Mitarbeiter & Ausbildung

Wichtig: Gutes Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement

Be­trieb­li­ches Ge­sund­heits­ma­nage­ment ist gut für Mit­ar­bei­ter und Un­ter­neh­men. Mit dem rich­ti­gen Kon­zept las­sen sich Fehl­zei­ten sen­ken. Un­ter­neh­mer soll­ten je­doch nicht nur mit Ge­sund­heits­ex­per­ten spre­chen, son­dern auch mit dem Steu­er­be­ra­ter Aus­ga­ben op­ti­mie­ren.

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Heilen ist gut, Vorsorgen besser – das weiß schon der Volksmund. Auch die Krankenkassen und der Gesetzgeber ermuntern Unternehmer, für ihren Betrieb ein Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement auszuarbeiten. Mit den passenden Angeboten können Firmenchefs viel für die Gesundheit ihrer Beschäftigten tun. Unternehmen, die helfen, die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu stärken, handeln natürlich auch aus Eigeninteresse. Gesundes Personal, das bedeutet weniger Ausfallzeiten und damit weniger krankheitsbedingte Zusatzausgaben. Unterstützung, Beratung sowie nicht zuletzt Geld für betriebliches Gesundheitsmanagement erhalten Unternehmer bei den Krankenkassen. Auch bei der Planung einer gut organisierten betrieblichen Wiedereingliederung nach krankheitsbedingten Auszeiten oder bei der psychischen Gefährdungsbeurteilung unterstützen die Krankenkassen. Firmenchefs sollten diese Angebote nutzen. Betriebliches Gesundheitsmanagement hilft nicht nur, Kosten zu sparen, sondern erhöht auch die Einsatzfähigkeit der Mitarbeiter. Unternehmer sollten stets mit den Experten klären, was sachgerecht, sozialrechtlich nötig oder steuerlich sinnvoll ist. Den Weg zum passenden Konzept für ein betriebliches Gesundheitsmanagement zeigt diese Checkliste.

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Konzept ge­gen Ausfall

Was tun gegen krankheitsbedingte Ausfälle der Mitarbeiter? Betriebliches Gesundheitsmanagement gilt als wirksames Konzept. Ausfallzeiten kosten deutsche Unternehmen viel Geld. Im Jahr 2018 waren Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 18,5 Tage krankgeschrieben. Das geht aus der Auswertung der neuesten Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen hervor. Und während Firmenchefs derzeit pro Jahr mehr als 50 Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung ausgeben, war diese Summe vor gut 15 Jahren nur knapp halb so hoch. Natürlich gibt es heute mehr Beschäftigte und höhere Gehälter. Wesentlich für den Anstieg ist jedoch auch der seit einigen Jahren massiv steigende Krankenstand. Und gegen den lässt sich durch gutes betriebliches Gesundheitsmanagement etwas tun. Konzernen mit ihren häufig ausgefeilten Programmen für Gesundheitsmanagement ist es gelungen, die Fehlzeiten erheblich zu reduzieren. Kleinere Unternehmen könnten hier ebenfalls deutlich mehr erreichen. Und gerade sie hätten ein betriebliches Gesundheitsmanagement auch besonders nötig. Liegt die Zahl der Fehltage bei ihnen laut BKK-Gesundheitsreport doch relativ hoch.

Weni­­ger Kran­­ken­­ta­ge dank Gesundheitsmanagement

Die gute Nachricht: Prävention wirkt, das gilt als wissenschaftlich erwiesen. Durch ein sinnvolles Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement können Unternehmer also die Fehlzeiten ihrer Mitarbeiter erheblich verkürzen. Studien unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf: In Betrieben mit bis zu neun Beschäftigten geht die Hälfte der Fehltage auf Langzeiterkrankungen zurück. In größeren Betrieben ist dieser Anteil aufgrund durchdachter Konzepte und umfassender Angebote für Prävention und Wiedereingliederung um zehn Prozentpunkte niedriger. Die in größeren – oder längst für betriebliches Gesundheitsmanagement sensibilisierten – Unternehmen oft vergleichsweise umfassenden Angebote mit unterschiedlichsten Präventionsmaßnahmen lohnen sich also. Die Zahlen verdeutlichen: Ein gutes Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement ist nicht nur ein wirkungsvolles Argument bei der Mitarbeitersuche und -bindung. Viele Personalabteilungen haben auch längst erkannt, dass sich selbst Ausgaben für üppige Präventionsangebote durch geringere Fehlzeiten für die Firma rechnen. Der finanzielle Aufwand selbst für großzügige Gesundheitsprogramme liegt erfahrungsgemäß unter den andernfalls durch Krankheit verursachten, unvermeidlichen Kosten.

Geld für Gesundheitsmanagement per Prä­ven­tions­gesetz

Auf der Suche nach einem Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement führt der erste Weg zur Krankenkasse. Genauer: Zu den Kassen, bei denen die Mitarbeiter versichert sind. Bei den Krankenkassen steht Unternehmen aufgrund des Präventionsgesetzes ein prallgefüllter Geldtopf für betriebliches Gesundheitsmanagement zur Verfügung. Den können sie anzapfen, um sich bei den von ihnen geplanten Gesundheitsangeboten unterstützen zu lassen. Das Präventionsgesetz verpflichtet die Krankenkassen seit 2016, jährlich mindestens zwei Euro je Versichertem in betriebliche Gesundheitsförderung zu investieren. Bis 2016 gab es freiwillig je nach Kasse nur 50 Cent bis einen Euro. Nur einige wenige Betriebskrankenkassen (BKK) gaben schon vorher mehr als zwei Euro je Versichertem und Jahr aus. Hier hat sich also einiges getan. Grund für die Verabschiedung des Präventionsgesetzes war vor allem die zunehmende Verbreitung sogenannter Zivilisations- und Volkskrankheiten. Sie machen rund 70 Prozent des Krankheitsgeschehens aus. Und von ihnen weiß man, dass sie sich durch Prävention gut verhindern oder mildern lassen.

Grafik zeigt die Ausgaben der Krankenkassen für betriebliches Gesundheitsmanagement samt Konzept

Betriebliches Gesundheitsmanagement: das gehört zum Konzept

Bevor Unternehmer ein individuelles Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement erstellen lassen, sollten sie von ihrem Betriebsarzt eine Präventionsempfehlung einholen. Die Krankenkassen müssen sie laut Präventionsgesetz berücksichtigen. Gut zu wissen: In welche Unternehmen oder Maßnahmen eine Krankenkasse das für Prävention vorgesehene Geld investiert, bleibt ihr überlassen – nur investieren muss sie das Geld laut Präventionsgesetz. Hat eine gesetzliche Krankenkasse eine halbe Million Versicherte, muss sie also eine Million Euro pro Jahr in betriebliche Gesundheitsförderungsmaßnahmen stecken. Nehmen Unternehmer gleich mit guten Ideen des Betriebsarztes den Kontakt auf, besteht eine reelle Chance, den Zuschuss zu erhalten. Das ist keine schlechte Ausgangsbasis, um beispielsweise ein gutes und günstiges Angebot für die Burnout-Prävention im Unternehmen zu schnüren. Eine Koordinierungsstelle erleichtert Firmenchefs den Kontakt zu den Krankenkassen. Wichtig ist, dass die geplanten Maßnahmen den jeweiligen Qualitätsanforderungen entsprechen, bei der Burnout-Prävention beispielsweise dem Leitfaden Prävention im Bereich Stressmanagement.

Dienst­leis­ter er­ar­bei­ten Konzept für Gesundheitsmanagement

Wichtig ist, dass Unternehmen ein stimmiges Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement haben. Im Mittelpunkt steht dabei, welchen Belastungen die Mitarbeiter ausgesetzt und was die Hauptgründe für Krankschreibungen sind. Burnout-Prävention beispielsweise ist etwas, das vermutlich so gut wie jedem Mitarbeiter irgendwie helfen könnte. Da geht es etwa um Stressabbau, Entspannungstechniken oder eine verbesserte Fähigkeit zur Einteilung von Arbeiten und Pausen. Aber je nachdem, wie die Arbeitsplätze und Tätigkeiten aussehen, gibt es auch zahlreiche andere wichtige Handlungsfelder. So sollten Unternehmer beispielsweise überlegen, ob Büromitarbeiter oder Beschäftigte in Produktion, Lager oder Außeneinsatz von Erkrankungen des Muskel-/Skelett-System bedroht sind. Die einen sitzen erfahrungsgemäß zu viel und oft falsch, die anderen müssen schwer heben oder in ungünstiger Haltung arbeiten. Wichtig ist auch, mit dem Konzept­ für betriebliches Gesundheitsmanagement generell auf eine Verminderung von Herz-/Kreislauf-Erkrankungen hinzuarbeiten. Schon einfache Gesundheitskurse in Kooperation mit der Krankenkasse können hier Wunder wirken und Fitness sowie Widerstandsfähigkeit der Mitarbeiter massiv erhöhen.

Exter­ne Spe­zia­lis­ten kön­nen bei der Um­set­zung un­ter­stützen

Je nach Bereich und Branche sowie Tätigkeiten und Alter der Beschäftigten kann im Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement vieles sinnvoll sein. In Absprache mit Betriebsarzt, Krankenkassen sowie einem auf dieses Thema spezialisierten Dienstleister sollten Firmenchefs den zum Unternehmen passenden Plan ausarbeiten. In diesem Team übernehmen die Experten für betriebliches Gesundheitsmanagement natürlich die Hauptrolle. Sie sehen sich die Gegebenheiten im Betrieb genau an und schlagen dem Unternehmer diverse Maßnahmen vor. Der Firmenchef sollte mit den Spezialisten diskutieren, wie welche Maßnahmen wirken und welche Angebote oder Veränderungen dabei Priorität haben sollten. Steht das Konzept für ein individuelles betriebliches Gesundheitsmanagement, unterstützt der Dienstleister bei der konkreten Umsetzung.

Konzept für Wie­der­ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment er­stellen

Das Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement ist für Arbeitgeber mehr als Eigennutz gepaart mit Gemeinsinn – zumindest teilweise ist es gesetzlich vorgeschrieben. Langzeiterkrankten Beschäftigten müssen Arbeitgeber Maßnahmen zur betrieblichen Eingliederung anbieten. Erkrankt jemand innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen oder ist wiederholt arbeitsunfähig, muss der Arbeitgeber ihn nach §84 Abs. 2 Sozialgesetzbuch (SGB) IX per Wiedereingliederung in den Betrieb wieder ans Arbeitsleben heranführen. Dann braucht er für diesen Mitarbeiter ein Konzept für ein gesundheitsfreundliches Arbeitsumfeld, das die jeweiligen Anforderungen erfüllt. Flankierende Maßnahmen können Veränderungen an Abläufen und im Arbeitsplatzumfeld sein, etwa durch ergonomische Büromöbel nach einem Bandscheibenvorfall. Oder der Betroffene erhält neue Aufgaben. Kehren Beschäftigte nach langer Erkrankung zum Arbeitsplatz zurück, können Unternehmer sie schrittweise wiedereingliedern. Hilfe beim Konzept bekommen Unternehmer bei Integrationsämtern, Berufsgenossenschaften und Krankenkassen. Detailfragen aus Arbeits-, Steuer- oder auch Datenschutzrecht sollten sie mit Anwalt oder Steuerberater klären. Wichtig: Ohne betriebliches Wiedereingliederungsmanagement lässt sich eine krankheitsbedingte Kündigung kaum durchsetzen.

Die psy­chi­sche Ge­fähr­dungs­be­ur­tei­lung gehört zur Planung

Auch die psychische Gefährdungsbeurteilung gehört pflichtgemäß ins Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement. Laut Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber zur Gefahrenverhütung die für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen beurteilen (§5 Abs. 1 und 2 ArbSchG). Psychische Belastungen zählen seit Anfang 2014 hierzu. Aufgrund des Ergebnisses der Beurteilung muss der Arbeitgeber die erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen treffen. Natürlich sollte die Gefährdungsbeurteilung dann ins Präventionsangebot im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements einfließen. Auch hierbei helfen Krankenkassen und spezialisierte Dienstleister. Gerade kleine und mittelgroße Betriebe dürften auch ohne externe Unterstützung kaum in der Lage dazu sein. Allein in Deutschland gibt es laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) derzeit 90 unterschiedliche Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Daher ist Hilfe durch einen Dienstleister hierbei besonders sinnvoll.

Gesundheitsmanagement: Kosten sind steuerbegünstigt

Ein vernünftiges Konzept für betriebliches Gesundheitsmanagement muss nicht die Welt kosten. Eigene Fitnessräume, Inhouse-Entspannungsangebote oder ein angestellter Betriebsarzt beispielsweise sind nicht nötig und dürften bei wenigen Beschäftigten auch eher unverhältnismäßig erscheinen. Inhaber kleiner Betriebe können ihren Mitarbeitern aber durchaus steuerbegünstigt etwas Gesundheitsvorsorge spendieren. Etwa, indem sie einen Kurs in Rückengymnastik, ein Anti-Stress-Training, eine Ernährungsberatung oder einen Yoga-Kurs bezahlen. Dafür können Arbeitgeber seit Jahresbeginn pro Kopf und Jahr bis zu 600 Euro statt früher nur 500 Euro ansetzen. Für ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement unter Umständen sogar mehr. Darüber sollten Unternehmer mit ihrem Steuerberater sprechen. Die Kosten – sei es für einen Präventionskurs oder sonstige Aufwendungen – können sie als Personalkosten geltend machen und natürlich hierauf auch die Vorsteuer ziehen.

Koope­ra­tion passt ins Konzept – und senkt die Kos­ten weiter

Sinnvoll ist es auch, wenn sich mehrere Betriebe einer Region zusammentun. Dann können sie für ihre Belegschaften gemeinsam von einem Dienstleister ein reichhaltiges Präventionsprogramm für ihr betriebliches Gesundheitsmanagement zusammenstellen lassen. Auch für Unternehmen unterschiedlicher Branchen oder Größen kann ein einheitliches Konzept durchaus passen. Das erleichtert auch die Organisation – insbesondere für Unternehmen, die räumlich nah beieinanderliegen. Falls es im Betrieb keinen Platz für – natürlich freiwillige – Kurse oder Beratungen in der Mittagspause oder nach Dienstschluss gibt, können Firmenchefs auch Räume im Gemeindehaus, einer Kindertagesstätte oder dem benachbarten Sportverein anmieten. Die Zusammenarbeit mit Vereinen, Innungen, Kammern oder Landschaftsverbänden vor Ort sollte sogar grundsätzlich für ein Kooperationskonzept geprüft werden. Es gibt viele Möglichkeiten. Unternehmer sollten sich umhören und mit ihren Mitarbeitern sprechen.

Neben dem betrieblichen Gesundheitsmanagement ist auch der Arbeitsschutz ein sehr wichtiges Thema. Informationen dazu liefert das folgende Video.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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