Personal & Führung

Achtung: Neue Regelungen beim Mindestlohn

Obwohl der gesetzliche Mindestlohn 2018 bei 8,84 Euro bleibt, müssen viele Branchen zusätzliche Tarifvereinbarungen oder politische Vorgaben umsetzen. Betroffene Unternehmen sollten dringend mit Ihrem Steuerberater oder Rechtsanwalt klären, ob sie ihre Kalkulationen anpassen müssen.

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Alle zwei Jahre beschließt die Mindestlohnkommission eine neue bundesweit gültige Lohnuntergrenze: Weil der gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar 2017 auf 8,84 Euro pro Stunde erhöht wurde, kann er erst wieder Anfang 2019 steigen. In der Zwischenzeit kochen allerdings die Tarifpartner ihr eigenes Süppchen, und auch die Politik mischt sich weiter ein – darum gehört das Thema bei vielen Unternehmen auch zu diesem Jahreswechsel wieder bei der Personal- und Kostenplanung auf die Tagesordnung. Steuerberater und Rechtsanwälte helfen, Fehler zu vermeiden.

Höherer Mindestlohn in der Baubranche

Betroffen sind vor allem die Betriebe des Baugewerbes. Denn der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) haben sich mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt auf neue Tarife geeinigt. Der Mindestlohn in den Guppen 1 und 2 steigt demnach zum 1. Januar 2018 und noch einmal ab März 2019. In Berlin gelten zudem Sonderregelungen für die Lohngruppe 2.

Lohngruppe 1 Lohngruppe 2 Lohngruppe 2 (Berlin)
Zum 1. Januar 2018 11,75 Euro 14,95 Euro 14,80 Euro
Ab März 2019 12,20 Euro 15,20 Euro 15,05 Euro

Das bedeutet zum Beispiel: Wer etwa Minijobber beschäftigt und die Verdienstobergrenze von 450 Euro im Monat einhalten muss, kann sie nicht einmal mehr 38,3 Stunden pro Monat einsetzen. Ihr rechnerischer Anspruch auf Basis des künftigen tariflichen Mindestlohns von 11,75 Euro läge dann nämlich bei 450,03 Euro – der Teufel steckt also im Detail! Mit dem Steuerberater sollten Sie die entsprechenden Verträge prüfen und Einsatzpläne anpassen. Außerdem müssen die neuen Sätze natürlich sofort in allen Planungstools hinterlegt werden, um in Angeboten die bereits in wenigen Wochen steigenden Kosten zu berücksichtigen.

Sonderfall: landwirtschaftliche Betriebe

Besonders kompliziert ist die Situation in landwirtschaftlichen Betrieben: Dort sind tariflich ab 1. November mindestens 9,10 Euro pro Stunde fällig statt wie bisher 8,60 Euro. Ab Januar 2018 gilt dann aber branchenunabhängig der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro. Das Entgelt kann kommendes Jahr jedoch nicht einfach von 9,10 auf 8,84 Euro gesenkt werden, dies bedarf einer schriftlichen Vereinbarung mit dem Mitarbeiter. Hier ist also neben dem Steuerberater auch noch der Rechtsanwalt gefragt.

Lohnanpassungen in weiteren Branchen

Auch in anderen Branchen sind rund um den Jahreswechsel Lohnanpassungen erforderlich. Für Unternehmen, die Geld- und Wertdienste erbringen, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales so zum Beispiel die „Zweite Verordnung über zwingende Arbeitsbedingungen für Geld- und Wertdienste (Zweite Geld- und Wertdienstearbeitsbedingungenverordnung – GeldWertArbbV2)“ beschlossen. Damit ist qua Gesetz eine neue Lohnuntergrenze vorgegeben. In manchen Branchen, beispielweise der Fleischindustrie oder bei den Gebäudereinigern,laufen die Verhandlungen noch. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.