Mitarbeiter & Ausbildung

Ausbildung in Teilzeit: Neuer Weg zum Auszubildenden

Aus familiären Grün­den ist Aus­bil­dung in Teil­zeit be­reits mög­lich. Durch ei­ne Neu­re­ge­lung könn­te es nun mehr Teil­zeit­aus­bil­dung ge­ben. Un­ter­neh­mer ha­ben da­durch die Chan­ce, bei der Be­set­zung of­fe­ner Lehr­stel­len ei­ne grö­ße­re Zahl po­ten­ziel­ler Kan­di­da­ten anzusprechen.

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Es gibt viele gute Gründe für Teilzeitarbeit. Sie hilft den Mitarbeitern, Familie und Beruf besser zu vereinbaren oder sich stärker einem Ehrenamt oder Hobby zu widmen. Ähnliches gilt für die seit 2005 mögliche duale Ausbildung in Teilzeit. Ursprünglich galt die Regelung als Antwort auf besondere familiäre Herausforderungen, inzwischen kann jeder Interessent sich dafür entscheiden. Unter einer Voraussetzung: Der Ausbildungsbetrieb stimmt zu. Via Teilzeitausbildung können sich etwa bereits erwerbstätige Erwachsenen nebenberuflich weiterbilden, ohne voll die ausbildungsbedingt üblichen Einkommenseinbußen zu erleiden. Der Vorteil für Unternehmer: Das Angebot einer Teilzeitausbildung vergrößert die Auswahl potenzieller Azubis für den Betrieb. Denn viele Firmen haben auch nach Beginn des Ausbildungsjahres noch freie Lehrstellen, Unternehmer sind im harten Wettbewerb um (Nachwuchs-) Fachkräfte, da kann die Teilzeitausbildung ein gutes Argument sein. Natürlich gibt es rechtlich und steuerlich einiges zu beachten. Das sollten Firmenchefs mit Steuerberater und Anwalt sprechen, bevor sie einen Vertrag über eine Ausbildung in Teilzeit abschließen.

Diese recht­li­chen Grund­la­gen re­geln die Teilzeitausbildung

Wer sich für eine Teilzeitausbildung interessiert, wünscht sich – wie jeder Auszubildende – einen anerkannten beruflichen Abschluss. Aber aufgrund seiner persönlichen Lebensumstände gelingt es ihm nicht, dieses Ziel in Vollzeit zu verfolgen. Die Antwort des Staates darauf war, im Berufsbildungsgesetz (BBIG) die Möglichkeit einer Ausbildung in Teilzeit zu verankern. Ursprünglich gedacht war dies vor allem für jemand, der wegen familiärer Belastungen keine reguläre Ausbildung absolvieren kann. Vom Gesetz sollten beispielsweise Alleinerziehende profitieren oder Menschen, die pflegebedürftige Angehörige versorgen. Das Gesetz zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung (Berufsbildungsmodernisierungsgesetz) hat die Möglichkeiten zur Teilzeitberufsausbildung seit Anfang 2020 ausgeweitet. Ein erheblich größerer Personenkreis erhält mit dieser Novellierung einen Zugang zur Ausbildung in Teilzeit. Jetzt ist eine Teilzeitausbildung beispielsweise auch für jemanden denkbar, der gesundheitlich eingeschränkt, behindert oder lernbeeinträchtigt ist. Leistungssportler mit hoher Trainingsbelastung oder Flüchtlinge können das Angebot ebenfalls nutzen.

Ausbildung in Teilzeit soll ei­ne Gestal­tungs­option werden

Generell soll die Teilzeitberufsausbildung es ermöglichen, Ausbildung und Familie zu vereinbaren, nebenbei einem Job nachzugehen oder nach einer Elternzeit eine zuvor begonnene Ausbildung fortzusetzen. Die Ausbildung in Teilzeit soll vor allem Chancengleich schaffen. Für Ausbildungsbetriebe, die sich diesem Thema öffnen, kann das Angebot von Teilzeitausbildung ein Argument im Wettbewerb um geeignete Auszubildende sein. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll die Teilzeitausbildung mit der Novelle ausdrücklich keine Ausnahmelösung mehr sein. Sie soll sich vielmehr zur Gestaltungsoption für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe entwickeln.

Erfolgsquote beim Ab­schluss ist auch bei Teilzeitausbildung gut

Noch ist die Nachfrage nach Ausbildung in Teilzeit gering. Eine Analyse der Berufsbildungsstatistik verzeichnet zwar seit 2008 einen leichten Anstieg der entsprechenden Ausbildungsverträge, aber ausgehend von einem niedrigen Niveau. Im Jahr 2018 – dem derzeit aktuellen Datenstand – lag der Anteil der Neuverträge für eine Teilzeitausbildung bei 0,4 Prozent aller Neuabschlüsse. Bundesweit schlossen die Unternehmen rund 2.300 Neuverträge mit Teilzeit-Azubis. Nach den bisherigen Erfahrungen werden diese Verträge im Schnitt etwa genauso oft vorzeitig gelöst wie Verträge für Vollzeitausbildungen. Dass die Erfolgsquote bei der Abschlussprüfung ähnlich hoch ist wie bei den Vollzeitazubis, spricht für eine hohe Motivation der Teilzeitazubis. Trotz der familiären Belastungsfaktoren nahmen gut 92 Prozent der Teilzeitauszubildenden im Prüfungsjahrgang 2018 erfolgreich an der Abschlussprüfung teil. Das betont das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) ausdrücklich.

