Steuern & Abgaben

Mit Sonderausgaben die Steuer senken

Un­ter­halts­leis­tungen, Kir­chen­steuer und Bei­träge für Alters­vor­sor­ge, Kran­ken- oder Pflege­ver­sicherung min­dern als Sonderausgaben die Steuer. Auch Spen­den, pri­vate Ver­sicherungen und das Schul­geld der Kin­der las­sen sich so in der Steuererklärung an­set­zen.

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Deutsche sind die geborenen Schnäppchenjäger. Gibt es etwas günstig, greifen sie zu. Ähnlich verhält es sich beim Thema Steuern. Sparen lautet auch hier die Devise. Durch Sonderausgaben oder Werbungskosten, aber auch außergewöhnliche Belastungen lässt sich die Steuer senken. Wer weiß, was Sonderausgaben sind, wie die Berechnung beim Sonderausgabenabzug funktioniert und welche Aufwendungen der Fiskus bei der Einkommensteuer noch akzeptiert, spart bares Geld. Auch Unternehmer und Unternehmerinnen profitieren, wenn sie wissen, wie sie Aufwendungen für Rente, Versicherungen, Unterhaltszahlungen oder Kinderbetreuung als Sonderausgaben in der Steuererklärung eintragen sollten und wie hoch Sonderausgaben absetzbar sind. Denn nicht nur betriebliche oder beruflich veranlasste, sondern auch einige private Kosten mindern die Steuerschuld. Das Einkommensteuergesetz listet diese Sonderausgaben auf. Für manche Posten gelten jedoch Höchstbeträge. Daher ist es sinnvoll, frühzeitig mit Steuerberater oder Steuerberaterin zu sprechen, um diese effektiv zu nutzen. Zudem wissen Experten am besten, wo sie die jeweiligen Sonderausgaben in der Steuererklärung eintragen müssen.

Was gilt bei der Steuer als Sonderausgaben?

Das Finanzamt berücksichtigt gewisse private Aufwendungen bei der Einkommensteuer, die sogenannten Sonderausgaben. Sie mindern das zu versteuernde Einkommen von Arbeitnehmern, Gewerbetreibenden und Freiberuflern. Sonderausgaben können die Steuer zum Teil erheblich reduzieren. Allerdings nur, wenn das steuerpflichtige Einkommen den Grundfreibetrag von 9.744 Euro beziehungsweise 19.488 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepartner (2021) deutlich übersteigt. Von Amts wegen berücksichtigt der Fiskus nur einen pauschalen Sonderausgabenabzug von 36 Euro beziehungsweise 72 Euro bei Eheleuten. Für Unternehmer und Unternehmerinnen lohnt es sich daher, in die Berechnung der Sonderausgaben etwas Zeit zu investieren. Oft können sie deutlich höhere Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung eintragen und ansetzen. Wer hohe Aufwendungen für Altersvorsorge, Ausbildung oder Betreuung der Kinder sowie Versicherungspolicen hat oder Unterhaltszahlungen leistet, profitiert besonders vom Sonderausgabenabzug. Wichtig: Nur im Jahr der Zahlung sind Sonderausgaben – egal wie hoch – von der Steuer absetzbar. Sind die jeweiligen Höchstbeträge ausgeschöpft, lassen sich darüber hinaus gehende Aufwendungen nicht in späteren Steuerjahren berücksichtigen.

Wich­tig bei der Steuer: Sonderausgaben oder Werbungs­kosten?

Selbständige sind es gewohnt, Betriebsausgaben sofort und in voller Höhe von der Steuer abzusetzen. Für Sonderausgaben gilt dies hingegen nicht. Der Fiskus ordnet diese Kosten der privaten Lebensführung zu und gestattet den Sonderausgabenabzug daher nur für bestimmte Bereiche und nur bis zu bestimmten Grenzen. Verlustvorträge sind nicht möglich. Nur wer tatsächlich Steuer zahlt, profitiert von Sonderausgaben – und sie lassen sich zudem nur in dem Jahr bei der Einkommensteuer berücksichtigen, in dem ihre Zahlung erfolgte. Wer seine Steuer senken will, sollte deshalb genau prüfen, ob Aufwendungen den Sonderausgaben oder einer bestimmten Einkunftsart und damit Betriebsausgaben oder Werbungskosten zuzuordnen sind. Diese sind nämlich in der Regel voll steuerlich absetzbar. Im Unterschied zu den Sonderausgaben stehen Betriebsausgaben und Werbungskosten immer in Verbindung mit steuerpflichtigen Einnahmen – Werbungskosten entstehen beispielsweise bei Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Ein weiterer Vorteil gegenüber den Sonderausgaben: Verlustvorträge sind möglich. Werbungskosten lassen sich so auch mit Gewinnen späterer Steuerjahre verrechnen.

Alters­vor­sor­ge: Einkommensteuer durch Sonderausgaben spa­ren

Die finanzielle Vorsorge für das Alter soll sich lohnen. Daher fördert der Staat neben der Betriebsrente weitere Altersvorsorgeaufwendungen steuerlich. Beiträge für die spätere Rente können daher auch Unternehmer und Unternehmerinnen – abhängig von der Art der Vorsorge – bei der Einkommensteuer als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Vorrangig ist für den Fiskus die so genannte Basisversorgung. Hierzu zählen Beiträge zur

  • gesetzlichen Rentenversicherung,
  • berufsständischen Versorgungswerken,
  • landwirtschaftlichen Alterskassen und
  • einer kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge (Rürup-Rente).

Diese Aufwendungen lassen sich 2021 bis zum Höchstbetrag von 25.787 Euro (2020: 25.046 Euro) als Sonderausgaben bei der Steuer ansetzen. Für Ehepaare gilt der doppelte Betrag. Der Fiskus erkennt derzeit 92 Prozent (2020: 90 Prozent) der gezahlten Beiträge steuermindernd an. Für 2021 lassen sich damit maximal 23.724 Euro (beziehungsweise 47.448 Euro) als Sonderausgaben bei der Einkommensteuer berücksichtigen. Der Sonderausgabenabzug erhöht sich jährlich um zwei Prozentpunkte. Ab 2025 ist der volle Abzug möglich. Wer mit einem Riester-Vertrag vorsorgt, darf zusätzlich bis zu 2.100 Euro jährlich als Sonderausgaben in die Steuererklärung eintragen. Diese Altersvorsorge steht Pflichtversicherten und freiwillig gesetzlich versicherten Selbständigen offen. Auch freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rente oder einem berufsständischen Versorgungswerk helfen, Höchstbeträge bei den Sonderausgaben auszuschöpfen. Inwieweit Sonderausgaben die Steuer senken und sich insgesamt rechnen, sollte eine Steuerkanzlei vorab prüfen.

Wie hoch Sonderausgaben bei der Steuer ab­setz­bar sind

Es gibt viele Sonderausgaben. Ohne fachlichen Rat verlieren Steuerpflichtige da leicht den Überblick. Welche Aufwendungen als Sonderausgaben absetzbar sind und wie hoch sie jeweils ausfallen dürfen, wissen Steuerberater und Steuerberaterin. Meistens gelten Höchstbeträge. Darüberhinausgehende Aufwendungen berücksichtigt das Finanzamt nicht als Sonderausgaben bei der Steuer. Vorteile bei der Einkommensteuer bringen vor allem gezahlte Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung. Diese sind in voller Höhe als Sonderausgaben von der Steuer absetzbar. Doch Vorsicht: Der Anspruch auf Krankengeld gehört nicht zum Basisschutz. Daher kürzt der Fiskus gesetzlich Krankenversicherten den entsprechenden Sonderausgabenabzug pauschal um vier Prozent. Sonderausgaben darf das Finanzamt jedoch nicht zusammenstreichen, wenn Steuerpflichtige von ihrer Krankenkasse eine Bonuszahlung erhalten. Gab es den Bonus für aus eigener Tasche bezahlte Gesundheitsmaßnahmen, muss der Fiskus den vollen Sonderausgabenabzug gewähren, entschied der Bundesfinanzhof. Anders verhält es sich mit Beitragsrückerstattungen für eine private Basiskranken- und Pflegeversicherung. Diese mindern die abzugsfähigen Sonderausgaben bei der Steuer.

Be­grenz­ter Sonderausgabenabzug für Vor­sorge­auf­wen­dungen

Obwohl Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (Basisschutz) in voller Höhe als Sonderausgaben bei der Steuer zählen, gibt es eine Grenze nach oben. Für Angestellte gilt ein Höchstbetrag von 1.900 Euro, für Selbständige, die ihre Krankenversicherung allein finanzieren, von 2.800 Euro. Für Verheirate gilt das Doppelte. Oft übersteigen die Zahlungen an Kranken- und Pflegeversicherung aber bereits diesen Betrag. Die Folge: Unternehmerinnen und Unternehmer können keine zusätzlichen Vorsorgeaufwendungen mehr als Sonderausgaben von der Einkommensteuer absetzen. Nur wenn der Höchstbetrag nicht ausgeschöpft ist, lassen sich Kosten für weitere Versicherungspolicen als Sonderabgabenabzug geltend machen. Die Grenze von 1.900 beziehungsweise 2.800 Euro gilt für sonstige Vorsorgeaufwendungen, wie

  • Krankenzusatzversicherungen oder Beiträge für Wahlleistungen wie Krankentagegeld, Chefarztbehandlung oder Auslandskrankenschutz,
  • Arbeitslosenversicherung,
  • Unfallversicherung,
  • Erwerbs- und Berufsunfähigkeitspolicen,
  • Privathaftpflicht- und Kfz-Haftpflichtversicherung und
  • private Renten- und Lebensversicherungen, die Steuerpflichtige vor dem Jahr 2005 abgeschlossen haben.

