Mitarbeiter & Ausbildung

Ausbildungsverbund – denn mit Partnern geht vieles leichter

Bald beginnt das neue Ausbildungsjahr. Aber viele kleine Unternehmen leisten sich keine Lehrlinge, weil Zeit und Personal nicht für die Betreuung reichen. Dabei können auch sie etwas gegen den Fachkräftemangel tun – durch einen Ausbildungsverbund.

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Seit Jahren schreibe ich immer wieder über verschiedenste Ausbildungsthemen. Eine Idee hat mich besonders beeindruckt: die Verbundausbildung, auch Ausbildungsverbund genannt. Zwei oder mehr Unternehmen schließen sich zusammen, um gemeinsam auszubilden, manchmal sogar in Kooperation mit einem Bildungsinstitut als Träger. Der Vorteil für die Betriebe: Sie müssen nicht allein die volle Last einer Lehrstelle schultern, kommen aber trotzdem in Kontakt mit künftigen Fachkräften. Der Vorteil für die Jugendlichen: Sie können sich um Ausbildungsplätze bewerben, die es ohne Verbund wohl nicht gäbe. Reguläre, vollwertige Stellen, wohlgemerkt.

Vollwertige Ausbildung ist für Betriebe wichtig

Ich war mal bei einem kleinen Laden für Indianerschmuck in Frankfurt, der im Rahmen eines solchen Ausbildungsverbunds erstmals eine Auszubildende im Laden stehen hatte. Die junge Frau lernte zweieinhalb Tage pro Woche im Geschäft, zwei Tage in der Berufsschule und einen halben Tag bei einem Verbundpartner, in diesem Fall einem Weiterbildungszentrum. Dort gab es Kurse in Betriebs- und Rechnungswesen. Angeregt hatte den Ausbildungsverbund damals die IHK Frankfurt.
Azubine und Chefin waren hochzufrieden. Das Mädchen durchlief eine vollwertige Ausbildung. Und die Unternehmerin sparte durch die Partnerschaft Geld und Mühe. Das Zentrum hat sie bei formellen, rechtlichen und inhaltlichen Fragen sowie IHK-Formalitäten, Bewerberauswahl und -betreuung beraten und unterstützt. Die Kosten für den Verbundpartner übernahm damals die Stadt Frankfurt im Rahmen der Ausbildungsförderung. Die Unternehmerin bezahlte den Azubilohn nach Tarif.

Für Ausbildungsverbund gibt es viele Modelle

Das ist nicht das einzige denkbare Modell. Kleine Unternehmen können sich auch mit einem größeren, ausbildungserfahrenen Unternehmen zu einem Ausbildungsverbund zusammenschließen, um einen oder mehrere Auszubildende zu teilen. Seit 2005 findet sich die Verbundausbildung auch als Möglichkeit im Berufsbildungsgesetz (BBiG), das die berufliche Erstausbildung regelt. Es erlaubt Ausbildungsverbünde jetzt ausdrücklich auch offiziell und betrachtet Ausbildungen als vollwertig, bei denen über die Berufsschule hinaus Teile außerhalb der eigentlichen Ausbildungsstätte, also des Unternehmens selbst, stattfinden. Die Verbundlandschaft könnte bunter kaum sein. Angebote für verschiedenste Unternehmen, Berufe und Konstellationen gibt es praktisch überall im Bundesgebiet, sogar grenzüberschreitend. Wenn Sie bei Google „Verbundausbildung“ eingeben, bekommen Sie mehr als 75.000 Treffer, bei „Ausbildungsverbund“ sogar 132.000 Treffer. Die Bundesländer fördern Ausbildungsverbünde. Hier lohnt sich eine Recherche in jedem Fall. Als Anlaufstelle eignen sich auch die Ausbildungsexperten der Kammern und Unternehmensverbände vor Ort.

Tun Sie etwas gegen den Fachkräftemangel

Falls Sie noch nicht ausbilden, sollten Sie sich diese Modelle mal ansehen. Es ist eine gute und sinnvolle Sache. Mit Blick auf die vielen Jugendlichen, die dadurch eine Chance bekommen. „Keiner darf verloren gehen“, dieses Motto von Unternehmer Walter Mennekes ist mir sehr sympathisch. Und auch für Sie als Unternehmer ist es gut, in Ihren Fachkräftenachwuchs zu investieren. Gerade wenn Sie – wie viele Mittelständler – in der Provinz sitzen, könnte sich ein Verbund mit anderen Unternehmen der Region lohnen. Von einem sehr interessanten Beispiel, bei dem sich Elektrobetriebe bei Bedarf Mitarbeiter untereinander ausleihen, habe ich vor Jahren mal gelesen. Überhaupt: Teilen. Warum er sich mit einem Partner Arbeitskraft, Räume und Maschinen teilt, hat ja Unternehmer Robert Kranz für Sie aufgeschrieben. Teilen hat viele Vorteile. Warum also nicht auch Azubis? Falls Sie das nicht sowieso schon tun – gibt ja genug Ausbildungsverbünde, mittlerweile.
Foto: Fotolia/ehrenberg-bilder

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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