Wirtschaft & Recht

Minijob auf Abruf birgt Ri­si­ken für Un­ter­nehmen

Per Minijob auf Abruf fan­gen vie­le Un­ter­neh­mer sai­so­na­le Auf­trags­spit­zen ab. Aber durch die­ses In­s­tru­ment droht nun Är­ger bei Min­dest­lohn und 450-Euro-Job. An­walt und Steu­er­be­ra­ter soll­ten drin­gend prü­fen, wie sich Ge­set­zes­ver­stöße ver­mei­den lassen.

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Die Veränderung einer Ziffer könnte vielen Unternehmern bestenfalls hohen Mehraufwand und schlimmstenfalls schmerzhafte Bußgelder bescheren. Zum Jahreswechsel 2018/2019 wurde das Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (TzBfG) aktualisiert, was zunächst kaum Aufregung hervorrief. Im Paragraph 12 steht zur Arbeit auf Abruf: „Wenn die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, gilt eine Arbeitszeit von 20 Stunden als vereinbart.“ Bis Ende 2018 waren es 10 Stunden. De facto bedeutet das eine glatte Verdoppelung der unterstellten Arbeitszeit – und macht darum Probleme beim Mindestlohn. Denn auch geringfügig Beschäftigte, also Minijobber, gelten als teilzeitbeschäftigt – und haben Anspruch auf den Mindestlohn von 9,19 Euro. Dadurch entsteht bei einem Minijob auf Abruf eine Gleichung, die nicht aufgehen kann. Ohne vertraglich festgelegte Zahl von Arbeitsstunden unterstellt das TzBfG eine Wochenarbeitszeit von 20 Stunden. Bei rechnerisch 4,33 Wochen pro Monat mal 9,19 Euro pro Stunde wären das 795,85 Euro Monatslohn – das ist garantiert kein Minijob mehr.

Durch Ände­rung bei Mi­ni­job auf Ab­ruf droht Ärger

Betroffen sind von dieser Gesetzesänderung insbesondere Betriebe mit saisonal stark schwankendem Geschäft, beispielsweise Gastronomie oder Gartenbau. Sie nutzen im Sommer bei Arbeitsspitzen verstärkt den Minijob auf Abruf und stellen geringfügig Beschäftigte als Teilzeitarbeiter je nach Wetter ein. Eben auf Abruf. Deshalb kocht das Thema jetzt hoch und droht manchem Firmenchef enorme Probleme zu bereiten. Grundsätzlich waren bei der Arbeit auf Abruf schon immer diverse Vorgaben zu beachten. Zu Jahresbeginn hatten viele die aktuellen Veränderungen beim Minijob auf Abruf allerdings nicht im Blick, weil sie ihn damals kaum nutzten. Mit Saisonbeginn machten sie dann weiter wie 2018, ohne die betroffenen Arbeitsverträge anzusehen und gegebenenfalls zu modifizieren. Wer beim Minijob auf Abruf keine Stundenzahl schriftlich fixiert hat, muss der Sozialversicherung deshalb nun 795,85 Euro Monatslohn melden. Diese Summe und eine entsprechende Forderung der Sozialversicherung ergibt sich unabhängig von der tatsächlich geleisteten Arbeit. So entsteht der gefürchtete Phantomlohn, der mit Sozialabgaben belegt wird.

Viel zu ho­he Stun­den­zahl für ei­nen 450-Euro-Job

Betroffene Unternehmer sollten mit Anwalt und Steuerberater schnell Gegenmaßnahmen ergreifen, um beim Minijob auf Abruf nicht massiv draufzuzahlen. Und um rechtlichem Ärger wegen Verstößen gegen Regelungen zur Sozialversicherung und dem Mindestlohn zu entgehen. Zuerst ist zu klären, ob beziehungsweise welche Mitarbeiter betroffen sind und eventuell bereits fehlerhafte Meldungen an die Sozialversicherung geschickt wurden. Sie gilt es nach Absprache mit den Experten rasch zu korrigieren. Danach wäre empfehlenswert, Arbeitsverträge für auf Abruf beschäftigte Teilzeitarbeiter im Minijob-Segment aufzusetzen, die die Zahl der zu leistenden Stunden festlegen, um die Vorgaben zum Mindestlohn ebenso zu beachten wie die zur 450-Euro-Beschäftigung. Wichtig: Ist eine wöchentliche Mindestarbeitszeit vereinbart, darf der Arbeitgeber nur bis zu 25 Prozent mehr abrufen. Bei einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit darf er nur bis zu 20 Prozent weniger abrufen. Auch solche Details gilt es zu beachten und am besten mit Stundenzetteln zu belegen. Derartige Verträge sollten stets mit Hilfe eines Experten formuliert werden.

Es gibt gu­te Al­ter­na­ti­ven zum Mi­ni­job auf Abruf

Die aktuellen Änderungen beim Minijob auf Abruf könnten aber auch als Einstieg in ganz neue Überlegungen dienen. Eine Alternative wären Arbeitszeitkonten. Statt einem Minijob auf Abruf bekommt der Arbeitnehmer ein Arbeitsvertrag mit einem gleichbleibenden, also verstetigtem Entgelt von 450 Euro. Er kann je nach Bedarf unterschiedlich viele Stunden im Monat leisten und Plus- oder Minusstunden auf dem Arbeitszeitkonto sammeln. Das Arbeitszeitkonto wird dann innerhalb eines vereinbarten Zeitraums ausgeglichen. Oder der Minijob auf Abruf wird zum Midijob. Das ist nicht ganz so billig für den Unternehmer, bietet aber viel Flexibilität und hilft so, möglichen Ärger zu vermeiden.

Am 1. Juli 2019 wurde aus der bisherigen Gleitzone der Übergangsbereich. Er gilt für Arbeitsentgelte von 450,01 Euro bis 1.300 Euro. Die reduzierten Rentenversicherungsbeiträge des Arbeitnehmers führen seitdem nicht mehr zu reduzierten Rentenansprüchen – ihm entstehen somit trotz reduzierter Beiträge keine Rentennachteile mehr.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.

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