Wirtschaft & Recht

Mahnbescheid be­an­tra­gen stoppt Ver­jäh­rung ganz sicher

Un­ter­neh­mer soll­ten prü­fen, ob sie vor Jah­res­en­de ei­nen Mahn­be­scheid be­an­tra­gen müs­sen. Nur das verhindert die Ver­jäh­rung al­ter For­de­rungen. Zwar gibt es da­für auch an­dere We­ge, aber die müs­sen Un­ter­neh­mer ge­nau mit dem An­walt be­spre­chen.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Unternehmer dürfen nicht vor harten Entscheidungen gegen säumige Zahler zurückschrecken. Um an ihr Geld zu kommen, sollten sie – wenn es nicht anders geht – einen Mahnbescheid beantragen. Denn zum wirkungsvollen Forderungsmanagement gehört nun mal ein funktionierendes Mahnwesen. Das wiederum schließt die Bereitschaft ein, ausstehende Zahlungen notfalls gerichtlich einzutreiben. Nur so können Unternehmer effektiv ihre Liquidität sichern. Jetzt kurz vor Jahresende ist der richtige Zeitpunkt, offene Forderungen unter diesem Aspekt durchzusehen: Denn möglicherweise droht bei einigen die Verjährung zum 31. Dezember. Mit einem Mahnbescheid haben Unternehmer gute Chancen, die Verjährung zu verhindern und sich das Geld noch zu holen. Am besten besprechen sie das richtige Vorgehen dazu schnellstens mit ihrem Anwalt.

Mahnbescheid beantragen hemmt bereits die Verjährung

Einen Mahnbescheid beantragen: Das ist der Schritt in den Ernstfall des Forderungsmanagements, nachdem der Kunde die Rechnung und sämtliche Mahnungen unbeachtet gelassen hat. Denn auch eine grundsätzlich berechtigte Forderung verfällt am 31. Dezember des Jahres, in dem die gültige Verjährungsfrist abläuft. Regulär verjähren Rechnungen drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem sie entstanden sind. Es zählt also nicht das Rechnungsdatum plus drei Jahre. Es bleibt stets Zeit bis zum 31. Dezember des entsprechenden Jahres. Verhindern lässt sich die Verjährung nur, indem der Unternehmer seinen bestehenden Anspruch rechtzeitig sowie mit dem richtigen Instrument geltend macht. Vorsichtshalber sollte er stets den Mahnbescheid beantragen, denn nur damit geht er absolut auf Nummer sicher. Die Verjährungsfrist verlängert sich bereits mit Eingang des Mahnantrags bei Gericht. Juristisch korrekt formuliert wird die Verjährung hierdurch „gehemmt“.

PRODUKTEMPFEHLUNG VON DATEV

DATEV Mittelstand Faktura mit Rechnungswesen

Die Komplettlösung beinhaltet eine qualitativ hochwertige Finanzbuchführung sowie Komponenten für das Auftragswesen, die Dokumentenablage und den Zahlungsverkehr. Damit lassen sich viele Arbeitsschritte in Ihrem Unternehmen automatisiert erledigen.

Jetzt informieren

Firmen­chef soll­te ge­richt­li­chen Voll­streckungs­ti­tel an­visieren

Es ist sinnvoll, dass Betroffene einen Mahnbescheid beantragen. Dies hemmt nicht nur die Verjährung, sondern kann dem Firmenchef einen gerichtlichen Vollstreckungstitel verschaffen, der erst in 30 Jahren verjährt. Eine Begründung oder ein Anwalt sind dafür zwar nicht zwingend erforderlich. Dennoch ist es sinnvoll, als Firmenchef gleich Unterstützung vom Anwalt zu holen. So passieren beim Antrag keine Fehler, und die Risiken eines Verfahrens lassen sich gleich gründlich mit einem Experten abwägen. Ist beim Schuldner nämlich nichts zu holen, bleibt der Unternehmer auf der Forderung und dazu noch den von ihm verauslagten Gerichtskosten sitzen. Forderungen gegen Kunden, die eine eidesstattliche Versicherung abgegeben oder Insolvenz angemeldet haben, sollten Unternehmer deshalb beispielsweise besser gleich ausbuchen. Auch was ihre eigenen Unterlagen betrifft, müssen Firmenchefs ihre Hausaufgaben gemacht haben, bevor sie den Mahnbescheid beantragen. Sie sollten etwa sorgfältig prüfen, ob schriftliche Verträge oder Auftragsbestätigungen vorliegen, die ihre Forderung untermauern.

Mahn­be­scheid beantragen – plus Voll­streckungs­be­scheid

Unternehmer, die einen Mahnbescheid beantragen, zahlen eine halbe Gerichtsgebühr. Legt der Schuldner keine Rechtsmittel gegen den gerichtlichen Mahnbescheid ein, kann der Unternehmer damit die Zwangsvollstreckung per Gerichtsvollzieher einleiten. Achtung: Dafür braucht er aber stets auch einen Vollstreckungsbescheid. Stellt der Gerichtsbote dem Empfänger lediglich einen Mahnbescheid zu, ist der Arbeitgeber oder das kontoführende Institut nicht zur Auszahlung gepfändeter Summen verpflichtet. Die Auszahlung des pfändbaren Betrags an den Gläubiger erfordert einen Mahn- und Vollstreckungsbescheid. Den Mahnbescheid beantragen ist also nur der erste Schritt. Gegen beides kann der Schuldner Einspruch einlegen. Dann beginnt ein reguläres Gerichtsverfahren mit Beweiserhebung und mündlicher Verhandlung. In dem müssen Unternehmer ihre Forderung begründen und belegen. Sie sind beweispflichtig. Geht der Fall in ein Klageverfahren über, würden Summen ab 5.000 Euro vor dem Landgericht verhandelt. Spätestens dann geht es schon formalrechtlich nicht mehr ohne Rechtsanwalt.

Mahnbescheid beantragen ist nicht die ein­zi­ge Mög­lichkeit

Unternehmer, die keinen Mahnbescheid beantragen wollen, können versuchen, sich Forderungen auf friedlichem Weg zu sichern. Der Firmenchef kann beispielsweise kurz vor der Verjährung eine Stundung gewähren. Dies empfiehlt sich als Alternative bei Forderungen an gute, langjährige Kunden, die nur gerade einen finanziellen Engpass haben. Bei einer Stundung erklärt sich der Unternehmer damit einverstanden, dass der Kunde die Rechnung zu einem späteren Zeitpunkt begleicht. So lässt sich die Verjährung quasi im gegenseitigen Einverständnis hemmen. Allerdings sollten Unternehmer diese Stundung schriftlich vereinbaren. Sonst könnte sich der Schuldner – das passiert – später auf Verjährung berufen. Auch Verhandlungen bieten die Chance, die Verjährung zu hemmen und doch noch ans Geld zu kommen – zumindest solange sie dauern. Auch Ablauf und Ergebnisse solcher Verhandlungen ist schriftlich zu dokumentieren. Außerdem können Unternehmer vom Schuldner ein schriftliches Schuldanerkenntnis fordern – natürlich ebenfalls schriftlich. Es setzt die Verjährungsfrist ebenso neu in Gang wie neue Sachverhalte, etwa eine Abschlagszahlung, Zinszahlung oder Sicherheitsleistung.

Alle Al­ter­na­ti­ven ge­nau mit dem An­walt be­sprechen

Allerdings sollten Unternehmer all diese Wege nie ohne Begleitung durch ihren Anwalt oder Steuerberater beschreiten. Wenn sie einen Mahnbescheid beantragen, ist der weitere Verlauf klar. Bei allen anderen Varianten kommt es auf kleine Details und Formulierungen an, mit denen sich wenige Laien wirklich auskennen. So nutzen viele Unternehmer beispielsweise den sogenannten Verzicht auf Einrede der Verjährung durch den Schuldner. Soll heissen: Der Kunde unterschreibt, dass er sich auch nach Ablauf der gesetzlichen Verjährungsfrist nicht darauf berufen wird, die Forderung sei verjährt. Das klingt gut, hemmt allerdings nicht die Verjährung selbst. Gelingt dem Unternehmer keine friedliche Beilegung des Streits und übersieht er währenddessen bestimmte andere, sich aus diesem Vorgehen ergebende Termine, könnte plötzlich doch die Verjährung eintreten. Beispielsweise, wenn er nicht bis zum Auslaufen des Verzichts auf Einrede eine Klage einreicht. Deshalb sollten Unternehmer stets anwaltlichen Rat einholen und gegebenenfalls lieber einmal mehr einen Mahnbescheid betragen, als Geld zu verlieren.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Kein einfaches Thema!
    Am besten hilft ein steuerlicher Berater! Sie haben noch keinen? Dann können Sie auf DATEV SmartExperts nach den passenden Experten suchen.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn