Organisation & Management

Mediation zwischen Un­ter­neh­men bie­tet vie­le Vorteile

Bei Streit­fäl­len im und zwi­schen Un­ter­neh­men bie­tet die Me­dia­tion gro­ße Vor­tei­le. Ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung klappt so oft schnel­ler und bes­ser. Ge­richts­ver­fah­ren dau­ern häufig län­ger und sind teu­rer. Die Me­dia­tion soll­te aber zu­vor mit dem An­walt be­spro­chen werden.

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Wenn zwei sich streiten, greift hierzulande oft nicht mehr der Richter ein, sondern der Schlichter. Die einvernehmliche Beilegung von Meinungsverschiedenheiten auf dem Wege der Mediation ist sehr gefragt. Auch bei Unternehmen und nicht mehr nur wie bereits seit Jahren bei Privatleuten, etwa für Auseinandersetzungen im Bereich des Familienrechts. Zu Konflikten kann es im Unternehmensalltag immer mal kommen, sei es mit Beschäftigten, Kunden, Zulieferern oder Wettbewerbern. Gerade für kleinere Betriebe ist es empfehlenswert, Streitigkeiten ohne lange und teure Gerichtsverfahren beizulegen. Tipps zum Ablauf der Mediation im Unternehmen beziehungsweise zwischen Unternehmen sowie für Aufbau und Meditationsverfahren und damit verbundenen Vorteilen sowie Tipps rund um den Ablauf gibt es beim Anwalt oder der Anwältin. Den richtigen Mediator findet man im Idealfall über Empfehlungen anderer Unternehmen. Denn nicht jeder Streitschlichter ist für jedes Thema geeignet.

Mediation – was ist das?

Anders als in einem Gerichtsverfahren entscheiden nicht Richter die Streitfrage. Ziel der Mediation zwischen Unternehmen ist, eine kooperative Lösung zu finden, die Vorteile für alle Beteiligten bringt. Der Mediator berät die Parteien neutral und führt sie strukturiert durchs Gespräch, um eine Einigung herbeizuführen. Seit 2012 regelt das Mediationsgesetz die Details und Vorgaben, die das Mediationsverfahren selbst sowie die gesprächsführende Person erfüllen müssen – häufig Anwälte oder Steuerberater mit Zusatzausbildung zum Mediator. Bei der Mediation geht es darum, zuerst die Interessen der Parteien offenzulegen. So lassen sich leichter Missverständnisse klären und anschließend gemeinsam Lösungen finden. Die Beteiligten legen dafür fest, was Thema ist und worüber sie verhandeln wollen. Hierfür sollten Unternehmer sich Tipps vom Anwalt beziehungsweise der Anwältin holen. Die Vorgaben für den Ablauf einer Mediation sind weniger eng als bei Gerichtsverfahren, wo die Richter nach Gesetz und vorheriger höchstrichterlicher Rechtsprechung urteilen.

Gütliche Einigung durch offene Gespräche

Entscheidend bei einer Mediation für oder zwischen Unternehmen: Die Beteiligten müssen das Streitschlichtungsverfahren ernst nehmen und mit offenen Karten spielen. Zunächst bekommen die Beteiligten die Gelegenheit, die Situation aus ihrer jeweiligen Sicht darzustellen. Höflichkeit und Ehrlichkeit sind hier Trumpf und Basis für eine spätere gütliche Einigung. Und wie stets macht der Ton die Musik. Der Mediator fasst die Informationen neutral zusammen und klärt mit den Parteien, worüber genau sie verhandeln wollen. Diese Punkte arbeiten die Gesprächspartner nach einem gemeinsam festgelegten Ablauf ab. Der Mediator oder die Mediatorin hilft in der Diskussion, entscheidende Aspekte herauszuarbeiten: Was ist den Parteien beim jeweiligen Punkt wichtig? Welche Motivation steht hinter einer Forderung? Welche persönlichen und wirtschaftlichen Interessen haben die Parteien? Was gehört aus ihrer Sicht unbedingt zu einer gütlichen Einigung? Unternehmer sollten die Mediation mit anwaltlicher Unterstützung vorbereiten und Tipps für Szenarien im Mediationsverfahren erbitten, um adäquat reagieren zu können.

Mediation hat für Unternehmen viele Vorteile

Eine Mediation zwischen Unternehmen hat viele Vorteile. Die Konfliktparteien steuern – anders als vor Gericht – das Mediationsverfahren, nicht ein Richter. Sie kontrollieren Aufbau und Ablauf der Mediation mit, sie können auf Angebote der Gegenseite sowie Tipps vom Mediator reagieren. Weil sie freiwillig teilnehmen, können die Unternehmen jederzeit entscheiden, ob sie die Verhandlungen fortführen oder abbrechen. Ein weiterer Unterschied zum Gerichtsverfahren: Neben juristisch relevanten Argumenten erleichtert die Berücksichtigung wirtschaftlicher, persönlicher sowie emotionaler Aspekte die Lösungssuche. Die Mediation bietet Unternehmen die Freiheit, innerhalb des rechtlichen Rahmens individuelle Vereinbarungen zu treffen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bestimmen das Ergebnis selbst – natürlich mithilfe anwaltlicher oder Steuerberater-Unterstützung. Erklärtes Ziel der Mediation ist eine Lösung, mit der beide Seiten leben können. Auch das unterscheidet dieses Verfahren von einem Prozess, der meistens das Ende der persönlichen und Vertrags- beziehungsweise Geschäftsbeziehungen einläutet. Sicher auch, weil vom Gerichtsverfahren grundsätzlich die Öffentlichkeit erfährt, während eine Mediation vertraulich bleibt.

Der Anwalt gibt Tipps für die Strategie im Mediationsverfahren

In der Mediation nicht nur zwischen Unternehmen verständigen sich die beiden Parteien zunächst gemeinsam über das Thema und die Probleme. Anschließend entwickeln sie zusammen Lösungsoptionen, die sie aus ihrer jeweiligen Sicht bewerten. In der Mediation besprechen die Unternehmen offen die Vorteile und Nachteile möglicher Kompromisse und die Schmerzgrenzen der Beteiligten. Das Ziel: sich gütlich zu einigen. Dies zeichnet den Ablauf einer Mediation zwischen Unternehmen aus, bei der auch der Mediator oder die Mediatorin mit Tipps unterstützt. Wenn beide Seiten gesprächsbereit sind, dauert die Einigung so lange, wie es eben notwendig ist. Hauptsache, der Kompromiss passt und es bleiben Fortschritt und Bereitwilligkeit im Lauf des Streitschlichtungsverfahrens erkennbar.

Mediation bietet sich für viele Konflikte an

Die für alle passende Lösung fixieren die Beteiligten mithilfe des Mediators in einem rechtsverbindlichen Vertrag. Insbesondere bei vielschichtigen Konflikten bietet die Mediation zwischen Unternehmen oft enorme Vorteile gegenüber einem Urteil vor Gericht. Das gilt vor allem, wenn Emotionen eine wirtschaftlich sinnvolle Verhandlungslösung erschweren oder die widerstreitenden Interessen in extrem unterschiedliche Richtungen gehen. Die für Mediation in Frage kommenden Meinungsverschiedenheiten im Betrieb können vielfältig sein: zwischen Unternehmen, zwischen Unternehmen und ihrem Umfeld – etwa mit der Nachbarschaft ­– oder Behörden oder auch auf der Managementebene. Mit dem Anwalt oder der Anwältin sollten Unternehmer außerdem die Frage klären, ob beziehungsweise wie ihr Betrieb die Privatkunden auf die Möglichkeit der Streitschlichtung hinweisen muss.

Für unternehmensinterne Konflikte einen Dritten hinzuzuziehen, mag sich für manchen Firmenchef oder manche Firmenchefin zunächst unvorstellbar anhören. Aber gerade in sehr familiär geführten Betrieben kann ein Vermittler von außen sehr hilfreich sein. Den Rat des vertrauten Steuerberaters einzuholen, ist bei Nachfolgeentscheidungen immer ebenso ratsam, wie den Anwalt einzuschalten. Möglicherweise ergibt sich aus dem Gespräch, dass eine etwas umfassendere Mediation zur Begleitung des Nachfolgeprozesses hilfreich sein könnte. Manche in Nachfolgesituationen nicht ganz untypische Konflikte können Betriebe durch ein Mediationsverfahren gut vermeiden oder lösen.

Mediation zwischen Unternehmen geht in jedem Bereich

Die Mediation zwischen Unternehmen hat Vorteile für viele Arten von Streitigkeiten quer durch alle Branchen und Themenbereiche. Das reicht von der Bau- und Immobilienwirtschaft bis hin zum Patentrecht. Für Auseinandersetzungen mit Auszubildenden ist die Schlichtung bei der IHK sowieso Pflicht, bevor ein Streit vor das Arbeitsgericht gehen kann. Firmenchefs sollte das nur recht sein – schon mit Blick auf die Zeit und die Kosten. Während Gerichtsverfahren oft Jahre dauern, sind es bei Mediationsverfahren zuweilen nur einige Tage. Etwas Aufwand gilt es natürlich einzuplanen, um sich im Vorfeld anwaltliche Tipps zu holen. Mit ihrem Anwalt sollten Unternehmerinnen und Unternehmer die rechtlichen Schritte und deren möglichen Ablauf klären. Auch denkbare Szenarien für den Verlauf der Mediation und entsprechende Reaktionen sollten sie besprechen. Gerade bei komplexen Streitigkeiten ist die Mediation oft der schnellere und insgesamt günstigere Weg zur Einigung. Laut IHK Darmstadt kostet die Mediationsstunde im Schnitt 150 Euro.

In manchen Fällen führt Mediation in die Sackgasse

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen eine Mediation zwischen Unternehmen keine Vorteile bringt, sondern den Schaden womöglich sogar vergrößert. Die Einigung über ein Mediationsverfahren kostet zwar in der Regel weniger und dauert auch kürzer. Aber dies setzt die Bereitschaft zu einer Einigung voraus. Ist diese nicht vorhanden, verursacht Mediation schlimmstenfalls nichts als unnötige Kosten – und womöglich befeuert sie den Streit sogar noch. Natürlich ist die kooperative Einigung manchmal den auch wenig aussichtsreichen Versuch wert. Nicht ratsam ist eine Mediation allerdings, wenn die Fronten bereits verhärtet sind. Hier sollten Unternehmer und Unternehmerinnen klar abwägen. Natürlich erst nach Rücksprache mit ihrem Anwalt darüber, was durch eine Mediation für das eigene Unternehmen auf dem Spiel stehen könnte.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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