Trends & Innovationen

Virtuelles Kraftwerk bringt erneuerbare Energien voran

Virtuelle Kraftwerke sind eine Schlüsseltechnologie der Energiewende. Matthias Lange, Geschäftsführer von energy & meteo systems, ist überzeugt, dass sie das schwankende Angebot von Sonnen- und Windenergie ausgleichen und Mittelständlern helfen können, Stromkosten zu sparen.

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Es tut sich was am deutschen Energiemarkt: Der Trend zu einer flexiblen und dezentralen Versorgung ist in vollem Gange! Ehemalige Riesen wie RWE oder E.ON verlieren massiv Marktanteile, während kleinere Energieversorger das clevere Geschäft mit den dezentralen Anlagen gerade erst entdecken. Dazu zählt die tägliche Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien über die Börsen. Der Zugang zum Regelenergiemarkt für Blockheizkraftwerke. Ein virtuelles Kraftwerk, zu dem sich mehrere Stromproduzenten und -verbraucher zusammenschließen. Oder der am aktuellen Preis optimierte Strombezug für Verbraucher mit Lastverschiebepotenzial, um nur einige Beispiele zu nennen.

Neue Technologien ermöglichen Einsparungen

Für kleine und mittlere Betriebe zählt vor allem eins: Strom wird teurer, und sie profitieren im Gegensatz zu energieintensiv arbeitenden Großunternehmen von keinen Ausnahmeregeln. Darüber kann man als Firmenchef klagen. Aber man kann auch versuchen, auf intelligente Weise die Kosten zu senken – indem man die durch Ökostrom-Überproduktion im Tagesverlauf stark schwankenden Erzeugerpreise ausnutzt und genau dann kauft, wenn es billige Angebote gibt. Also: Vergessen Sie für einen Moment mal die Diskussion um das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), und schauen Sie, was genau ein virtuelles Kraftwerk ist beziehungsweise wie es Ihnen helfen könnte.

Gerade Mittelständler können profitieren

Unter einem virtuellen Kraftwerk versteht man den Zusammenschluss mehrerer regenerativer Erzeugungsanlagen, etwa eines Windparks, einer Solaranlage und eines Blockheizkraftwerks, zu einem lokalen Verbund. Das ermöglicht es kleineren Energieversorgern, so viel regenerativen Strom zu erzeugen, dass sie ihn wirtschaftlich vermarkten können. Vor kurzem ist das erste bundesweite virtuelle Kraftwerk ans Netz gegangen, es hat eine Gesamtleistung von 4.436 Megawatt. Der Anschluss an ein virtuelles Kraftwerk kann sich für Unternehmen mit einem Lastverschiebepotenzial von über 200 Kilowatt Leistung lohnen.

Jeder flexible Betrieb ist ein Kandidat

Unverzichtbar sind in diesem Verbund Verbraucher mit steuerbaren Lasten, also solche, die ihren Energiebedarf zeitweise vom Produktionsprozess abkoppeln können. Dazu gehören Kühlhäuser, die das Gefriergut tiefer einfrieren als nötig und dann für ein paar Stunden auf Energiezufuhr verzichten können. Gewächshäuser, die beispielsweise die Energiezufuhr für Nachtschattengewächse in einem mehrstündigen Zeitfenster flexibel handhaben können. Oder Recyclinganlagen, die ihre Altpapierschredder nachts genauso gut betreiben können wie tagsüber. Dann ist es technisch kein Problem, Strom genau zu dem Zeitpunkt über ein virtuelles Kraftwerk mit Leitwarte und die intelligenten Leitungen zu beziehen, wenn ein Überangebot besteht und er deshalb günstiger ist. Es geht also nicht darum, Energie zu sparen, sondern Kosten zu reduzieren sowie Zusatzerlöse zu generieren.

Noch fehlen Geschäftsmodelle

Die Technologie ist da. Was fehlt, sind neue Geschäftsmodelle, bei denen die Verbraucher einen deutlichen finanziellen Vorteil aus dem virtuellen Kraftwerk ziehen. Wenn man so will: Auf Smart Grid muss Smart Market folgen, wie die Bundesnetzagentur in einem Eckpunktepapier darlegt. Leider haben viele Energieanbieter das Thema noch nicht für sich entdeckt. Aber das dürfte sich ändern, wenn ihre Kunden Druck machen. Betriebe mit einem entsprechend zu nutzenden Lastverschiebepotenzial sollten sich an ihre Stromlieferanten wenden und darlegen, dass sie sich für die Anbindung an ein virtuelles Kraftwerk eignen. Und sie sollten mit diesem Argument für deutlich günstigere Konditionen kämpfen. Das kann sich lohnen. Bei einem Kühlhaus etwa liegen die Investitionen zur Teilnahme am virtuellen Kraftwerk deutlich unter 10.000 Euro – eine Summe, die in weniger als einem Jahr durch eine niedrigere Stromrechnung oder Zusatzerlöse wieder erwirtschaftet werden kann.

Vita: Matthias Lange

Matthias Lange ist geschäftsführender Gesellschafter und Gründer von energy & meteo systems GmbH in Oldenburg, einem der führenden Anbieter von virtuellen Kraftwerken für dezentrales Energiemanagement und effiziente Direktvermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien. Außerdem ist das Unternehmen internationaler Dienstleister für Wind- sowie Solarleistungsprognosen.

Foto: Fotolia

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