Wirtschaft & Recht

Die Vernetzung fängt mit den eigenen Prozessen an

Digitalisierung, Internet der Dinge, soziale Medien – dies alles sind Aspekte der zunehmenden Vernetzung der Wirtschaft. Unternehmer sollten die dahinterstehenden Konzepte entschlüsseln und herausfinden, was wirklich ihrer Kooperation mit Kunden und Geschäftspartnern nutzt.

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Was für eine Prognose: Das Internet werde verschwinden, erklärte Google-Chef Eric Schmidt Anfang des Jahres beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Allerdings meinte er damit nur aus der Wahrnehmung. Kaum jemand, so glaubt Schmidt, werde sich künftig noch Gedanken über die allgegenwärtige Vernetzung durch das Internet machen, von der er laufend bei den verschiedensten Tätigkeiten profitiere. „Es wird einfach Teil unseres Daseins sein, die ganze Zeit.“ Die Grenze zwischen dem Online- und Offline-Sein werde dadurch verschwinden. Wie realistisch solch eine Vorstellung ist, zeigen die Trendthemen der CeBIT sowie die Berichterstattung im Umfeld dieser IT-Leitmesse. Da ist die Rede von 50 Milliarden Dingen, die bis zum Jahr 2020 via Internet miteinander verbunden sein könnten – nicht nur Computer oder Smartphones,
DATEV Unternehmen online Digitaler Belegaustauschsondern alltägliche Gegenstände wie Haushaltsgeräte, Kleidung oder Möbel sollen eine eigene Internet-Adresse bekommen. Sogar Milchkühe in der Landwirtschaft, die 200 Megabyte an Daten pro Jahr übertragen sollen, mit denen sich ihre Haltung optimieren lässt. Es wird erwartet, dass deutsche Unternehmen jährlich 40 Milliarden Euro für die vernetzte Industrie 4.0 ausgeben und Deutschlands kumuliertes Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um 700 Milliarden Dollar höher ausfallen könnte als ohne diese Investitionen.

Daten sind Grundlage für erfolgreiche Geschäfte

So weit, so spannend. Gerade für die Firmenchefs kleiner und mittlerer Betrieb ist es aber wichtig, auf die richtigen Trends zu setzen beziehungsweise eine Technologie ihrem Geschäftsmodell angemessen einzusetzen. Kein Fensterbauer wird jetzt alle von ihm eingebauten Rahmen mit Sensoren ausstatten, die eine mögliche Undichtigkeit melden und selbständig eine Reparatur veranlassen. Aber vielleicht wird er die Rahmen mit Barcodes kennzeichnen, damit der Monteur einfach auslesen kann, welche Historie das Produkt hinter sich hat – sauber und übersichtlich gespeichert in der Datenbank des Betriebs, was Kundenberatung und Service erleichtert. Über Ansätze dazu haben wir hier bereits im Zusammenhang mit dem Thema Big Data für kleine Unternehmen berichtet. Das sind ebenfalls Aspekte der Vernetzung.

Über soziale Medien lässt sich gut Kontakt halten

Auch den Kundendialog wird kaum ein Unternehmer komplett auf digitale Kanäle oder einen permanenten Kontakt in Echtzeit umstellen. Aber erste Schritte in Richtung aktueller und potenzieller Auftraggeber oder auch Mitarbeiter machen bereits viele Firmenchefs. Und Honekamp Haarmoden informiert via App über Neuigkeiten aus dem Salon oder macht auf aktuelle Aktionen aufmerksam. Und Malermeister Werner Deck tauscht sich über Facebook, Xing, Twitter oder Google+ mit Interessenten aus und hält seinen Betrieb im Gespräch.

Vernetzung fängt bei den eigenen Prozessen an

Wichtig sind beim Thema Vernetzung auch interne Abläufe. Natürlich lassen sich gerade in kleinen Betrieben manche, Prozesse beispielsweise im kaufmännischen Bereich, noch ohne entsprechende Computerprogramme erledigen. Aber jeder Unternehmer sollte sich die Frage stellen, ob das wirklich sinnvoll ist. Eine – häufig gar nicht hohe – Investition in die entsprechende Hard- und Software hilft beim ersten Schritt in Richtung Digitalisierung, dem weitere folgen können, beispielsweise der elektronische Rechnungsaustausch mit Kunden und Lieferanten oder die virtuelle Zusammenarbeit mit dem Steuerberater mithilfe eines zentralen Rechenzentrums. Vernetzung hat viele Facetten und fängt am eigenen Schreibtisch an, es müssen nicht immer gleich Internet der Dinge und Industrie 4.0 sein, wie auch das Beispiel der Schokoladenmanufaktur Chocri aus TRIALOG.tv zeigt.

Foto: Shutterstock

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.