Trends & Innovationen

Klimaschutz im Un­ter­neh­men bei je­der Ent­schei­dung mitdenken

Durch mehr Kli­ma­schutz in Un­ter­neh­men kann die Wirt­schaft beim Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del hel­fen. Chan­cen da­für gibt es an vie­len Stel­len. Das be­ginnt beim Ein­kauf nach­hal­ti­ger pro­du­zier­ter Ma­te­ri­a­lien und reicht bis zur ei­ge­nen Strom­er­zeugung per Solaranlage.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Klimaschutz ist das Gebot der Stunde – auch für Wirtschaft und Unternehmen. Schlagzeilen macht beispielsweise der Green Deal der EU-Kommission. Sie setzt zum Erreichen ihrer Klimaziele unter anderem auf die European Clean Hydrogen Alliance. Sauberer Wasserstoff soll entscheidend helfen, dass die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 und bis 2050 auf Null sinken. Auch Deutschland verfolgt eine nationale Wasserstoffstrategie, um den Umstieg auf Wasserstoff als Energieträger und Produktionsmittel etwa der Chemie- und Stahlindustrie voranzubringen. Ebenso wichtig wie diese großen Programme ist jedoch, dass jeder einzelne Betrieb in der täglichen Arbeit und bei den Investitionsentscheidungen die Klimaneutralität im Blick behält. Frei nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ lässt sich so in der Summe viel gegen den Klimawandel tun. Deshalb sollten alle Unternehmer und Unternehmerinnen mit ihren Beschäftigten prüfen, was man gemeinsam für mehr Klimaschutz im Unternehmen tun kann. Und die Öffentlichkeit darüber informieren. Jede kleine Initiative hilft.

Klimaschutz im Unternehmen heißt Energiesparen

Eigene Stromerzeugung trägt zum Klimaschutz bei

E-Autos kaufen oder kleine, saubere Verbrenner fahren

Weniger Reisen für Klimaschutz in der Wirtschaft

Klimaschutz im Unternehmen durch die Beschäftigten

Klimaschutz im Unternehmen heißt Energiesparen

Ein guter Einstieg in den Klimaschutz ist für Unternehmen ein Energieaudit, das die wesentlichen Verbraucher offenlegt und Verschwendung entlarvt. Ohne Überblick, wo Strom, Öl, Gas, Wärme oder Kälte sinnlos eingesetzt werden, kann die Wirtschaft keinen wirklich weitreichenden Klimaschutz leisten. Darum sollten Unternehmer und Unternehmerinnen ein Team bilden, dass regelmäßig der Frage nachgeht, wo sich Potenziale für mehr Energieeffizienz finden. Sie können sich von Fachleuten zeigen lassen, wie es um den Klimaschutz steht, und auf dieser Basis dann kontinuierlich weitere Verbesserungen vorantreiben. Vorgeschrieben sind Energieaudits für Betriebe ab 250 Beschäftigten, 50 Millionen Euro Jahresumsatz oder einer Bilanzsumme von 43 Millionen Euro. Profitieren kann davon aber jedes Unternehmen – bei der Auditoren-Suche hilft die Online-Datenbank des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Kleinere Firmen, die mit der Analyse weitere Einsparmöglichkeiten im Unternehmen identifizieren wollen, können auch Geld von der Bafa erhalten. Es gibt maximal 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten oder 6.000 Euro.

Dämmung, Heizung und Klimatisierung im Betrieb optimieren

Wollen Unternehmen wirklich etwas für den Klimaschutz tun, müssen sie auf vielen Feldern aktiv werden. Im Fokus stehen sollten insbesondere die Firmengebäude und die dort genutzten Anlagen. Hier lässt sich bei Heizung und Klimatisierung, bei der Beleuchtung und beim Einsatz technischer Geräte erfahrungsgemäß viel Energie einsparen. Zur Steigerung der Energieeffizienz gehört unter anderem guter Wärmeschutz bei Wänden, Dächern und Fenstern. Eine bessere Dämmung kann bis zu 20 Prozent Energieeinsparung bringen. Wichtig ist für den Klimaschutz auch in der Wirtschaft ein kritischer Blick auf die Heizungsanlage. Schon der hydraulische Abgleich bei bestehenden Anlagen verspricht Einsparungen von bis zu 15 Prozent. Ältere Umwälzpumpen lassen sich leicht gegen Hocheffizienzpumpen austauschen. Oder die ganze Heizungsanlage wird ersetzt. Auch Lüftung und Klimatisierung lassen sich optimieren. Die Anlagen können modernisiert und dann nach den Berechnungen der Fachleute besser genutzt werden. Die Beleuchtung lässt sich etwa durch den Einsatz von LED-Leuchten oder bessere An-Aus-Steuerung deutlich verbessern.

Alte Anlagen erneuern und Abwärme besser nutzen

Den vielleicht größten Effekt erreichen viele Unternehmen beim Klimaschutz, wenn sie ihre Produktion optimieren oder ganze Anlagen austauschen. Beim Einsatz von Druckluft etwa entweichen in Industrie und verarbeitendem Gewerbe bis zu 60 Prozent durch Undichtigkeiten. Deshalb sollten Lecks gleich behoben werden und kontinuierliche Prüfungen des Druckluftsystems obligatorisch sein. Alte Kompressoren könnten erneuert, der Druck besser eingestellt sowie die Systeme mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet werden. Gerade beim Umgang mit Wärme, Abwärme und Kälte kann die Wirtschaft einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Industriebetriebe verschwenden hier viel Energie, weil keine integrierten Systeme existieren oder noch veraltete Technik zum Einsatz kommt. Dabei gibt es Möglichkeiten, Bereiche und Prozesse so aufeinander abzustimmen, dass sich etwa Abwärme nutzen lässt, statt Wärme zu erzeugen. Wie das Beispiel eines Mittelständlers aus Westfalen zeigt, kann ein Unternehmen seinen Strom- und Gasverbrauch mit einem guten Plan binnen eines Jahres um zehn Prozent senken und bis 2030 klimaneutral sein.

Eigene Stromerzeugung trägt zum Klimaschutz bei

Am besten ist für den Klimaschutz durch Wirtschaft und Unternehmen jede Kilowattstunde Strom, die nicht benötigt wird. Aber der Energieverbrauch lässt sich nirgends auf Null drücken. Deshalb ist es wichtig, auf klimaneutrale Energie zu setzen. Strom aus erneuerbaren Quellen, insbesondere Windrädern, Solarparks oder Biogas-Anlagen, gehört die Zukunft. Also sollten Unternehmerinnen und Unternehmer prüfen, ob sie auf fossile Energieträger wie Gas verzichten und auf Strom umsteigen können. Der wiederum sollte natürlich Grünstrom sein, also nicht aus der Verbrennung von Kohle und Gas stammen. Lässt sich der Einkauf CO2-basierter Energie nicht vermeiden, können Unternehmen etwa in Wiederaufforstungsprojekte investieren und damit zum Klimaschutz beitragen. Häufig lohnt sich auch die Produktion von Eigenstrom. Inzwischen sind zahlreiche verschiedene Technologien verfügbar und bezahlbar, die dies ermöglichen. Das reicht von großen Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Produktionshallen über kleine Windräder für Gewerbegebiete bis zum Blockheizkraftwerk, das mit Biomethan betrieben wird. Solche Anlagen sind allerdings zu melden.

Für mehr Klimaschutz müssen die Unternehmen rund die Hälfte der EEG-Umlage tragen

E-Autos kaufen oder kleine, saubere Verbrenner fahren

Nicht nur die Industrieproduktion verbraucht viel Energie, sondern auch der Verkehr. Wollen Unternehmen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten, müssen sie sich daher dem für die Wirtschaft so wichtigen Thema Mobilität zuwenden. Das beginnt natürlich bei der Frage, wie der Fuhrpark sich zusammensetzt. Die Anschaffung von E-Autos im betrieblichen Einsatz fördert der Staat intensiv, und E-Nutzfahrzeuge sind inzwischen ebenfalls eine interessante Alternative. Ein aktuelles Programm des Bundes zur Förderung leichter und schwerer Nutzfahrzeuge mit Elektro-, Hybrid- oder Brennstoffzellen-Antrieb ist gerade ausgelaufen. Es gibt aber auch Angebote der Länder, und vom Bund dürfte künftig ebenfalls eine neue Unterstützung zu erwarten sein. Wichtig ist zudem, als Unternehmen mit Blick auf den Klimaschutz einen Fuhrpark so auszulegen, dass möglichst viele kleinere Fahrzeuge mit im Verbrauch sparsamen Verbrennungsmotoren zum Einsatz kommen, falls Elektroautos noch keine Alternative sind. Die Regelungen für Dienstwagen als Gehaltsbestandteil etwa könnten mit Blick auf den Klimaschutz schwere, hochmotorisierte SUVs ausschließen.

