Mitarbeiter & Ausbildung

Girls‘ Day und Boys‘ Day 2022 für Nachwuchsarbeit nutzen

Viele Ju­gend­li­che ha­ben In­for­ma­tio­nen über nur we­ni­ge Be­ru­fe. Ih­nen kön­nen Un­ter­neh­men am Girls' Day und Boys' Day neue Ein­blicke ge­ben. Das soll­te je­der Be­trieb bei sei­ner Stra­te­gie zur Ge­win­nung von Fach­kräf­ten be­rück­sich­ti­gen, um mehr jun­ge In­ter­es­sen­ten zu finden.

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Noch immer bestimmt die Pandemie weitgehend das Denken und Handeln vieler Unternehmerinnen und Unternehmer. Verständlich – zahlreiche Betriebe hielten sich in den vergangenen zwei Jahren nur mithilfe staatlicher Unterstützungsprogramme über Wasser. So manche Märkte und Marketingmöglichkeiten scheinen kaum noch zu existieren. Insofern dürften nicht nur die diskutierten Lockerungen von Einschränkungen in Wirtschaft und Gesellschaft ein Signal der Hoffnung sein. Sondern vor allem auch jene Veranstaltungen, die vor der Krise wie selbstverständlich stattfanden und langsam versuchen, wieder zur alten Routine zurückzukehren – falls nötig mit anderen Mitteln. Ein sichtbares Ereignis war unlängst das Filmfest Berlinale, ein weiteres – das potenziell jedes Unternehmen betrifft – steht bald an. Am 28. April findet der Girls‘ Day und Boys‘ Day 2022 statt. Er soll Schülerinnen und Schüler motivieren, sich vorurteilsfrei mit Berufen zu beschäftigen, die lange als reine Männer- oder Frauendomänen galten. Idealerweise entscheiden sich danach Mädchen beispielsweise für eine Ausbildung als Mechatronikerin – und Jungen werden etwa Kindergärtner.

Am Girls‘ Day und Boys‘ Day erhalten Jugendliche neue Einblicke

2022: Digitale Formate oder Präsenzveranstaltungen anbieten

Infos im Internet nutzen, aber auch Anwaltskanzlei einschalten

Mehr Absicherung durch Angebote über offizielle Webseite

Am Girls‘ Day und Boys‘ Day erhalten Jugendliche neue Einblicke

Einigen wenigen Traditionalisten gilt der Girls‘ Day und Boys‘ Day auch 2022 als Versuch der Gleichmacherei von Mädchen und Jungen – quasi „Genderwahn“. Tatsächlich jedoch dient er nicht nur dazu, jungen Leuten tiefere Einblicke in Berufsbilder zu verschaffen, die ihnen bislang weitgehend unbekannt waren – was einigen eine unerwartete Karriereperspektive eröffnet. Viele Unternehmen betrachten den Girls‘ Day und Boys‘ Day inzwischen als probates Mittel, um einem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. Denn was bringt das beste Assessment Center oder modernste Talent Management, wenn man nicht zuvor jemanden für die Branche interessiert? Selbst für kleine Betriebe gehört deshalb zu einer durchdachten Personalstrategie, nicht nur Auszubildende im Unternehmen gezielt zu fördern. Sondern frühzeitig potenzielle Nachwuchskräfte für die Berufsbilder im eigenen Wirtschaftsbereich zu begeistern, beispielsweise durch Praktika für Schüler und Schülerinnen. Kontakte dafür lassen sich unter anderem auch am Girls‘ Day und Boys‘ Day knüpfen – wer danach ein Praktikum antritt, hat es oft viel bewusster ausgewählt.

Girls‘ Day 2022 soll Mädchen etwa für Technologie interessieren

Ein wesentlicher Aspekt zur Einordnung des Girls‘ Day 2022 und Boys‘ Day 2022 ist, dass Frauen einen geringeren Digital-Index als Männer erreichen. Auf einer 100-Punkte-Skala beträgt laut Studie „Digital Gender Gap“ der Initiative D21 ihr durchschnittlicher Digitalisierungswert 51, bei Männern 61. Durch alle Altersklassen haben Mädchen und Frauen bei Interessen, Kompetenzen und Wissensaneignung mit Blick auf digitale Technologien geringere Werte. Selbst die Einschätzung ihrer Fertigkeiten zum Bedienen von Office-Anwendungen bleibt unter den Werten der Jungen und Männer. „Dabei bringt mehr Diversität in den Entwicklungsteams für digitale Werkzeuge und Anwendungen mehr Nutzen für vielfältige gesellschaftliche Gruppen und mehr an Qualität in den Ergebnissen“, betont Professorin Barbara Schwarze, Vorsitzende des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit. Wenn Unternehmen die Chancen der Digitalisierung umfassend nutzen wollen, sollten sie das Potenzial der Frauen nutzen, deren digitalen Fähigkeiten und Fertigkeiten fördern und ein Plus an Kreativität und Kompetenz gewinnen – beginnend schon mit Informationsangeboten oder Praxiserfahrungen am Girls‘ Day.

