Steuern & Finanzen

Gewerbesteuer und Um­satz­steuer – ge­fähr­li­che Grauzone

Manche Steuer­fal­le ist of­fen­sicht­lich. Doch Un­tie­fen bei Ge­wer­be­steuer und Um­satz­steuer las­sen sich oh­ne Hil­fe des Steuer­be­ra­ters kaum er­ken­nen. Mit ihm soll­ten Un­ter­neh­mer re­gel­mä­ßig Ent­wick­lungen bei den The­men be­spre­chen, um teu­ren Über­ra­schun­gen zu ent­gehen.

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Gewerbesteuer und Umsatzsteuer zählen unter den diversen Steuerarten zu den am meisten gefürchteten Veranlagungen. Etwa wegen unangekündigter Betriebsprüfungen in Form von Nachschauen, die nicht nur für Kasse und Lohnsteuer stattfinden, sondern auch die Umsatzsteuer. Oder weil bei der Umsatzsteuer selbst kleine Fehler in einer Eingangsrechnung den Vorsteuerabzug kosten können. Was Umsatzsteuer und Gewerbesteuer aber vor allem auszeichnet und zum Horror für Unternehmer macht, ist etwas Anderes: Die Unsicherheit darüber, ob unterschiedliche Rechtsauslegungen im Steuerbescheid plötzlich zu einem ganz anderen Ergebnis führen. Gewissheit erlangen Firmenchefs über beides oft erst, wenn es zu spät für steuerliche Gestaltung ist – dann wird es rasch teuer. Unternehmer sollten mit Hilfe des Steuerberaters regelmäßig klären, mit welchem individuellen Risiko zu rechnen ist. Nur so können sie es umgehen oder wenigstens einkalkulieren.

Umsatzsteuer ist oft komp­li­zier­ter als zunächst gedacht

Bei der Umsatzsteuer scheint die Sache zunächst unkompliziert. Wer Rechnungen über insgesamt unter 17.500 Euro im Jahr stellt, kann die Kleinunternehmerregelung anwenden. Dann wird keine Umsatzsteuer erhoben, der damit verbundene Bürokratieaufwand entfällt. Diese Entscheidung sollte der Unternehmer aber gut mit seinem Steuerberater abwägen. Faustregel: Lohnen kann sich die Ausnahmeregelung, wenn die Kunden überwiegend Privatleute sind. Verbraucher zahlen immer einen Bruttopreis. Sie könnten ausgewiesene Umsatzsteuer beziehungsweise Mehrwertsteuer im Gegensatz zu Geschäftskunden nicht mit auf eigenen Rechnungen ausgewiesener Umsatzsteuer verrechnen. Arbeitet ein Unternehmer ohne Kleinunternehmerregelung und weist auf Rechnungen die Umsatzsteuer aus, wird es für den Privatkunden also um den anzuwendenden Umsatzsteuersatz teurer. Weist der Unternehmer ohne Kleinunternehmerregelung keine Umsatzsteuer aus, errechnet sich der Umsatzsteueranteil – da die Umsatzsteuerpflicht bestehen bleibt – aus dem Endpreis. Das schmälert die Betriebseinnahmen und letztlich den Gewinn. Bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung profitieren beide Seiten davon, dass keine Umsatzsteuer ausgewiesen wird, weil der Unternehmer letztlich niedrigere Preise anbieten kann.

