Steuern & Finanzen

Eltern­geld für Selb­stän­dige si­chert Ein­kom­men in El­ternzeit

Eltern­geld gibt es auch für Selb­stän­di­ge. Es gel­ten die glei­chen Re­geln wie für An­ge­stell­te, al­ler­dings ist das Pro­ze­dere kom­pl­izier­ter. Un­ter­neh­mer soll­ten ih­ren An­trag auf El­tern­geld früh­zei­tig mit dem Steu­er­be­ra­ter be­spre­chen, um ihre Ein­künf­te bes­ser zu steuern.

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Fürs Kind da sein und trotzdem Einkünfte haben – das ist vereinfacht gesagt die Idee des Elterngelds. So erhalten Eltern aus öffentlichen Mitteln eine weitere finanzielle Unterstützung. Während die Krankenkasse freiwillig gesetzlich versicherten Selbständigen das Mutterschaftsgeld überweist, zahlt die vom jeweiligen Bundesland dafür bestimmte Einrichtung das Elterngeld aus. In der Regel ist dies die Familienkasse bei der Arbeitsagentur der jeweiligen Stadt oder Kommune. Wie auch bei anderen Transferleistungen bemisst sich das Elterngeld am Nettoeinkommen. Die gute Nachricht für Selbständige: Auch sie bekommen laut Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) Elterngeld. Für sie gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie für Festangestellte. Nur das Prozedere ist komplizierter.

Die Rechts­lage: El­tern­geld für alle – auch Selb­ständige

Wichtigste Nachricht für Unternehmer: Anspruch auf Elterngeld haben alle, auch Selbständige. Grundsätzlich gilt dabei: Der einkommensunabhängige Minimalbetrag von 300 Euro monatlich steht Eltern einnkommensunabhängig zu – sofern sie weniger als 250.000 Euro verdienen (500.000 Euro als Paar). Einkommensabhängig können Selbständige wie Angestellte ein höheres Elterngeld bekommen. Regulär ist das Elterngeld auf zwölf Monate nach der Geburt begrenzt. Mittlerweile bekannt und beliebt sind die Partnermonate – 79 Prozent der Väter beanspruchen diese zwei Monate.  Damit können Paare, die sich die Elternzeit teilen, ihren Elterngeldanspruch auf 14 Monate ausweiten. Alleinerziehenden mit zumindest alleinigem Aufenthaltsbestimmungsrecht stehen insgesamt 14 Monate volles Elterngeld laut § 4 Abs. 3 BEEG allein zu. Auch nicht erwerbstätige Elternteile erhalten Mindestelterngeld über 14 Monate. Interessant vor allem für Selbständige: Der Elterngeldbezug lässt sich unterbrechen und wiederaufnehmen – bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, bei Adoptivkindern bis zum achten Lebensjahr. In Bayern und Sachsen gibt es außerdem anschließend das Landeselterngeld.

El­tern­geld und El­tern­geld Plus bieten Selb­stän­digen Frei­heit

Wer in der Elternzeit in Teilzeit selbständig ist, für den ist statt des regulären Elterngeldes das Elterngeld Plus die Alternative. Es ist halb so hoch wie das reguläre Elterngeld – und wird dafür doppelt so lang gezahlt. Analog verdoppeln sich auch mögliche Zusatzansprüche. Arbeiten beide Partner – egal ob selbständig oder angestellt – gleichzeitig für vier Monate bis zu maximal 30 Wochenstunden jeweils in Teilzeit, bekommen sie statt der regulär zwei zusätzlichen Partnermonate vier Elterngeld-Plus-Monate obendrauf. Alleinerziehende können zum Elterngeld Plus den dann viermonatigen Partnerschaftsbonus beantragen. Wer bis zu 30 Stunden in Teilzeit tätig ist, stellt sich mit Elterngeld Plus meist besser als mit Elterngeld. Selbständige Eltern sollten detailliert mit dem Steuerberater besprechen, welche Aufteilung beim Elterngeld ratsam ist – zeitlich, aber auch unter den Partnern. Sinnvoll können auch aktuelle Änderungsanträge sein, wenn sich zwischenzeitlich die Auftragslage ändert.

Im Jahr 2018 haben 1,4 Millionen Mütter und 433 000 Väter Elterngeld bezogen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das insgesamt 4 % mehr Personen als im Jahr 2017.

Selb­stän­dige kön­nen El­tern­geld auf ihre Pro­jek­te ab­stimmen

Selbständige können also wie Angestellte auch in der Elternzeit erwerbstätig sein. Das können sie in Teilzeit tun oder aber projektweise. Gezahlt wird Elterngeld zwar für regulär 14 Monate – dies jedoch bis zum dritten Lebensjahr des Kindes. Die Bundesregierung will damit den raschen Wiedereinstieg in den Beruf fördern. Das verschafft gerade Selbständigen viel Flexibilität. Sie können beispielsweise erst einige Monate aussetzen und regulär Elterngeld beziehen. Und dann auf Elterngeld Plus umsteigen, etwa um mit reduzierter Stundenzahl zu arbeiten. Oder sie können Elterngeld Plus beziehen und mit dem Elterngeldbezug pausieren, um ein größeres Projekt abzuwickeln, ohne finanzielle Ansprüche zu verlieren. So können Selbständige auch dafür sorgen, dass etwa vor der Geburt des Kindes erbrachte Leistungen nicht auf das Elterngeld angerechnet werden. Sie können die anschließenden Geldeingänge und den Elterngeldbezug aufeinander abstimmen.

