Technologie

Digitalisierung am Ar­beits­platz hat vie­le Facetten

Digitalisierung am Ar­beits­platz trifft nicht nur Bü­ro­jobs, son­dern auch Pro­duk­tion oder Hand­werk. Al­le Be­schäf­tig­ten müs­sen sich dem The­ma stel­len. Un­ter­neh­mer kön­nen das er­leich­tern, in­dem sie Mit­ar­bei­tern neue Pers­pek­ti­ven auf­zei­gen und Wei­ter­bil­dung anbieten.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Digitalisierung am Arbeitsplatz – fast könnte man dieses Themas überdrüssig werden, so sehr dominiert es seit einiger Zeit die Schlagzeilen. Viele wollen davon nichts mehr hören, weil sie glauben, alles Wichtige sei bereits gesagt. Ihr persönliches Digitalisierungs-Fazit: Wir nutzen verstärkt Computer, akzeptieren neue Technologien, lassen zunehmend künstliche Intelligenz entscheiden, verlieren vielleicht durch Roboter unseren Job. Gerade Unternehmer sollten es sich mit dem Thema Digitalisierung am Arbeitsplatz aber nicht so einfach machen: Es hat mehr Facetten, als viele glauben. Und jeder Firmenchef ist gut beraten, seine Beschäftigten zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den sie beruflich betreffenden Aspekten der Digitalisierung zu motivieren. Denn Chance und Risiko liegen eng beieinander – aber nur wer sich interessiert und kümmert, kann die eine ergreifen und das andere minimieren. Wichtige Themen aus Sicht eines Forscherteams beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind hier unter anderem: Zunehmende Arbeitsleistung, wachsende psychische Belastungen, kontinuierliche Weiterbildung.

Digitalisierung am Ar­beits­platz: Mehr als ein Laptop

Auch die Experten des IAB sehen „Arbeit 4.0“ aber insbesondere im Zusammenhang mit „Laptop und Co.“ Bei der Digitalisierung am Arbeitsplatz geht viel um Modernisierungsbedarf bei Arbeitsmitteln und -methoden mit Blick auf klassische Büroarbeiter. Doch dies trifft nur einen Teil der Digitalisierung. Mit neuen digitalen Technologien müssen nicht allein kaufmännische Angestellte zurechtkommen. Von ihrem durchdachten Einsatz profitieren auch Mitarbeiter im Außendienst – Verkäufer, Handwerker oder Monteure etwa. Außerdem sind Beschäftigte in der Fertigung betroffen. Ihnen beschert die Digitalisierung am Arbeitsplatz mehr Veränderungen als jenen, die schon immer am Schreibtisch gearbeitet haben. Der klassische Büroangestellte muss vielleicht die Anwendung neuer Apps erlernen. Das ist aber keine nennenswerte Umstellung im Vergleich etwa zum sogenannten Anlagenläufer, der regelmäßig Fertigungsanlagen auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Früher war der nur mit einem Schraubenzieher unterwegs. Jetzt dirigiert ihn häufig eine Datenbrille beim Kontrollgang durch die Werkshallen. Dort überprüft er weiterhin Schrauben, dokumentiert seine Tätigkeit aber digital per Mobilgerät.

Die sogenannte Arbeit 4.0 hat vie­le Facetten

Digitalisierung am Arbeitsplatz ist eben mehr als neue Software für Buchführung, Produktentwicklung oder Prozessplanung. Es geht um unterschiedliche Methoden und Technologien, die eines gemeinsam haben: Sie werden erst durch die Digitalisierung möglich, weil sie auf der Basis von ausgefeilten Programmen und enormer Rechenleistung funktionieren. Modernste Sensortechnik etwa erlaubt eine direkte Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen. 3D-Software verändert Entwicklung, Planung und Fertigung. Und mittels Augmented Reality lassen sich den Beschäftigten individuelle Prozesse, Abfolgen oder Zusatzinformationen für ihre Aufgaben in eine Datenbrille einblenden. Darum sollte jeder Firmenchef sich dem Thema quasi im Dreisprung nähern: Am Anfang steht die grundsätzliche Aufgeschlossenheit für jede Art technologischer Neuerung. Es folgt die Überlegung, welche konkrete Technologie oder Anwendung das Unternehmen erfolgreicher macht oder beim Expandieren in neue Geschäftsfelder hilft. Dann muss die passende Technik nicht nur eingeführt, sondern auch den Mitarbeitern erklärt werden. Schließlich sollen sie die Neuerungen verstehen und zum Vorteil des Unternehmens einsetzen.

