Steuern & Finanzen

GWG-Grenze: Kleine Investitionen richtig planen

Bei geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) gelten besonders günstige Regeln für die Abschreibung. Bis zu einem bestimmten Betrag können diese kleineren Investitionen nämlich auch sofort im gleichen Jahr als Betriebsausgabe angesetzt werden. Der Gesetzgeber lässt Ihnen viele Wahlmöglichkeiten. Das ist zu beachten.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Kleinvieh macht auch Mist. Das gilt genauso für Anschaffungen in Unternehmen. Nicht immer geht es hier um große Investitionen – die im Vergleich geringeren Ausgaben für den Computer, das Smartphone oder den Schreibtischstuhl müssen ebenfalls geplant werden. Auch mit Blick auf die steuerliche Gestaltung, denn bei den sogenannten geringwertigen Wirtschaftsgütern – kurz GWG – gelten besondere Abschreibungsregeln. Diese hängen vor allem vom Preis der einzelnen Anschaffung ab, mit einer zentralen GWG-Grenze von bislang 410 Euro netto. Diese GWG-Grenze hat der Fiskus im vergangenen Jahr auf 800 Euro netto erhöht. Damit lässt sich schon einiges anfangen. Der Firmenchef kann Investitionen in kleinere Anschaffungen auf einen Schlag als Betriebsausgabe im gleichen Jahr von den Einnahmen abziehen – oder aber normal über die Nutzungsdauer abschreiben. Die GWG-Sofortabschreibung soll nicht nur den Bürokratieaufwand für Unternehmer verringern, die so nicht über Jahre hinweg geringwertige Wirtschaftsgüter abschreiben müssen. Sie soll vor allem helfen, Unternehmern frühzeitig Liquidität zu verschaffen. Schließlich reduzieren sie durch geschicktes Timing ihre Steuerlast. Allerdings sollten Firmenchefs mit ihrem Steuerberater detailliert die Modalitäten und Möglichkeiten besprechen, um die GWG-Grenze optimal auszunutzen.

Innerhalb der GWG-Grenze optimal Steuern sparen

Zunächst einmal muss geklärt werden, ob es sich überhaupt um ein GWG handelt. Es muss zum abnutzbaren Anlagevermögen gehören, beweglich und selbständig nutzbar sein. Damit sind beispielsweise immaterielle Wirtschaftsgüter wie Lizenzen oder Patente nicht als GWG abzugsfähig. Das Kriterium selbständige Nutzung ist eine weitere Hürde. Damit will die Finanzverwaltung verhindern, dass Unternehmer größere Anschaffungen in kleinere aufsplitten, um so von der günstigeren GWG-Grenze zu profitieren. Daher gibt es drei Fragen zu klären:

  1. Kann das Wirtschaftsgut nur zusammen mit andere Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens genutzt werden?
  2. Tritt das Wirtschaftsgut nach außen als einheitliches Ganzes in Erscheinung (zum Beispiel durch Festigkeit der Verbindung, technische Gestaltung oder Dauer)?
  3. Ist das Wirtschaftsgut mit anderen technisch abgestimmt?

Können Sie eine dieser drei Fragen mit Nein beantworten, handelt es sich definitiv um ein selbstständig nutzbares GWG.

Ob Bürostuhl, Kaffeemaschine, Garderobenständer, Teppich oder Regale als Büroausstattung: Die Auswahl potenziell sofort abziehbarer Wirtschaftsgüter ist damit groß – die neue GWG-Grenze bietet Unternehmern mehr Spielraum. Die Wahlmöglichkeiten bei den GWG machen die Sache für Steuerlaien nicht ganz unkompliziert. Denn neben der zentralen GWG-Grenze von nun 800 Euro netto gibt es noch weitere Varianten – abhängig von den Anschaffungskosten.

  1. Anschaffungskosten bis 250 Euro netto: Sofortabzug im gleichen Jahr der Anschaffung oder Abschreibung
  2. Anschaffungskosten bis 800 Euro netto: Sofortabzug oder Abschreibung nach gewöhnlicher Nutzungsdauer
  3. Anschaffungskosten zwischen 250,01 Euro und 1 000 Euro netto: Bildung eines Sammelpostens, Abschreibung über fünf Jahre.

