Steuern & Finanzen

Ärger mit Ansage

Wer sein Fahrtenbuch nicht akribisch ausfüllt, muss mit hohen Steuernachzahlungen rechnen. Das hat ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs noch einmal klargestellt. Dabei ist es gar nicht so schwer, bei der Nutzung eines Dienstwagens mit dem Fahrtenbuch im Vergleich zur Ein-Prozent-Methode viel Geld zu sparen.

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Das hatte sich der Mann wohl anders vorgestellt. Um bei seinem Dienstwagen der teureren Pauschalbesteuerung des privaten Nutzungsanteils nach der Ein-Prozent-Methode zu entgehen, vermerkte der Unternehmer in einem Fahrtenbuch viele betrieblich veranlasste Fahrten. Durch diese Dokumentation der weitgehenden beruflichen Nutzung des Autos hätte er tatsächlich deutlich Steuern gespart – wären seine Einträge bloß nicht so schlampig gewesen. Das Finanzamt erkannte die Aufzeichnungen nicht an und verlangte eine Steuernachzahlung, der Betroffene klagte, die Finanzgerichte entschieden durch alle Instanzen gegen ihn, bis hin zum Bundesfinanzhof (BFH-Beschluss vom 14.3.2012, VIII B 120/11).

Das Finanzgericht konnte nicht anders

Ehrlich gesagt kann ich die Richter verstehen. Wie hätten sie auch anders urteilen sollen, wenn im Fahrtenbuch dieselbe Strecke mal mit 232 und mal mit 288 Kilometern angegeben wird? Zwar hat das Finanzgericht Köln (EFG 2006, 1664) es akzeptiert, dass bei einer Fahrt von rund 800 Kilometern eine Abweichung von gut 40 Kilometern zur theoretisch kürzesten Route auftaucht. Aber das waren fünf Prozent Abweichung auf einer relativ langen Strecke, nicht knapp 25 Prozent Differenz bei einem deutlich kürzeren Trip, und die auch noch ohne Erklärung. Dieses Urteil macht einmal mehr deutlich: Die Finanzbehörden schauen bei Dienstwagen sehr kritisch hin und kontrollieren Einträge sogar per Routenplaner nach. Also sollten Autobesitzer genau überlegen, ob sie mit dem Fahrtenbuch wirklich besser wegkommen als mit der Ein-Prozent-Methode – und dann beim Ausfüllen die Tipps beherzigen, die das Wirtschaftsmagazin „handwerk magazin“ zusammengestellt hat. Wer so akribisch vorgeht, bekommt mit der Steuererklärung keine Probleme.

Varianten mit dem Steuerberater durchrechnen

Das Auto ist immer noch der Deutschen liebstes Kind. Sie sind bereit, dafür einiges zu riskieren und vieles in Kauf zu nehmen. Trotzdem ist jeder Unternehmer gut beraten, die möglichen Varianten bei der Versteuerung seines Dienstwagens zunächst mit dem Steuerberater durchzusprechen und sich erst dann für Fahrtenbuch oder Ein-Prozent-Methode zu entscheiden. Für Durchschnittsfahrer gibt es sogar im Internet einen Schnellrechner, der eine erste überschlägige Kalkulation ermöglicht. Der ersetzt zwar nicht den Expertenrat, vermittelt aber einen ersten Eindruck, ob die Wahl zwischen den beiden Steuervarianten überhaupt eine ist. Grundsätzlich aber gilt nach dem BFH-Urteil noch mehr als vorher: Mit dem Fahrtenbuch sparen kann nur, wer sich voll auf die korrekte und umfassende Dokumentation aller Strecken einlässt.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.