Wirtschaft & Recht

Krankschreibung per Whats­App ist kei­ne E-Health

Die Krankschreibung per WhatsApp er­spart Mit­ar­bei­tern den Weg zum Arzt. Mit ef­fi­zien­ten Pro­zes­sen in ei­nem di­gi­ta­len Ge­sund­heits­we­sen hat das nichts zu tun. Aber es gibt be­reits Pi­lot­pro­jek­te mit ei­ner ech­ten elek­tro­ni­schen Ar­beits­un­fä­hig­keits­bescheinigung (eAU).

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Was waren das für hitzige Diskussionen. Mit der Erkältungswelle lief im Januar eine Erregungswelle durchs Land: Mitarbeiter können sich ohne Arztbesuch per WhatsApp drei Tage krankschreiben lassen. Arbeitnehmer wollten wissen, wie die digitale Krankschreibung per Messenger-Dienst geht – Arbeitgeber, ob man das darf. Zur Aufregung trug sicher der kecke Werbespruch bei: „Arbeitest du dich noch krank oder AU-scheinst du schon?“ Die Funktionsweise klärten Journalisten im Selbstversuch: Beim „Spiegel“ landete die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) innerhalb weniger Stunden im Nachrichteneingang. Bei „t3n“ herrschte nach Dateneingabe einige Tage Funkstille, dann bekam der Tester auf eine Beschwerde sein Geld zurück. Wäre dumm für ihn gelaufen, hätte er den gelben Zettel der Krankschreibung binnen drei Tagen im Original dem Chef vorlegen müssen. In Sachen Rechtmäßigkeit warnte „Legal Tribune Online“ vor hohem Missbrauchspotenzial angesichts einer Krankschreibungsquote von fast 100 Prozent. Und möglichen Verstößen gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) durch Austausch besonders schützenwerter personenbezogener Daten über Server in den USA.

Regeln gel­ten auch für Krank­schrei­bung per WhatsApp

Zumindest Datenschutzproblemen entgehen Firmenchefs, indem sie keine Kommunikation – also keine Krankschreibung – per WhatsApp oder andere Messenger-Dienste akzeptieren. Dazu sind sie nicht verpflichtet – und jeder geschäftliche Einsatz dieses Mediums ist sowieso detailliert mit dem Anwalt zu besprechen. Die Pflichten im Rahmen der Krankmeldung liegen vielmehr beim Beschäftigten: Er muss den Chef unverzüglich über seine Arbeitsunfähigkeit und deren vermutliche Dauer informieren; Ihn über einen Weg benachrichtigen, auf dem die Krankschreibung sicher ankommt; Grundsätzlich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Original vorlegen, wenn er länger als drei Tage nicht arbeiten kann. Unternehmer können sofort mit der Krankmeldung eine ärztliche Bescheinigung verlangen. Allerdings nur – falls vorhanden – mit Zustimmung des Betriebsrats, und wenn im Arbeitsvertrag keine andere Regelung steht. Zudem kann der Firmenchef eine – insbesondere über WhatsApp, also ohne Arztbesuch erfolgte – Krankschreibung anzweifeln. Hierfür braucht er jedoch handfeste Gründe, denn damit können arbeitsrechtliche Konsequenzen verbunden sein. Das Vorgehen für solche Fälle ist unbedingt mit einem Anwalt festzulegen.

Krankschreibung ist gro­ßes The­ma bei E-Health

Vielleicht war die Krankschreibung per WhatsApp auch nur ein Sturm im Wasserglas, die öffentlichkeitswirksame Idee eines findigen Unternehmers. Tatsächlich geht es bisher lediglich um Erkältungen. Hier ist es oft wirklich besser, kurz zuhause zu bleiben, statt krank schlechte Leistungen abzuliefern und noch die Kollegen anzustecken. Nichts spricht dagegen, die Krankschreibung mit wenig Aufwand zu ermöglichen – außer natürlich fehlendes Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Mitarbeiter. Das aber wäre ein anderes Thema. Eine Krankschreibung ohne Arztkontakt wegen Magen-Darm-Grippe oder Schmerzen im unteren Rücken ist im Gespräch, mehr scheint nicht geplant. Also kein Grund zur Aufregung. Ärgerlich wäre es für Unternehmer allerdings, würde die Diskussion um eine Krankschreibung per WhatsApp den Ruf der E-Health beschädigen. Dahinter steckt der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für eine bessere Behandlung von Patienten und effizientere Abläufe im Gesundheitswesen. Und das ist für Unternehmer sehr interessant, um ihre eigenen Prozesse zu optimieren und Kosten zu senken.

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Krankschreibung di­gi­tal bei Kran­ken­kas­se abrufen

Denn Krankschreibungen machen Betrieben und Krankenversicherungen viel Arbeit. Jährlich erstellen Ärzte laut GKV-Spitzenverband, der zentralen Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, 77 Millionen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen beziehungsweise 308 Millionen Formulare auf Papier. Die sind an 110 Krankenkassen und 3,5 Millionen Arbeitgeber zu übermitteln. Dabei entsteht eine Krankschreibung normalerweise digital in der Praxissoftware des Arztes. Er könnte die Daten direkt verschicken, statt Formulare auszudrucken, die der Empfänger wieder digitalisiert und in seine Personal- oder Abrechnungssoftware übernimmt. Diesem Zweck dienen diverse Pilotprojekte. Die Barmer etwa testet, wie sich Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vom Mediziner digital an Krankenkassen übermitteln lassen. Bei der Techniker Krankenkasse (TK) haben sich zahlreiche Arbeitgeber gemeldet, die die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ihrer Mitarbeiter digital bei der Krankenkasse abrufen möchten und gerne direkt in ihre betriebliche Software übernehmen würden. Interessierte Firmenchefs sollten ihren Steuerberater auf das Potenzial der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) ansprechen. Das eröffnet – im Gegensatz zur Krankschreibung per WhatsApp – echte Perspektiven für mehr Wirtschaftlichkeit.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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