Technologie

Landwirtschaft muss Di­gi­ta­li­sierung weiter forcieren

Landwirtschaft und Di­gi­ta­li­sie­rung – das kann durch­aus zur Er­folgs­ge­schich­te wer­den. Es geht aber nicht nur um Land­ma­schi­nen, son­dern auch ums Bü­ro. Ge­win­ne bringt 5G an der Milch­kan­ne nur bei Un­ter­neh­mens­steu­erung per mo­der­ner kauf­män­ni­scher Software.

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Dieses Zitat dürfte an der Bundesforschungsministerin klebenbleiben. „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“, so Anja Karliczek anlässlich der Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzen. „Wenn wir 4G flächendeckend haben, sind wir schon sehr gut ausgestattet.“ Nicht nur bei Bauern sorgte die Aussage für Kopfschütteln und Unverständnis. Schließlich ist in der Landwirtschaft die Digitalisierung ein Schlüssel zu künftiger Wettbewerbsfähigkeit. Wie die meisten anderen Wirtschaftsbereiche setzt die Agrarbranche auf vernetzte Maschinen und Geräte, um Effizienz zu steigern. Auf Sensoren für eine optimale Aufzucht und Betreuung von Nutztieren. Auf Big Data, die Analyse großer Datenmengen, um den Einsatz von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln exakt zu dosieren. Das funktioniert nur, wenn der Landwirt von seinem Büro aus ein stabiles Firmennetzwerk betreibt. Wenn jede Maschine auf dem Feld guten Kontakt zum Mobilfunknetz hat. Wenn Sensoren im Stall die von ihnen ermittelten Daten in Echtzeit weiterleiten. Landwirtschaft und Digitalisierung – das bedeutet idealerweise eben doch 5G an jeder Milchkanne.

Digitalisierung der Land­wirt­schaft läuft auf Hochtouren

Tatsächlich sind viele Landwirte schon weiter, als die Bundesforschungsministerin im Herbst 2018 scheinbar gedacht hat. Mit durchaus gerechtfertigtem Selbstbewusstsein berichtet der Deutsche Bauernverband (DBV) von den Erfolgen seiner Branche auf dem Weg zur Landwirtschaft 4.0: Über Produktionsprozesse, die sich selbst steuern, Maschinen, die mit Maschinen kommunizieren, Fahrzeuge, die sich autonom steuern, Computerprogramme, die Entscheidungen treffen. Kurz gesagt: Eine Produktion, die mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik verschiedenste Aspekte innerhalb der Wertschöpfung verzahnt. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom nutzt bereits jeder fünfte Landwirtschaftsbetrieb eine sogenannte Industrie-4.0-Anwendung. Werden über 100 Hektar Fläche bewirtschaftet, ist es sogar jeder dritte. In der Autobranche liegt diese Quote bei zehn Prozent.  Auch die Politik kennt die Bedeutung des Themas – wenn nicht die Bundesforschungsministerin, dann doch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Es beschreibt in einer Broschüre ausführlich die Digitalisierung in der Landwirtschaft und beschäftigt sich dabei ebenso mit den Chancen wie mit den Risiken.

5G-Experimentier­feld zur Di­gi­ta­li­sierung der Land­wirtschaft

Wer sich für Digitalisierung in der Landwirtschaft interessiert, sollte sich allerdings nicht mit der Theorie zufriedengeben. Die Agritechnica in Hannover, Weltleitmesse für Landtechnik, ermöglicht tiefe Einblicke in technische Trends, die diese Branche erheblich verändern dürften. Moderne digitale Technologien eröffnen immer neue Wege zu effizienterem Arbeiten. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft etwa plant mobile digitale Assistenzsysteme für komplexe Landmaschinen oder ein sogenanntes Rindertracking. Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obst (LVWO) im baden-württembergischen Weinsberg will Multikopter zur Bewertung der Pflanzengesundheit von Wein sowie Spritzdrohnen zur Applikation von Pflanzenschutzmitteln in Steillagen verfügbar machen. Die TU Dresden erforscht im Projekt „Landnetz“ auf einem 2.000 Quadratkilometer großen 5G-Experimentierfeld digitalisierte Anwendungen für die Landwirtschaft. „Die 5G-Technologie dient als Wegbereiter für alle zukünftigen digitalen Anwendungen“, sagt Dr. Norman Franchi, Projektkoordinator der TU Dresden. „Hierzu werden wir im Projekt landwirtschaftliche Betriebe und ländliche Kommunen mit 5G-Infrastruktur ausstatten und eine Vielzahl innovativer Digitalisierungsanwendungen erproben.“

Die 5G-Technologie dient als Wegbereiter für alle zukünftigen digitalen Anwendungen. Hierzu werden wir im Projekt landwirtschaftliche Betriebe und ländliche Kommunen mit 5G-Infrastruktur ausstatten und eine Vielzahl innovativer Digitalisierungsanwendungen erproben.

Dr. Norman Franchi, Projektkoordinator „Landnetz“ der TU Dresden

Bei der Di­gi­ta­li­sierung auch an die Pro­zes­se im Bü­ro denken

Für das Wirtschaftsmagazin „brand eins“ steht fest: „Algorithmus schlägt Bauernregeln“. Tatsächlich dürfte die Digitalisierung der Landwirtschaft viele Jobs stark verändern, so wie auch in anderen Branchen. Sie darf jedoch nicht auf den Einsatz neuer Maschinen oder Geräte sowie die Vernetzung zur besseren Datenanalyse in Viehzucht oder Pflanzenbau beschränkt bleiben. Auch im kaufmännischen Bereich müssen Landwirte den Einsatz digitaler Technologien forcieren, um schlagkräftiger zu werden sowie gesetzliche Vorgaben besser einzuhalten. Das reicht vom allgemeinen Workflow über durchdachtes Dokumentenmanagement mit Blick auf Nachweis- oder Aufbewahrungspflichten bis zur elektronischen Rechnungsstellung. Wer hier auf den Einsatz aktuellster Hard- und Software verzichtet, braucht gar nicht mehr in digital aufgerüstete Landmaschinen zu investieren: Ohne digital optimal ausgestattetes Backoffice wird sich die Anschaffung neuer Landtechnik kaum rechnen, weil der Firmenchef seine Zahlen nicht richtig im Griff hat. Digitalisierung in der Landwirtschaft findet nicht nur auf dem Feld und im Stall, sondern eben auch im Büro statt.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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