Personal & Führung

Pausenregelung gemäß Arbeitszeitgesetz unbedingt beachten

Das Arbeitszeitgesetz macht kla­re Vor­ga­ben für die Pau­sen­re­ge­lung. Aber Pau­sen wäh­rend der Ar­beits­zeit soll­ten auch mit den Mit­ar­bei­tern be­spro­chen wer­den. Und über die De­tails und wei­te­re Vor­schrif­ten tau­schen sich Un­ter­neh­mer am bes­ten mit ih­rem An­walt aus.

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Um Kosten zu senken, die Effizienz zu erhöhen sowie die Kundenorientierung zu verbessern, agieren Unternehmen zunehmend flexibler. Sichtbares Zeichen dafür ist etwa eine größere Bandbreite an Arbeitszeitmodellen als früher. Davon profitieren neben den Betrieben auch ihre Beschäftigten. Immer mehr Firmenchefs fördern zum Beispiel das Home-Office – und es erfreut sich auch bei vielen Mitarbeitern wachsender Beliebtheit. Mit der stärkeren Flexibilisierung der Arbeit können allerdings Nachteile verbunden sein, insbesondere durch atypische Arbeitszeiten oder weitere Arbeitsverdichtung. Unternehmer sollten deshalb unter anderem genau darauf achten, dass die Beschäftigten während der Arbeitszeit genug Pausen machen. Dazu sind sie übrigens auch per Gesetz verpflichtet. Wie Firmenchefs das Arbeitszeitgesetz und die Pausenregelung in ihrem Betrieb im Detail am besten einhalten, weiß ihr Anwalt. Aber die Grundzüge des Themas sollte auch jeder Unternehmer selbst kennen.

Während der Arbeits­zeit sind Pau­sen vorgeschrieben

Auf den ersten Blick ist die Sache mit der Arbeitszeit und den Pausen einfach. Zur Pausenregelung gilt laut Arbeitszeitgesetz: „Die Arbeit ist durch im Voraus feststehende Ruhepausen von mindestens 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden und 45 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt zu unterbrechen. Die Ruhepausen (…) können in Zeitabschnitten von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Länger als sechs Stunden hintereinander dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.“ Eckpunkte sind also:

  • Eine Pause nach spätestens sechs Arbeitsstunden.
  • Mindestens 30 Minuten (oder zweimal 15) bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden, 45 Minuten bei neun Stunden.
  • Ausnahme für Jugendliche: Nach spätestens viereinhalb Stunden Arbeitszeit sind Pausen von 30 Minuten vorgeschrieben, ab sechs Stunden 60 Minuten.
  • Pausen sind keine Arbeitszeit, in der Regel also nicht zu bezahlen.
  • Der Mitarbeiter muss laut Arbeitszeitgesetz die Pausenregelung einhalten und diese Erholungszeit nehmen.

Arbeitszeitgesetz setzt den Rah­men der Pausenregelung

Den Rahmen der Pausenregelung setzt das Arbeitszeitgesetz. Der Unternehmer kann die Pausen auf Arbeitszeit und Gegebenheiten im Betrieb anpassen. So sollten etwa Pausen eigentlich vorher feststehen. Allerdings darf der Firmenchef einen Zeitraum festlegen, in dem sie üblicherweise zu nehmen sind. Das könnte beispielsweise die Kernarbeitszeit von 10 bis 16 Uhr sein. Für bestimmte Betriebe sind Ausnahmen von der Pausenregelung möglich, etwa im Gesundheitswesen oder Gaststättengewerbe. In manchen Branchen erlauben tarifliche Öffnungsklauseln eine Sonderregelung – etwa fünf Minuten Kurzpause am Ende jeder Stunde bei Schichtbetrieb. Solche Details sollten Unternehmer mit ihrem Anwalt besprechen. Allerdings gilt stets der Grundsatz: Der Mitarbeiter muss seine Pause nehmen. Er darf nicht durcharbeiten und früher gehen. Viele Programme zur Zeiterfassung enthalten eine Funktion, die entsprechend der Anwesenheitsdauer automatisch Pausen von der Arbeitszeit abzieht. So sind Mitarbeiter gezwungen, ihre Pause zu nehmen – darauf zu verzichten bringt keinen Vorteil. Übrigens greift die Pausenregelung auch bei Arbeit im Home-Office.

Pausen während Ar­beits­zeit mit Per­so­nal besprechen

Grundsätzlich gilt bei Pausen – unter Berücksichtigung der Pausenregelung laut Arbeitszeitgesetz – das Direktionsrecht. Firmenchefs tun aber gut daran, Lage und Dauer der Pausen mit ihren Beschäftigten anzusprechen – ein Betriebsrat hat übrigens Mitwirkungsrechte. Es geht nicht nur ums Einhalten von Gesetzen, sondern auch Kompromisse zwischen Anforderungen des Betriebsablaufs und individuellen Wünschen der Beschäftigten. So sollte die Dauer der Pausen während der Arbeitszeit etwa ausreichend für einen Besuch in der Kantine oder einen Mittagstisch sein. Eine Beschränkung auf exakt 30 Minuten könnte hier zu knapp sein. Der Unternehmer sollte zudem berücksichtigen, dass Pausen so koordiniert sind, dass etwa Kunden jederzeit einen Mitarbeiter im Büro erreichen können. Sinnvollerweise sollten bei der Planung frühere Erfahrungswerte mit einfließen, etwa wann besonders viele Kunden anrufen. Oder wie lange es dauert, im Gewerbegebiet etwas zu Essen zu kaufen und zu verzehren. Wichtig ist andererseits, mit seinem Direktionsrecht nicht überlange Pausen zu verordnen, die Mitarbeiter als Schikane empfinden könnten.

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Mehr als Arbeitszeitgesetz und Pausenregelung bedenken

Gut durchdenken und gegebenenfalls mit ihrem Anwalt besprechen sollten Firmenchefs zudem weitere Pausenthemen: Lärm- und Bildschirmpausen, Hitzepausen sowie Raucherpausen – und auch die Frage der Versicherung. Ein Aspekt: Muss das Unternehmen bezahlte Lärm- und Bildschirmpausen gewähren, die die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters sicherstellen sollen? Ein weiterer: Ist angesichts heißer werdender Sommer die Vereinbarung von Hitzepausen sinnvoll, bevor ein überraschend ausbrechender Streit darüber möglicherweise vor Gericht landet? Und wie steht der Chef zu Raucherpausen? Sollten die Raucher ausstempeln, damit sie durch ihre zusätzlichen Pausen bei der Arbeitszeit nicht besser wegkommen als Nichtraucher? Genau mit dem Anwalt besprechen und die Mitarbeiter über das Ergebnis informieren müssen Unternehmer die Frage, inwieweit während Pausen ein Versicherungsschutz greift. Generell gilt: Der Arbeitgeber kann im Rahmen vom Arbeitszeitgesetz eine Pausenregelung festlegen. Aber nicht vorschreiben, wo oder wie seine Mitarbeiter ihre Pause verbringen. Wer jedoch beispielsweise zum Mittagessen das Betriebsgelände verlässt, genießt nicht mehr den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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