Personal & Führung

Keine Per­so­nal­pla­nung mehr oh­ne Kom­pe­tenz­management

Kompetenz­ma­na­ge­ment be­deu­tet, Mit­ar­bei­ter ge­mäß ih­rer Fä­hig­kei­ten ein­zu­set­zen und in Bil­dung zu in­ves­tie­ren. So lässt sich die Di­gi­ta­li­sie­rung be­wäl­ti­gen. Al­ler­dings ver­ken­nen vie­le Fir­men­chefs und Be­schäf­tig­te im­mer noch, wie schnell und tief­grei­fend sich die Ar­beits­welt verändert.

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Muss eigentlich jedes Thema mit dem Zusatz „4.0“ interessant gemacht werden? Mittelstand 4.0, Industrie 4.0, Arbeit 4.0 und, und, und… Auch die Bildungsmesse didacta kommt nicht ohne aus. Im „Forum Berufliche Bildung“ heißt es etwa: „Arbeitswelt 4.0 – Geht uns die Arbeit aus?“ Oder: „Berufsbildung 4.0 in NRW: Die digitalisierte Arbeit von morgen.“ Und: „Die 4.0-Transformation: Wie arbeiten wir in der Zukunft?“ Klingt überhöht, fast wichtigtuerisch. Doch der Eindruck täuscht. Man muss „4.0“ nicht mögen. Aber diese Ziffernkombination steht für tiefgreifende Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Betrieben, die jeden betreffen. Fast überall sorgt die Digitalisierung dafür, dass Menschen anders arbeiten und sich anders weiterbilden als zu jener Zeit, in der digitale Technologien nicht flächendeckend im Einsatz waren. So wird „4.0“ für viele Firmenchefs zum Thema. Sie dürften früher oder später digitale Technologien nutzen. Und dann brauchen sie Mitarbeiter, die damit umgehen können. Deshalb müssen sich Unternehmer um das Kompetenzmanagement kümmern.

Moderne Per­so­nal­po­li­tik be­deu­tet Kom­pe­tenz­ma­nagement

Die Arbeitswelt verändert sich durch die Digitalisierung schnell und umfassend. Wer hätte sich noch vor wenigen Jahren vorstellen können, dass in den Büros zunehmend virtuelle Assistenten wie Amazons Alexa zum Einsatz kommen? Mithilfe der Business Version können Angestellte unter anderem die Planung von Logistikoperationen und Meetings delegieren. Ingenieure lassen sich durch ähnliche virtuelle Assistenten beim Lösen komplexer Aufgaben oder Diagnoseprobleme unterstützen. Wer hätte gedacht, dass Elektro- oder SHK-Handwerker ihr Geld mit dem Smart Home verdienen? Und das Handwerk immer mehr Industrieroboter nutzt? Keine großen und teuren wie bei Industriekonzernen. Sondern kleine, bezahlbare Automaten, die ohne langwierige Handarbeit des Meisters feinste Einzelanfertigungen liefern, etwa durch 3D-Druck. Solche Geräte aber wollen richtig bedient werden, was ein bewusstes Kompetenzmanagement der ganzen Belegschaft durch den Firmenchef erfordert.

Durch Kom­pe­tenz­ma­na­ge­ment den Ei­nzel­nen bes­ser machen

Dabei geht es nicht nur um Weiterbildung mit Blick auf die Handhabung der neuesten Technik. Sondern auch darum, Beschäftigte umfassend mental für den Einsatz digitaler Technologien fit zu machen. Der ist nämlich ziemlich anspruchsvoll. Anja Cordes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Technik der Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut, nannte bei der Messe „Cloud Expo Europe“ 2018 im Vortrag „Roboter in der Werkstatt: Der Einsatz digitaler Technologien im Handwerk und die Auswirkungen für die Arbeit und den Menschen“ einen wichtigen Aspekt: „Die Belastungen verlagern sich von der Hand in den Kopf.“ Das erfordere Anpassungen in der Unterweisung, dem Fachwissen und im Aufgabenbereich der Personalführung. Wer sich näher mit den verschiedenen Dimensionen des Themas „4.0“ beschäftigt, erkennt schnell umfassenden Handlungsbedarf beim Kompetenzmanagement seiner Mitarbeiter. Unternehmer sollten daher bei Programmen zur Qualifizierung und Weiterbildung auch solche Aspekte berücksichtigen – vom Auszubildenden bis zu jedem Mitarbeiter, der nicht schon kurz vor der Rente steht.

Die Belastungen verlagern sich von der Hand in den Kopf.
 Anja Cordes, Institut für Technik der Betriebsführung im Deutschen Handwerksinstitut

Wenig Be­wusst­sein für Wert von Kom­pe­tenz­management

Hier ist, wie zahlreiche Studien zeigen, noch Einiges zu tun. Laut einer aktuellen Untersuchung des Consulting-Unternehmens Deloitte sieht eine Mehrheit der Mitarbeiter keine Notwendigkeit für eine Weiterqualifizierung. Ihre Einstellung: Digitalisierung betrifft stets nur die anderen. Lediglich 38 Prozent der Befragten haben in den vergangenen fünf Jahren die Erfahrung gemacht, dass Robotik und Automation einen Teil ihrer Arbeit übernehmen. 74 Prozent erwarten, es werde in den nächsten zehn Jahren in ihrem eigenen Arbeitsumfeld – wenn überhaupt – höchstens kleine, langsame Veränderungen geben. Die europaweit ermittelten Zahlen stammen auch aus großen Unternehmen. Bei kleinen deutschen Mittelständlern oder im Handwerk dürfte das Bewusstsein für die Veränderungen durch die Digitalisierung vermutlich noch weniger ausgeprägt sein. Umso wichtiger ist es, dass Firmenchefs quer durch alle Branchen sich intensiv mit dem Thema beschäftigen und dann ein tragfähiges Konzept für das Kompetenzmanagement entwickelt und umsetzen. Wer dies nicht tut, könnte wichtige Trends bei Technologie oder Organisation leicht verschlafen.

Kompetenz­ma­na­ge­ment er­for­dert ei­ne kla­re Strategie

Das Consulting-Unternehmen Capgemini empfiehlt fünf Schritte, um die Belegschaft für den digitalen Wandel fit zu machen. Damit sollte spätestens begonnen werden, wenn Investitionen in die Digitalisierung feststehen – aber idealerweise sogar schon frühger, um die Mitarbeiter rechtzeitig zu informieren, qualifizieeen und dadurch mitzunehmen. Es gilt,

  • die Auswirkungen neuer Technologien im Unternehmen für die Mitarbeiter zu bewerten,
  • die künftig für einzelne Aufgaben erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu definieren,
  • interessante Schulungen anzubieten, die den Beschäftigen die erforderlichen Skills vermitteln,
  • ständiges Lernen als Teil der Unternehmensstrategie zu begreifen und im Betrieb zu verankern und
  • persönlich als Firmenchef und mit Unterstützung der Führungskräfte die Veränderungen zu kommunizieren und zu managen.

Um die aktuelle Situation besser beschreiben sowie sinnvolle Schritte in eine digitale Zukunft machen zu können, hilft beispielsweise die Potenzialanalyse der „Offensive Mittelstand“ – auch online. Gut für Unternehmer, die an ihrem Kompetenzmanagement arbeiten wollen: Sie sind nicht allein, es gibt bereits verschiedene interessante Kooperation bei diesem Thema – etwa „DiKraft“, das digitale branchenübergreifende Dienstleistungs- und Weiterbildungsnetzwerk „fokus.energie“ für die Fachkraft von Morgen für energetische Gebäudesanierung. Das ist zwar ein Monstername, aber der Inhalt zählt. Wer Partner zum Kompetenzmanagement sucht, wird auch welche finden.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.