So be­rech­net sich das Ein­kom­men bei Selb­stän­digen

Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Nettoeinkommen des Elternteils, der den Antrag stellt. Bei Selbständigen ist der entgangene Gewinn nach Abzug der Steuern entscheidend. Grundlage für die Berechnung ist der Steuerbescheid des Vorjahres. Liegt dieser noch nicht vor, kann das Elterngeld vorläufig auf Basis einer vorhandenen Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder Einkommensteuervorauszahlungs-Bescheiden gezahlt werden Anders als bei Angestellten zählt für die Berechnung des Elterngeldes bei Selbständigen also nicht die Höhe des Nettos der vorherigen zwölf Monate auf den Tag genau. Wenn der letzte Steuerbescheid länger zurückliegt, lohnt sich die Rücksprache mit Steuerberater und Familienkasse. Dies gilt auch mit Blick auf Schwankungen oder sonstige Besonderheiten – etwa vorherige Elternzeit, Gewinnschwankungen, eine längere Erkrankung. Einige Elterngeldstellen nutzen auch bei Selbständigen zur Bemessung den vorherigen Zwölfmonatszeitraum, belegt etwa durch eine Gewinnaufstellung des Steuerberaters oder des Antragstellers.

Der An­spruch – so hoch ist das El­tern­geld

Die schlechte Nachricht für gutverdienende Selbständige: Wer im letzten abgeschlossenen Veranlagungszeitraum mehr als 250.000 Euro Gewinn verzeichnet hat oder bei zwei anspruchsberechtigten Elternteilen das Doppelte, hat keinen Anspruch auf Elterngeld. Das sieht Paragraph 1 Absatz 8 BEEG vor. Das Elterngeld beträgt zwischen 65 und 100 Prozent des früheren Netto-Monatseinkommens – mindestens jedoch 300 Euro monatlich und höchstens 1.800 Euro, gibt das Bundeselterngeldgesetz vor. Elterngeld Plus beträgt entsprechend zwischen 150 und 900 Euro monatlich – dann für die jeweils doppelte monatliche Dauer. Wer mehr als 30 Stunden arbeitet, hat keinen Anspruch auf Elterngeld – auch wenn das Einkommen geringer ist als vor der Geburt des Kindes.

Auch wei­tere Kin­der zäh­len beim El­tern­geld

Selbständige, die – das Neugeborene nicht mitgezählt – ein Kind unter drei Jahren oder mindestens zwei Kinder unter sechs Jahren haben, erhalten als Geschwisterbonus einen Aufschlag auf das Elterngeld. Dieser beträgt zehn Prozent, mindestens jedoch 75 Euro monatlich. Für Mehrlingsgeburten bekommen Angestellte wie Selbständige zusätzlich den Mehrlingsbonus in Höhe des Mindestelterngelds von je 300 Euro monatlich – für das zweite und jedes weitere Kind bei Mehrlingsgeburten. Für jedes einzelne neugeborene Kind haben Eltern nach Auffassung des Bundessozialgerichts einen eigenen Elterngeldanspruch.

Selb­stän­di­gen dro­hen Rück­zah­lungen bei Mehr­verdienst

Das Elterngeld ersetzt Selbständigen wie Angestellten einen Teil des durch die Elternzeit wegfallenden Einkommens. Es bemisst sich am Gewinn laut Jahressteuerbescheid abzüglich dem voraussichtlichen Einkommen während des Elterngeldbezugs. Durch die Höchstgrenze beim Elterngeld ist auch das anrechenbare Einkommen auf maximal 2.770 Euro monatlich gedeckelt. Das gilt ebenso für die Berechnung von Elterngeld Plus. Ein möglicher Mehrgewinn mindert den Elterngeldanspruch natürlich weiter. Gewinnschwankungen sollten Selbständige während der Elternzeit gut im Auge behalten und mit ihrem Steuerberater gestalten. Bleibt mehr Gewinn hängen, als beim Elterngeldantrag erwartet, müssen Selbständige zu viel überwiesenes Elterngeld zurückzahlen. Sie sollten mit dem Steuerberater klären, ob und wie sie das über Gestaltung verhindern – und ansonsten für Rücklagen sorgen. Bei Selbständigen wird nach Ende des Bezugszeitraums erneut abgerechnet. Per Steuerbescheid müssen sie nachweisen, dass das Elterngeld ihnen wirklich nur entgangenes Einkommen ersetzt hat.

Das ist beim El­tern­geld steu­er­lich zu be­achten

Immerhin: Bei Selbständigen, die mehr verdient haben als erwartet, mindert die zu erwartende Rückzahlung das steuerpflichtige Einkommen. Hintergrund: Das Elterngeld selbst ist nicht steuerpflichtig, aber unterliegt dem so genannten Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Das Elterngeld wird zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet – und auf dieser Einkommensbasis wird der Steuersatz für die Einkommensteuer ermittelt. Dieser Steuersatz wird dann auf das zu versteuernde Einkommen ohne Elterngeld angewandt. Um hierfür eine ausreichende Steuerrücklage zu bilden, sollten Selbständige ihren Steuerberater bereits mit Blick auf ihre Finanzplanung fragen.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.