Finanzierung & Förderung

Überbrückungshilfen: Jetzt Förderantrag vorbereiten!

Die Über­brückungs­hilfe ist ein echter, also nicht-rück­zahl­barer Zu­schuss zu den Betriebs­kosten. KMU sowie Selb­ständige können sie über ihren Steuer­berater be­an­tragen. Die An­träge setzen eine gute Vor­berei­tung auch durch den Unter­nehmer voraus.

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Die Überbrückungshilfe steht kleinen und mittleren Unternehmen ebenso offen wie Selbständigen und Freiberuflern. Die Beschäftigung von Mitarbeitern ist keine Voraussetzung.

Überbrückungshilfen für KMU und Selbständige beantragen

Große Unternehmen, die sich für den Wirtschaftsstablisierungsfonds qualifizieren, sind von der Förderung ausgeschlossen. Das ist der Fall, wenn Ihr Unternehmen in den letzten beiden bereits bilanziell abgeschlossenen Geschäftsjahren vor dem 1. Januar 2020 mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt hat:

  • eine Bilanzsumme von mehr als 43 Millionen Euro,
  • mehr als 50 Millionen Euro Umsatzerlöse sowie
  • mehr als 249 Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt.

Junge, vor dem 1. November 2019 gegründete Unternehmen erhalten ebenfalls keine Förderung. Auch Unternehmen, die ihren Geschäftsbetrieb bis zum 31. August 2020 endgültig einstellen, werden nicht gefördert. Voraussetzung für die Förderung ist zudem, dass das Unternehmen nicht bereits seit dem 31. Dezember 2019 insolvenzbedroht war. Um die Förderung zu beantragen, sind zunächst Umsätze und Fixkosten zu schätzen. Auf Grundlage der Schätzung kann Ihr Steuerberater die Anträge einreichen.

Anwendungstipp
konjunkturpaket und überbrückungshilfen: Unterstützung durch einen steuerberater

Ihr Steuerberater kennt Ihr Unternehmen in Bezug auf die hier relevanten Kennzahlen am besten und kann Sie am effektivsten unterstützen. Sollten Sie noch keinen Steuerberater haben, können Sie gezielt einen Steuerberater in Ihrer Nähe suchen, der Sie bei der Beantragung unterstützt

Steuerberater suchen

Dann kann eine Bewilligung und Auszahlung der Förderung erfolgen. Wenn die endgültigen Zahlen vorliegen, muss Ihr Steuerberater diese ebenfalls melden. Jede einzelne Erstattung wird dann geprüft. Wenn Sie aufgrund Ihrer Schätzung eine zu hohe Förderung erhalten haben, muss diese zurückgezahlt werden, darüber war hier schon zu lesen.

Anwendungstipp
präzise schätzen

Eine zu hohen Schätzung von Umsatzeinbruch und Fixkosten führt zur Rückzahlung der unberechtigt erhaltenen Förderung. Fällt die Schätzung zu niedrig aus, wird es hingegen keine nachträgliche Aufstockung geben. Es ist daher sinnvoll, die Schätzung so präzise wie möglich vorzubereiten.

Umsatzeinbrüche in April und Mai 2020 sind Voraussetzung

Voraussetzung für die Förderung ist, dass Ihr Umsatz in den Monaten April und Mai 2020 zusammengenommen um mindestens 60 % gegenüber April und Mai 2019 eingebrochen ist. Ausnahme: Unternehmen, die aufgrund von starken saisonalen Schwankungen ihres Geschäfts (beispielsweise Gastronomie oder Tourismus), im April und Mai 2019 weniger als 5 Prozent des Jahresumsatzes 2019 erzielt haben, können von der vorgenannten Bedingung des sechzigprozentigen Umsatzrückgangs freigestellt werden.

Umsatzprognose für Juni, Juli und August vorbereiten

Die Höhe der Förderung ist für jeden der Monate einzeln zu berechnen. Sie hängt davon ab, wie hoch Ihr Umsatzeinbruch im jeweiligen Monat ist.

Umsatzeinbruch im FördermonatErstattung der Fixkosten für Fördermonat
mehr als 70 %80 %
zwischen 50 % und 70 %50 %
zwischen 40 % und unter 50 %40 %

Liegt Ihr Umsatz in einzelnen Fördermonaten bei wenigstens 60 % des Umsatzes des Vorjahresmonats, entfällt die Überbrückungshilfe anteilig für den jeweiligen Fördermonat.

Fixkosten Juni, Juli und August zusammenstellen

Die Förderquote bezieht sich auf die jeweiligen Fixkosten, die in diesen Monaten anfallen.