Die Teilzeitausbildung er­öff­net zeit­li­che Gestaltungsmöglichkeit

Die gesetzliche Neuregelung der Ausbildung in Teilzeit erweitert nicht nur den Kreis der potenziellen Nutzer. Sie flexibilisiert die Teilzeitausbildung auch – insbesondere durch die Entkoppelung der Teilzeit im beruflichen Teil von einer Verkürzung der Ausbildungsdauer. Nach der Neuregelung des BBiG darf eine Teilzeitausbildung nicht weniger als 50 Prozent der sonst üblichen Tages- oder Wochenarbeitszeit umfassen. Zwischen 50 und 99 Prozent des Zeitanteils haben beide Vertragspartner dann aber vollen Spielraum. Auch phasenweise Kürzungen auf Teilzeit sind möglich. Durch die Kürzung auf Teilzeitniveau soll sich die Ausbildung grundsätzlich verlängern. Auf maximal das Eineinhalbfache der Dauer, die die Ausbildungsordnung für die betreffende Berufsausbildung in Vollzeit festlegt – abgerundet auf volle Monate. Dies soll sicherstellen, dass Teilzeit- und Vollzeitberufsausbildungen den gleichen Umfang haben. Doch auch hier bietet sich Unternehmern und Azubis einiges an Spielraum. Wenn der Auszubildende mindestens 25 Stunden pro Woche – inklusive Berufsschule – im Unternehmen verbringt, muss sich die Ausbildungsdauer nicht zwingend verlängern.

Diverse Ansprechpartner hel­fen bei Fra­gen zur Teilzeitausbildung

Unternehmer, die eine Ausbildung in Teilzeit ermöglichen wollen, bekommen Beratung bei ihrer Kammer sowie den Arbeitsagenturen und Jobcentern ihrer Region. Im Netzwerk Teilzeitausbildung haben sich Bildungsträger, Beratungsstellen und Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCAs) aus ganz Deutschland zusammengeschlossen. Auf der Internetseite finden Unternehmer bundesweit Ansprechpartner sowie eine Projektlandkarte und weitere Informationen zum Thema. Diese Beratungsangebote sollten ruhig auch ausbildungserfahrene Firmenchefs in Anspruch nehmen, um die neuen Spielräume auszuloten. So ist mit der Gesetzesänderung beispielsweise die Verkürzung der Arbeitszeit von der Verlängerung der Ausbildung entkoppelt worden. Entscheidend ist, dass sich die Ziele in dieser Zeit erreichen lassen.

Ausbildung in Teilzeit auch mit der Be­rufs­schule absprechen

Den betrieblichen Teil der Ausbildung dürfen Unternehmer und Azubis recht frei in Teilzeit gestalten. Wichtig ist, dass der Mindestumfang von 50 Prozent gewahrt bleibt. Von der BBiG-Novelle unberührt ist allerdings das Angebot der Berufsschulen. Diese sind nicht an eine im Ausbildungsvertrag vereinbarte Teilzeit gebunden. Hier sollten sich interessierte Unternehmer und Azubis unbedingt vor Ort erkundigen, wie die zuständige Berufsschule mit Teilzeitazubis umgeht. Das kann nämlich von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Manche Berufsschulen passen ihre Unterrichtszeiten den Bedürfnissen der Teilzeitauszubildenden an. In anderen Orten besteht vollumfängliche Anwesenheitspflicht in der Berufsschule. Das sollten Unternehmer und Auszubildende vorab klären und versuchen, gegebenenfalls eigene Regelungen auszuhandeln. Auch dabei kann das Netzwerk Teilzeitausbildung oder die Kammer vor Ort helfen.

Daran müssen Unter­neh­mer beim Azubi­gehalt denken

Laut Gesetz zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung erhalten Auszubildende seit Januar 2020 eine Mindestvergütung. Das sollten Unternehmer auch für ihre Azubis in Teilzeitausbildung beachten. Grundsätzlich gilt: Im ersten Ausbildungsjahr müssen Arbeitgeber ihren Auszubildenden wenigstens 515 Euro pro Monat zahlen. Ab 2021 steigt dieser Satz auf 550 Euro, ab 2022 auf 585 Euro, ab 2023 auf 620 Euro. Im zweiten Ausbildungsjahr steigt die Mindestvergütung um 18 Prozent, im dritten um 35 Prozent und im vierten um 40 Prozent. Ausnahmen gelten hierbei nur, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen andere Vereinbarungen getroffen haben. Um wieviel sie das Azubigehalt entsprechend dem Teilzeitanteil rechtssicher kürzen dürfen, müssen Unternehmer unbedingt mit Anwalt oder Steuerberater klären. Und zwar vor dem Vertragsabschluss oder einer Vertragsanpassung. Mit dem Steuerberater sind dann womöglich außerdem noch Buchungs- und Abrechnungsfragen für das Lohnbüro zu klären.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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