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Rabattcoupons können auch zur Falle werden

Der Bundesgerichtshof hat ein so überraschendes wie folgerichtiges Urteil über Rabattcoupons gefällt. Unternehmer dürfen Couponaktionen der Konkurrenz kapern - die darf das natürlich auch.

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Kennen Sie „Couponing Extrem“? Der Fernsehsender TLC strahlt dieses aus den USA importierte Dokutainment-Format aus. Echte Gutschein-Freaks zeigen dort, wie sie beispielsweise für einen 500-Dollar-Einkauf durch Verrechnung von Gutscheinen nur noch 11,50 Dollar zahlen müssen. Inzwischen gibt es sogar hierzulande erste Schnäppchenprofis, die stets mit gut gefülltem Coupon-Ordner zum Shoppen gehen, wie die „WDR Servicezeit“ berichtet. Mal sehen, ob dieses Beispiel wirklich Schule macht.

Klingt verrückt, dass manche Menschen so etwas tun, oder? Andererseits: Als Unternehmer sollten Sie auf die Wünsche der Kunden eingehen. Und wenn Rabatte nun mal mehr zahlendes Publikum anlocken, warum nicht? Vielleicht sollten Sie also über eigene Rabattcoupons nachdenken – oder wenigstens darüber, wie Sie mit Konkurrenten gleichziehen können, die dieses Instrument schon nutzen. Das geht etwa, indem Sie die von einem Wettbewerber ausgegebenen Coupons akzeptieren und den beworbenen Nachlass selbst gewähren. Das ist kein unlauterer Wettbewerb, meinte jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) zur Werbeaktion eines Drogeriemarkts.

Sie dürfen auch Rabattcoupons der Konkurrenz einlösen

Im konkreten Fall hatte eine Drogeriemarktkette die Zehn-Prozent-Coupons dreier Konkurrenten anerkannt und den aufgedruckten Rabattbetrag für ihr Angebot gewährt. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs klagte dagegen – und verlor in letzter Instanz. Dem Unternehmen sei kein unlauteres Eindringen in einen fremden Kundenkreis vorzuwerfen, so die Karlsruher Richter. Vielmehr richte sich das Angebot an eigene Kunden, die wiederum von der Konkurrenz mit deren Rabattcoupons umworben würden. Ein Gutschein mache die Inhaber nicht zu Kunden. Jedem stehe es durch die Anerkennung auch durch andere Händler frei, wo er seinen Gutschein einlöse. Auch eine Irreführung der Verbraucher sahen die Richter nicht. Es werde nicht der Eindruck vermittelt, es handle sich um eine abgesprochene Werbemaßnahme. Das Urteil ist folgerichtig. Immerhin nennt schon das Gründerlexikon das Gutscheinmarketing als Strategie für die Neukundengewinnung – und von irgendwo müssen die Neukunden ja herkommen. Vielleicht wird ja künftig das Einlösen von Gutscheinen der Konkurrenz als Kundentreuestrategie definiert.

Akzeptieren Sie Onlinegutscheine von Internetshops

Weitergedacht hört sich das nach einer guten Strategie an, mit der Geschäfte vor Ort gegen den Onlinehandel bestehen können. Über den berichten Studien, dass Kunden immer weniger auf Angebote reagieren, wenn kein Coupon angerechnet wird. Käufe über Gutscheincode-Websites, so das Gründerlexikon, seien einer Studie zufolge um 41 Prozent gestiegen. Fast jeder zweite Verbraucher nehme beim Onlineshopping einen Gutscheine als Anreiz, um bei neuen Anbietern einzukaufen. 15 Prozent brechen die Bestellung ab, falls es keinen Gutschein gibt. Fast die Hälfte der Befragten gab an, aufgrund eines Gutscheins mit Mindestbestellwert schon mehr gekauft zu haben als geplant – ein Fünftel ordert dank Gutscheinen regelmäßig mehr als beabsichtigt. Anstatt also wie die Einzelhändler in Hangelar kürzlich demonstrativ das Schaufenster zu verhüllen: Kleistern Sie es mit Rabattcoupons jener Onlinekonkurrenten voll, denen Sie den größten Kundenschwund wünschen. Immerhin erreicht die digitale Konkurrenz ihre Adressaten dank Apps und personalisierter Werbung zunehmend im Laden – also Ihrem Geschäft.

Lassen Sie sich pfiffige, individuelle Aktionen einfallen

Falls Sie selbst schon die ein oder andere Couponaktion angedacht oder realisiert haben, ist hier nun also ein Faktor mehr, auf den Sie achten sollten. Was Sie da alles zu bedenken haben, konnten Sie hier schon lesen. Natürlich hat es auch viel für sich, mal über Abwandlungen und Alternativen nachzudenken, um nicht in die Rabattfalle zu laufen – die können sich kleine Anbieter vermutlich weniger leisten als große Filialketten. Besser, Sie lassen sich etwas andere Coupons und Aktionen einfallen – die dürfen ruhig auch ein wenig pfiffiger sein. Über die rechtlichen Details und die steuerlichen Folgen solcher Aktionen und Gegenaktionen sollten Sie allerdings vorher ausführlich mit Anwalt und Steuerberater sprechen – auch hier steckt der Teufel wie so oft im Detail.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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