Dazu gehören folgende Fixkosten:

  1. Mieten und Pachten für Gebäude, Grundstücke und Räumlichkeiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit des Unternehmens stehen. Kosten für Privaträume sind nicht förderfähig.
  2. Weitere Mietkosten
  3. Zinsaufwendungen für Kredite und Darlehen
  4. Finanzierungskostenanteil von Leasingraten
  5. Ausgaben für notwendige Instandhaltung, Wartung oder Einlagerung von Anlagevermögen und gemieteten Vermögensgegenständen, einschließlich der EDV
  6. Ausgaben für Elektrizität, Wasser, Heizung, Reinigung und Hygienemaßnahmen
  7. Grundsteuern
  8. Betriebliche Lizenzgebühren
  9. Versicherungen, Abonnements und andere feste Ausgaben
  10. Die Kosten für Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, die im Rahmen der Beantragung der Corona-Überbrückungshilfe anfallen.
  11. Kosten für Auszubildende
  12. Personalaufwendungen im Förderzeitraum, die nicht von Kurzarbeitergeld erfasst sind, werden pauschal mit 10 % der Fixkosten der Ziffern 1 bis 10 gefördert. Lebenshaltungskosten oder ein Unternehmerlohn sind nicht förderfähig.
  13. Um der besonderen Betroffenheit der Reisebüros angemessen Rechnung zu tragen, sind auch Provisionen, die Inhaber von Reisebüros den Reiseveranstaltern aufgrund Corona-bedingter Stornierungen zurückgezahlt haben, den Fixkosten nach Nr. 1 bis 12 gleichgestellt.

Die Fixkosten der Ziffern 1 bis 9 müssen vor dem 1. März 2020 begründet worden sein; das heißt, dass Sie die Verträge, auf denen die Kosten beruhen, vor diesem Datum unterzeichnet haben müssen.

Achtung: Zahlungen für Fixkosten, die Sie an verbundene Unternehmen (etwa im Rahmen einer Betriebsaufspaltung) leisten, sind nicht förderfähig. Wenn Sie also etwa im Rahmen Ihres Betriebsunternehmens Miete für Ihr Betriebsgebäude an Ihre Besitzgesellschaft zahlen, bekommen Sie dafür keine Betriebskostenerstattung.

Höhe der Förderung

Wenn die Förderquote für die Monate und die Fixkosten feststehen, kann die Förderung berechnet werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Höhe der Förderung begrenzt ist.

Deckelung

Anzahl BeschäftigteErstattungsbetrag für 3 Monate
bis zu 5 Beschäftigte9.000 Euro
bis zu 10 Beschäftigte15.000 Euro
mehr als 10 Beschäftigte150.000 Euro

Als Beschäftigtenzahl wird die Zahl Ihrer Mitarbeiter in Vollzeitäquivalenten zum Stichtag 29. Februar 2020 zugrunde gelegt. Bei verbundenen Unternehmen werden die Beschäftigten der einzelnen Unternehmen zusammen berücksichtigt.

Höhere Förderung in begründeten Ausnahmefällen

Ein begründeter Ausnahmefall liegt vor, wenn Ihre auf Basis der Fixkosten errechnete Überbrückungshilfe mindestens doppelt so hoch ist wie der maximale Erstattungsbetrag. Dann werden die wegen der Deckelung noch nicht berücksichtigten Fixkosten teilweise erstattet.

Förderung bei begründeter Ausnahme

Umsatzausfall im FördermonatFörderung noch nicht berücksichtigter Fixkosten
40 - 70 %40 %
über 70 %60 %

Final ist zu beachten, dass die maximale Förderung für den gesamten Förderzeitraum Juni bis August 150.000 Euro beträgt.

Anwendungstipp
schnellberechnung

Unter www.datev.de/corona steht eine Excel-Schnellberechnung für Sie bereit, mit der Sie schon vorab näherungsweise berechnen können, in welcher Höhe eine Förderung für Sie in Betracht kommt. Damit können Sie auch berechnen, ob bei Ihnen ein begründeter Ausnahmefall vorliegt.

Schnellberechnung

Besonderheiten in einzelnen Bundesländern

Einige Bundesländer haben die Förderung erweitert. Für Sie ist das Bundesland maßgeblich, in dem Sie Ihre Einkommensteuer beziehungsweise Körperschaftsteuererklärung abgeben. Die zusätzlichen Förderungen beantragt Ihr Berater für Sie zusammen mit den Überbrückungshilfen des Bundes.

Baden-Württemberg: Auf Antrag wird für Ihre Tätigkeit fiktiver Unternehmerlohn von bis zu 1.180 Euro pro Monat berücksichtigt und ausgezahlt.

Mecklenburg-Vorpommern: Das Land Mecklenburg-Vorpommern ergänzt die Überbrückungshilfe des Bundes mit monatlichen Festbeträgen für die Personalaufwendungen für sozialversicherungspflichtig in Betriebsstätten in Mecklenburg-Vorpommern Beschäftigte in Höhe von:

  • 1.000 Euro pro Vollzeitäquivalent bei mehr als 70 Prozent Umsatzrückgang
  • 700 Euro pro Vollzeitäquivalent bei Umsatzrückgang zwischen 50 und 70 Prozent
  • 600 Euro pro Vollzeitäquivalent bei Umsatzrückgang zwischen 40 und unter 50 Prozent

Dabei werden die Personalkosten für Beschäftigte, die teilweise noch in Kurzarbeit sind, anteilig berücksichtigt.

Nordrhein-Westfahlen: Soloselbständige, Freiberufler und im Unternehmen tätige Inhaber von Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit höchstens 50 Mitarbeitern, erhalten – über die Überbrückungshilfe hinaus – eine einmalige Zahlung in Höhe von 1.000 Euro pro Monat für maximal drei Monate als Wirtschaftsförderungsleistung (fiktiver Unternehmerlohn).

Thüringen: Besonders betroffene Dienstleistungsbranchen (wie zum Beispiel das Hotel- und Beherbergungsgewerbe, das Gastgewerbe, die Reise- und Veranstaltungsbranche, Reisebüros, Reiseveranstalter, Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter, Sportdienstleister, sonstige Unterhaltungs- und Erholungsdienstleister, Saunas, Solarien, Bäder etc.) sollen bereits ab einem Umsatzrückgang von 30 Prozent förderfähig sein.

Wichtig für den Förderantrag der Überbrückungshilfe

Soloselbständige, die die Zugangsvoraussetzungen zum Bundesprogramm erfüllen, erhalten zusätzlich einen Zuschuss zu den Lebenshaltungskosten in Höhe von 1.180 Euro monatlich für maximal zwei Monate im Geltungszeitraum von Juni bis August 2020.

Fristen: Die Anträge müssen bis zum 31.08.2020 gestellt sein.

Fazit: Die Überbrückungshilfen zu beantragen, kann für kleinen und mittleren Unternehmen sowie Selbstständige ein wichtiger Baustein sei, um die Existenz zu sichern. Wenn eine erste Einschätzung dafürspricht, dass Sie förderberechtigt sind, sollten Sie dringend Ihren Steuerberater kontaktieren. Bereiten Sie das Gespräch vor, indem Sie alle Unterlagen zu Umsätzen und Fixkosten zusammenstellen.

FAzit

Die Überbrückungshilfen zu beantragen, kann für kleinen und mittleren Unternehmen sowie Selbstständige ein wichtiger Baustein sei, um die Existenz zu sichern. Wenn eine erste Einschätzung dafürspricht, dass Sie förderberechtigt sind, sollten Sie dringend Ihren Steuerberater kontaktieren. Bereiten Sie das Gespräch vor, indem Sie alle Unterlagen zu Umsätzen und Fixkosten zusammenstellen.

 

 

Checkliste zur Vorbereitung der Anträge auf Überbrückungshilfe

Die Buchhaltungsunterlagen für April und Mai 2020 liegen möglichst vollständig vor.
Wegen der Corona-Krise ist Ihr Umsatz in April + Mai um mindestens 60 % niedriger als Ihr Umsatz in April + Mai 2019. Wenn Sie Ihr Unternehmen oder Ihre selbstständige Tätigkeit erst nach zwischen April 2019 gegründet haben, sind zum Vergleich die Monate November und Dezember 2019 heranzuziehen.
Aufstellung bisher erhaltener Corona-Hilfen, Rettungsbeihilfen und anderer krisenbedingter staatlicher Zuschüsse. In seltenen Fällen können diese auf die Überbrückungshilfe angerechnet werden.
Die Buchhaltungsunterlagen für Juni 2020 liegen so vollständig wie möglich vor.
Eine Umsatzprognose für jeden einzelnen der Monate Juni, Juli und August 2020 ist vorbereitet. Für mindestens eine der Monate ergibt sich ein Umsatzrückgang von min. 40 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Wenn Sie Ihr Unternehmen oder Ihre selbstständige Tätigkeit erst zwischen April und Dezember 2019 gegründet haben, sind zum Vergleich die Monate Dezember 2019 sowie Januar und Februar 2020 heranzuziehen.
Die Fixkosten für die Monate, für die eine Förderung in Betracht kommt, liegen vollständig vor. Auch Einmalzahlungen, die in diesen Monaten anfallen, sind erfasst. Kürzlich abgeschlossene Verträge dazu liegen vor, um nachzuweisen, dass sie schon vor dem 01.03.2020 geschlossen wurden.

 

 

 

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