Steuern & Finanzen

So nutzen Unternehmer Crowd und andere Quellen

Nicht nur in der Krise ist die Suche nach alternativer Finanzierung sinnvoll – das lohnt sich auch in Zeiten des billigen Geldes. Aber möglichst nur in enger Absprache mit Steuerberater und Anwalt.

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Vor wenigen Tagen ließ die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins wieder einmal unverändert bei null Prozent. Geld ist seit Jahren dauerbillig. Und doch gilt weiter der Trend, der mit New-Economy- und Finanzkrise eingesetzt hat: Gerade für kleine Unternehmen lohnt sich die Suche nach Alternativen zum traditionellen Kredit aus vielerlei Gründen. Neben den üblichen Finanzierungsalternativen zum klassischen Bankkredit wie etwa Leasing oder auch Mezzanine-Kapital haben sich gerade bei kleineren Betrieben längst wirklich andere Finanzierungsformen und Finanzierungsanbieter etabliert, wie etwa Online-Kreditplattformen – für so genannte Peer-to-Peer-Finanzierung – oder auch Crowdfunding oder Crowdfinanzierung. Die Finanzierungsmöglichkeiten über so genannte Fintechs sind derzeit vielfältig wie nie zuvor. Unternehmer tun gut daran, ihre Finanzierungsentscheidungen betriebswirtschaftlich sorgfältig zu planen und sich Unterstützung beim Steuerberater sowie von Fall zu Fall auch beim Anwalt zu holen.

Peer-to-peer durch die Crowd zu neuen Fintechs

Wer erinnert sich noch an Basel II? Kurz nach der New-Economy-Krise mutierte die Finanzierungsrichtlinie für Banken – auf die 2013 leicht verändert Basel III folgte – zum Schreckgespenst für den deutschen Mittelstand. Gerade kleineren Unternehmen drohte demnach das Fremdkapital auszugehen – eine so nicht eingetretene Kreditklemme wurde damals beschworen. Auch allzu strenge Covenants – also die individuell den Unternehmen von Banken auferlegten Kreditbedingungen – drohten Unternehmern damals die Luft abzuschnüren. Während einige wenige Betriebe ihre Finanzierungssituation sogar verbessern konnten, wurde Fremdfinanzierung für viele zumindest teurer oder war teils zeitweise einfach nicht zu bekommen. Alternativen wie Leasing oder auch das im Mittelstand bis dahin seltene Factoring – also der Verkauf von Forderungen – nahmen im Zuge der Krisen damals kräftig Fahrt auf, selbst im Handwerk.
Zu den schon klassischen Finanzierungsalternativen wie Leasing, Factoring oder auch Mezzanine-Kapital – also Mischungen von Eigen- und Fremdkapital – oder dem Beteiligungskapital kamen mit den Jahren neue Modelle und Anbieter wie Crowdfinanzierung oder Peer-to-Peer-Plattformen. Die Landschaft der Finanzierungsangebote ist mittlerweile so vielfältig wie nie zuvor. Nicht zuletzt die zeitweise schwierigen Finanzierungsbedingungen in den Wirtschafts- und Finanzkrisen der vergangenen beiden Jahrzehnte haben dafür gesorgt, dass Mittelständler sich in Sachen Finanzierung heute breiter orientieren. Viele stehen daher in Sachen Bonität und auch in operativen Bereichen wie etwa dem Working-Capital-Management oder auch Risikomanagement finanziell besser da als früher.

Die Finanzierungslandschaft wandelt sich

Es tut sich etwas in der europäischen Finanzierungslandschaft. Der Studie einer Beratungsgesellschaft zufolge sammelten Unternehmen in Europa im vergangenen Jahr 2,96 Milliarden Euro über alternative Finanzierungswege jenseits von Bankkrediten ein – sechsmal mehr als zwei Jahre zuvor. Besonders beliebt seien Direktdarlehen von Privatpersonen und die Schwarmfinanzierung, das sogenannte Crowdfunding via Internet. Vor allem kleinere sowie jüngere Unternehmen würden von alternativen Finanzierungsangeboten profitieren. Mit einem Volumen von 2,34 Milliarden Euro entfiel der Löwenanteil alternativer Finanzierungen laut Studie auf Großbritannien, doch an dritter Stelle hinter Frankreich (154 Millionen Euro) rangiert Deutschland mit 140 Millionen Euro. Während Konzerne und große Mittelständler zusätzlich zum klassischen Kredit schon länger diverse Finanzierungsinstrumente nutzen und hierfür am internationalen Kapitalmarkt agieren, setzten größere Mittelständler bevorzugt auf Anleihen, so eine Studie von PricewaterhouseCoopers. Auch Lieferanten treten nicht selten als Finanzierer an die Stelle der Banken. Zum Mezzanine-Kapital zählende Schuldscheindarlehen sind ebenfalls beliebt.

Die Crowd kommt – die Hausbank bleibt

Kleine Unternehmen aller Branchen haben in den vergangenen Jahren zunehmend die diversen Formen der Finanzierungen über die Crowd oder Peer-to-Peer-Plattformen als Finanzierungsalternative entdeckt. Finanzierung über die Crowd ist auf dem bestem Weg, sich zu etablieren – und auch mit Blick auf öffentliche Fördertöpfe längst salonfähig, wie das Beispiel L-Bank zeigt. Die Förderbank in Baden-Württemberg stellt mit dem Programm Mikro-Crowd nicht nur finanzielle Mittel für Gründer bereit, sondern damit verbunden auch ergänzendes Know-how und Coaching. Dennoch: Das Hausbankprinzip lebt – und bleibt trotz Alternativen weit verbreitet. Das zeigen nicht zuletzt Studien alternativer Finanzierungsanbieter selbst: 72 Prozent der Unternehmen unterhalten einer aktuellen Studie zufolge nur eine oder maximal zwei gewerbliche Bankverbindungen. Nicht nur, dass das Hausbankprinzip nach wie vor weit verbreitet ist: Die Fremdkapitalquote ist auch hoch. Ein Großteil (66 Prozent) der Unternehmen weist laut einer Befragung des Foster-Instituts eine Fremdkapitalquote von mehr als 40 Prozent auf, und immerhin knapp sechs Prozent der Unternehmen verzeichnet gar eine Fremdkapitalquote von mehr als 80 Prozent.

Die betriebswirtschaftliche Seite

Schon in der Krise hat sich immer wieder gezeigt: Unternehmen können durch die Suche nach eigenkapitalstärkenden Alternativen wie Factoring, Mezzanine-Kapital oder schlicht einem besseren Working Capital Management – also dem effizienteren Umgang mit Kapital und wirtschaftlichen Ressourcen – ihre finanzielle Lage und damit ihre Bonität verbessern. Wobei in Sachen Bonität und dem seit Jahren auch für kleine Unternehmen zunehmend wichtigen Rating vor allem die Kleinen seit Jahren schwächeln. Doch gerade für diese lohnen sich eigenkapitalstärkende Maßnahmen, das zeigen diverse Beispiele seit Jahren. Die Chancen auf günstige Fremdkapitalfinanzierung steigen – zu niedrigeren Zinsen und besseren Bedingungen, wie etwa weniger Sicherheiten, die ja auch ins Geld gehen.
Experten meinen, auch in der derzeit günstigen Wirtschafts- und Finanzierungssituation könnte sich die Versorgung mit Fremdfinanzierung wieder verschlechtern. Das wiederum würde besonders Mittelständler schmerzhaft treffen, die dank der guten Auftragslage viel vorfinanzieren müssen, also einen Großteil der Unternehmer. Betriebswirtschaftlich ist es also auch in Zeiten günstigen Fremdkapitals sinnvoll, nach Finanzierungsalternativen zu suchen und so die finanzielle Lage des Unternehmens gezielt zu stärken. Alternative Wege der Finanzierung lassen sich leichter beschreiten als je zuvor – doch natürlich gelten weiter bestimmte Bonitätsanforderungen oder -prüfungsmechanismen. Seriosität und Sicherheit sind für jeden Geldgeber ausschlaggebend, ob die Transaktion nun online oder offline läuft. Deshalb sollten Unternehmer ihre Zahlen auch in Zukunft gut mit dem Steuerberater aufbereiten.

Steuerliche Aspekte der Finanzalternativen

Für die betriebswirtschaftliche Planung sind bei den Finanzierungsalternativen nicht zuletzt steuerliche Aspekte von großer Bedeutung. Unternehmer sollten daher in jedem Fall den Steuerberater in Finanzierungsfragen um Rat bitten und am besten gleich die gesamte Finanzierungsplanung grundlegend mit ihm unter steuerlichen wie auch betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten durchsprechen. Der Berater hilft bei der Entscheidung für ein Finanzierungsinstrument wie auch bei der für das richtige Timing.

