Mitarbeiter & Ausbildung

Arbeitgebersiegel kön­nen bei der Per­so­nal­su­che helfen

Eigent­lich sind Mit­tel­ständ­ler gu­te Ar­beit­ge­ber. Aber sie soll­ten das mehr be­to­nen – in­dem sie et­wa Ar­beit­ge­ber­sie­gel bei der Per­so­nal­su­che nut­zen. Die Teil­nah­me an Wett­be­wer­ben oder Au­dits lie­fern Tipps, wie sich die Un­ter­neh­mens­kul­tur wei­ter ver­bes­sern lässt.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Viele kleine und mittlere Unternehmen ohne starken überregionalen Auftritt haben Probleme bei Stellenausschreibungen – sie finden bei interessanten Kandidaten kaum Beachtung. Potenzielle Mitarbeiter denken offenbar nicht an Mittelständler. Wer beispielsweise Universitäts- oder Fachhochschul-Absolventen nach ihrem Wunscharbeitgeber fragt, hört als Antwort meistens Namen von Konzernen. Insgesamt haben sich bei den jungen Leuten auch Polizei oder Bundeswehr auf die vorderen Plätze der Hitliste vorgearbeitet. Der öffentliche Dienst steht für Ausbildung und Berufseinstieg bei vielen seit Jahren hoch im Kurs. Mittelständler dagegen finden weniger Beachtung, sie gelten offenbar nicht als attraktiv. Dabei brauchen sich kleine Betriebe als Arbeitgeber nicht zu verstecken. Das sollte eigentlich spätestens seit Erscheinen des Buchs „Hidden Champions“ bekannt sein. Viele der breiten Öffentlichkeit wenig bekannte, aber enorm erfolgreiche Mittelständler suchen Talente, wollen sie fördern, können ihn einiges bieten. Sie müssten das nur besser bei den potenziellen Kandidaten bekanntmachen. Helfen kann dabei etwa der durchdachte Einsatz diverser Arbeitgebersiegel zur Personalsuche.

Arbeitgebersiegel sol­len der Per­so­nal­su­che dienen

Mit Gütesiegeln ist es so eine Sache. Was sie aussagen, weiß man wohl am genauesten beim TÜV-Siegel: Das Auto ist verkehrssicher. Was Arbeitgebersiegel mit ihren teils unterschiedlichen Kriterien bedeuten und zur Personalsuche beitragen können, ist schwieriger auf den Punkt zu bringen. Die meisten zeichnen Unternehmen aus, deren Mitarbeiter sich in einer Befragung positiv über ihren Arbeitgeber äußern. Manche begründen ihr Urteil aber auch eher mit dem Image, das einem Unternehmen von außen zugeschrieben wird. Viele Arbeitgebersiegel basieren auf einem Audit der Unternehmenskultur. Aus den Erkenntnissen dieser Untersuchung leiten die jeweiligen Siegel-Anbieter ihre Bewertung ab. Faktoren dabei sind meistens das Gehalt und die Arbeitszeitmodelle sowie Aufstiegschancen und Mitarbeiterentwicklung. Unternehmer, die das Arbeitgebersiegel erhalten, können es auf ihrer Internetseite oder beispielsweise in Stellenanzeigen veröffentlichen und damit ihr Image polieren. Die Investition in Arbeitgebersiegel zahlt sich also durchaus in Aufmerksamkeit aus, ergab eine Studie des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Goethe-Universität Frankfurt bereits 2014.

So wir­ken Arbeitgebersiegel auf ei­ner Stellen­an­zeige

Die Frankfurter Forscher haben getestet, wie positiv ein Arbeitgebersiegel in einer Stellenausschreibung wirkt und damit möglicherweise die Personalsuche erleichtert. Sie verglichen dafür in zwei Gruppen mit je 90 Probanden die Blickrichtung und -dauer bei der Lektüre von Stellenausschreibungen. Die Versuchsteilnehmer sahen dabei inhaltsgleiche Ansichten. Die Anzeige für eine Gruppe entsprach den als Fließtext gestalteten Stellenanzeigen in Zeitungen. Die andere Gruppe bekam eine Stellenanzeige auf den Schirm, die wie eine Karriere-Homepage aussah. Der Text war jeweils identisch. Die mit einem Arbeitgebersiegel versehene Version sahen sich die Probanden dabei mit knapp vier Minuten fast doppelt so lang am PC an wie die Standardanzeige, berichtet die „Immobilien-Zeitung“. Am besten kamen Anzeigen an, wenn das Siegel links oder zentriert abgedruckt war.

Wett­be­wer­be ber­gen für Mit­tel­ständ­ler auch Pro­bleme

Indem sie für Aufmerksamkeit sorgen, können Arbeitgebersiegel also bei der Personalsuche helfen. Eventuell auch, indem sie allgemein das Image verbessern. Gerade aus Sicht kleinerer Unternehmen gibt es aber auch gleich zwei Probleme. Zum einen haben Mittelständler vor allem bei bundesweit vergebenen Siegeln systematisch schlechtere Karten, so die „Deutsche Handwerks-Zeitung“. Und das, obwohl es in den vergangenen Jahren durchaus Mittelständler unter die Top-Ten geschafft haben. Ein Grund dafür mag sein, dass Siegel wie etwa die von Focus Business, Kununu und Fastlane, auch eine eigene Mittelstands-Unterkategorie anbieten. Das andere Problem ist, dass viele Arbeitgebersiegel bei Bewerbern auf Personalsuche wenig bekannt sind. Acht von zehn Befragten in Deutschland geben keine Antwort auf die Frage, welches Arbeitgebersiegel sie kennen – über alle Altersklassen hinweg. Das ergab 2019 eine Studie der Beratungsgesellschaft Employer Telling unter mehr als 1.000 Personen, die sich in den zwei Jahren davor mindestens einmal auf eine Stelle beworben hatten.

Nicht al­le Arbeitgebersiegel er­leich­tern die Per­so­nal­suche

Immerhin sah es besser aus, wenn man den Befragten bei der Studie zur Bekanntheit der Arbeitgebersiegel eine Liste mit zehn Siegeln zeigte. Hier mussten nur noch 38,8 Prozent komplett passen. Das Ranking der bei den Bewerbern laut Studie bekanntesten Arbeitgebersiegel könnten Firmenchefs studieren, die ihre Personalsuche mit Arbeitgebersiegel verbessern wollen. 27,7 Prozent kannten das Kununu-Siegel „Top Company/Open Company“, jeweils 21,3 Prozent das Siegel „Fair Company“ beziehungsweise den Focus-Award „Deutschlands beste Arbeitgeber“. 18 Prozent kannten „Great Place to Work“. Es folgten „Top Job: Die besten Arbeitgeber im Mittelstand“ (16,9 Prozent). „Glassdoor: Beste Arbeitgeber Deutschlands“ (12,1 Prozent). „Audit Berufundfamilie“ (8,8 Prozent). „Best Recruiters Deutschland“ (6,8 Prozent). „Trendence: Die attraktivsten Arbeitgeber“ (4,8 Prozent). Und „Universum: Die attraktivsten Arbeitgeber Deutschland“ (3,6 Prozent). Dennoch: Allein auf die Bekanntheit der Arbeitgebersiegel sollten Unternehmer bei der Personalsuche nicht setzen. Sie müssen schon selbst gezielt etwas aus der Teilnahme am Wettbewerb um ein Arbeitgebersiegel beziehungsweise dessen Verleihung machen.

Audits und Wett­be­wer­be lie­fern vie­le Er­kennt­nisse

Sich Arbeitgebersiegel anzuheften, ist gerade für kleinere Mittelständler nicht nur herausfordernd und auch kostspielig – allein damit wäre Personalsuche niemals erfolgreich. Nutzen aus Arbeitgebersiegeln ziehen können aber auch kleine Unternehmen, selbst wenn sie nicht sofort von Bewerbern überrannt werden. Etwa, indem sie bei der Beschäftigung mit dem Thema für sich mehr darüber lernen, was einen guten Arbeitgeber ausmacht. Setzen sie diese Erkenntnisse bewusst bei der Mitarbeitersuche und Kommunikation um, erhöhen sie im Personalmarketing wie auch insgesamt ihre Erfolgschancen. Wobei sich dann auch die Unternehmenskultur entsprechend ändern muss. Die Quintessenz der Audits zahlreicher Arbeitgebersiegel ist nämlich interessant. Der Schlüssel zur Schaffung einer vorbildlichen Arbeitsplatzkultur liegt nicht allein in speziellen Mitarbeitervergünstigungen, Programmen und Verfahrensweisen. Vielmehr ist die Kunst der guten Personalführung der Aufbau positiver Beziehungen am Arbeitsplatz, „die auf Vertrauen, Stolz und Teamgeist beruhen“, wie es „Great Place to Work“ formuliert. Dies ist genau das, was kleinere Arbeitgeber sowieso bereits oft auszeichnet.

Mit Arbeitgebersiegel bei Job­su­chen­den punkten

Den größten Nutzen aus dem Arbeitgebersiegel werden bei der Personalsuche also wohl Mittelständler ziehen, die lernen. Und die sich außerdem nicht scheuen, bei der Personalsuche jeden ihrer Vorzüge zu betonen, der tauglich für ein Arbeitgebersiegel wäre. Die Audits durch Anbieter von Arbeitgebersiegeln mit ihren dabei gestellten Fragen liefern gute Hinweise darauf, was wichtig ist. Erhalten Unternehmer das Arbeitgebersiegel dann, können sie es auf Karriere-Webseiten, Jobmessen und Stellenanzeigen hervorheben und damit zusätzlich bei Bewerbern punkten.

PRODUKTEMPFEHLUNG VON DATEV
Personal-Managementsystem classic

Mit der Einstiegslösung für die Personalverwaltung haben Sie Mit­arbeiter und Arbeits­mittel immer im Blick. Daten­analyse- und Berichts­möglichkeiten sowie einfacher Datenaus­tausch mit den DATEV-Lohn­programmen unterstützen Sie.

Jetzt informieren

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Mit dem richtigen Partner sicher durch die Corona-Krise kommen, Steuerberater helfen bei Konjunkturpaket und Überbrückungshilfen! Finden Sie auf DATEV SmartExperts den passenden Experten.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn