Steuern & Finanzen

Betriebsvermögen: Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer sparen

Geht Be­triebs­ver­mö­gen an Nach­fol­ger, kas­siert der Fis­kus seit 2016 mehr Erb­schaft­steuer und Schen­kung­steuer. Nur wer zei­tig plant, kann Frei­be­träge nut­zen. Die Hil­fe eines Steu­er­be­ra­ters ist wich­tiger denn je, denn Ver­wal­tungs­ver­mö­gen ist nun voll steuer­pflich­tig.

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Das neue Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht beschert dem Fiskus volle Kassen. Dadurch nahmen die Finanzämter 2018 gut 6,7 Milliarden Euro an Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer ein – 6,2 Prozent über dem Vorjahr. Das Aufkommen erreichte fast den Höchststand von 2016. Damals hatten Unternehmer bei der Nachfolgeplanung die letzte Chance genutzt, Betriebsvermögen steuergünstig an ihre Nachfolger weiterzugeben. Seit dem 1. Juli 2016 geht das nicht mehr so leicht. Der Gesetzgeber musste nachbessern, weil das Bundesverfassungsgericht eine Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer gefordert hatte. Für nicht produktives Betriebsvermögen, das so genannte Verwaltungsvermögen, gibt es seitdem keinen Steuerbonus mehr. Dadurch zahlen Unternehmer mehr Schenkung- oder Erbschaftsteuer, obwohl das übertragene Betriebsvermögen stark rückläufig ist. Laut Statistischem Bundesamt sanken die Steuerbegünstigungen um 35,6 Prozent auf 31,5 Milliarden Euro. Das übertragene Betriebsvermögen betrug 2018 knapp 23 Milliarden Euro, Anteile an Kapitalgesellschaften machten weitere elf Milliarden Euro aus. Deshalb sollten Firmenchefs mit dem Steuerberater sprechen, um Freibeträge sinnvoll zu nutzen.

Erb­schaft­steuer und Schen­kung­steuer auf Be­triebs­ver­mögen

Für Unternehmer ist Vererben und Verschenken seit der Gesetzesänderung teurer und komplizierter. Früher zeigte sich der Fiskus großzügig beim Übertragen von Betriebsvermögen an die nächste Generation. Für viele Mittelständler fiel wenig oder keine Schenkungsteuer an, wenn sie Betriebsvermögen weiterreichten. Auch Erbschaftsteuer musste der Nachfolger meist nicht fürchten. Der Betrieb konnte steuergünstig den Besitzer wechseln, solange das Verwaltungsvermögen nicht mehr als 50 Prozent vom Betriebsvermögen ausmachte. Unternehmer nutzten Konzernstrukturen, um dieses nicht produktive Vermögen so auf einzelne Gesellschaften zu verteilen, dass der Fiskus leer ausging. Solchen Gestaltungen schiebt das neue Gesetz einen Riegel vor. Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer auf Betriebsvermögen lässt sich nicht mehr klein rechnen. Nicht produktives Betriebsvermögen – im Amtsjargon  schädliches  Verwaltungsvermögen genannt – ist nun steuerpflichtig. Der Fiskus prüft auf Ebene der Muttergesellschaft das konsolidierte Vermögen. Steuerliche Vergünstigungen gibt es nur noch für Betriebsvermögen, die für das operative Geschäft wichtig sind und Arbeitsplätze sichern.

Nicht pro­duk­tives Be­triebs­ver­mögen ist steuer­pflich­tig

Wechselt nicht produktives Betriebsvermögen durch Schenkung oder Erbfall den Besitzer, hält der Fiskus die Hand auf. Es fällt Erbschaft- oder Schenkungsteuer auf das schädliche Verwaltungsvermögen an. Dazu gehören:

  • vermietete Immobilien und verpachtete Grundstücke, soweit sie nicht dem Absatz der eigenen Produkte dienen,
  • Wertpapiere,
  • Münzen, Kunstobjekte, Edelmetalle, Oldtimer, Yachten, Segelflugzeuge oder Briefmarkensammlungen, sofern der Betrieb diese nicht herstellt oder mit ihnen Handel treibt,
  • Anteile an Kapitalgesellschaften von bis zu 25 Prozent,
  • Vermögen, die noch nicht lange zum Betriebsvermögen gehören (2-Jahresfrist),
  • Finanzmittel, Barvermögen, Geschäftsguthaben und Forderungen, sofern ihr Wert – nach Abzug der Schulden – 15 Prozent des Betriebsvermögens übersteigt.

Bis zur 15-Prozent-Grenze zählen Finanzmittel zum begünstigten Betriebsvermögen, für das es bei der Schenkungsteuer oder Erbschaftsteuer eine Erleichterung gibt. Dieser Finanzmittelfreibetrag soll die Liquidität der Unternehmen sichern. Voraussetzung für die Begünstigung ist daher, dass die Gelder ausschließlich der gewerblichen Tätigkeit dienen.

Steu­er­­er­­leich­­te­run­gen nur für be­­gün­s­tig­­tes Be­triebs­ver­mögen

Deckungskapital, das Unternehmen zur Erfüllung von Altersvorsorgeverpflichtungen aufbauen, zählt ebenfalls zum begünstigten Betriebsvermögen. Finanzmittel und Wertpapiere müssen jedoch aus der Bilanz ausgegliedert und dem Zugriff von Gläubigern entzogen sein. Generell gilt: Nettoverwaltungsvermögen, das maximal zehn Prozent vom Betriebsvermögen ausmacht, ist unschädlich. Schulden dürfen Betriebe anteilig abziehen. Oberhalb dieser Grenze fällt für nicht produktives Betriebsvermögen die Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer an. Ausnahmen von dieser strengen Regel gibt es nur für Erben: Sie haben die Möglichkeit, ursprünglich steuerpflichtiges in steuerbegünstigtes Betriebsvermögen umzuschichten. Dazu müssen sie innerhalb von zwei Jahren nach dem Tod des Erblassers in betriebsnotwendiges Vermögen investieren, beispielsweise Maschinen. So sparen sie Erbschaftsteuer. Einen Haken gibt es allerdings: Der verstorbene Senior musste diese Investition schon geplant haben. Der Erbe setzt sie lediglich um. In der Praxis dürfte das schwierig zu beweisen sein, wenn das Finanzamt die Erbschaftsteuer kassieren will.

Ver­wal­tungs­ver­mögen als Fal­­le bei Erbschaft -und Schen­­­kung­­­steuer

Die Regeln zur Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer haben ihre Tücken. Das Bundesfinanzministerium versäumte es, in der Verwaltungsvorschrift vom Dezember 2019 ein grundsätzliches Problem aus dem Weg zu räumen: Besteht das Betriebsvermögen zu über 90 Prozent aus Verwaltungsvermögen, gewährt der Fiskus keine Steuervergünstigungen mehr. Sondern belegt das ganze Betriebsvermögen mit Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer, sobald der Besitzer wechselt. Die 90-Prozent-Quote soll missbräuchliche Gestaltungen verhindern, trifft aber auch Mittelständler mit hohem Forderungsbestand oder hoher Fremdkapitalquote. Das Problem: Bei der Berechnung bleiben Schulden unberücksichtigt. Es handelt sich hier also um einen Bruttowert, während sonst Nettowerte entscheiden. Alle Geldbestände sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen fließen in die Berechnung dieser Grenze ein. Selbst der Finanzmittelfreibetrag in Höhe von 15 Prozent kommt nicht zum Abzug. Das Ergebnis ist verheerend: Betriebe mit hohen Außenständen zahlen Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer auf das ganze Betriebsvermögen. Das Finanzgericht Münster meldete letzten Sommer deshalb verfassungsrechtliche Bedenken an.

Mit Frei­be­trä­gen Erb­­schaft­­steuer und Schen­­kung­­steuer spa­ren

Eine frühzeitige Steuerplanung ist bei der Unternehmensnachfolge also dringend notwendig. Nur so können Firmenchefs mögliche Freibeträge sinnvoll nutzen, um Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer zu sparen. Nicht betriebsnotwendiges und damit steuerpflichtiges Betriebsvermögen sollten Unternehmer mit Hilfe ihres Steuerberaters reduzieren und in begünstigtes Betriebsvermögen umschichten. Wer mindestens drei Jahre vor einer geplanten Schenkung etwa Wertpapiere veräußert und das Geld in Maschinen investiert, spart Schenkungsteuer. Ist zu viel Cash-Vermögen im Betrieb, kann eine Ausschüttung vor der Schenkung sinnvoll sein. Forderungen und Finanzmittel sind zu minimieren, Verbindlichkeiten nach Möglichkeit zu tilgen. Sinnvoll wäre es, Betriebsvermögen mit Blick auf die Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer schrittweise an den oder die Nachfolger zu übertragen. Nahen Verwandten stehen alle zehn Jahre erneut ein Freibetrag zu. Überträgt der Senior ein Einzelunternehmen oder Firmenanteile an Sohn oder Tochter, bleiben persönliche Freibeträge von 400.000 Euro steuerfrei. Wer früh mit dem Stabwechsel beginnt, nutzt die Freibeträge mehrmals und spart so Schenkungsteuer und Erbschaftsteuer.

Steuer­be­frei­ung für pro­duk­tives Be­triebs­ver­mö­gen nut­zen

Eine Befreiung von der Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer gibt es nur für begünstigte Betriebsvermögen, die fürs operative Geschäft wichtig sind. Das betrifft Einzelunternehmen, Personengesellschaft sowie GmbH-Anteile von mehr als 25 Prozent. Nachfolger versteuern nur 15 Prozent des Werts. Auf 85 Prozent vom begünstigten Betriebsvermögen fällt keine Erbschaftssteuer oder Schenkungssteuer an. Dies ist die sogenannte Regelverschonung. Der Nachfolger muss den Betrieb dafür fünf Jahre weiterführen und die Arbeitsplätze erhalten. Die Summe der Löhne und Gehälter darf in dieser Zeit nicht unter 400 Prozent der Ausgangslohnsumme sinken. Für Betriebe mit 15 oder weniger Beschäftigten gelten niedrigere Mindestlohnsummen. Zudem greift ein Freibetrag von 150.000 Euro. Er sinkt mit steigendem Firmenwert. Wechseln Anteile an Familienunternehmen den Besitzer, gewährt der Fiskus vorab einen Bewertungsabschlag von bis zu 30 Prozent. Diese Entlastung bei der Erbschaftsteuer oderSchenkungsteuer ist allerdings an restriktive Ausschüttungs- und Verfügungsregelungen geknüpft. Sie gelten 22 Jahre. Unternehmer sollten dies dringend mit dem Steuerberater besprechen.

Ne­ben Re­gel­ver­scho­nung auch Op­tions­ver­schonung prü­fen

Die Hürden für eine völlig steuerfreie Übertragung – diese sogenannte Optionsverschonung – von Betriebsvermögen liegen ebenfalls hoch. Eine Befreiung von der Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer ist nur möglich, falls das Verwaltungsvermögen maximal 20 Prozent des Unternehmenswerts ausmacht. Auch hier gilt: Der Nachfolger darf die Firma nicht verkaufen und muss die Belegschaft weiter beschäftigen. Die Ausgangslohnsumme ist in diesem Fall sieben Jahre lang zu halten. Überentnahmen sind dem Firmeninhaber verboten. Sonst muss der Nachfolger nachträglich die Schenkungssteuer oder Erbschaftsteuer auf die Unternehmensübertragung zahlen.

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Kein Steuer­ab­schlag für Be­triebs­ver­mö­gen über 90 Mil­lionen

Die Steuerabschläge von 85 oder 100 Prozent bei Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer gelten nur für begünstigtes Betriebsvermögen bis 26 Millionen Euro. Erhält ein Nachfolger binnen zehn Jahren durch Schenkung oder Erbschaft mehr Firmenwerte, greift der Fiskus zu. Für Betriebsvermögen jenseits der 26-Millionen-Grenze gewährt das Finanzamt auf Antrag einen reduzierten Verschonungsabschlag. Dieser verringert sich um je einen Prozentpunkt pro 750.000 Euro, die diese Grenze übersteigen. Geht Betriebsvermögen im Wert von 29 Millionen Euro an den Nachfolger, bleiben so 81 Prozent steuerfrei. 5,51 Millionen unterliegen der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Hohe Betriebsvermögen über 90 Millionen genießen Steuervergünstigungen. Möglich ist eine Stundung oder ein teilweiser Steuererlass, falls der Nachfolger die Erbschaftsteuer oder Schenkungsteuer nicht bezahlen kann. Dazu muss er einen Antrag beim Finanzamt stellen und seine Vermögensverhältnisse offenlegen. 50 Prozent seines Vermögens hat der Erbe oder Beschenkte zur Begleichung der Steuerschuld einzusetzen. Deshalb sollten Unternehmer die Vor- und Nachteile mit ihrem Steuerberater besprechen.

Mehr zur Erbschaft- und Schenkungsteuer erfahren Sie in diesem Video.

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Sigrun an der Heiden

ist selbständige Wirtschaftsredakteurin. Die vermeintlich trockenen Themen wie Steuern, Finanzen und Recht sind ihr Steckenpferd. Sie schreibt für verschiedene Wirtschafts- und Unternehmermagazine sowie Kundenzeitschriften zu den Themen Mittelstand, Steuern und Finanzen, Recht, Nachfolge, Sanierung, Unternehmensführung, Personal, Betriebliche Altersvorsorge sowie Transport und Logistik. Zuvor arbeitete sie als Ressortleiterin bei diversen Unternehmermagazinen, unter anderem „Markt und Mittelstand“.

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