Leasing spart die Steuern oftmals schneller

Aus steuerlicher Sicht ist beim zunehmend auch für Alltagsgeräte wie Druckern, Telefon- oder IT-Anlagen üblichen Leasing ein wichtiger Trumpf, dass Unternehmer die Leasingraten komplett in voller Höhe als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen können, während bei der Kreditfinanzierung nur der Kreditzins das steuerpflichtige Einkommen mindert und Unternehmer das Wirtschaftsgut regulär abschreiben müssen, wodurch teils die Rate steuerlich nicht komplett ins Gewicht fällt. Was für das eigene Unternehmen günstiger ist – Kredit, Leasing oder Eigenfinanzierung – und wie die Verträge mit Blick auf die steuerliche Anerkennung gestaltet werden müssen, müssen Unternehmer mit ihrem Steuerberater besprechen – vor Vertragsschluss. Je nach Vorhaben sollten sie sich auch ruhig betriebswirtschaftlich durchrechnen lassen, welche Finanzierungsvariante und welcher Zeitplan sich unter Berücksichtigung der jeweiligen steuerlichen Folgen und Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Unternehmen am ehesten rechnet. Diese Vergleichsrechnung hat gegenüber der von den Leasinganbietern meist mit einem Angebot übermittelten Vergleichsrechnung den Charme, dass der Steuerberater die finanziellen Gegebenheiten im Unternehmen kennt und die Rechnung daher mit Blick auf die individuelle Situation aussagekräftiger ist.

Die Crowd: Family, Friends and Fools 2.0

Kredite für Unternehmer gibt es nicht nur bei Banken. Was Investmentexperten früher als die drei Fs bezeichnet haben: Family, Friends and Fools – also übersetzt Familie, Freunde und Dummköpfe als Geldgeber – das ist heute auf höherem Niveau die Peer-to-Peer-Finanzierung oder auch Crowdfinanzierung. Der Darlehensvertrag wird privat unter vier Augen ausgehandelt und dann im Idealfall mit einem ordentlichen, auch steuerlich rechtssicheren Vertrag besiegelt oder aber über eine Peer-to-Peer-Plattform vermittelt. Zumindest bei Angehörigendarlehen sollten Unternehmer mit ihrem Steuerberater das Stichwort Fremdvergleich für den Vertrag besprechen. Steuerlich gilt für diese Form der Fremdfinanzierung dasselbe wie bei Bankkrediten. Der Zins mindert den steuerpflichtigen Gewinn, das angeschaffte Wirtschaftsgut muss regulär abgeschrieben werden – sofern es sich bei dem finanzierten Vorhaben überhaupt um ein steuerlich relevantes Vorhaben handelt, was etwa bei der Finanzierung von Innovation und Forschung zum Leidwesen vieler Unternehmer meist nicht der Fall ist.

Crowdfunding ist nicht automatisch Spende

Beim Crowdfunding – dem Einsammeln von Spenden für meist soziale oder innovative Projekte über Crowdfunding-Plattformen – können zusätzliche steuerliche Aspekte ins Spiel kommen. Wer über die Crowd vor allem soziale oder gemeinnützige Projekte finanzieren will, sollte wissen, dass diese für die Investoren oder Spender damit nicht automatisch steuerbegünstigt sind. Das Bundesfinanzministerium hat dem Thema Crowdfunding und Spendenrecht ein eigenes BMF-Schreiben gewidmet, das kurz gefasst vorsieht: Spendenabzugsfähig sind für den per Crowdfunding gewonnenen „Spender“ nur Zahlungen an Empfänger, für die ohnehin die Berechtigung zum Spendenabzug gilt, also gemeinnützige Vereine beispielsweise. Für manchen Unternehmer kann es also durchaus sinnvoll sein, mit dem Steuerberater mal über die Möglichkeit zu sprechen, einen gemeinnützigen Verein oder eine gemeinnützige Gesellschaft zu gründen. Je nach Finanzierungsvorhaben oder Geschäftsmodell mag das – nicht nur mit Blick auf die Finanzierung – durchaus Vorteile bieten.

Die rechtliche Seite der Finanzierung

Vielleicht sogar noch wichtiger als früher ist die Rolle des Anwalts bei alternativen Finanzierungen. Während die Verträge bei der Hausbank oft relativ standardisiert und dem Unternehmer bekannt sind, geht es sowohl bei der Finanzierung über die Crowd als auch über einen Business Angel um bestenfalls ungewohnte und schlimmstenfalls hochkomplexe Dokumente. Unternehmer sollten ihren Anwalt daher die Verträge genau analysieren lassen. Schließlich zählt am Ende nicht nur der Zinssatz. Es kann etwa sein, dass sich ein teurer Kredit günstig über eine Crowdplattform umschulden lässt. Doch was, wenn das Unternehmen dann wider Erwarten in Zahlungsschwierigkeiten gerät? Das kommt unverschuldet in den besten Unternehmen vor. Wer guten Kontakt zu seiner Hausbank hat, bekommt eventuell (mehr) Spielraum als jemand, der sich günstig via Internet finanziert, aber dann keinen Verhandlungspartner für individuelle Lösungen findet.
Hier hilft also zuweilen der Rat des Anwalts sogar dabei, die Entscheidung darüber zu treffen, welche Finanzierungsform die richtige ist.

  • Mitgliedersuchservice: Kein einfaches Thema! Am besten hilft ein steuerlicher Berater. Sie haben noch keinen? Dann können Sie hier nach einem suchen.
Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.