Wirtschaft & Recht

Nächster Durchgangsarzt soll­te im Un­ter­neh­men be­kannt sein

Nach einem Arbeitsunfall müssen Mitarbeiter zum Durchgangsarzt. Der Firmenchef sollte dessen Adresse und Aufgaben kennen und den Beschäftigten mitteilen. Das vermeidet im Notfall sinnlose Wartezeiten beim falschen Arzt und verbessert die medizinische Versorgung.

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Arzt ist nicht gleich Arzt. Logisch. Zahnärzte, Augenärzte oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (HNO) führen die Körperteile, auf die sie spezialisiert sind, schon im Namen ihrer Praxis. Und auch bei vielen anderen Medizinern wissen die meisten Menschen, was die Berufsbezeichnung bedeutet: Orthopäden etwa kümmern sich um den Bewegungsapparat, Internisten um die inneren Organe, Psychologen um menschliches Erleben und Verhalten. Das erleichtert die Wahl des passenden Spezialisten für klare Beschwerden. Für Unternehmer allerdings ist nach Arbeitsunfällen eine weitere Mediziner-Kategorie von entscheidender Bedeutung: Der Durchgangsarzt. Bricht sich ein Beschäftigter etwa den Arm, kann er nicht einfach zum nächsten Orthopäden gehen. Er muss einen von Berufsgenossenschaften, Gemeinde­unfall­versicherungs­verbänden und Unfallkassen – den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung – zugelassenen Durchgangsarzt aufsuchen. Die freie Arztwahl ist also teilweise eingeschränkt – aber letztlich zum Vorteil der Patienten: Über die gesetzliche Unfallversicherung genießen sie in der Regel umfassenderer Leistungen als ein gesetzlich Krankenversicherter nach einem Unfall.

Nach Arbeits­un­fall mög­lichst zum Durch­gangsarzt

Natürlich muss im akuten Notfall niemand erst zum Durchgangsarzt. Er kommt zur schnellen Behandlung meist zunächst ins Krankenhaus oder darf bei weniger schweren Verletzungen selbst den nächsten Arzt aufsuchen. Wer aber nach einem Arbeitsunfall über eine Woche behandelt wird oder am Tag nach dem Unfall arbeitsunfähig ist, muss zum Durchgangsarzt überwiesen werden. Außerdem sollte jeder Unternehmer wissen und seinen Beschäftigten genau erklären: Wer keine dramatischen Verletzungen erlitten hat, riskiert, dass der Facharzt seiner Wahl ihn nicht behandelt, sondern zum Durchgangsarzt schickt. Dann hat er eventuell sinnlos im Wartezimmer gesessen, um nur die Adresse vom nächsten Durchgangsarzt zu bekommen. Firmenchefs sollten mit ihrem Betriebsarzt oder einem Experten der gesetzlichen Unfallversicherung beziehungsweise Berufsgenossenschaft besprechen, wie sie bei medizinischen Notfällen reagieren. Von der Notversorgung durch einen ausgebildeten Ersthelfer – Pflicht in allen Betrieben ab zwei Beschäftigten – über den Transport ins Krankenhaus oder zum Durchgangsarzt bis zur Meldung des Unfalls bei den zuständigen Stellen.

Durchgangsarzt ent­schei­det über wei­te­re Behandlung

Diese Absprache ist kein Geheimwissen, sondern sollte allen Beschäftigten bekannt sein. Der beste Notfallplan des Firmenchefs hilft wenig, wenn seine Mitarbeiter beim Unfall nicht wissen, was sie tun sollen. Dies gilt natürlich nur für die Erstversorgung und das Auslösen des Notrufs sowie eventuell nötige Maßnahmen im Betriebsablauf. Kommunikation mit Unfallversicherung oder Berufsgenossenschaft ist immer Aufgabe des Unternehmers. Trotzdem sollten auch die Mitarbeiter wissen, dass ihnen die Internetseite der gesetzlichen Unfallversicherung bei der Suche nach dem nächsten Durchgangsarzt hilft. Hier findet sich der Link zu einer Suchmaschine, die nach Ort und Art der weiteren Behandlung passende Ansprechpartner liefert. Ob es um ein Stationäres Durchgangsarztverfahren (DAV), ein Verletzungsartenverfahren (VAV), ein Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV) oder ein Schwerstverletzungsartenverfahren Hand (SAV Hand) geht, dürfte direkt nach dem Unfall kaum eine Rolle spielen – da zählt nur eine schnelle Notfallbehandlung. Im weiteren Behandlungsverlauf allerdings ist die richtige Wahl wichtig, hier sollte der Unternehmer mit Experten sprechen.

Unterstützung auch bei Ar­beits­un­fäl­len im Ausland

Der Durchgangsarzt spielt bei Arbeitsunfällen in Deutschland eine wichtige Rolle. Die Berufsgenossenschaften beziehungsweise die gesetzliche Unfallversicherung helfen aber auch bei Arbeitsunfällen im Ausland. Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) gesetzliche Unfallversicherung beispielsweise bietet ihren Versicherten eine Hotline, über die es 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr Unterstützung gibt, um die erforderlichen medizinischen Behandlungen zu erhalten. Auch diverse Berufsgenossenschaften bieten ihren Mitgliedern diesen Service. Firmenchefs sollten sich und ihre Mitarbeiter laufend über solche aktuellen Angebote informieren, damit sie im Notfall gleich genutzt werden können. Außerdem sollte jeder Unternehmer klären, wie er sich über eine freiwillige Mitgliedschaft den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung sichern kann. Die Kosten dafür könnten sich nach einem Arbeitsunfall durch umfassendere Leistungen rasch bezahlt machen. Hier ist zur Entscheidungsfindung das Gespräch mit Anwalt, Steuerberater sowie einem Versicherungsexperten empfehlenswert.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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