Boys‘ Day 2022 soll Jungen etwa über Pflegeberufe informieren

Am Girls‘ Day 2022 und Boys‘ Day 2022 geht es nicht nur darum, Mädchen über Digitalisierung und technische Berufe zu informieren. Ebenso sollen Jungen mehr über vermeintliche Frauenberufe erfahren, etwa in Erziehung und Pflege. Denn auch hier beklagen – unabhängig von der Pandemie – viele Betriebe seit Jahren einen massiven Fachkräftemangel. Deshalb ist es naheliegend, am Boys‘ Day über berufliche Perspektiven in solchen Bereichen aufzuklären. Den Sinn dieser Aktion bestätigen Studien, die mit Geschlechterklischees aufräumen. Laut einer Auswertung des Ausbildungsreports 2019 des Deutschen Gewerkschaftsbundes für das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit bewerten junge Männer in einer Ausbildung in weiblich dominierten Berufen sie im Vergleich zu den weiblichen Mitauszubildenden positiver. Junge Männer sind zu 69 Prozent zufrieden, junge Frauen lediglich zu 62 Prozent. Es geht darum, dass stärker die Talente und Interessen junger Menschen ihre Berufsentscheidung bestimmen – nicht das Geschlecht. Von der damit verbundenen größeren Zufriedenheit dürften die Arbeitgeber durch mehr Engagement und Leistung profitieren.

2022: Digitale Formate oder Präsenzveranstaltungen anbieten

Natürlich kann der Girls‘ Day und Boys‘ Day auch 2022 nicht genauso stattfinden wie vor der Pandemie. Für viele Veranstaltungen dürften sich wie 2021 digitale Formate anbieten. Unternehmer und Unternehmerinnen können ihren Betrieb in Videokonferenzen vorstellen, virtuelle Rundgänge anbieten oder ähnliche Möglichkeiten nutzen, die sich vergangenes Jahr bewährt haben. Vielerorts erhöhen aber auch absehbaren Lockerungen sowie der Termin spät im Frühling die Chance für Präsenzveranstaltungen. Kein Problem dürfte das in der Land- und Forstwirtschaft sowie diversen Handwerksbetrieben etwa der Baubranche sein, wo sowieso viel Arbeit draußen stattfinden. Bei gutem Wetter ist Corona dann kein Problem. Aber auch in Unternehmen, die am Girls‘ Day und Boys‘ Day sonst Produktionshallen oder Büros öffnen, dürfte 2022 mehr möglich sein. So mancher Betrieb plant schon wieder mit Gästen aus Schulen in den Werk- oder Ausbildungsstätten, wo sich noch immer am besten für Berufe werben lässt. Wichtig ist, dass Unternehmen jetzt schnell alle Alternativen prüfen.

Infos im Internet nutzen, aber auch Anwaltskanzlei einschalten

Unterstützung bei der Planung des Girls‘ Day 2022 oder Boys‘ Day 2022 gibt es auf den offiziellen Webseiten oder auch bei Wirtschaftskammern. Hier finden sich unter anderem Tipps zur Vorbereitung oder Unterrichtsmaterialien sowie Informationen dazu, was typische Mädchen- oder Jungen-Berufe sind und was man gegen diese Vorurteile tun kann. Wichtig für Unternehmen ist außerdem der Überblick über den Rechts- und Versicherungsrahmen. Einige wesentliche Aspekte adressieren die offiziellen Webseiten. Es kann aber nie schaden, wenn Unternehmerinnen und Unternehmer bei der Planung eines Girls‘ Day oder Boys‘ Day auch Rücksprache mit ihrer Anwaltskanzlei halten. Die Fachleute dort können spezifische Fragen klären und so noch mehr Sicherheit geben.

Versicherungsfragen zu Girls‘ Day und Boys‘ Day 2022 klären

Diese Punkte sollten Unternehmerinnen und Unternehmer beim Planen eines Girls‘ Day 2022 oder Boys‘ Day 2022 unbedingt beachten:

  • Versicherung bei Onlineveranstaltungen. Wer zu Hause an digitalen Angeboten teilnimmt, ist grundsätzlich über die eigenen Familienversicherungen versichert. In manchen Bundesländern kann die Unfallversicherung der Schulen weiteren Versicherungsschutz bieten. Wer in der Schule am digitalen Angebot teilnimmt, ist über die gesetzliche Unfallversicherung der Schule versichert.
  • Versicherung bei Präsenzangeboten. Gilt die Veranstaltung als Schulveranstaltung, greift die gesetzliche Unfallversicherung über die Schule. Bei einem Unfall am Veranstaltungsort oder Wegeunfall ist das Schulsekretariat zu kontaktieren. Steht das Angebot auf der Webseite des Girls‘ Day beziehungsweise Boys‘ Day, sind die Mädchen oder Jungen zusätzlich zur Schule über eine subsidiäre Versicherung durch die bundesweite Koordinierungsstelle unfallversichert. Diese haftet, wenn es sich nicht um eine Schulveranstaltung handelt. Haftpflichtversichert sind die Jugendlichen in der Regel über ihre Familie. Steht das Angebot auf der Website des Girls‘ Day oder Boys‘ Day, genießen die Mädchen oder Jungen auf jeden Fall einen subsidiären Haftpflichtschutz. Er greift, falls keine Familienhaftpflicht existiert.
  • Jugendarbeitsschutzgesetz. Beim Girls‘ Day beziehungsweise Boys‘ Day handelt es sich um ein schulisches Projekt zur Berufsorientierung. In diesem Rahmen gelten Angebote als schulisches Betriebspraktikum. Deshalb sind sie von den §§2 und 5 des Jugendarbeitsschutzgesetzes ausgenommen, die die Beschäftigung von Kindern und vollzeitschulpflichtigen Jugendlichen verbieten.
  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Laut Antidiskriminierungsstelle des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) verstößt die Veranstaltung eines Girls‘ Day beziehungsweise Boys‘ Day, der sich ja ausdrücklich an eine spezifische Personengruppe richtet, nicht gegen das AGG. Solch ein Zukunftstag ist im Rahmen des Gleichstellungsgesetzes eine geeignete und zulässige Maßnahme, um eine bestimmte Personengruppe anzusprechen.
  • Sanitäre Anlagen. Getrennte Toiletten für Männer und Frauen sind nicht zwingend vorgeschrieben. Es reicht aus, wenn die getrennte Nutzung ermöglicht wird. Selbst eine Toilette genügt, solange sie sich durch Abschließen getrennt nutzen lässt.

Mehr Absicherung durch Angebote über offizielle Webseite

Eine wichtige Frage ist natürlich auch, wie Unternehmen die Mädchen und/oder Jungen für ihre Branche und für sich interessieren. Besonders gute Karten haben jene Betriebe, die traditionell engen Kontakt zu den Schulen der Region pflegen. Sie sind der Institution bekannt und können bestenfalls ihre Veranstaltungen gemeinsam mit dem Lehrpersonal planen. Oder zumindest das auf der Webseite des Girls‘ Day beziehungsweise Boys‘ Day verfügbare Werbematerial nutzen, um in und um Schulen auf sich aufmerksam zu machen. Wer keine Kontakte hat, kann seine Angebote oder Veranstaltungen aber auch auf dem sogenannten Radar des Girls‘ Day 2022 oder Boys‘ Day 2022 veröffentlichen. Dort haben Jugendliche die Möglichkeit zu einer regionalen Suche. Unternehmen können ihre Angebote direkt eintragen sowie etwa mit ihrem Logo versehen. Diese Eintragung ist übrigens schon aus versicherungsrechtlichen Gründen sehr empfehlenswert. Denn dann genießen Mädchen oder Jungen im Betrieb einen erweiterten Versicherungsschutz über die Bundeskoordinierungsstelle des Girls‘ Day beziehungsweise Boys‘ Day.

Auch DATEV beteiligt sich am Girls‘ Day 2022 und hat ein entsprechendes Angebot beim Radar eingestellt. Mehr zu einer Ausbildung bei DATEV zeigt folgendes Video.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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