Wirtschaft & Recht

Prüfen Sie jetzt, ob Ihre Stundenlöhne noch stimmen

In zwei Wochen steht die erste Lohn- und Gehaltszahlung für 2018 an. Firmenchefs müssen klären, ob neue Tarife und Sonderregelungen für Branchen beim Mindestlohn schon berücksichtigt sind.

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überwiegend fachlich qualifizierte Arbeiten ausführen. Auf der Internetseite des Zolls – der für Kontrollen zur Einhaltung des Mindestlohns zuständig ist – finden sich diese 12,90 Euro in einer Übersicht über Branchen-Mindestlöhne nicht. Ebenso fehlt der Hinweis, dass der bisherige Mindestlohn von 12,25 Euro für ungelernte gewerbliche Arbeitnehmer vom 1. Januar 2018 bis zum 31. Dezember 2019 auf 12,20 Euro sinkt.

Details und Ausnahmen in Branchentarifen beachten

Jeder Unternehmer ist daher gut beraten, mit seinem Steuerberater oder einem erfahrenen Arbeitsrechtler regelmäßig zu klären, welcher Mindestlohn für seinen Betrieb gilt und welche Mitarbeiter davon erfasst sind. Nochmal das Beispiel Dachdecker, wobei vergleichbare Ausnahmeregelungen auch für jede andere Branche zu prüfen sind: Die Tarifparteien haben vereinbart, dass der tarifliche Mindestlohn nicht gilt für

  • gewerbliches Reinigungspersonal, das für Reinigungsarbeiten in Verwaltungs- und Sozialräumen des Betriebs beschäftigt wird,
  • gewerbliche Arbeitnehmer, die ausschließlich am Betriebssitz als Lagerist beschäftigt sind und
  • Schulabgänger, die innerhalb von zwölf Monaten nach Beendigung ihrer Schulausbildung bis zu einer Gesamtdauer von 50 Arbeitstagen beschäftigt werden.

Sonderregelungen beim gesetzlichen Mindestlohn kennen

Zu diesen branchenspezifischen Ausnahmen kommen weitere gesetzliche Vorgaben, die die Zahlung des allgemeinen Mindestlohns einschränken. Er gilt nicht für

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung,
  • Auszubildende im Rahmen der Berufsausbildung,
  • Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate ihrer Beschäftigung nach Beendigung der Arbeitslosigkeit,
  • Praktikanten, wenn das Praktikum verpflichtend im Rahmen einer schulischen Ausbildung stattfindet,
  • Jugendliche, die an einer Einstiegsqualifizierung als Vorbereitung zur Berufsausbildung oder anderen Berufsbildungsvorbereitung nach dem Berufsbildungsgesetz teilnehmen,
  • Praktikanten, wenn das Praktikum freiwillig bis zu einer Dauer von drei Monaten zur Orientierung für Berufsausbildung oder Studium dient, und
  • ehrenamtlich Tätige.

Ein Firmenchef muss also nicht nur genau prüfen, welche seiner Beschäftigten in welche Mindestlohn-Kategorie fallen, sondern auch noch verschiedene Sonderreglungen im Auge behalten. Dazu sollte beispielsweise eine Praktikanten-Strategie gehören.

Änderungen beim Mindestlohn zu Jahresbeginn analysieren

Das Thema – nicht zuletzt mit Blick auf die steigende, aber weiterhin relativ geringe Zahl an Kontrollen durch den Zoll beziehungsweise dessen Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) – einfach zu ignorieren, wäre grundfalsch. Die Strafen für Verstöße gegen das Mindestlohngesetz sind empfindlich. Zu Jahresbeginn müssen mit dem Steuerberater alle den Betrieb betreffenden Änderungen beim gesetzlichen wie auch beim tariflichen Mindestlohn analysiert und in die Lohnabrechnung eingebaut werden, damit es bei der nächsten Betriebsprüfung oder einem Besuch vom Zoll keine böse Überraschung gibt.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.