Sofortabzug, Pool oder Abschreibung

Schon bei Wirtschaftsgütern zum Preis von bis zu 250 Euro netto haben Sie die Qual der Wahl: Sie dürfen die Ausgaben für das geringwertige Wirtschaftsgut entweder sofort im Jahr des Kaufs als Betriebsausgabe absetzen. Oder aber Sie entscheiden sich dafür, die Kosten über die Nutzungsdauer abzuschreiben, gemäß der Werte, die in der maßgeblichen AfA-Tabelle angegeben sind. Das kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn Sie Ihr Unternehmen gerade erst gegründet und noch keinen oder einen nur sehr niedrigen Gewinn haben. Haben Sie für das jeweilige geringwertige Wirtschaftsgut zwischen 250 und 800 Euro netto ausgegeben, dürfen Sie ebenfalls die Sofortabschreibung wählen. Dann müssen Sie diese Investitionen in ein laufendes Verzeichnis aufnehmen. Auch bei dieser Variante können Sie einzelne Gegenstände normal abschreiben. Meist wählen Unternehmer diese Möglichkeit, da die GWG-Grenze von 800 Euro netto hohe Abzugsmöglichkeiten im gleichen Jahr bietet.

Für Anschaffungen mit einem Wert von mehr als 250 Euro bis zu 1.000 Euro netto haben Sie noch eine andere Alternative: die sogenannte Pool-Regelung. Wenn Sie sich dafür entscheiden, müssen Sie für alle im betreffenden Jahr gekauften Gegenstände mit Anschaffungskosten zwischen 250 und 1.000 Euro netto einen Sammelposten bilden. Die gesammelten Anschaffungskosten des Jahres werden über fünf Jahre verteilt als Betriebsausgaben geltend gemacht. Daran hat sich auch mit der neuen GWG-Grenze nichts geändert. Mit dieser Option schließen Sie also für geringwertige Wirtschaftsgüter zum Preis zwischen 250,01 und 1.000 Euro den Sofortabzug aus. Die Pool-Regelung kann in den Fällen interessant werden, in denen das gekaufte Gut knapp über der zentralen GWG-Grenze von 800 Euro netto liegt und normalerweise über lange Zeit abgeschrieben werden müsste – etwa, wenn es sich um Büromöbel handelt. Ein Beispiel: Sie kaufen in diesem Jahr einen Schreibtisch zum Nettopreis von 897 Euro. Normalerweise müssen Büromöbel über 13 Jahre abgeschrieben werden. Das wäre hier ein Abschreibungsbetrag von 69 Euro jährlich. Im Pool kann der Schreibtisch über fünf Jahre mit 179,40 Euro steuerlich abgeschrieben werden.

Wichtig ist eine Planung mit Blick auf die GWG-Grenze

Welche Entscheidung die richtige ist, hängt auch von Ihrer Gewinnerwartung ab – und zu welchen Preisen Sie was wann einkaufen. Um steuerlich das Beste herauszuholen, sollten Sie Ihre Gewinne und Gewinnerwartungen daher möglichst zeitig einschätzen. Und Investitionen in geringwertige Wirtschaftsgüter vorausschauend planen. Beides sollten Sie detailliert mit dem Steuerberater besprechen und abwägen, welche Option Sie mit Blick auf die GWG-Grenze wählen. Zwischen den Varianten der zentralen GWG-Grenze und der Pool-Regelung können Sie wählen, müssen sich allerdings für die Anschaffungen in einem Jahr festlegen. Sie dürfen also nicht im gleichen Jahr zwischen Sofortabschreibung und Sammelposten hin- und herwechseln.

Der Sammelposten kann helfen oder Sparchancen kosten

Wirtschaftsgüter über 1.000,01 Euro müssen Sie mit Sammelposten regulär linear abschreiben. Die Nutzungsdauer für das jeweilige Wirtschaftsgut können Sie in der AfA-Tabelle des Bundesfinanzministeriums nachlesen. Wenn Sie sich für die zentrale GWG-Grenze entscheiden, dürfen Sie sämtliche geringwertige Wirtschaftsgüter auch über ihre Nutzungsdauer abschreiben. Dieses Wahlrecht können Sie für jedes Wirtschaftsgut einzeln ausüben. Der Steuerberater hilft, die richtige Entscheidung zu treffen.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

DATEV

Hier schreiben Experten von DATEV für Unternehmer! Spezialisten aus verschiedenen Bereichen erläutern komplexe Fachthemen, schaffen Klarheit mit Checklisten und zeigen passende DATEV-Angebote.

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Kein einfaches Thema!
    Am besten hilft ein steuerlicher Berater! Sie haben noch keinen? Dann können Sie auf DATEV SmartExperts nach den passenden Experten suchen.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn