Personal & Führung

Abgabepflicht zur Künstlersozialkasse genau klären

Für vie­le Un­ter­neh­men be­steht ei­ne Ab­ga­be­pflicht zur Künst­ler­so­zial­kas­se. Fir­men­chefs müs­sen wis­sen, auf wel­che Leis­tung die Künst­ler­so­zial­ab­ga­be an­fällt. De­tails soll­ten sie mit Steu­er­be­ra­ter oder An­walt klä­ren: Bei Ver­stößen dro­hen Nach­zah­lungen und Buß­gelder.

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Die meisten Firmenchefs haben zwar schon von der Künstlersozialversicherung gehört. Vielen scheint aber immer noch nicht klar, dass höchstwahrscheinlich auch für ihr Unternehmen eine Abgabepflicht zur Künstlersozialkasse (KSK) besteht. Denn die sogenannte Künstler­sozial­ab­gabe fällt auch auf Leistungen an, die Unternehmen etwa für Wer­be­zwecke im künst­lerischen und publizistischen Bereich einkaufen. Das kann die Imagebroschüre sein, das Design der Firmen-Webseite oder der Auftritt einer Band beim Betriebsfest. Jeder Firmenchef sollte darum mit seinem Steuerberater oder Anwalt klären, ob er die Künstlersozialabgabe zahlen muss beziehungsweise wie das funktioniert. Beim Verstößen sind Nachzahlungen und saftige Bußgelder fällig. Hier das Wichtigste im Überblick:

Was ist die Kün­­st­­ler­­so­­zial­­ver­­sich­­erung?

Über die Künstlersozialversicherung erhalten selbständige Künstler und Publizisten einen ähnlichen Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung wie Arbeitnehmer. Mit der Umsetzung beauftragt ist die Künstlersozialkasse. Für bei ihr gemeldete Selbständige oder Freiberufler übernimmt sie den Arbeitgeberanteil zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Das funktioniert de facto wie bei Festangestellten: Zuerst berechnet die Künstlersozialkasse – wie Arbeitgeber für ihre Beschäftigten – auf Basis des vom Versicherten erwarteten Gewinns den Monatsbeitrag zur Sozialversicherung. Gut die Hälfte des Beitrags, quasi den Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung, bucht die KSK vom Konto des Freiberuflers ab. Anschließend stockt sie diesen Betrag um den gesetzlichen Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung auf. Zu diesem Zweck fließt ihr von Unternehmen eine Abgabe zu: Die sogenannte Künstlersozialabgabe fällt auf Leistungen publizistischer und künstlerischer Natur an, bei denen der Auftraggeber eine Abgabepflicht zur Kün­st­ler­sozialkasse hat. Schließlich überweist die Künstlersozialkasse den gesamten Sozialversicherungsbeitrag an die gesetzliche Rentenversicherung be­ziehungs­wei­se die jeweilige Kranken- und Pflegeversicherung des Freiberuflers.

Wer kann Mit­­glied der Kün­­st­­ler­­so­­zia­l­ver­­sich­­erung sein?

Bei der Künstlersozialversicherung anmelden kann sich, wer einer selbständigen künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend nachgeht: Bei­spiels­weise Musiker, Fotografen, Designer oder Grafiker, die darstellende oder bildende Kunst schaffen, ausüben oder lehren. Oder Publizisten, die als Autor, Schriftsteller, Journalist oder in ähnlicher Weise wie ein Schriftsteller oder Journalist tätig sind. Auch Influencer, die Un­ter­nehmen beim Marketing im Internet unterstützen und dabei beispielsweise selbst gedrehte Videos veröffentlichen, können in die Künstlersozialkasse. Finanzielle Voraus­setzung für die Aufnahme und damit Leistungen aus der Künstlersozialabgabe ist ein Gewinn von mindestens 3.900 Euro jährlich beziehungsweise 325 Euro monatlich. Wer im Zusammen­hang mit seiner künstlerischen oder publizistischen Tätigkeit mehr als einen sozial­ver­sicherungs­pflich­tigen Arbeitnehmer beschäftigt, kann sich nicht in der Kün­st­ler­sozial­ver­sicherung anmelden. Ausnahme: Die Beschäftigung erfolgt zur Berufsausbildung oder ist geringfügig, spricht das monatliche Entgelt übersteigt 450 Euro nicht.

Wer hat ei­­ne Ab­­ga­­be­­pflicht zur Kün­­st­ler­­so­­zial­­kas­­se?

Die Abgabepflicht zur Künstlersozialkasse betrifft prinzipiell jedes Unternehmen, das Aufträge für publizistische oder künstlerische Leistungen vergibt. Logisch ist das bei sogenannten typischen Verwertern: Die Hauptgeschäftstätigkeit beispielsweise von Verlagen, Theatern, Rund­funk­anstalten oder Varieté- und Zirkusunternehmen beruht auf der Verwertung von künstlerischen oder pub­li­zistischen Inhalten. Die Kün­st­ler­sozial­ver­sicherung ist aber auch ein Thema für jedes andere Unternehmen: Denn die Künstlersozialabgabe gilt für publizistische oder künstlerische Leistungen, die Auftraggeber zur Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache nutzen. Verkürzt lässt sich also sagen: So gut wie jedes Unternehmen kauft irgendwann mal Inhalte oder Leistungen ein, auf die die Künstlersozialabgabe anfällt. Darum sollten Firmenchefs mit ihrem Steuerberater oder Anwalt regelmäßig das Thema Künstler­sozial­ver­sicherung besprechen.

Die Grafik zeigt das Auftragsvolumen der Künstlersozialkasse in den vergangenen Jahren.

Auf wel­­che Lei­­stun­­gen fäl­­lt die Kün­­st­­ler­­so­­zial­­ab­­ga­be an?

Die Künstlersozialabgabe ist fällig auf Leistungen, die ein Unternehmen im Kreativbereich einkauft. Auftraggeber sollten daran denken, dass der Kreis der Kreativen im Sinne der Künstlersozialversicherung relativ weit gefasst ist. Die Abgabepflicht zur Künstlersozialkasse greift beispielsweise, wenn Freiberufler oder Selbständige für den Auftraggeber eine Marketingbroschüre, Zeitungsanzeige oder Webseite gestalten. Mit Gestalten gemeint ist das Liefern von Texten, Fotos, Videos oder Illustrationen, aber etwa auch Design und Aufbau des Werbemittels. Gleiches gilt für die musikalische Gestaltung oder Animationen – all das sind kreative Leistungen, auf die die Künstlersozialabgabe anfällt. Übrigens auch für Visitenkarten oder Logos. Die Künstlersozialabgabe ist zudem fällig, wenn beispielsweise bei Betriebsfesten oder Jubiläumsveranstaltungen etwa Clowns, Musiker oder Akrobaten auftreten. Bei letzteren existiert eine rechtliche Grauzone zwischen künstlerischer oder sportlicher Tätigkeit – auch das sollten Unternehmer mit Steuerberater oder Anwalt besprechen. Ganz wichtig: Die Abgabepflicht zur Künstlersozialkasse besteht unabhängig davon, ob der Auftragnehmer selbst bei der Künstlersozialkasse versichert ist.

Gi­bt es Aus­­nah­­men von der Kün­­st­­ler­­so­zial­­ab­­ga­­be?

Ausgenommen von der Abgabepflicht zur Künstlersozialkasse sind technische Leistungen, die im Rahmen eines generell von der Künstlersozialversicherung erfassten Auftrags entstehen. Dazu gehört beispielsweise das reine Programmieren einer vom Webdesigner entworfenen Webseite oder das Drucken der von einem Grafiker gestalteten Werbematerialien. Außerdem greift generell keine Künstlersozialabgabe für Leistungen, die eine juristische Person, Kommandit­ge­sellschaft, GmbH & Co. KG oder offene Handelsgesellschaft erbringt. Wer also eine als GmbH firmierende Werbeagentur mit der kompletten Erstellung einer Broschüre beauftragt statt einzelne Texter, Grafiker und Fotografen, spart sich die Künstlersozialabgabe.

Wie be­­rech­­net sich die Kün­­st­­ler­­so­­zial­­ab­­ga­­be?

Die Künstlersozialabgabe ist für alle Leistungen zu zahlen, die der Unternehmer im künst­lerischen oder publizistischen Bereich einkauft. Auch für Aufträge an Personen, die nicht in der Künstlersozialkasse sind – etwa Studenten, Rentner, Nebenberufler oder Künstler aus dem Ausland. Zum Entgelt als Bemessungsgrundlage zählen neben Gagen, Honoraren oder Tan­tiemen auch alle Nebenkosten, wie die Telefon- und Materialkosten. Nicht in die Ab­gabe­pflicht zur Künstlersozialkasse einzubeziehen sind steuerfreie Auf­wands­ent­schä­digungen – etwa Reise- oder Bewirtungskosten – und gesondert aus­ge­wie­sene Umsatzsteuer. Unberück­sichtigt bleiben bei der Ent­gelt­meldung an die Künstlersozialkasse: Entgelte im Rahmen der Übungsleiterpauschale, Gewinnzuweisungen an Gesellschafter sowie Zahlungen für publizistische oder künstlerische Leistungen an juristische Personen beziehungsweise Kapitalgesellschaften. Die Höhe der Künstlersozialabgabe beträgt derzeit 4,2 Prozent.

Die Grafik zeigt, wie sich die Beiträge zur Künstlersozialabgabe in den letzten Jahren entwickelt haben.

Gi­­bt es bei der Kün­­st­­ler­­so­­zial­­ver­­sich­­erung ei­­nen Frei­­be­­trag?

Es gibt Ausnahmen von der Abgabepflicht zur Künstlersozialkasse: Keine Künstlersozialabgabe für künstlerische oder publizistische Leistungen zahlt, wer einen Betrag unterhalb der Bagatellgrenze von 450 Euro jährlich ausgibt. Oder wer entsprechende Leistungen nur „gelegentlich“ für Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit für sein Unternehmen in Anspruch nimmt. Konkret bedeutet das: Die Abgabepflicht entsteht bereits mit nur einem Auftrag von mehr als 450 Euro, etwa für die Aktualisierung der Webseite. Bei Veranstaltungen – etwa dem Konzert von Musikern in einem Biergarten – muss der Auftraggeber genau rechnen. Bis zu drei Auftritte pro Jahr bleiben abgabenfrei. Ab vier Veranstaltungen pro Jahr ist die Abgabe an die Künstlersozialversicherung fällig, wenn das Gesamthonorar 450 Euro übersteigt. Details sollten Unternehmer mit dem Steuerberater oder Anwalt besprechen und dabei beachten, dass sie alle Veranstaltungen mit künstlerischem Charakter berücksichtigen. Interessant könnte es sein, entsprechende Aufträge etwa zur Erstellung von Werbematerialien in einem Jahr geballt zu vergeben und in anderen Jahren gar nicht.

So wird die Kün­­st­ler­­so­­zial­­ab­­ga­­be auf Lei­s­tun­gen ge­­mel­­det

Erstmals melden können sich Unternehmen mit Abgabepflicht formlos bei der Kün­st­ler­sozial­kasse. Das geht auch online. Sind sie erfasst, melden die Unternehmen einmal im Jahr sämtliche Entgelte für künstlerische oder publizistische Leistungen gemäß Kün­st­ler­sozial­ab­gabe mithilfe der von der KSK zur Verfügung gestellten Meldebögen bis zum 31. März des Folgejahres. Wer monatliche Vorauszahlungen schuldet, muss das Geld bis zum 10. des Folgemonates überweisen. Danach wird ein monatlicher Säumniszuschlag in Höhe von einem Prozent des Rückstands fällig.

Ver­­let­­zung der Ab­­ga­­be­­pflicht zur Kün­­st­­ler­­so­­zial­­kas­­se hat Folgen

Die Abgabepflicht zur Künstlersozialkasse zu verletzen, ist kein Kavaliersdelikt. Für Kontrollen ist seit der letzten Änderung des Gesetzes zur Künstlersozialversicherung die Deutsche Renten­ver­sicherung (DRV) zuständig. Das Risiko einer Betriebsprüfung ist damit enorm gestiegen. Zuletzt war von 400.000 geplanten Betriebsprüfungen pro Jahr die Rede. Wer abgabepflichtig ist, muss umfangreiche Aufzeichnungspflichten erfüllen. Mit der Gesetzesänderung wurden die Strafen kräftig erhöht. Bei Verstößen gegen die Melde-, Aufzeichnungs- oder Ab­gabe­pflich­ten drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. Zudem kann die Künstlersozialabgabe für Leistungen von Künstlern und Publizisten bis zu fünf Jahre nachträglich erhoben werden.

Im folgenden Video sind wichtige Punkte zur Künstlersozialkasse nochmal zusammengefasst.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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