Unterschied zwi­schen Pri­vat- und Ge­schäfts­kun­den beachten

Wer allerdings überwiegend für Geschäftskunden tätig ist, muss anders rechnen. Denn seine Auftraggeber können als Unternehmer die gezahlte Umsatzsteuer mit der von ihnen selbst ausgewiesenen Umsatzsteuer verrechnen. De facto wird sie also zum durchlaufenden Posten und macht das eingekaufte Produkte oder die genutzte Dienstleistung nicht teurer. Wer in diesem Zusammenhang auf den Ausweis von Umsatzsteuer verzichtet, macht sein Angebot für den Interessenten unter dem Strich also nicht wirklich günstiger. Zugleich nimmt er sich durch die Kleinunternehmerregelung die Möglichkeit, von ihm gezahlte Vorsteuer auf betrieblich angeschaffte Wirtschaftsgüter anzusetzen. Deshalb kann sich der Ausweis von Umsatzsteuer auch bei Umsätzen unter 17.500 Euro im Jahr lohnen. Wichtig ist dann die Frage, welchen Satz oder welche Sätze ein Unternehmer bei der Umsatzsteuer berechnen muss. Hier laufen viele in Fallen, weil die Regeln nicht nur kompliziert und unlogisch sind, sondern auch sich wandelnder Rechtsprechung unterworfen.

Vorsicht beim an­zu­wen­den­den Um­satz­steuersatz

Gerade die Frage nach regulärem oder ermäßigtem Umsatzsteuersatz stellt sich in vielen Bereichen immer wieder, etwa bei Fahrschulen. Die sind nicht wie Bildungsträger von der Umsatzsteuer befreit, so der Bundesfinanzhof. Dem Urteil zufolge müssen Fahrschulen auf ihre Leistungen den vollen Umsatzsteuersatz ansetzen. Befreit sind weiterhin nur Universitäten und Hochschulen, die sich auf § 4 Nr. 21 des Umsatzsteuergesetzes berufen können, also die Vermittlung, Vertiefung und Entwicklung von Kenntnissen und Fähigkeiten in Bezug auf ein breites und vielfältiges Spektrum von Stoffen bieten, wie der in der Frage angerufene Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden hat. Auch Betreiber von Freizeitparks können nicht – wie der ihnen verwandte Bereich der fahrenden Schausteller – den geminderten Satz ansetzen, sondern müssen die vollen 19 Prozent Umsatzsteuer verlangen. Der geminderte Satz sollte die Ausnahme sein, nicht Regel. Er wurde eingeführt, um „bestimmte Güter des lebensnotwendigen Bedarfs aus sozialpolitischen Gründen zu verbilligen“, wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags erklärt.

Einzelfälle und Aus­nah­men be­stä­ti­gen Um­satz­steuer-Regel

Unternehmer können im Streitfall über die Umsatzsteuer auch Glück haben. Einem Bauunternehmer, der ausschließlich Hauswasseranschlüsse verlegt, gestattete der Bundesfinanzhof (BFH) sieben Prozent Umsatzsteuer – so wie den ursprünglich damit bevorzugten Wasserversorgungsunternehmen. Selbständige Kameraleute dürfen ebenfalls den geminderten Umsatzsteuersatz ansetzen, verfügte das niedersächsische Landesamt für Steuern. Für Kameraleute bei öffentlich-rechtlichen Sendern ist das günstig: Ihnen verschafft das Urteil praktisch eine Honorarerhöhung, da öffentlich-rechtliche Sender keine Umsatzsteuer auf die Honorare aufschlagen. Damit müssen umsatzsteuerpflichtige Freiberufler ihre Umsatzsteuer aus den Honorareinnahmen finanzieren. Sie haben eventuell dringenden Gesprächsbedarf mit ihrem Steuerberater darüber, nachträglich ihre Rechnungen zu berichtigen. Immer und sowieso sinnvoll ist eine etwas höhere Steuerrücklage als nötig. Zusatz-Rücklagen sollten Unternehmer insbesondere dann bilden, wenn für sie relevante Steuerfragen vor Gericht anhängig sind. So hat der Bundesfinanzhof einige vorinstanzliche Urteile gekippt mit der Entscheidung, dass Holzhackschnitzel dem vollen Steuersatz unterliegen.

Gewerbesteuer auch für nicht ge­werb­li­che Einnahmen?

Auch bei der Gewerbesteuer sind einige teure Fallen bekannt – neben zahlreichen verborgenen, die Unternehmer so schnell nicht entdecken. Einstellen können sich etwa Freiberufler in der Regel gut auf das mittlerweile bekannte Risiko der Infektion ihrer Umsätze mit Gewerbesteuer aufgrund zusätzlicher gewerblicher Umsätze. Die Umsatzgrenzen, ab denen Gewerbesteuer alle Umsätze erfasst, haben Gerichte in den vergangenen Jahren auf niedrigem Niveau festgezurrt: Die Abfärbewirkung beginnt ab drei Prozent vom Gesamtumsatz oder 24.500 Euro, damit gehen auch steuerliche Privilegien wie Buchführungsgrenze oder unbeschränktes Recht auf EÜR verloren. Freiberufler, die nebenher beispielsweise Zubehör zu einer freiberuflichen Dienstleistung zum Verkauf angeboten haben, lassen das seither vielleicht lieber. Ladeninhaber mit zwei Geschäften umgehen Probleme bei der Gewerbesteuer mit getrennten Kassen und Abläufen. Das gilt etwa für Postshops mit Schreibwarenabteilung oder Kioske. Über das Problem Gewerbesteuer sollten alle Unternehmer – auch Freiberufler – immer wieder mal mit ihrem Steuerberater sprechen. Über die Gründe war hier ja bereits zu lesen.

Freiberufler mit An­ge­stell­ten tap­pen in Ge­wer­be­steuer-Falle

Bei der Gewerbesteuer kommen immer neue Sachverhalte hinzu, die auch Freiberufler in die Gewerbesteuerpflicht stolpern lassen. Selbst ganz ohne gewerbliche Umsätze als erkennbare Gefahrenquelle. So urteilte der Bundesfinanzhof beispielsweise, die Tätigkeit eines Prüfingenieurs sei als gewerblich einzustufen, wenn er Arbeit an nicht eigenverantwortlich tätige Angestellte delegiere. Im konkreten Fall erledigten nicht die freiberuflichen Gesellschafter einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) die angebotenen Haupt- und Abgasuntersuchungen bei Kraftfahrzeugen. Sondern drei bei ihnen arbeitende Prüfingenieure. Klarer Fall nach Ansicht der Richter: Nur wenn der eigentlich als Freiberufler eingestufte Unternehmer selbst und eigenverantwortlich tätig sei, entgehe er der Gewerbesteuerpflicht. Berücksichtigen muss das jeder Freiberufler – etwa ein Yogalehrer, der mit zusätzlichem Personal mehr Kurse anbieten will.

Manche Hand­werker kom­men um die Ge­wer­be­steuer herum

Doch auch bei der Gewerbesteuer gibt es schöne Überraschungen: So stufte das Hessische Landesarbeitsgericht einen Restaurator als Freiberufler ein statt als Gewerbetreibenden. Sein Betrieb unterliegt wegen wissenschaftlich-historischer Herangehensweise nicht dem für allgemeingültig erklärten Tarifvertrag für das Gewerbe. Auch muss der Restaurator keine Auskünfte über den Verdienst seiner Beschäftigten geben und keine Beiträge für Berufsausbildung und Zusatzrente überweisen. Gewerbesteuer wird deshalb wohl ebenfalls nicht fällig. Das sollten Unternehmer aber im Zweifel mit dem Steuerberater klären. Mit Blick auf für sie eventuell anwendbare Sonderregelungen bei der Gewerbesteuer ist so eine Rücksprache immer ratsam. Außerdem ist das hessische Urteil nicht rechtskräftig, sondern für die Revision beim Bundesarbeitsgericht zugelassen. Unternehmer, die mit Blick auf Gewerbesteuer oder Umsatzsteuer gern Gewissheit haben wollen, können diese mit einem Antrag auf verbindliche Auskunft bekommen. Darüber sollten sie aber zuvor mit ihrem Steuerberater sprechen, nur er kann die komplexe Thematik und damit verbundene Konsequenzen beurteilen.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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