Digitalisierung am Ar­beits­platz er­for­dert Weiterbildung

Natürlich hat sich so mancher Firmenchef bereits intensiv mit der Digitalisierung beschäftigt. Im Handwerk etwa finden sich gute Beispiele: vom Einsatz von Drohnen zur Bauwerkskontrolle, von selbstprogrammierten Datenbanken zur besseren Kundenberatung, von Apps zur Terminvereinbarung. Die meisten Betriebe aber haben erheblichen Nachholbedarf. An sie richten sich Angebote wie „Mittelstand digital“. Auf der Webseite des Bundeswirtschaftsministers erfahren Unternehmer, wie sie Schritt für Schritt vorgehen, um vom Einsatz digitaler Technologien zu profitieren. Hilfreich sind beispielsweise Tipps, wie sich Mitarbeiter von der Digitalisierung überzeugen lassen und wie man digital Wissen erhalten kann. Denn damit steht und fällt die Digitalisierung am Arbeitsplatz: Die Beschäftigten müssen sie verstehen, akzeptieren, bei der täglichen Arbeit umsetzen. Und Wissen darf nicht verlorengehen, sondern muss bewahrt, erweitert, verbreitet, angewendet werden. Ein „Mittelstand-digital“-Schreiner beispielsweise schickt nicht zwei Mitarbeiter zum CNC-Lehrgang, sondern sechs – auch Auszubildende. Und ein Zimmerer rüstet seine Leute optimal für mobiles Arbeiten aus, damit sie es lieben.

Veranstaltungstipp

DATEV-Kongress 2019

Auch diese Veranstaltungsreihe, die in Düsseldorf (12.9.), Nürnberg (7.11.) und Berlin (28.11.) Station macht, steht ganz im Zeichen der Digitalen Transformation: Plattformökonomie, Machine- und Deep-Learning, Blockchain, Big Data und Künstliche Intelligenz – zu diese Themen kommen neben DATEV-CEO Dr. Robert Mayr die Top-Referenten Christoph Keese, Richard D. Precht und Gabor Steingart zu Wort: Jeder von ihnen formt aus seiner Sicht aus dem „Phänomen“ Digitalisierung eine handhabbare, steuer- und damit formbare Entwicklung, der wir nicht ausgeliefert sind, sondern die uns und der gesamten Gesellschaft ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Interessiert? Sprechen Sie einfach Ihren Steuerberater darauf an.

DATEV-Kongress 2019

Zunahme der psy­chi­schen Be­las­tungen in Gren­zen halten

Kontinuierliche Weiterbildung ist – wie das IAB richtig feststellt – ein wichtiger Aspekt bei der Digitalisierung am Arbeitsplatz. Richtig umgesetzt, lässt sich dadurch nicht nur die Arbeitsleistung steigern, woran der Unternehmer natürlich besonders interessiert ist. Sondern auch die wachsende psychische Belastung in Grenzen halten, woran ihm ebenso gelegen sein sollte. Schließlich hilft es ihm wenig, wenn jemand mithilfe digitaler Technologien kurzfristig neue Höchstleistungen bringt, dann aber ausbrennt und dadurch ausfällt. Denn der unreflektierte Breitband-Einsatz neuer Medien und Apps kann faszinieren, ohne Anleitung aber auch schnell überfordern. Wer digitalisiert, sollte deshalb genau überlegen, wie er seine Mitarbeiter qualifiziert und mitnimmt, damit sie sich nicht gestresst fühlen. Wenn das klappt, sind auch ungewöhnliche Erfolge möglich: Etwa eine erfolgreiche Textilproduktion in Deutschland mithilfe von Robotik, obwohl die Industrie hierzulande doch eigentlich gar keine Zukunft haben sollte …

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Kein einfaches Thema!
    Am besten hilft ein steuerlicher Berater! Sie haben noch keinen? Dann können Sie auf DATEV SmartExperts nach den passenden Experten suchen.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn