Schlagwort

Umsatzsteuer

Browsing

Der E-Commerce ist Segen und Fluch zugleich. Zwar hilft das Internet vielen Unternehmen, ihr Geschäft mit Privatkunden schnell und über Landesgrenzen hinweg auszubauen. Damit ist aber ein teils hoher Verwaltungsaufwand verbunden, besonders mit Blick auf unterschiedliche Umsatzsteuersätze in den Märkten, wo Leistungen für Verbraucher erbracht werden. Um vor allem kleinere Betriebe in diesem Bereich zu entlasten, gilt seit 2015 das sogenannte Moss-Verfahren. Moss steht für Mini-One-Stop-Shop und richtete sich zunächst an Unternehmer, die Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen sowie auf elektronischem Weg erbrachte Dienstleistungen an Privatpersonen in einem anderen EU-Land verkaufen. Im Kern geht es beim Moss-Verfahren darum, die steuerliche Behandlung grenzüberschreitender Umsätze und damit den elektronischen Handel zu erleichtern. Unternehmer müssen Verkäufe innerhalb der EU nur noch bei ihrer nationalen Anlaufstelle anmelden, der sogenannten Kleinen Einzigen Anlaufstelle (KEA) – und nicht mehr in jedem Land. Davon sollen nun ab Januar noch mehr Unternehmen profitieren.

Das Moss-Ver­fah­ren er­leich­tert Ge­schäf­te im In­ternet

Im Rahmen der „Strategie für einen digitalen Binnenmarkt“ erleichtert die EU ab 2019 die Erhebung der Umsatzsteuer für den Verkauf von Gegenständen und nicht elektronisch erbrachten Dienstleistungen via Internet an Verbraucher. Das erweiterte Moss-Verfahren gilt zunächst für Start-ups, Kleinstunternehmen und KMU. Liegt künftig der gesamte B2C-EU-Auslandsumsatz unter der Lieferschwelle von 10.000 pro Jahr, gilt als Ort der Leistung der Sitz des Leistenden – also die nationale Umsatzsteuer. Bei höheren Beträgen kann sich der Unternehmer für die Teilnahme am Moss-Verfahren und damit nur einer zentralen Stelle umsatzsteuerlich registrieren lassen. Er müsste derzeit aber trotzdem Rechnungen nach den Vorschriften des Bestimmungslandes ausstellen. Ab 2019 dürfen die Regeln des Staates angewendet werden, in dem ein Unternehmen für das Moss-Verfahren registriert ist. Das wird meistens das Heimatland sein, was die Abrechnung deutlich vereinfachen. Ab 2021 soll jeder Onlinehändler den EU-Mehrwertsteuerpflichten über ein einheitliches nutzerfreundliches Online-Portal in seiner Landessprache nachkommen können. Antworten auf wichtige Fragen zum derzeitigen Moss-Verfahren gibt es beim Bundeszentralamt für Steuern. Ab 2019 vom Moss-Verfahren betroffene Unternehmer sollten ihren individuellen Fall mit dem Steuerberater besprechen. Er weiß, was sie künftig mit Blick auf die Umsatzsteuer zu beachten haben.

Grafik zeigt den Umsatzanstieg im deutschen E-Commerce von gut 15 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf fast 16 Milliarden Euro im Jahr 2018Umsatz­steu­er per Moss-Ver­fah­ren ein­fa­cher ab­rech­nen

Mit der Erleichterung des Onlinehandels durch das Moss-Verfahren einher geht ein verschärftes Vorgehen gegen Umsatzsteuerhinterziehung bei Geschäften über Onlineplattformen oder Onlinemarktplätze. Nicht nur Anbieter aus Übersee sollen den europäischen Steuerbehörden bei Verkäufen über Amazon, Ebay und Co. jedes Jahr hunderte Millionen Euro an Steuern vorenthalten. Daher nimmt die EU solche Plattformen und Marktplätze in die Pflicht. Wollen sie nicht für Umsatzsteuer haften, die dort aktive Verkäufer möglicherweise hinterziehen, müssen die Betreiber dem Finanzamt in Zukunft eine Bescheinigung über deren steuerliche Registrierung vorlegen. Diese Vorgabe trifft natürlich auch Betreiber kleinerer Plattformen.

Online­händ­ler müs­sen Steuer­be­schei­ni­gung vor­legen

Und selbst reine Verkäufer müssen reagieren. Wer Produkte oder Dienstleistungen über einen Marktplatz im Internet vertreibt, sollte damit rechnen, dass der Betreiber von ihm eine entsprechende Bescheinigung einfordert. Sogar von steuerlich schon immer korrekt erfassten Anbietern mit Sitz in Deutschland. Auch wenn manche Experten sich sehr kritisch mit dem Thema auseinandersetzen – ab 2019 gilt das „Ge­setz zur Ver­mei­dung von Um­satz­steu­er­aus­fäl­len beim Han­del mit Wa­ren im In­ter­net und zur Än­de­rung wei­te­rer steu­er­li­cher Vor­schrif­ten“, seine Vorgaben sind zu beachten. Auch dieses Thema muss daher rechtzeitig mit Steuerberater oder Anwalt besprochen werden. In diesem Zusammenhang könnte sich zudem ein allgemeiner Austausch zu rechtlichen und steuerlichen Entwicklungen bei Geschäften via Internet anbieten, denn da ändert sich ja ständig etwas. Einen guten Einstieg ins Thema und Überblick bietet das Fachbuch „Fallstricke im Online-Handel“.