Steuern & Abgaben

Kurzarbeitergeld: Brücke aus der Krise

Die Corona-Krise hat viele Un­ter­neh­men in fi­nan­ziel­le Schwie­rig­kei­ten ge­bracht. Da­mit Ar­beit­ge­ber ih­re Mit­ar­bei­ter nicht kün­di­gen müs­sen, gibt es die Mög­lich­keit des Kurz­ar­bei­ter­gelds. Al­ler­dings sind zahl­rei­che De­tails zu beachten, da­mit das Kurz­ar­bei­ter­geld nicht am Ende zu­rück­ge­zahlt werden muss.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Aufträge brechen weg, die Kundschaft fehlt – und in manchen Bereichen müssen Firmen vorübergehend ganz schließen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgen dafür, dass Kurzarbeit quer durch alle Branchen ein Thema ist. So manches Unternehmen kommt nun zum ersten Mal mit dem Kurzarbeitergeld in Berührung. Anträge müssen gestellt, Betriebsvereinbarungen getroffen und arbeitsrechtliche Details beachtet werden. Zudem hat der Gesetzgeber bereits mehrfach auf die Krise reagiert und den Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtert und verlängert. Was viele Fragen aufwirft, die Unternehmen im Detail mit ihrem Steuerberater besprechen sollten. Wir geben Ihnen einen Überblick.

Was ist Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld ist eine Leistung der Arbeitslosenversicherung. Die Agentur für Arbeit zahlt das Kurzarbeitergeld als Teil-Ersatz für Lohn, der durch einen vorübergehenden Arbeitsausfall wegfällt. Das soll Kündigungen und Betriebsschließungen vermeiden. Kurzarbeitergeld berechnet sich auf Basis des ausgefallenen Nettoentgelts. Davon erhalten die Arbeitnehmer grundsätzlich 60 Prozent, Arbeitnehmer mit Kindern 67 Prozent. Um zu klären, wie das Kurzarbeitergeld im Detail berechnet wird, sollten Unternehmer ihren Steuerberater fragen.

Welche Voraussetzungen sind für Kurzarbeitergeld zu erfüllen?

Ein so genanntes unabwendbares Ereignis ist Voraussetzung, damit Unternehmen Kurzarbeit beantragen können. Dazu zählt nicht nur eine Pandemie wie jetzt, sondern auch ein Unglücksfall oder außergewöhnliche Witterungsbedingungen. Entscheidend ist, ob das im Unternehmen zu erheblichen Arbeitsausfall führt, der mindestens zehn Prozent der Beschäftigten trifft. Dieser Arbeitsausfall kann natürlich auch durch wirtschaftliche Ursachen – beispielsweise Auftragsmangel – entstehen. Allerdings darf der Arbeitsausfall nur vorübergehend sein. Übrigens: Die Regelung, dass der Arbeitsausfall lediglich mindestens zehn Prozent der Mitarbeiter treffen muss, gilt befristet bis Ende 2021. Unternehmen beantragen Kurzarbeit schriftlich bei ihrer Arbeitsagentur – inklusive einer Begründung, warum der erhebliche Arbeitsausfall eingetreten ist.

Muss Kurzarbeit für das gan­ze Un­ter­nehmen gelten?

Nein. Schließlich können Abteilungen unterschiedlich von Auftragseinbrüchen betroffen sein. In der einen Abteilung kann vielleicht an anderen Projekten weitergearbeitet werden, in der anderen reicht es womöglich aus, wenn die Beschäftigten ihre Arbeitszeit um die Hälfte reduzieren. Daher kann ein Unternehmen auch lediglich für bestimmte Bereiche Kurzarbeit einführen. Und prüfen, ob Mitarbeiter zeitlich befristet in eine andere Abteilung versetzt werden können.

Wie lange kann der Be­trieb Kurzarbeitergeld beziehen?

Normalerweise lässt sich Kurzarbeitergeld bis zu zwölf Monate lang in Anspruch nehmen. Aber auch hier greift während der Corona-Krise eine gesetzliche Erleichterung: Bis Ende 2020 kann Kurzarbeitergeld unter bestimmten Voraussetzungen bis zu 21 Monate lang gezahlt werden. Wird die Kurzarbeit für mindestens einen Monat unterbrochen, kann sich die Bezugsfrist verlängern.

Wie wird Kurzarbeitergeld abgerechnet?

Der Unternehmer geht in Vorleistung. Das heißt, der Arbeitgeber zahlt die Löhne und Gehälter erst einmal – inklusive der Sozialversicherungsbeiträge. Die Arbeitsagentur erstattet rückwirkend das Kurzarbeitergeld. Vor der Corona-Krise blieben Arbeitgeber während einer Kurzarbeitsphase auf den Sozialversicherungsbeiträgen sitzen. Dies hat der Gesetzgeber geändert, dadurch bekommen Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden zu 100 Prozent erstattet.

Kann der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld aufstocken?

Mit dem Corona-Steuerhilfegesetz hat der Gesetzgeber geregelt, dass Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld bis 80 Prozent des Unterschiedsbetrags zwischen dem Soll- und Ist-Entgelt steuerfrei gestellt sind. Die Steuerbefreiung ist allerdings zeitlich befristet. Sie gilt für Zuschüsse bei Lohnzahlung nach dem 29. Februar 2020 und vor dem 1. Januar 2021.

Wie sind Urlaubs­an­sprü­che und Über­stun­den zu behandeln?

Bevor Kurzarbeit greifen kann, müssen die Mitarbeiter ihre Überstunden abbauen. Aber mit den Gesetzesänderungen zur Corona-Krise gibt es nun auch eine Neuregelung zu Arbeitszeitkonten. Demnach dürfen Unternehmen bis zum Jahresende darauf verzichten, dass ihre Arbeitnehmer Minusstunden aufbauen. Das Gleiche gilt für Urlaubsansprüche. Das heißt, die Beschäftigten müssen keinen Urlaub nehmen, um Kurzarbeit zu vermeiden. Im Gegenteil: Individuelle Urlaubswünsche sind sogar besonders geschützt. Beispielsweise, damit Eltern – solange Kitas teilweise noch geschlossen sind und nicht alle Schulklassen unterrichtet werden – ihre Kinder betreuen können. Aber auch in anderen Fällen gehen die Urlaubswünsche der Arbeitnehmer vor. Besondere Regelungen gelten allerdings für Urlaubsansprüche aus dem Vorjahr. Bei Unsicherheiten und arbeitsrechtlichen Fragen sollten Unternehmer einen Fachanwalt hinzuziehen.

Was gilt für Aus­zu­bil­den­de, Mi­ni­job­ber und Leiharbeitnehmer?

Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Für sie gelten jedoch besondere Berechnungsvorgaben, hier kann der steuerliche Berater unterstützen. Geringfügig Beschäftigte sind nicht sozialversicherungspflichtig und können daher kein Kurzarbeitergeld bekommen. Ausbildung hat dagegen Vorrang vor Kurzarbeit. Der Betrieb muss also versuchen die Ausbildung aufrecht zu erhalten – etwa, indem der Chefs die Azubis in andere Abteilungen versetzt oder den Ausbildungsplan verändert. Da das aber nicht immer funktioniert, haben auch Azubis einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Dafür gelten besondere Regelungen.

PRODUKTEMPFEHLUNG VON DATEV
Kurzarbeit

In diesem Kompaktwissen finden Sie alles Wissenswerte

über die Bedeutung von Kurzarbeitergeld für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Lernen Sie die relevanten Neuerungen kennen und lesen Sie, wie Sie Fehler bei der Berechnung vermeiden.
E-Book

Können Arbeitgeber die Kurzarbeit auch anordnen?

Der Arbeitgeber muss eine rechtliche Grundlage für die Kurzarbeit schaffen. Das geht etwa mit einer Betriebsvereinbarung. Sie legt die vorübergehende Verkürzung der Arbeitszeit sowie die Vergütung der Mitarbeiter fest. Gibt es einen Betriebs- oder Personalrat, muss dieser der Kurzarbeit zustimmen. Dann ist das Unternehmen nicht auf die Zustimmung der einzelnen Mitarbeiter angewiesen. Achtung: Wenn tariflich oder betriebsintern Vorgaben zur Kurzarbeit bestehen, sind gegebenenfalls Fristen zu wahren. Zum Beispiel, um die Kurzarbeit im Unternehmen rechtzeitig anzukündigen.

Müssen Arbeitgeber auch Do­ku­men­ta­tions­pflichten beachten?

Ja. Arbeits-, Ausfall- und Fehlzeiten sind nachzuweisen. Für die Arbeitszeitnachweise gibt es keine Vorlage – aus den Unterlagen muss hervorgehen, wann die Mitarbeiter gearbeitet haben, wann sie Überstunden abgebaut haben oder in Urlaub waren – und natürlich, wann Kurzarbeit war. Die Abrechnungen für den jeweiligen Kalendermonat müssen Unternehmer innerhalb von drei Monaten einreichen. Wichtig: Das Kurzarbeitergeld wird unter Vorbehalt gezahlt. Läuft das Kurzarbeitergeld aus, erfolgt eine Prüfung, ob der Anspruch berechtigt war. Arbeitgeber sollten daher ihre Unterlagen sorgfältig nachhalten und ihren steuerlichen Berater hinzuziehen, um die ordnungsgemäße Dokumentation zu prüfen.

podcast-tipp
hier erfahren sie mehr über das Thema kurzarbeitergeld

In den Sonderausgaben des DATEV-Podcast geht es um Fragen rund um die Corona-Krise. Dabei spielt natürlich auch das Thema Kurzarbeit eine wichtige Rolle. Hier können Sie reinhören:

#12 Gewappnet für die Corona-Krise: Kurzarbeitergeld

#29 Gewappnet für die Corona-Krise: Kurzarbeit – Fortsetzung folgt

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
DATEV

Hier schreiben Experten von DATEV für Unternehmer! Spezialisten aus verschiedenen Bereichen erläutern komplexe Fachthemen, schaffen Klarheit mit Checklisten und zeigen passende DATEV-Angebote.

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Kein einfaches Thema!
    Am besten hilft ein steuerlicher Berater! Sie haben noch keinen? Dann können Sie auf DATEV SmartExperts nach den passenden Experten suchen.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn