Steuern & Finanzen

Investitionsabzugsbetrag 2019 so at­trak­tiv wie nie

Mit dem Investitionsabzugsbetrag, kurz IAB, kön­nen Un­ter­neh­mer schon 2019 für spä­ter ge­plan­te An­schaf­fun­gen ei­nen Teil der Kosten steu­er­lich gel­tend ma­chen. Der Steu­er­be­rater weiß, wie sich die Re­geln ge­schickt nutzen lassen.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Hinter so manch sperrigem Begriff aus dem Steuerrecht verbergen sich große Vorteile für Unternehmer. Ein Beispiel hierfür ist der so genannte Investitionsabzugsbetrag (IAB). Auch 2019 können Firmenchefs damit einen Teil ihrer Kosten für geplante Investitionen gewinnmindernd steuerlich geltend machen. Das geht bis zu drei Jahre vor der tatsächlichen Anschaffung eines Wirtschaftsguts. Kaufen Unternehmer das Wirtschaftsgut dann doch nicht, müssen sie den Investitionsabzugsbetrag allerdings rückwirkend auflösen. Hierin liegt eine Falle für Selbständige. Mit etwas Weitsicht lässt sich diese Steuerfalle beim IAB aber umgehen. Mit ihrem Steuerberater sollten Unternehmer anstehende Investitionen mit Blick auf einen 2019 möglichen Investitionsabzugsbetrag besprechen. Den Austausch sollten sie auch suchen, falls sie zuvor Investitionsabzugsbeträge gebildet und die Investitionsabsicht verworfen oder geändert haben. Der Steuerberater hilft, die günstigste Möglichkeit für Ansatz und Auflösung zu finden. Zahlreiche rechtliche Neuerungen verschaffen hierfür mehr Flexibilität.

Vom Investitionsabzugsbetrag pro­fi­tieren KMU auch 2019

Wer 2019 weiß, dass er bis 2022 etwa einen Firmenwagen anschafft, sparen vorab Steuern mit dem Investitionsabzugsbetrag. Bis zu 40 Prozent der geplanten Anschaffungssumme darf er 2019 als Betriebsausgaben abziehen. In die entsprechende Zeile des Formulars EÜR trägt der Selbständige diesen Prozentanteil als IAB ein. Die Investitionsabzugsbeträge dürfen sich auf bis zu 200.000 Euro summieren bei Unternehmen, die unter diesen Obergrenzen liegen:

  • für bilanzierende Gewerbebetriebe: bis zu 235.000 Euro Betriebsvermögen
  • für Einnahmen-Überschussrechner: bis zu 100.000 Euro Gewinn
  • und bis zu 125.000 Euro Wirtschaftswert für Landwirtschaftsbetriebe

Investiert der Unternehmer, erhöht der IAB den Gewinn im Jahr der Anschaffung. Die anfallenden Anschaffungs- und Herstellungskosten mindern den Gewinn im Gegenzug wieder. Der Investitionsabzugsbetrag realisiert die Steuerersparnis also schlicht teils vorab. Das schont die Liquidität und erleichtert so Investitionen. Dies ist auch der Sinn des IAB. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll er speziell kleine und mittlere Betriebe steuerlich entlasten.

Investitionsabzugsbetrag auch ohne exak­te Pro­dukt­angabe

Unternehmer können einen Investitionsabzugsbetrag 2019 für Wirtschaftsgüter bilden, die sie bis zum Ende des Folgejahres nach dem Investitionsjahr ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich nutzen. Also zu mindestens 90 Prozent. Diese Voraussetzung für die Nutzung der Steuerbegünstigung knüpft der Gesetzgeber an das Wirtschaftsgut. Begünstigt sind alle abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie neu oder gebraucht sind. Seit 2016 müssen Unternehmer das Wirtschaftsgut auch nicht mehr exakt bezeichnen. Zuvor mussten sie die geplanten Anschaffungen genau benennen, ebenso ihre Funktion. Seit 2016 ist keine Angabe zum Wirtschaftsgut mehr nötig. Auch die „tatsächliche Investitionsabsicht wird nicht mehr vorausgesetzt“, wie das Bundesfinanzministerium erklärt. Eine für Unternehmer teure Falle fällt damit weg.

Beim Lea­sing ge­nau auf die Ver­trags­ge­stal­tung achten

Abnutzbare, bewegliche Wirtschaftsgüter begünstigt der Investitionsabzugsbetrag bereits im Bereich geringwertiger Wirtschaftsgüter. Auch 2019 gelten aber ein paar Einschränkungen. Nicht begünstigt bleiben etwa unbewegliche Wirtschaftsgüter, wie Grundstücke oder Gebäude. Kapitalanlagen des Umlaufvermögens können Unternehmer ebenfalls nicht vorab per IAB steuerlich ansetzen – also zum Verbrauch und Verkauf bestimmte Wirtschaftsgüter. Ebenfalls nicht begünstigt sind geleaste Gegenstände, die dem Leasinggeber zuzurechnen sind. Ob dies der Fall ist, hat allerdings mit der Vertragsgestaltung zu tun. Das können Unternehmer somit beeinflussen und sollten ihren Steuerberater hierzu stets umfassend zu Rate ziehen. Und wer mit dem Steuerberater über Investitionsabzugsbeträge spricht, sollte dann auch gleich über mögliche Sonderabschreibungen sprechen. Auch für Software und andere immaterielle Wirtschaftsgüter können Unternehmer keinen Investitionsabzugsbetrag geltend machen. Eine Ausnahme davon gilt für so genannte Trivialprogramme. Für Standardsoftware dürfen Unternehmer also sehr wohl einen IAB bilden.

Investitionsabzugsbetrag auf­lö­sen muss 2019 viel­leicht nicht sein

Schaffen Unternehmen das Wirtschaftsgut nicht wie geplant an, müssen sie den Investitionsabzugsbetrag auflösen und verzinsen. Wenn sie ihre ursprüngliche Investitionsabsicht verwerfen, wird der alte Steuerbescheid für das Jahr neu erlassen, aus dem der Abzugsbetrag stammt. Zinsen fallen dann ab dem 15. Monat nach Ablauf des Kalenderjahres an, in dem die Steuer entstand. Der Unternehmer muss sie zusätzlich ans Finanzamt überweisen. Mit Blick auf die Zinslast können Selbständige einen nicht genutzten Abzugsbetrag auch freiwillig vor Ablauf der drei Jahre auflösen und so sparen. Möglicherweise können sie den IAB aber auch für ein anderes Wirtschaftsgut nutzen. Seit 2016 ist das möglich. Mit dem Steuerberater sollten Unternehmer jetzt also auch über 2016  angesetzte Investitionsabzugsbeträge sprechen. 2019 lässt sich eine unfreiwillige rückwirkende Auflösung des IAB erstmals leicht vermeiden. Das Thema Investitionsabzugsbetrag ist damit 2019 für Unternehmer so erfreulich wie nie zuvor.

Investitionsabzugsbetrag 2019 noch nach­träg­lich an­setzen

Selbständige, die 2019 eine unvorhergesehene Investition getätigt haben, sollten mit dem Steuerberater sprechen. Sie können den Investitionsabzugsbetrag hierfür möglicherweise nachträglich bilden. Er lässt sich nämlich noch im Einspruchsverfahren geltend machen. Auch dann ist laut einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums für den rechtmäßigen Ansatz allein die Absicht des Unternehmers maßgeblich, ein begünstigtes Wirtschaftsgut anschaffen zu wollen. Der Steuerberater kann prüfen, für welche früheren Steuerbescheide ein Einspruchsverfahren läuft. Damit wäre ein Antrag auf rückwirkenden Investitionsabzugsbetrag noch 2019 möglich. Denn ein Investitionsabzugsbetrag kann unbefristet und bis zur Bestandskraft des Steuerbescheids geltend gemacht werden. Den IAB können Firmenchefs sogar nach einer Betriebsprüfung nachträglich für bereits angeschaffte Wirtschaftsgüter ansetzen und so die Nachzahlungslast senken. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Kein einfaches Thema!
    Am besten hilft ein steuerlicher Berater! Sie haben noch keinen? Dann können Sie auf DATEV SmartExperts nach den passenden Experten suchen.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn