Personal & Führung

Berufskrankheiten sind oh­ne Do­ku­men­ta­tion schwer nach­weisbar

Bei an­er­kann­ten Be­rufs­krank­hei­ten er­hal­ten Be­trof­fe­ne Lei­stun­gen der Be­rufs­ge­nos­sen­schaft. Un­ter­neh­mer kön­nen die An­er­ken­nung er­leich­tern. Da­bei soll­ten sie nicht al­lein han­deln, son­dern mit dem An­walt klä­ren, wie wel­che Be­lastun­gen zu do­ku­men­tieren sind.

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Die meisten Unternehmer lieben ihre Arbeit. Klar, sie können selbstbestimmt tun, was ihnen Freude bereitet. Kaum jemand denkt da ans Risiko von Berufskrankheiten – bei sich wie auch den Mitarbeitern. Doch das Thema ist wichtig – selbst wenn sich die Frage nach einer berufsbedingten Erkrankung im Betrieb gerade nicht stellt. Die Zahl der Berufskrankheiten steigt seit Jahren. Die relativ niedrige Anerkennungsquote liegt vor allem daran, dass ein Zusammenhang zwischen Erkrankung und Beruf eindeutig belegt sein muss. Der ist aber oft schwer nachweisbar. Unternehmer sollten die – inzwischen auch für psychische Risiken vorgeschriebene – Gefährdungsbeurteilung nutzen, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn wer Vorkehrungen gegen Berufskrankheiten trifft, tut nicht nur etwas für die Einsatzfähigkeit seiner Fachkräfte und erfüllt die gesetzlichen Vorschriften. Manche Vorsichtsmaßnahmen erleichtern im Fall der Fälle später auch die Anerkennung einer Berufskrankheit – etwa eine freiwillige Dokumentation von Belastungen. Davon können Mitarbeiter wie Unternehmer profitieren. Firmenchefs sollten das mit ihrem Anwalt besprechen.

Bei Berufskrankheit­en gibt es bes­sere Leistungen

Unternehmer sollten das Thema Berufskrankheiten unbedingt ernst nehmen. Unterlassen sie nötige Sicherheitsvorkehrungen, kann die Berufsgenossenschaft sie in Regress nehmen. Wie Ärzte, sind Unternehmer verpflichtet, den Verdacht auf eine Berufskrankheit umgehend dem zuständigen Unfallversicherungsträger zu melden. Auch Versicherte oder ihre Angehörigen können das tun, ebenso die Krankenkassen. Wer an einer anerkannten Berufskrankheit leidet, hat Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung – auch Unternehmer können sich dort absichern. Der Schutz umfasst neben den Kosten für die medizinische Behandlung auch Hilfsmittel, Beratung oder Reha-Leistungen. Hinzu kommen vorbeugende Leistungen. Lässt sich eine krankheitsverursachende Gefahr nicht durch Schutzausrüstungen, Sicherheitsvorkehrungen, therapeutische Maßnahmen oder den Austausch gefährdender Arbeitsstoffe beseitigen, wird der Unfallversicherungsträger den Versicherten auffordern, die gefährdende Tätigkeit zu unterlassen. Für die dadurch entstehenden wirtschaftlichen Nachteile bekommt er eine Übergangsleistung. Zwar sind Betroffene natürlich auch abgesichert, wenn Berufskrankheiten nicht anerkannt werden. Doch die Unterstützung durch die Berufsgenossenschaft ist großzügiger als die durch die Krankenkassen.

Für Berufskrankheit­en hat der Be­trof­fene die Be­weispflicht

Als Berufskrankheiten anerkannt werden insbesondere Fälle mit einfacher Beweisführung: Lärmschwerhörigkeit, Schadstoffen zuzurechnende Krebserkrankungen, Hautkrankheiten, berufsbedingte Allergien. Gut die Hälfte der Ausgaben für Berufskrankheiten entfällt auf eine Handvoll Erkrankungen – vor allem durch Asbest, erklärte kürzlich die Bundesregierung. Die Zahl der Berufskrankheiten und angezeigten Erkrankungen steigt seit Jahren. Aber es ist schwierig, den individuellen Fall offiziell anerkannt zu bekommen. 2018 endeten laut Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung 19.748 von 78.384 Verfahren mit der Anerkennung der Berufskrankheit – also nur jeder vierte Fall. Arbeitsmediziner schätzen zudem die Dunkelziffer gar nicht erst als Berufskrankheiten angezeigter Erkrankungen als hoch ein. Ein Grund ist die Berufskrankheitenverordnung: Sie listet zwar derzeit 80 Krankheitsbilder aus den verschiedensten Bereichen auf. Dafür sind nicht in der Liste enthaltene Krankheiten aber kaum als Berufskrankheiten durchzubringen. Ein weiterer Grund ist neben der Beschränkung, dass die Beweispflicht beim Antragsteller liegt. Er muss nachweisen, dass die Erkrankung durch berufliche Belastungen entstanden ist. Und dies ist oft schwierig.

Diese Berufskrankheit­en sind of­fi­ziell an­erkannt

Auf der Liste der anerkannten Berufskrankheiten stehen 80 Erkrankungen, etwa Lärmschwerhörigkeit sowie Asbestose oder durch Siliziumdioxid ausgelöster Lungenkrebs. Auch „Hautkrebs oder zur Krebsbildung neigende Hautveränderungen durch Ruß, Rohparaffin, Teer, Anthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe“ – klarer Fall bei Dachdeckern und Straßenbauarbeitern. „Infektionskrankheiten, wenn der Versicherte im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war“, stehen drauf. Und „von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten“ oder Tropenkrankheiten. Auch Erkrankungen der Bandscheiben in Lenden- oder Halswirbelsäule durch langjähriges Heben oder Tragen von Lasten unter den anerkannten Berufskrankheiten. Doch selbst für manche der gelisteten Erkrankungen sind die Aussichten auf Anerkennung gering. Oft scheitert der Antrag am Ende am Beweis, dass die Beschwerden durch die berufliche Tätigkeit verursacht ist. Denn für gelistete Erkrankungen fehlt ein Verzeichnis, welchen beruflichen Gefährdungen mögliche Erkrankungen zugeordnet werden – oder welcher Erkrankung welche beruflichen Auslöser.

Psy­chisch be­ding­te Berufskrankheit­en gibt es nicht

Gegen eine Ablehnung ihres Antrags durch den Unfallversicherungsträger und dessen Rentenausschuss können Betroffene zwar Einspruch einlegen und beim Sozialgericht klagen. Doch selbst bei Hauterkrankungen liegt die Anerkennungsquote nur bei zwei Prozent. Gerade bei den zunehmend verbreiteten psychischen Erkrankungen sind die Chancen besonders gering. Die Klage eines Versicherungsfachwirts auf Anerkennung seiner Depression und Burnout-Erkrankung wies das Landessozialgericht Bayern höchstrichterlich ab. Zwar gebe es die Möglichkeit, auch nicht gelistete Berufskrankheiten anerkennen zu lassen, so die Richter. Psychische Erkrankungen lassen sich nach Ansicht der Richter aber nicht generell als beruflich belastungsbedingt einordnen. Dafür nötige wissenschaftliche Erkenntnisse für eine erhöhte Belastung einer bestimmten Personengruppe fehlen, so das Gericht. Und auch im Einzelfall konnten die Richter eine solche Belastung nicht erkennen. Gutachterliche Beweisführungen scheitern am Nachweis von Berufskrankheiten häufig.

Arbeits­me­di­zi­ner for­dern zen­tra­le Do­ku­men­tation

Um die Anerkennungsquote von Berufskrankheiten näher an das mutmaßlich tatsächlich weit höhere Maß zu bringen, fordern Arbeitsmediziner, dass Betriebe für jedes Jobprofil die durchschnittlichen Belastungen dokumentieren müssen. Diese Daten sollen zentral und nicht personenbezogen nach Tätigkeitsprofilen bei einer unabhängigen Stelle gespeichert werden, so „Zeit Online“. Damit wäre später im Fall der Fälle nachvollziehbar, dass etwa eine Altenpflegerin bei ihrem Arbeitgeber mehrere Jahre lang schwer heben und tragen musste und ihren Beruf deshalb nicht mehr ausüben kann. Ein solches Prozedere für eine einfachere Anerkennung von Berufskrankheiten ist aber noch nicht Pflicht. Unternehmer können also nur aus eigenem Antrieb mehr tun, als die nötigen Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten und darüber hinaus für Prävention zu sorgen.

Chefs kön­nen Be­la­stun­gen pro­phy­lak­tisch do­ku­mentieren

Eine Gefährdungsbeurteilung ist ohnehin fällig. Unternehmer sollten klären, inwiefern dabei mit Blick auf spätere Anerkennungsverfahren von Berufskrankheiten auch freiwillige Aufzeichnungen von Belastungen sinnvoll sein könnten. Im Interesse der Mitarbeiter wie auch des Unternehmers selbst dürfte es sein, zur Personalakte oder Lohnbuchhaltung allgemein eine Dokumentation der beruflichen Belastungen für die verschiedenen Bereiche und Tätigkeiten zu erstellen. Darüber sollten Firmenchefs mit ihrem Anwalt sprechen. Er weiß einzuschätzen, was mit Blick auf die Anforderungen in etwaigen Sozialgerichtsverfahren sinnvoll ist. Nach seinen Empfehlungen könnten Mitarbeiter selbst regelmäßig eine Auflistung der von ihnen ausgeübten belastenden Tätigkeiten einreichen. Und zwar auf Basis der Gefährdungsbeurteilungen sowie der anwaltlichen Empfehlungen. Dieser Zusatzaufwand könnte später eine Menge Ärger ersparen und möglicherweise beauftragten Gutachtern die Einschätzung erleichtern.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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