Technologie

Open Innovation bringt je­des Un­ter­neh­men voran

Konzerne setzen längst auf Open Innovation. Klei­ne Be­trie­be aber zö­gern oft, auf die­sem Weg neue Ideen von Außen ins Haus zu ho­len – zum ei­ge­nen Nach­teil. Wer mit An­walt und Steu­er­be­ra­ter die rich­ti­gen Leit­plan­ken setzt, sollt­e die­se Me­tho­de unbedingt nutzen.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Muss es wirklich immer Englisch sein? Open Innovation gilt als wichtiges Konzept zur Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle auch für kleine und mittelgroße Unternehmen. Wenn es dem Firmenchef um die Ecke ohne Universitätsstudium oder Business-School-Abschluss ebenso helfen soll wie einem Konzern: Warum kriegt das Kind dann keinen verständlichen Namen? Denn hinter der Methode Open Innovation steckt eine gute – und auch für Handwerker, Händler oder kleine Dienstleister nachvollziehbare – Idee. Bloß wirkt auf viele Mittelständler dieser Anglizismus so abschreckend, dass sie sich höchstens zögerlich an seinen Inhalt wagen. Dabei ist doch nur gemeint, sich bei der Suche nach Innovationen nicht zufällig, sondern gezielt Einflüssen von außen zu öffnen. Wobei Außen weit gefasst ist – wer sich bei allgemeiner Ideensuche oder konkreter Entwicklung inspirieren lassen will, profitiert durch Anregungen von

  • Kunden und Endverbrauchern,
  • Zulieferern und Zwischenhändlern,
  • Hochschulen und Forschungsinstituten,
  • Studenten und Erfindern,
  • Start-ups und branchenfremden Unternehmen oder auch
  • Beratern und Organisationen.

Open Innovation pro­fi­tiert von Di­gi­ta­lisierung

Wenig überraschend hat die Idee der Open Innovation durch die Digitalisierung der Wirtschaft zusätzlichen Schwung erhalten. Moderne digitale Technologie ermöglicht auch kleinen Unternehmen den verstärken Gedankenaustausch mit potenziellen Ideengebern. Aber wer diese Methode nutzen will, darf sich nicht nur mit ihren bekannten Vorteilen beschäftigen. Die bringt Alexander Sonntag für das RKW Kompetenzzentrum präzise auf den Punkt: „KMU sollten sich mit Open Innovation auseinandersetzen, um

  • an ungewöhnliche externe Ideen zu gelangen,
  • Zugang zu externem Know-how zu ermöglichen,
  • Risiken zu minimieren und zu verteilen,
  • den Innovationsprozess zu beschleunigen,
  • eigene Ressourcen zu sparen,
  • die Marktbedürfnisse besser zu antizipieren,
  • bislang ungenutzte Ideen, Konzepte und Patente zu vermarkten und
  • neue Absatzmöglichkeiten und Geschäftsfelder zu erschließen.

Zwar werden im Zusammenhang mit Open Innovation häufig auch Kosteneinsparungen in Aussicht gestellt. Im Kern geht es aber meiner Meinung nach um die Verkürzung der Time-to-Market, die Verbesserung der Kundenorientierung oder die Bearbeitung intern nicht zu lösender Aufgaben.“

Zwar werden im Zusammenhang mit Open Innovation häufig auch Kosteneinsparungen in Aussicht gestellt. Im Kern geht es aber meiner Meinung nach um die Verkürzung der Time-to-Market, die Verbesserung der Kundenorientierung oder die Bearbeitung intern nicht zu lösender Aufgaben.

Alexander Sonntag für das RKW Kompetenzzentrum

Umfassende Vor­tei­le durch Open Innovation

Ebenso wichtig wie ein Verständnis für die Vorteile von Open Innovation ist, sich von zahlreichen Vorurteilen zu verabschieden. Konkret bedeutet dies, die Methode nicht aus einem verengten Blickwinkel insbesondere als Forschungs- und Technologiethema zu sehen. Und keinesfalls als latente Bedrohung der eigenen Geschäftsgeheimnisse. Eine sehr informative Broschüre des EU-finanzierten Projekts „Open Innovation Networking Platform for SMEs“ (OPINET) schafft hier Klarheit. Es geht nicht um den offenen Zugang zu eigenen Technologien, Outsourcing der F&E- und Innovationsabteilung, ausschließlich um Technologie beziehungsweise technische Erfindungen, das Aneignung von Werten, neue Unternehmen oder Partnerschaften oder die Senkung von Forschungskosten. Sondern um neue Denk- und betriebliche Strukturen, die – wie eine Studie für das Land Baden-Württemberg zeigt – in allen Bereichen greifen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärken durch

  • strategisches Management von gewerblichen Schutz- und Urheberrechten,
  • strategische F&E und Innovation,
  • Technologie wie auch Geschäftsmodelle,
  • kommerzielle Innovationen,
  • Win-Win-Partnerschaften,
  • Kernproduktentwicklungsprozesse,
  • den Aufbau eines Innovations-Ökosystems sowie
  • die Verbesserung der Rentabilität von F&E und Innovation.

Es gibt ver­schie­de­ne Spiel­ar­ten der Open Innovation

Klingt theoretisch, lässt sich aber ganz leicht am praktischen Beispiel erklären. Sogenanntes Crowdsourcing etwa ist eine inzwischen vielerorts beliebte Übung: Der Firmenchef nutzt zur Lösung einer Aufgabe die Intelligenz, Kreativität und das Know-how vieler Menschen außerhalb des Unternehmens. Dafür gibt es dank der digitalen Technologien inzwischen Internetplattformen, deren Nutzung sich auch kleine Betriebe finanziell leisten können. Wichtig ist die richtige Fragestellung: Wer eventuellen Problemlösern nicht möglichst genau die Herausforderung und den Kontext beschreibt, kann kaum hilfreiche Antworten erwarten. Wird das beachtet, sind zahlreiche Einsatzmöglichkeiten denkbar, etwa das Design eines neuen Firmenlogos. Je umfangreicher das Thema, desto mehr ist natürlich in die Organisation zu investieren. Open Innovation bedeutet auch einen beträchtlichen Vorbereitungs-, Kommunikations- und Auswertungsaufwand. Nur wer gut geplant in so ein Projekt geht, kann profitieren. Dazu gehören auch die unbedingt mit Anwalt sowie Steuerberater zu klärenden Fragen rund um Vereinbarungen zu Verwertungsrechten und Vergütungen.

Ideenaus­tausch über Bran­chen­gren­zen hinweg

Intensiver Austausch zu diesen Themen mit Anwalt und Steuerberater ist bei anderen Formen der Open Innovation ebenfalls erforderlich. Das gilt insbesondere für Cross-Industry-Innovationen, bei denen sich Betriebe verschiedener Branchen inspirieren und praktisch weiterhelfen. „Stattet beispielsweise ein Werkzeugmaschinenhersteller eine Maschine mit Sensorik aus, die erkennt, ob der richtige Arbeitsschutz getragen wird, hat er mit relativ wenig Aufwand ein wichtiges Problem seines Kunden gelöst“, so Innovationsexperte Michael Durst im TRIALOG-Interview. „Dazu muss man sich mit einem Hersteller von Arbeitsschutzlösungen austauschen, dann entsteht vielleicht eine sogenannte Cross-Industry-Innovation, die pragmatisch umgesetzt werden kann.“ Aber es geht nicht nur um die beste Problemlösung mit Input aus anderen Branchen. Sondern auch darum, wem geistiges Eigentum zusteht und wer es wie vermarkten darf. Diese Art der Open Innovation erfordert, dass der Firmenchef intensives Netzwerken und den Austausch mit unterschiedlichen Unternehmen und Persönlichkeiten pflegt. Nicht nur auf digitalen Plattformen, sondern auch persönlich – so entsteht Vertrauen und unkonventionelles Denken.

Open Innovation bringt Kun­den­in­put ins Haus

Eine für viele Unternehmen leicht machbare Form der Open Innovation sind Kundenworkshops als Inspirationsquelle. Durch den persönlichen Kontakt mit Kunden erfährt man viel – und manchmal vielleicht Überraschendes – über deren Bedürfnisse, Probleme, Erwartungen, Erfahrungen. Wünschenswerter Nebeneffekt: So signalisiert man dem Kunden, wie sehr man ihn schätzt und ernst nimmt. In solche Workshops gehören Lead User: Sie denken fortschrittlich und verkörpern schon heute Bedürfnisse oder Anforderungen, die die breite Masse erst später hat. Sie stehen Innovationen besonders aufgeschlossen gegenüber. Und – für Open Innovation sehr wichtig – arbeiten selbst gerne an neuen Lösungen, sind also ideale Inputgeber für unkonventionelle Denkansätze. Wie man sie gewinnt, bringt „Markt und Mittelstand“ auf die Formel: Beobachten – Dialog – Einbeziehen. Mitarbeiter beobachten beispielsweise in Internetforen, was diskutiert wird. Oder diskutieren offen mit Kunden, die Reklamationen haben. Dann beziehen sie diese Gesprächspartner nicht nur in die Lösungssuche ein, sondern lassen sie etwa Prototypen testen, um Anregungen für weitere Verbesserungen zu bekommen.

Öffnen Sie ihr Unternehmen für Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, aber auch mit anderen Unternehmen. Vernetzung führt zu höherer Innovationsdynamik und größerem wirtschaftlichen Erfolg.

Nicole Hoffmeister-Kraut. Wirtschaftsministerin Baden-Württemberg

Vernetzung führt zu hö­he­rer Inno­va­tions­dynamik

Dass Open Innovation besonders in Baden-Württemberg gefördert wird, überrascht kaum: Das Ländle mit seinen erfolgreich in Nischen arbeitenden Hidden Champions lebt von Innovation und Austausch über Branchengrenzen hinweg, mit Zulieferern wie Endverbrauchern. Nur so können die Unternehmen immer wieder verbesserte oder neue Produkte auf den Markt bringen. Viele Firmenchefs haben das verstanden – auch darum verzeichnete der Open Innovation Kongress Baden-Württemberg im Frühjahr 900 Teilnehmer. Aber jeder sollte sich mit dem Konzept zur Ideenfindung und -umsetzung beschäftigen. Sonst wird er im Wettbewerb von aufgeschlosseneren und dadurch einfallsreicheren Konkurrenten überholt. „Öffnen Sie Ihr Unternehmen für Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, aber auch mit anderen Unternehmen“, appellierte Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. „Vernetzung führt zu höherer Innovationsdynamik und größerem wirtschaftlichen Erfolg.“ Jeder Unternehmer muss für sich entscheiden, ob er neue Formen der Innovation ausprobiert und die dafür erforderlichen Strukturen schafft. Wer davon Abstand nimmt, darf sich aber nicht wundern, wenn er plötzlich den Anschluss verpasst hat.

Veranstaltungstipp

smarter_mittelstand digitalisierung 4.0

Neuss, Ulm, Heilbronn, Kiel, Köln und Münster sind die Veranstaltungsorte einer Kongressreihe, die sich als Dialogplattform zur Entwicklung erfolgreicher Digitalisierungsstrategien für den Mittelstand versteht. Vernetzung, Cloud-Computing, Cyber-Security, Digital Leadership sind zugleich Gegenstände und Herausforderungen der digitalen Transformation und Kernthemen der jeweiligen Konferenzen, die praxisbezogenes Wissen rund um die Digitalisierung vermitteln. DATEV ist als Premium-Partner mit einem eigenen Vortragsforum und einem Informationsstand vertreten. Experten beantworten Fragen rund um die Digitalisierung Ihrer Zusammenarbeit mit dem Steuerberater und zeigen Ihnen entsprechende Lösungen für das Rechnungswesen und die Lohnbuchführung. Die Teilnahme ist kostenlos, erfordert aber eine persönliche Anmeldung.

smarter_mittelstand digitalisierung 4.0

h

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.