Steuern & Finanzen

Mit­tel­stand braucht mehr För­der­mit­tel zur Di­gi­ta­lisierung

Laut ei­ner Stu­die be­kla­gen vie­le Fir­men­chefs, ih­nen feh­le das Geld für di­gi­ta­le Ge­schäfts­mo­del­le. Da­bei gibt es zahl­rei­che För­der­mit­tel zur Di­gi­ta­li­sier­ung. Un­ter­neh­mer könn­ten Ei­ni­ges an Fi­nan­zie­rung oder or­ga­ni­sa­to­rischer Un­ter­stütz­ung von Bun­des­län­dern, För­der­ban­ken so­wie KfW und RKW be­kommen,

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Auf der Hannover Messe erfahren Sie vermutlich so ziemlich alles zur Digitalisierung, was Sie wissen wollen – und mehr. Die weltweit führende Ausstellung für Industrie hat sich thematisch immer weiter geöffnet, weil die Digitalisierung die Grenzen zwischen Branchen und Tätigkeiten verblassen lässt. Für Unternehmer heißt das: Hier sind digitale Trends in Produktion und Organisation zu sehen, die bald ganze Wirtschaftsbereiche massiv verändern dürften. Das reicht vom Thema „Mensch und Maschine: Ein Team der Spitzenklasse“ über „Predictive Maintenance: Hellseher im Maschinenraum“ sowie „Logistik 4.0: Trends für digital automatisierte Lieferketten“ bis zur „Plattformökonomie: Herzstück der digitalen Revolution“. Die rasante Digitalisierung hat jedoch ihre Schattenseiten: Immer mehr Menschen leiden unter Digitalisierungsstress. Das gilt nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Firmenchefs. Viele fürchten, ihnen könnte mitten im digitalen Umbruch die finanzielle Kraft ausgehen, so eine Studie der Finanzierungsplattform Creditshelf. Zumindest ein wirkungsvolles Gegenmittel: Fördermittel zur Digitalisierung.

Vie­le Un­ter­neh­mer er­le­ben Di­gi­ta­li­sierung als Stress

Die Ergebnisse der Creditshef-Studie „Finanzierungsmonitor 2019“ geben tatsächlich Grund zur Sorge. Zwei von drei mittelständischen Unternehmern glauben danach, die digitale Transformation könnte ihren Betrieb finanziell überfordern. Vor allem Dienstleister sind beunruhigt, hier fürchten fast drei Viertel der Befragten einen Engpass bei der Versorgung mit Kapital. „Die aktuelle Kreditpolitik der Banken könnte dafür sorgen, dass der Großteil des Sektors nicht in der Lage sein wird, die nun wichtigen Weichenstellungen in Richtung digitaler Geschäftsmodelle vorzunehmen“, warnt Daniel Bartsch, Vorstand und Gründungspartner von Creditshelf. „Seit der Finanzkrise neigen Banken nämlich dazu, schnelle und unbesicherte Kredite seltener an Mittelständler auszugeben.“ Dabei haben viele Firmenchefs im Mittelstand – trotz gegenteiliger Vorurteile – die Bedeutung der Digitalisierung erkannt. Drei Viertel der Befragten weisen dem Thema Digitalisierung bei der Investitionsplanung eine wichtige Bedeutung zu. Glücklicherweise sind sie nicht mehr allein von der Hausbank abhängig. Politik und Förderbanken bieten kleineren Betrieben inzwischen auch in zahlreichen Varianten verschiedene Fördermittel zur Digitalisierung.

Unter den Dienstleistern befürchten besorgniserregende 71 Prozent der Unternehmen, dass ihnen mitten im digitalen Umbruch die finanzielle Kraft ausgehen könnte.
Daniel Bartsch, Vorstand und Gründungspartner von Creditshelf

För­der­mit­tel kön­nen die Di­gi­ta­li­sie­rung er­leichtern

An dieses Geld kommen Unternehmer allerdings nicht umsonst. Sie müssen zunächst selber investieren: Nämlich Zeit in die Recherche des richtigen Förderprogramms sowie das Ausfüllen des Förderantrags. Dafür stehen die Chancen, an zinsverbilligte Darlehen zu kommen, gar nicht schlecht. Viele der Fördertöpfe sind ordentlich gefüllt. Zunächst sollten Firmenchefs prüfen, ob ihr Bundesland ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt hat. Es gibt beispielsweise die „Digitalisierungsprämie Baden-Württemberg“, den „Digitalbonus Niedersachsen“, oder den „Digitalbonus Bayern“. Diese Programme richten sich in der Regel an Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern oder 50 Millionen Euro Umsatz. Unterstützt wird meistens die Entwicklung, Einführung oder Verbesserung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen durch Hardware, Software sowie die Migration und Portierung von IT-Systemen und IT-Anwendungen. Auch für Investitionen in die IT-Sicherheit gibt es Geld – ein bei der Digitalisierung nicht zu unterschätzendes Thema.

För­der­pro­gram­me hel­fen mit Geld und Coaching

Neben den Bundesländern beziehungsweise deren Förderbanken sind beim Thema Fördermittel zur Digitalisierung die üblichen Verdächtigen aktiv: KfW (ehemals Kreditanstalt für Wiederaufbau) und RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e. V. – oft zusammen mit regionalen Partnern. Besonders interessant sind direkte Zuschüsse des RKW etwa für den Einsatz von Innovationsberatern. Auch Inhouse-Workshops zum Thema „Wege in die Digitalisierung“ können die Angst vor dem Thema nehmen sowie Perspektiven aufzeigen. Der Kampf gegen Digitalisierungsstress ist nicht mit Geld zu gewinnen – aber es hilft natürlich. Deshalb sollten Unternehmer Angebote wie die des RKW nutzen und Förderprogramme der KfW mit dem Steuerberater durchrechnen. Vielleicht finden sich durch diese Fördermittel zur Digitalisierung entscheidende Ansatzpunkte für eine zum Unternehmen passende Strategie. Bei der allgemeinen Beschäftigung mit dem Thema hilft dieser Kompass des Bundeswirtschaftsministeriums, auch mit guten Finanzierungstipps. Motivieren kann dieses Beispiel eines Zweiradmechanikers, der seinen Kunden durch einen Online-Konfigurator den optimalen Drahtesel in Form eines Unikats zusammenstellt.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.