Steuern & Abgaben

Corona: Nutzen Sie die umfassenden Hilfsprogramme

Durch die Pan­de­mie droht eine Re­zes­sion. Im Kampf ge­gen mög­li­che wirt­schaft­li­che Fol­gen durch Co­ro­na set­zen Bund und Län­der auf um­fang­rei­che Hilfs­pro­gram­me. Bei vie­len The­men ist es aber un­be­dingt emp­feh­lens­wert, Rück­spra­che mit An­walt und Steu­er­be­ra­ter zu halten.

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Der Bundestag hat gestern den Nachtragshaushalt 2020 und das Wirtschaftsplanstabilisierungsfondsgesetz beschlossen. Auch die Zustimmung des Bundesrats am Freitag gilt als sicher. Damit ist der Corona-Schutzschirm des Bundes über der Wirtschaft aufgespannt, nachdem die Länder bereits in den vergangenen Tagen eigene Hilfsprogramme gestartet hatten. Teilweise sind die Verfahren zur Antragstellung noch in Vorbereitung, aber die Spielregeln stehen jetzt fest. Unternehmer, die durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, sollten deshalb rasch mit dem Steuerberater klären, ob und wie sie von den einzelnen Hilfsmaßnahmen profitieren können. Wichtig ist insbesondere, die Anträge bei den richtigen Adressaten zu stellen.

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Informationen zur Corona-Krise

Auf dieser Seite informieren wir Sie aktuell über Maßnahmen und Angebote, um Sie in der Corona-Krise bestmöglich kurz-, mittel- und langfristig zu unterstützen. Die Seite befindet sich im Aufbau und wird laufend aktualisiert.

Informationen zur Corona-Krise

Betriebliche Liquidität – Stundungen

Schnell und unkompliziert funktioniert die Liquiditätssicherung per Steuerstundung unter anderem bei der Einkommen-, Körperschaft-, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer. Das verschafft dem Unternehmen eine Zahlungspause. Es besteht die Möglichkeit zur Anpassung der Vorauszahlungen bei den Ertragsteuern sowie zum Verzicht auf die Vollstreckung überfälliger Steuerschulden bis zum Jahresende. Ansprechpartner für Steuererleichterungen ist das zuständige Finanzamt. Auch Sozialversicherungsbeiträge beispielsweise zur Berufsgenossenschaft können leichter gestundet werden.

Betriebliche Liquidität – Soforthilfe-Zuschuss

Alle Bundesländer haben eigene Hilfsprogramme aufgelegt, über die Firmenchefs an die Betriebsgröße gekoppelte Zuschüsse beantragen können. Die Maßnahmen richten sich insbesondere an kleinere Unternehmen, Selbständige, Freiberufler und Gewerbetreibende. Der Corona-Schutzschirm des Bundes unterstützt ebenfalls kleine Unternehmen, Selbständige und Freiberufler in Form von Zuschüssen etwa für Miet- und Pachtkosten. Selbständige und Unternehmer mit bis zu fünf Beschäftigten können einmalig maximal 9.000 Euro erhalten. Bei bis zu zehn Beschäftigten – jeweils Vollzeitäquivalente – stehen maximal 15.000 Euro für drei Monate zur Verfügung. Geld gibt es über die von der jeweiligen Landesregierung mit der Abwicklung beauftragten Ämter oder Behörden.

Liquidität im Betrieb – Krediterleichterung

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stellt umfangreiche Hilfskredite zur Verfügung. Für Unternehmen, die seit mindestens fünf Jahren bestehen, gibt es den KfW-Unternehmerkredit. Für Unternehmen, die kürzer existieren, steht der ERP-Gründerkredit zur Verfügung. Mittelständische und große Unternehmen profitieren vom KfW-Sonderprogramm Konsortialfinanzierungen. Ansprechpartner ist das jeweilige Landesförderinstitut oder die Hausbank. Große Unternehmen können über den neuen Schutzfonds auch großvolumige staatliche Bürgschaften erhalten oder durch eine Kapitalbeteiligung des Staates am Leben gehalten werden. Exportierende Unternehmen können weiter mit Exportkreditgarantien rechnen, der sogenannten Hermesdeckung.

Betriebliche Kostenentlastung – Kurzarbeitergeld

Rückwirkend ab 1. März gelten Erleichterungen beim Zugang zum Kurzarbeitergeld, das von der Bundesagentur für Arbeit ausgezahlt wird. Ein Anspruch besteht nun schon dann, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von über zehn Prozent haben. Sozialversicherungsbeiträge werden für ausgefallene Arbeitsstunden komplett erstattet. Leiharbeiter bekommen ebenfalls Zugang zum Kurzarbeitergeld. Auch der Aufbau negativer Arbeitszeitkonten – wie grundsätzlich vereinbart – ist nicht erforderlich. Die anderen Voraussetzungen zur Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld gelten weiter.

Betriebliche Existenzsicherung – Lockerung des Insolvenzrechts

Das Bundeskabinett hat das COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetz (COVInsAG) auf den Weg gebracht. Es soll rückwirkend zum 1. März 2020 in Kraft treten und könnte bis 31. März 2021 gelten. Gerät ein Unternehmen durch Umsatzausfälle infolge der Corona-Pandemie in Zahlungsschwierigkeiten und sind Hilfszuschüsse oder -kredite noch nicht überwiesen, ist der Firmenchef von der in der Insolvenzordnung festgelegten Drei-Wochen-Frist zur Anmeldung der Insolvenz befreit. Besteht wegen staatlicher Hilfen oder anderweitiger Finanzierungsverhandlungen begründete Aussicht auf Sanierung, ist die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt. Ähnliche Regelungen gab es bereits für Unternehmen, die durch die Überschwemmungen 2013 und 2016 in Schieflage geraten waren. Allerdings sollten Firmenchefs mit ihrem Anwalt oder Steuerberater genau besprechen, wie sie den Sachverhalt dokumentieren: Ausreichende Liquidität vor Corona, Insolvenzreife nur aufgrund der Corona-Pandemie, Aussicht auf frisches Geld. Wer das nicht tut, müsste nach einer – Stand heute ja nicht auszuschließenden – späteren Insolvenz sonst dem Verdacht der Insolvenzverschleppung fürchten.

Private/Betriebliche Existenzsicherung – Kündigungsschutz für Mieter

Wohnungen und Geschäftsräume dürfen bis zunächst 30. Juni 2020 nicht gekündigt werden, wenn es durch die Corona-Krise zu Verzögerungen der Mietzahlungen kommt. Das Gleiche soll auch für die Strom-, Gas- und Telefonanschlüsse gelten.

Private Existenzsicherung – leichterer Zugang zu Grundsicherung

Solo-Selbständige können zusätzlich Grundsicherung für Arbeitssuchende mit vereinfachten Zugangsvoraussetzungen beantragen. Wer vom 1. März bis zum 30. Juni 2020 einen Neuantrag auf Grundsicherung stellt, für den entfällt deshalb für die ersten sechs Monate die Vermögensprüfung, wenn erklärt wird, dass kein erhebliches Vermögen verfügbar ist. In den ersten sechs Monaten des Leistungsbezugs werden die Ausgaben für Miete und Heizung in tatsächlicher Höhe anerkannt. Kinderzuschlag als Alternative zur Grundsicherung erhält, wessen Einkommen zwar für ihn selbst, nicht aber für seine Familie reicht. Bei Neuanträgen ist nur noch das Einkommen des letzten Monats (anstelle des letzten halben Jahres) entscheidend. Bei Einkommensverlusten etwa von selbstständigen Eltern entsteht so schneller ein Anspruch.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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