fängt an bei Fragen der Strategie und Ausrichtung, geht weiter bei der Aufgabenverteilung und dem Umgang mit Kunden sowie Mitarbeitern und hört bei der Regelung von Abläufen nicht auf. Ganz wichtig sind finanzielle Fragen und Verhältnisse. Auch über die sollten Unternehmer sprechen – und Vereinbarungen treffen, selbstverständlich in Absprache mit Steuerberater und Anwalt.

To do: Vor die Gründung mit Freunden gehört das gemeinsame Gespräch mit dem Steuerberater über Rechtsform und Rechtsfolge von Verträgen. Mit dem Anwalt sollten Unternehmer über rechtssichere Verträge sprechen. Auch eine allgemeiner ausgerichtete Gründerberatung oder ein gemeinsames Gründercoaching zur Klärung wichtiger Fragen gehört ins Programm..

2. Unverbindlichkeit

Auch in einer Freundschaft ist Verbindlichkeit ein für viele hoher Wert. Aber sie ist kein Muss. Eine Freundschaft kann auch funktionieren, wenn der eine gern mal unpünktlich kommt, sich auf Aktivitäten am liebsten spontan festlegt oder gelegentlich mal abtaucht. In einer Freundschaft dürfte es dafür Sympathie und Verständnis geben. Bei einem gemeinsamen Unternehmen könnten den Mitgründern solche Marotten rasch zu viel werden. Auf Absprachen muss man sich fest verlassen können. Es darf auch nicht – wie in Freundschaften zuweilen gepflegt – stets der eine für den anderen einspringen. Außer natürlich, zwei unterschiedlich talentierte Gründer haben hierfür Rollen festgelegt, etwa die des Kommunikationstalents und des Technikers.

To Do: Die befreundeten Gründer sollten sich ihre beruflichen und unternehmerischen Stärken bewusst machen. Sollten sich hierbei keine ganz klar trennbaren Bereiche herauskristallisieren – bei ehemaligen Kollegen kann das beispielsweise passieren –, ist trotzdem verbindlich zuzuweisen, wer was federführend verantwortet. Und sei es projekt- oder kundenbezogen.

3. Schlendrian

Hinter Freundschaften, so treu und wertvoll sie sein mögen, steckt meist wenig Verpflichtung. Das unterscheidet sie oft gerade von familiären Beziehungen oder einer Ehe beziehungsweise Partnerschaft – und eben auch der Arbeit. Hier weist ebenfalls ein Sprichwort den Ausweg: „Schnaps ist Schnaps, Dienst ist Dienst.“ Wer mit Freunden gründet, sollte vorher möglichst klar vereinbart haben: Dienst ist Dienst. Nämlich am und für das gemeinsame Unternehmen und damit die berufliche und finanzielle Existenz. Dann funktioniert auch die Freundschaft besser.

To do: Ein Gespräch über die vielleicht höchst unterschiedliche Auffassung von Arbeitsethos ist vor der Gründung mit Freunden wichtig. Man sollte mögliche Konfliktfelder und auch persönliche Empfindlichkeiten bei der Arbeit besprechen. Im Idealfall regeln Freunde auch gleich mit Hilfe ihres Anwalts einen möglichen Ausstieg eines der Gründer – überhaupt sind Worst-Case-Szenarien und deren Lösungs-Optionen sehr ratsam.

4. Handschlagsvereinbarungen

Die befreundeten Gründer haben wahrscheinlich eine Menge über ihr gemeinsam geplantes Baby Unternehmen gesprochen. Doch – wieder ein Sprichwort: Nur wer schreibt, der bleibt. Handschlagsvereinbarungen, so schön sie auch sind, führen gerade bei Unternehmensgründungen mit Freunden rasch zu Problemen.

To do: Den Vertrag, der all die Absprachen und möglichen Lösungsansätze in rechtsverbindliche und zugleich flexible Vereinbarungen gießt, sollten die Unternehmer mit ihrem Anwalt aufsetzen.

5. Einmischungen

Ein Mangel an Gesprächen ist bei Freunden, die zusammen gründen wollen, eher selten das Problem. Die richtigen Themen stehen ja schon auf dem Plan. Was wichtig ist, auf der To-Do-Liste. Die richtigen Ansprechpartner sind auch bekannt: Steuerberater, Anwalt und Banker sowie gegebenenfalls Gründungsberater oder Coach. Klar sollte aber auch sein: Wer nicht im Unternehmen mitarbeitet, sollte im Unternehmen nichts zu sagen haben. Allzu intensive geschäftliche Gespräche im privaten Kreis führen schnell zu Missverständnissen und Problemen. Die Folge ist rasch: Alle reden mit, alle reden rein.

To do: Selbst wenn die Freunde sonntags gern mal im Familienkreis zusammen tafeln und man sich vielleicht schon aus dem Sandkasten kennt: Firmenangelegenheiten müssen die Gründer intern besprechen. Die Familie sollte damit einerseits wenig belastet werden, andererseits auch wenig dazu animiert, sich einzumischen. Auch vertraglich sollte sie so weit wie möglich aus dem Unternehmen rausgehalten werden – etwa über Eheverträge für den Fall einer Scheidung.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.