Steuern & Finanzen

Das ge­hört zu ei­ner or­dent­li­chen Bo­ni­täts­prüfung

Wo im­mer Un­ter­neh­mer in fi­nan­ziel­le Vor­lei­stung ge­hen, bie­tet sich ei­ne Bo­n­itäts­prü­fung des Kun­den an. Die­sem Check setzt das Da­ten­schutz­recht je­doch en­ge Gren­zen. Fir­men­chefs soll­ten des­halb mit ih­rem An­walt den nö­ti­gen Spiel­raum und das rich­ti­ge Vor­ge­hen besprechen.

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Durch eine Bonitätsprüfung können Firmenchefs abschätzen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Zahlung eines Kunden ausfällt. Gerade bei größeren Beträgen ist das für Unternehmer wichtig zu wissen. Umgekehrt werden sie selbst einer Bonitätsprüfung unterzogen – von Lieferanten und von Geldgebern oder Investoren. Nicht nur der Preis einer Finanzierung – also der Zinssatz – hängt davon ab, wie gut die Bonität ist, sondern etwa auch die Frage, ob eine Ratenzahlung möglich ist oder der Geschäftspartner Vorkasse verlangt. Noch mehr als für Verbraucher orientieren sich für Unternehmer die möglichen Finanzierungsbedingungen oder Vertragsbedingungen – sogenannte Covenants – stark an deren Bonität. Die Bonitätsprüfung ist aus Sicht des Gläubigers wie auch des Unternehmens als Schuldner von höchster Bedeutung.

Für Bo­ni­täts­prü­fung braucht es ei­nen gu­ten Grund

Bei größeren Beträgen oder längerfristig engen Vertragsbeziehungen empfiehlt sich eine Bonitätsprüfung. Als Teil des professionellen Forderungsmanagements sichert sie dem Betrieb die Liquidität. Einige Daten bezüglich der Liquidität ihrer Kunden besitzen Unternehmer selbst – und sollten sie im Auge behalten. Aus diesem internen Monitoring können sie Schlüsse ziehen, wie es etwa dieser Firmenchef gemacht und hier davon berichtet hat. Ist ein Kunde noch unbekannt, sollten Unternehmer mit einer Recherche in Insolvenzbekanntmachungen zumindest das Schlimmste ausschließen. Hier gibt es mittlerweile auch Informationen zu laufenden und kürzlich abgeschlossenen Privatinsolvenzverfahren. Doch am besten ist eine systematische Bonitätsprüfung. Verschiedene Anbieter wie etwa Creditreform, CRIF Bürgel, SCHUFA, Creditsafe und bisnode sowie auch DATEV bieten diese Dienstleistung an.

Da­ten­schutz schränkt Mög­lich­kei­ten der Bo­ni­täts­prü­fung ein

Eine Bonitätsprüfung betrifft sensible Daten. Die Stichworte Daten und Datenschutz sollten Unternehmer stets alarmieren. Die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) legt strenge Regeln für den Umgang mit Daten fest. Danach ist jede Datenerhebung, -speicherung, -veränderung und -übermittlung grundsätzlich zunächst einmal unzulässig – es sei denn, der Betroffene hat eingewilligt oder die Datenverarbeitung ist gesetzlich ausdrücklich erlaubt. Eine Bonitätsprüfung kann durchaus gerechtfertigt sein. Der Unternehmer muss ein berechtigtes Interesse haben – dann darf er Daten zur Bonitätsprüfung an einen Dienstleister übermitteln. Das gilt laut DSGVO, „sofern nicht die Interessen oder Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person, die den Schutz personenbezogener Daten erfordern, überwiegen, insbesondere dann, wenn es sich bei der betroffenen Person um ein Kind handelt.“ Hiernach sollten Unternehmer sicherheitshalber ihren Steuerberater oder Anwalt fragen.

Wer in Vor­lei­stung geht, darf ei­ne Bo­ni­täts­prü­fung ver­langen

Vom berechtigten Interesse an einer Bonitätsprüfung ist immer dann auszugehen, wenn der Unternehmer nennenswert in Vorleistung geht. Wickeln also etwa Handwerker oder Dienstleister größere Aufträge für Kunden ab oder gehen Händler auch mit kleinen Beträgen für Kunden in Vorleistung, dürfte ihr Interesse an einer Bonitätsprüfung berechtigt sein. Für Zahlungsarten ohne oder mit geringem Risiko – wie Vorkasse oder vereinbarte Abschläge – brauchen sie für eine Bonitätsprüfung die Einwilligung des Kunden. Bei der Zahlung mit Kreditkarte kommt es darauf an, ob diese erst nach der Lieferung oder davor belastet wird. Wird sie vor der Lieferung belastet, wäre eine Einwilligung nötig, danach nicht unbedingt. Gerade Unternehmer mit eigenem Online-Shop oder B2B-Einkaufsportal sollten unbedingt einen auf Datenschutzrecht spezialisierten Anwalt prüfen lassen, welche Informationen in Datenschutzerklärung und AGB gehören, welche Einwilligungsmöglichkeiten an welcher Stelle nötig sind – und wie sie Abläufe dann technisch rechtssicher umsetzen.

Die­se Da­ten spie­len bei der Bo­ni­täts­prü­fung ei­ne Rolle

Auskunfteien analysieren bei der Bonitätsprüfung verschiedene Daten. Je mehr, als desto präziser gelten die Vorhersagen zum Zahlungsausfallrisiko. Diese Daten werden erfragt:

  • Name (Vorname, Nachname und gegebenenfalls Titel)
  • Geburtsdatum
  • Geschlecht
  • Adresse
  • Anschriftendaten, aus denen die Anbieter aufgrund weiterer statistischer Erkenntnisse ihre Rückschlüsse etwa zu Kaufkraft und Zahlungsverhalten ziehen – aufgrund des Wohnumfelds
  • Wohndauer, Umzugshäufigkeit

Auch Informationen zum bisherigen Kreditaufnahme- und Zahlungsverhalten spielen eine Rolle. So verschlechtert etwa eine nicht lange zurückliegende Bonitätsanfrage den Scorewert. Ob die für einen Handyvertrag oder die Prüfung eines Kredits vorgenommen wurde, spielt keine Rolle. Ebenfalls bei der Bonitätsprüfung abgefragt werden oft:

  • Eintragungen im Schuldnerverzeichnis
  • Informationen aus laufenden und abgeschlossenen Inkassoverfahren
  • Verbraucherinsolvenzen
  • Informationen über bestehende Verträge oder Konten etwa bei Kreditinstituten, Leasinggesellschaften, Telekommunikationsanbietern, Online-Händlern, Dienstleistungsunternehmen zur Rechnungsstellung gegenüber versicherten Patienten
  • Informationen über bestehende und abgeschlossene Kredite: Kreditgeber, Laufzeit, Kreditsumme, Rate
  • Zahlungsverhalten: Angefragte, abgeschlossene und nicht erfüllte Kreditgeschäfte mit Ausfallrisiko
  • Nutzungsverhalten: Anzahl, Art, Dauer und Umfang von Kreditgeschäften mit Ausfallrisiko
  • Länge der Kredithistorie: Möglicher Hinweis auf Erfahrung im Umgang mit finanziellen Verpflichtungen.

Keine Informationen haben Auskunfteien zu

  • Vermögen und Einkommen
  • Beruf
  • Lebenseinstellungen und Mitgliedschaften, etwa religiöser oder politischer Art
  • Familienstand
  • Nationalität
  • Marketingdaten (Kaufverhalten oder Ähnlichem)

Das Herz der Bo­ni­täts­prü­fung: Score­wert oder Rating

Der richtige Umgang mit den Daten der Kunden ist für Unternehmer bei der Bonitätsprüfung unabdingbar. Eigentliches Herz oder auch Zweck der Bonitätsprüfung ist aber der sogenannte Scorewert, also die Bonitätseinstufung, aus dem sich das Rating herleitet. Für Verbraucher steht der vom jeweiligen Dienstleister aus diversen Daten errechnete Scorewert für eine gewisse Ausfallwahrscheinlichkeit. Dies gilt auch für das Ratingergebnis eines Unternehmens, also das Ergebnis der Bonitätsprüfung des eigenen Betriebs etwa durch die Hausbank. Nach dem Ratingergebnis wie auch dem Scorewert richtet sich, zu welchem Zinssatz ein Kunde eine Finanzierung erhält. Bei Unternehmern bestimmt das Ratingergebnis, wie eng beziehungsweise streng die Vorgaben der Bank für verschiedene Kennzahlen sind – etwa bei Eigenkapitalquote, Verschuldungsgrad oder Anlagendeckungsgrad. Vom Rating hängt außerdem ab, welche Konsequenzen für das Missachten der Vorgaben im Finanzierungsvertrag stehen – etwa die Pflicht zur Nachbesicherung des Kredits oder sogar Möglichkeiten zur vorzeitigen Kündigung.

Die ge­hei­me Spra­che der Ra­tings und Scores

Das Schu­fa-Gü­te­sie­gel für Ver­brau­cher

Für Verbraucher ist die bekannteste Bonitätsauskunft die der Schufa. Es gibt insgesamt 12 Schufa-Ratings. Dabei ist A die beste und L die schlechteste Bonitätsnote. Die Ratings zeigen die Ausfallwahrscheinlichkeit von Zahlungen des betroffenen Schuldners an. So ist beispielsweise bei einem Schuldner mit dem schlechtesten Schufa-Rating L und dem dazugehörigen Scorewert 0 bis 76 zu 42,4 Prozent Wahrscheinlichkeit mit einem Ausfall zu rechnen. Dagegen ist bei einem Schuldner mit dem bestem Schufa-Rating A und dazugehörigem Scorewert 1000 bis 662 nur in 1,38 Prozent der Fälle mit einem Ausfall des Kredits zu rechnen. Zusätzlich zum Rating selbst führen Schufa-Auskünfte weitere Merkmale auf. Diese dienen der Information, aber teils auch durchaus der Warnung. Merkmale können sein beispielsweise:

  • GI: Girokonto
  • CC: Kreditkarte
  • TK: Telekommunikationskonto
  • SU: Suchauftrag
  • IA: Insolvenzantrag
  • CA: Kreditkarte in Abwicklung
  • WS: Widerspruch

Nicht mehr aufgeführt oder durch andere Merkmale ersetzt werden mittlerweile beispielsweise Vollstreckungsbescheid oder Zwangsvollstreckung, Scheckkartenmissbrauch oder Lohnpfändung sowie auch etwa Haftbefehl.

Die Ra­tings der Un­ter­neh­men

Für Unternehmen vergeben die diversen Finanzinstitute Ratingnoten nach einem ähnlichen Muster, um deren Bonität einzustufen. Bei diesen Ratings gibt es ähnlich viele Abstufungen wie bei Schufa-Bonitätsnoten für Verbraucher. Auch Ratings von Firmen deuten auf eine Ausfallwahrscheinlichkeit hin. Sie dienen im Gegensatz zu Ratings von Verbrauchern aber nicht allein der Frage, ob ein – weiterer – Kredit gewährt wird, sondern auch dazu, den weiteren Rahmen für eine längerfristige, Geschäftsbeziehungen festzustecken. Die Verhandlungsposition von Unternehmen und die ihnen zugänglichen Vertragsbedingungen hängen von ihrem Rating ab. Viele Unternehmer checken vor größeren Aufträgen die Bonität durchaus teils auch von Bestandskunden ab, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Das sa­gen die Ra­ting­noten aus

Technisch funktionieren Ratings nach dem stets selben Prinzip: Die beste Ratingnote ist klein. Sie lautet also etwa im Fall des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) 1 oder bei der Creditreform 100, während die Werte zu den schlechteren Ratings hin aufsteigen, also auf 15 beim DSGV oder auf 499 etwa bei der Crefo. Die allerbesten Ratingnoten bleiben den meisten kleinen und mittleren Unternehmen verschlossen. Mit einem guten Liquiditätsmanagement können aber auch sie sich auf achtbare Werte im oberen Bereich oder auch dem oberen Mittelfeld hinarbeiten, die ebenfalls ein durchaus bequemes weiteres Wirtschaften und Finanzieren ermöglichen.

No news ist bei der Bo­ni­täts­prü­fung nicht immer good news

Unauffälligkeit ist in Finanzdingen eigentlich Trumpf. Bei der Bonitätsprüfung allerdings sind Einträge nicht automatisch schlecht. Eine lange Historie von errechneten Scorewerten und Vermerken von Auskunfteien kann dazu beitragen, einen guten Scorewert oder ein attraktives Ratingergebnis zu erhalten – sowohl für Unternehmer als auch Verbraucher. Wer bereits einen Kredit zuverlässig abbezahlt hat, legt durch dieses Verhalten in der Vergangenheit nahe, es künftig ebenso zu machen. Schlecht wirken sich sogenannte Negativmerkmale aus, also Zahlungsverzug, Inkasso- und Insolvenzverfahren oder Daten von Gerichten wie etwa Haftbefehle. Aber auch bestimmte Wohnviertel oder sogar neue Handy- oder Girokontoverträge können den sogenannten Scorewert verschlechtern. Greift ein potenzieller Gläubiger auf ein veraltetes Rating zurück, können offenbar nach wie vor auch Faktoren wie Alter oder Geschlecht die Bonitätsprüfung negativ beeinflussen. Selbst Schreibfehler sind unter Umständen von Nachteil.

Bo­ni­täts­prü­fung sollte nicht die Ge­pflo­gen­hei­ten dik­tieren

Dass Unternehmer sich gegen zu schlechte Bonitätseinstufung wehren können, davon war hier bereits zu lesen. Auf die Qualität der Daten sollten sie natürlich besonders achten, wenn sie selbst eine Bonitätsprüfung vornehmen – auch dies kann sinnvoll sein. Die von der DS-GVO vorgeschriebene Datensparsamkeit hat in der Hinsicht aber eher Vorteile. Worauf zu achten ist, sollten Unternehmer mit Steuerberater und Anwalt klären. Um sich Ärger zu ersparen, lassen manche Firmenchefs nur Vorkasse zu – das sollten sie aber gegen die Vorteile einer Bonitätsprüfung abwägen. Wer das gegenteilige Extrem – nämlich Live-Bonitätsprüfung in seinem Online-Shop – wünscht, muss natürlich viel mehr beachten. Wofür sie sich in Sachen Bonitätsprüfung entscheiden und wie sie es handhaben, sollten Unternehmer ausführlich mit ihrem Anwalt absprechen.

 

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.