Zahlen Selbständige die Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung ihrer unterhaltspflichtigen Kinder, sind auch diese als Sonderausgaben von der Steuer absetzbar. Private Sachversicherungen wie Rechtsschutz-, Hausrat, Gebäude- oder Kfz-Kaskoversicherung gelten dagegen nicht als Sonderausgaben. Solche Policen senken nur die Steuerlast, wenn die Ausgaben beruflich veranlasst sind, also Betriebs- oder Werbungskosten vorliegen.

Wo Sie Sonderausgaben in der Steuererklärung ein­tra­gen

Bei der Berechnung der Sonderausgaben ist es wichtig, die entsprechenden Höchstbeträge zu kennen. Steuerpflichtige sollten aber auch wissen, wo sie die jeweiligen Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung eintragen müssen. Seit 2019 gibt es ein neues amtliches Formular, die sogenannte Anlage Sonderausgaben. Sie umfasst viele Positionen, die zuvor im Mantelbogen anzugeben waren. Folgende Aufwendungen müssen Unternehmerinnen und Unternehmer nun in die Anlage Sonderausgaben ihrer Steuererklärung eintragen:

  • Unterhaltsleistungen an den oder die Ex (bis zu 13.805 Euro im Jahr),
  • Ausgleichszahlungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs zwischen Ehegatten,
  • Kosten für die erste Berufsausbildung oder ein Studium (bis zu 6.000 Euro jährlich),
  • Mitgliedsbeiträge und Spenden an politische Parteien oder steuerbegünstigte Organisationen,
  • gezahlte Kirchensteuer sowie
  • lebenslange und wiederkehrende Versorgungsleistungen im Zusammenhang mit einer Vermögensübertragung (Betrieb/Teilbetrieb, Mitunternehmeranteil an einer Personengesellschaft, mindestens 50-Prozent-Anteil an einer GmbH). Die Angabe der Identifikationsnummer des Empfängers ist Pflicht, damit das Finanzamt den Sonderausgabenabzug beim Leistenden durchwinkt. Der Senior muss die Zahlungen im Gegenzug als sonstige Einkünfte versteuern.

Auch Kinderbetreuungskosten und Schulgelder sind als Sonderausgaben von der Steuer absetzbar. Besuchen Kinder eine privat finanzierte Schule, lassen sich 30 Prozent der Kosten als Sonderausgaben bei der Einkommensteuer ansetzen. Der Fiskus akzeptiert bis zu 5.000 Euro pro Jahr. Betreuungskosten für Kindergarten oder Schulhort berücksichtigt das Finanzamt bis zum Höchstbetrag von 4.000 Euro. Zwei Drittel der Aufwendungen zählen als Sonderausgaben und gehören in die Anlage Kind der Steuererklärung. Sozialversicherungsbeiträge und Aufwendungen für die Altersvorsorge müssen Steuerpflichtige in die Anlage Vorsorgeaufwand eintragen. Riester-Sparer füllen darüber hinaus die Anlage AV aus, um den vollen Sonderausgabenabzug zu erhalten.

Sonderausgaben gel­ten nicht als außergewöhnliche Belastungen

Neben den Sonderausgaben gibt es weitere private Kosten, die sich teilweise von der Steuer absetzen lassen. Aufwendungen für eine neue Brille, Zahnersatz und andere Gesundheitsleistungen berücksichtigt das Finanzamt als außergewöhnliche Belastungen. Im Unterschied zu Sonderausgaben senken außergewöhnliche Belastungen jedoch nur die Einkommensteuer, wenn die persönliche wirtschaftliche Belastungsgrenze überschritten ist. Je nach Höhe der Einkünfte, des Familienstands und der Kinderzahl liegt diese zwischen einem bis maximal sieben Prozent des Einkommens. Seit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs ist die Belastungsgrenze jedoch schneller erreicht, weil sie anders berechnet wird. Fällt das Einkommen – etwa durch Auftragseinbußen infolge der Corona-Pandemie – gering aus, könnten sich außergewöhnliche Belastungen steuermindernd auswirken. Ob es sich lohnt, anstehende Gesundheitsausgaben vorzuziehen, berechnet die Steuerkanzlei. Dort weiß man außerdem, welche weiteren Aufwendungen neben außergewöhnlichen Belastungen und Sonderausgaben noch von der Steuer absetzbar sind. Seien es haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerleistungen oder die Lohnkosten der Haushaltshilfe auf Minijob-Basis.

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Sigrun an der Heiden

ist selbständige Wirtschaftsredakteurin. Die vermeintlich trockenen Themen wie Steuern, Finanzen und Recht sind ihr Steckenpferd. Sie schreibt für verschiedene Wirtschafts- und Unternehmermagazine sowie Kundenzeitschriften zu den Themen Mittelstand, Steuern und Finanzen, Recht, Nachfolge, Sanierung, Unternehmensführung, Personal, Betriebliche Altersvorsorge sowie Transport und Logistik. Zuvor arbeitete sie als Ressortleiterin bei diversen Unternehmermagazinen, unter anderem „Markt und Mittelstand“.

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