Steuern & Finanzen

Mit der Spann­brei­te der Gleit­zo­ne wächst die Fle­xibilität

Die Gleit­zo­ne wird zum Über­gangs­be­reich und reicht künf­tig von 450,01 bis 1.300 Euro Mo­nats­ein­kom­men. Da­durch kön­nen Un­ter­neh­mer ihre Mi­di­job­ber ab 1. Ju­li öf­ter und fle­xib­ler ein­setzen. Um al­les rich­tig zu ma­chen, soll­ten Fir­men­chefs mit Steu­erbe­ra­ter und An­walt die De­tails besprechen.

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In vielen Unternehmen läuft derzeit die Einsatzplanung für die Sommersaison. Gute Gelegenheit für ein Gespräch des Firmenchefs mit seinen sogenannten Midijobbern zur Frage, ob sie mehr arbeiten wollen. Eine Gesetzesänderung zum 1. Juli könnte das attraktiv machen: Die für Midijobber gültige Gleitzone – derzeit reicht sie von 450,01 Euro bis 850 Euro Monatseinkommen – wird auf 1.300 Euro ausgedehnt. Innerhalb der Gleitzone zahlen Beschäftigte nicht den vollen Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung, sondern einen reduzierten Beitragssatz. Diese Reduzierung wird mit steigendem Einkommen weniger und läuft bei 1.300 Euro aus. Im Vergleich zu einer Beschäftigung mit regulärem Sozialversicherungsbeitrag bleibt dem Mitarbeiter mehr Netto vom Brutto. Unternehmer sparen zwar nicht finanziell bei den Sozialabgaben. Sie profitieren aber, weil sie mit der gleichen Mitarbeiterzahl mehr Flexibilität haben und attraktiver für Teilzeitarbeiter werden. Wie sie die Gleitzone am besten nutzen, sollten sie allerdings unbedingt mit ihrem Steuerberater besprechen.

Gleitzone ent­lastet Mi­di­job­ber bei So­zial­abgaben

Die Bundesregierung führte 2003 die Gleitzone ein, um Arbeitnehmer mit geringem Verdienst bei den für sie vergleichsweise hohen Sozialversicherungsbeiträgen zu entlasten. Die belaufen sich auf gut ein Fünftel vom Lohn, ohne Grundfreibetrag wie bei der Steuer. Arbeitgeber zahlen für jeden Mitarbeiter ab 450,01 Euro Monatseinkommen die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Für Beschäftigte mit einem Vertrag gemäß Gleitzonen-Regelung steigen die Sozialabgaben ab 450,01 Euro erst sanft an und erreichen am oberen Ende der Gleitzone annähernd reguläres Niveau. Das berechnet sich nach einer komplizierten Formel. Nicht nur die Einkommensobergrenze steigt im Juli von 850 Euro auf 1.300 Euro. Die Gleitzone bekommt dann auch einen neuen Namen: Übergangsbereich. Rund 660.000 Midijobber zählt die Deutsche Rentenversicherung 2018.

Auf­stocken bis auf Gleitzone geht, Re­du­zie­ren nicht

Arbeitgeber sollten nicht nur mit den Midijobbern eine mögliche Ausweitung ihrer Tätigkeit besprechen, sondern auch mit dem Steuerberater. Es gibt einiges zu beachten. Allem voran: Die Gleitzonen-Regelung ist nicht auf alle Mitarbeiter anwendbar, die im genannten Bereich verdienen. Nicht in die Gleitzone gehören beispielsweise Mitarbeiter mit sonstigen Vereinbarungen über flexible Arbeitszeiten, deren Entgelt erst nach der Reduzierung in die Gleitzone fällt. Aufstocken geht also. Untersagt ist dagegen Reduzieren, um von der Gleitzone zu profitieren. Nicht anwendbar ist die Regelung auch für Auszubildende und Praktikanten. Ausgeschlossen sind zudem besondere Konstellationen. Etwa Mitarbeiter in Wiedereingliederungsmaßnahmen nach einer Arbeitsunfähigkeit. Oder versicherungspflichtige Arbeitnehmer in Kurzarbeit beziehungsweise – im Baugewerbe – bei wetterbedingten Reduzierungen.

Kein Ver­zicht auf Gleitzonen-Re­ge­lung für Ren­ten­ver­sicherung

Die Gleitzonen-Regelung greift nur, wenn alle Entgelte des betreffenden Mitarbeiters aus versicherungspflichtigen Beschäftigungen zusammengenommen zwischen 450,01 und 1.300 Euro liegen. Firmenchefs sollten also genau darauf achten, ob beziehungsweise in welcher Höhe ein Mitarbeiter mehrere Einkommen gemäß Gleitzonen-Regelung bezieht. Möglich ist auch die Kombination von Midijob und einem Minijob. Über mögliche Fallen und vertragliche Regelungen zur eigenen Absicherung sollten Unternehmer mit ihrem Steuerberater oder Anwalt sprechen. Etwa über die arbeitsvertragliche Vorgabe, weitere Tätigkeiten anzugeben. Auch sollten Unternehmer daran denken, dass sie ebenfalls Informationspflichten gegenüber dem Mitarbeiter haben. Beispielsweise darüber, dass die Steuer ganz normal berechnet wird. Außerdem wichtig: Die reduzierten Rentenversicherungsbeiträge des Arbeitnehmers führen ab Juli 2019 nicht mehr zu geringeren Rentenansprüchen. Der Rentenanspruch besteht dann auf das tatsächliche Entgelt.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.