Klimaschutz in Unternehmen durch eigene E-Ladestationen

Besonders wirkungsvoll wäre für den Klimaschutz im Unternehmen beim Thema Mobilität, den Umstieg auf E-Autos und die eigene Stromerzeugung zu kombinieren. Die Fahrzeuge könnten dann auf dem Firmengelände mit selbsterzeugtem Strom aufgeladen werden. Um das Tanken in Stoßzeiten zu garantieren, sollten Unternehmen ausreichend Ladesäulen im Betrieb installieren. Auch hierfür laufen derzeit Förderprogramme.

Weniger Reisen für Klimaschutz in der Wirtschaft

Will die Wirtschaft den Klimaschutz ernstnehmen, sollten die Unternehmen jedoch ihre bisherige Reisepolitik hinterfragen. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Beschäftigten zwar nicht auf alle, aber doch viele Dienstreisen verzichten können. Um den ökologischen Fußabdruck des Betriebs zu verbessern, sollten Unternehmer und Unternehmerinnen kritisch hinterfragen, wer wie lange für Messen, Tagungen oder Kundenbesuche unterwegs sein muss. Lässt sich die Reise nicht vermeiden, sollten Reiserichtlinien vorgeben, dass möglichst die Bahn sowie ein Hotel mit einem hohen Öko-Standard zu nutzen sind. Zum Reduzieren der Mobilität sollte auch gehören, mehr Beschäftigten die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen. Hier hat Corona ebenfalls gezeigt, was alles geht. Die Digitalisierung kann viele emissionsintensive Fahrten überflüssig machen, ohne dass darunter die Produktivität leidet. Nur sollten Unternehmen für ihre Anstrengungen beim Klimaschutz auch hier einen guten Plan haben, damit Mobilität sinnvoll reduziert wird und das Homeoffice in der Praxis reibungslos klappt. Dazu liefert folgendes Video einige Informationen.

httpv://youtu.be/_4jj5x4AhNE

Klimaschutz im Unternehmen durch die Beschäftigten

Letztlich steht und fällt der Klimaschutz im Unternehmen aber damit, dass nicht nur der Betrieb einen Plan hat und ihn kommuniziert, sondern auch die Beschäftigten ihn gut finden und sich selbst darum bemühen, den Energieverbrauch zu reduzieren, Abfall zu vermeiden oder mehr zu recyceln. In Schulungen soll ihnen gezeigt und erklärt werden, was sie zum Klimaschutz in der Wirtschaft beitragen können. Das beginnt bei Kleinigkeiten wie der Kaffeemaschine ohne Ein-Portionen-Alu-Tabs. Setzt sich über ein klimafreundlicheres Angebot in der Kantine fort, etwa durch weniger Fleisch oder die Verwendung von Bio-Nahrungsmitteln. Und reicht bis zum Betrieb der Drucker im Sparmodus sowie möglichst wenig Ausdrucken, und die möglichst beidseitig in schwarz-weiß bedruckt. Die Firma kann auch eine Mitfahrkoordination für die Beschäftigten organisieren oder Schichtzeiten besser auf den öffentlichen Nahverkehr abstimmen. Und sie sollte im Einkauf das Kriterium der Klimaneutralität beachten, für alle Materialien vom Bleistift im Büro bis zum Schmiermittel für Maschinen.

Wie Unternehmen ihre Energiefresser besiegen, zeigt das folgende Video vom Mittelstandsverbund – ZGV.

httpv://youtu.be/TRGgdVmzI2o

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Mit dem richtigen Partner sicher durch die Corona-Krise kommen, Steuerberater helfen bei Konjunkturpaket und Überbrückungshilfen! Finden Sie auf DATEV SmartExperts den passenden Experten.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn