Personal & Führung

Die tollen Tage machen potenzielle Kunden sauer

Zur Faschingszeit sind viele Unternehmen geschlossen. Dabei gibt es selbst in den Karnevalshochburgen genug Menschen, die gerne einkaufen würden oder dringend eine Dienstleistung brauchen. Firmenchefs sollten ihren Personaleinsatz mit moderner Software den Wünschen der Kunden und Mitarbeiter anpassen, statt dichtzumachen.

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Okay, vielleicht verstehe ich es einfach nicht. Aber ich verstehe es wirklich nicht. Das halbe Land befindet sich im Ausnahmezustand, weil südwestlich einer Linie von Hamburg bis Dresden fast überall Karneval, Fasching, Fastnacht, Fasnacht, Fasnet, Fasteloovend, Fasteleer oder schlicht die fünfte Jahreszeit gefeiert wird. Die Vielzahl der Synonyme habe ich übrigens von Wikipedia, wo sich noch mehr Wissenswertes oder Amüsantes zu dem Thema findet. Etwa der Hinweis, es gebe einen großen Karnevalsumzug in Berlin. Ist das ein Faschingsscherz? Ich denke bei Berlin maximal an Loveparade (2013 vielleicht wieder) und Christopher Street Day (schon fest geplant).

Warum sind so viele Geschäfte geschlossen?

Aber das nur am Rande. Was ich wirklich nicht verstehe: Warum machen so viele Unternehmen komplett die Schotten dicht, nur weil eine Meute Feierwütiger in mehr oder weniger fantasievollen Kostümen erst die Straßen und dann die Kneipen stürmt? Mein Supermarkt an der Ecke: am Faschingsdienstag ab zwölf Uhr geschlossen. Ein Handwerker, der die ausgefallene Heizung wieder zum Laufen bringt: kaum zu erreichen. Das große Unternehmen in Düsseldorf, bei dem ich jemanden für eine Recherche erreichen müsste: von Weiberfastnacht bis Faschingsdienstag zu. Und am Aschermittwoch gibt es vermutlich auch noch keine fundierten Auskünfte, sondern eher Klagen über Schädelweh.

Etliche Kunden würden gerne einkaufen

Und was ist mit den potenziellen Kunden, die in den Karnevalshochburgen vor verschlossenen Türen stehen? Oder aus weniger feierfreudigen Regionen anrufen, um eine Order zu platzieren – und entweder auf dem Anrufbeantworter oder in einer Endlos-Warteschleife landen? Lieber Unternehmer, sicher nicht überall in Deutschland und erst recht nicht überall auf der Welt wird für Karneval, Fasching, Fastnacht, Fasnacht, Fasnet, Fasteloovend, Fasteleer oder schlicht die fünfte Jahreszeit eine so lange Auszeit genommen. Es gibt in Deutschland je nach Bundesland zwischen neun und 13 gesetzliche Feiertage plus weitere unechte Feiertage und Brauchtumstage, etwa Heiligabend und Silvester, an denen die Geschäfts- und Bürozeiten eingeschränkt sind. Zudem hat jeder Mitarbeiter einen gesetzlich oder tariflich geregelten Urlaubsanspruch. Muss dann auch noch eine Karnevalswoche lang arbeitsfrei sein?

Eine bessere Personalplanung würde helfen

zeitwirtschaft
Ich neide niemandem seine Faschings- und allgemeine Feierlaune. Aber sollte man nicht trotzdem an die Kunden denken, die dringend etwas kaufen wollen oder einfach rasch eine kompetente Dienstleistung brauchen? Ich hätte da eine Idee: Die innerdeutsche Wirtschaftsmigration hat schon viele Nordlichter in den Süden verschlagen oder Ostseeler ins Rheinland. Diese Zugereisten hängen oft nicht am regionalen Brauchtum und sind vielleicht sogar froh, etwa während der tollen Tage arbeiten zu dürfen, weil sie das Faschingstreiben nervt. Wie wäre es, einen intelligenten Dienstplan zu erstellen, statt den ganzen Laden dichtzumachen? Einfach rechtzeitig fragen, wer zu welchen Gelegenheiten gerne frei hätte, wer Brückentage nutzen möchte oder wer überhaupt wann Urlaub will. Und ruhig auch, wer bereit ist, zu gefragten Zeiten die Stallwache zu spielen. Werden diese Angaben nicht nur auf einem Wandkalender vermerkt, sondern in eine moderne Software zur Personaleinsatzplanung eingegeben, lassen sich mit wenig Aufwand viele Wünsche erfüllen. Übrigens helfen solche Programme auch, andere für Dienstpläne wichtige Aspekte zu berücksichtigen, gesetzliche Ruhezeiten etwa oder weitere Bestimmungen für besondere Personengruppen.
Ich hoffe, dass möglichst viele Firmenchefs diesen Tipp aufgreifen. Dann kann ich nächstes Jahr zu Fasching vielleicht in Ruhe einkaufen und recherchieren. Das mit der Heizung sollte sich allerdings nicht regelmäßig wiederholen …
Foto: Getty Images

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.