Steuern & Finanzen

Ge­konn­tes Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment stärkt Ih­re Fi­nanzkraft

Mit ei­nem Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment stel­len Un­ter­neh­mer si­cher, dass je­der­zeit aus­rei­chend fi­nan­ziel­le Mit­tel ver­füg­bar sind – zu mög­lichst gün­sti­gen Kon­di­tio­nen. Um­fas­sen­des Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment sorgt auch für eine Op­ti­mierung vom Fi­nan­zie­rungs­mix, For­de­rungs­ma­na­ge­ment oder Ein­kaufs­strategie.

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An Volksweisheiten ist aus Unternehmersicht oft etwas dran, etwa an dieser: „Nur Bares ist Wahres.“ Wobei Bares für viele Firmenchefs auch frei verfügbare, ausreichende und damit flüssige – also liquide – finanzielle Mittel meint. Liquiditätsmanagement ist zurecht eine der wichtigsten unternehmerischen Aufgaben, ganz unabhängig von der Branche. Denn Liquiditätsmangel gilt juristisch als zwingender Anlass für ein Insolvenzverfahren. Neben akuter Zahlungsunfähigkeit bilden drohende Zahlungsunfähigkeit sowie Überschuldung den Grund für einen Insolvenzantrag. Letztlich hängt also das Schicksal des Unternehmens davon ab, wie erfolgreich Liquiditätsmanagement betrieben wird. Insofern stimmt für Unternehmer auch eine weitere Geld-Volksweisheit: „Ohne Moos nichts los“. Gute Gründe, das Liquiditätsmanagement ernst zu nehmen.

Beim Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment geht es um Zahlen

Prak­tisch hat Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment vie­le Stell­schrauben

Gutes Liquiditätsmanagement erfordert effektives Forderungsmanagement

Zum Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment ge­hört auch eine klu­ge Fi­nanzierung

Beim beweglichen Vermögen packt das Liquiditätsmanagement gern an

Beim Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment geht es um Zah­len

Viele Mittelständler denken aus Überzeugung langfristig. Nicht in Monaten oder Jahren, sondern womöglich gleich in Generationen. Das hat seine Berechtigung, gerade für traditionsreiche Unternehmen. Trotzdem müssen die Zahlen nicht nur langfristig stimmen, sondern auch kurzfristig reichen. Beim Liquiditätsmanagement – auch Cash-Flow-Management genannt – geht es um die relativ kurzfristige Steuerung der Finanzströme im Unternehmen. Liquiditätsmanagement soll – vereinfacht gesagt – anstehende Zahlungseingänge und -ausgänge im Blick halten und effektiv sicherstellen, dass stets ausreichend Mittel verfügbar sind. Und das mittel- bis langfristig zu möglichst günstigen Kosten. Die Zahlungsströme aus dem operativen Geschäft sind möglichst reibungslos, sinnvoll und günstig mit denen aus Investitionstätigkeit und den diversen Finanzierungsmöglichkeiten abzustimmen.

Liquiditätsmanagement, Liquidität, Forderungsmanagement, Working Capital Management, FinanzierungBlick in Bi­lanz gibt O­rien­tie­rung beim Li­qui­di­täts­ma­na­gement

Liquiditätsmanagement ist keine Hexerei, auch nicht für die erklärten Nicht-Betriebswirte unter den Unternehmern. Es geht schlicht darum, die Vermögenswerte, die Zahlungseingänge und -ausgänge sowie die nötige Finanzierung in ein passendes Verhältnis zu bringen. Und dafür pragmatische Maßnahmen zu ergreifen, beispielsweise Zahlungsziele zu verkürzen, Lager zu räumen oder Finanzierungen anzupassen. Ziel beim Liquiditätsmanagement ist stets: flüssig bleiben und kein Geld verschwenden. Also im Prinzip ganz einfach. Ein Blick in die Bilanz auf die wichtigsten Liquiditätskennzahlen hilft. Er zeigt, welchen Effekt die verschiedenen Maßnahmen an welcher Stelle entfalten können, und gibt so dem Liquiditätsmanagement die nötige Richtung. Vor jeder Entscheidung sollten die möglichen Auswirkungen aber unbedingt mit dem Steuerberater besprochen werden.

Beim Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment muss der Deckungs­grad passen

Fragen nach Kennzahlen wie dem Verschuldungsgrad eines Unternehmens oder nach dessen Kostenstruktur sind für jedes Unternehmen wichtig. Neben der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) geben Anhang und Lagebericht der Bilanz zusätzliche Informationen über Ertrag oder Eigenkapitalrendite. Für das Liquiditätsmanagement sollten Unternehmer mit dem Steuerberater aber auch auf andere Faktoren schauen. Fünf Kennzahlen bieten sich für ein fundiertes Liquiditätsmanagement an:

  1. Deckungsgrad I zeigt das Eigenkapital im Verhältnis zum Anlagevermögen.
  2. Deckungsgrad II gibt Aufschluss über Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital im Verhältnis zum Anlagevermögen.

Vernünftigerweise achten viele Mittelständler in diesem Bereich von Haus aus auf eine gute Ausstattung. Auch Finanzinstitute oder Investoren schauen darauf. Als gut gilt für Deckungsgrad I ein Anteil von mehr als 50 Prozent Eigenkapital vom Anlagevermögen. Zusammen mit Langfristfinanzierungen sollte der Deckungsgrad II möglichst vollständig sein – also 100 Prozent oder mehr. Um diesen Bereich der Bilanz zu stärken, ist neben einem Gesellschafterdarlehen die Möglichkeit beliebt, Anlagevermögen etwa über Sale-and lease-Back zu Geld zu machen. Auch mit Leasing lässt sich das Verhältnis verbessern.

Liquiditätsmanagement, Liquidität, Forderungsmanagement, Working Capital Management, Finanzierung

Dann geht es beim Liquiditätsmanagement an die Liquidität

Die drei weiteren Kennzahlen betreffen die Liquidität selbst. Sie dienen als Zielmarken, an denen Unternehmer ihr Liquiditätsmanagement orientieren sollten, und zwar:

  1. Die Liquidität ersten Grades umfasst flüssige Mittel aus der Kasse oder der Bank im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. Unternehmer sollten stets 100 Prozent anstreben. Drohende Zahlungsunfähigkeit tritt insolvenzrechtlich ein, wenn fällige Forderungen nicht innerhalb von drei Wochen zu mindestens 90 Prozent bedient werden können. Um die Kennzahl auf den von Ökonomen empfohlenen Anteil von mehr als 50 Prozent anzuheben, können Unternehmer nicht notwendiges Vermögen verkaufen. Auch sollten sie Schulden möglichst aus dem Cashflow tilgen.
  2. Liquidität zweiten Grades hängt die Latte etwas höher – sie umfasst flüssige Mittel plus offene Forderungen mal 100 im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. Beides zusammen sollte 100 Prozent übersteigen. Um diese Kennzahl zu verbessern, sollten Unternehmer ihr Forderungsmanagement optimieren, Zahlungsziele verkürzen und konsequent mahnen. Gegebenenfalls kann sich für Unternehmer auch lohnen, Forderungen im Rahmen von Factoring zu verkaufen.
  3. Die Liquidität dritten Grades schließlich umfasst zusätzlich das sogenannte Umlaufvermögen – mal 100 geteilt durch das kurzfristige Fremdkapital. Auf die beiden vorherigen Kennzahlen setzt diese Kennzahl so noch einen drauf. Bezieht es doch mit dem Umlaufvermögen nicht mehr nur flüssige Barmittel ein, sondern auch kurzfristig verfügbare Werte: Offene Forderungen, empfangene Schecks, Wertpapiere sowie neben diversen Guthaben und Kassenbeständen auch die für den Verbrauch vorgehaltenen Waren oder Rohstoffe. Ist das kurzfristige Fremdkapital hierdurch mehr als abgedeckt, ist das sehr gut. Um die bei dieser Kennzahl empfohlenen über 200 Prozent Abdeckung zu erreichen, können Unternehmer beispielsweise Lagerbestände abbauen oder Ladenhüter beseitigen. Stichwort hierfür: Working Capital Management.

Prak­tisch hat Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment viele Stell­schrauben

Wie gesagt: Liquiditätsmanagement ist keine Hexerei. Wie der vorherige Blick in die Kennzahlen zeigt, gibt es verschiedene Stellschrauben, an denen Unternehmer sinnvoll drehen können. Der Steuerberater hilft, sich einen Überblick über die verschiedenen Aktiv- und Passivposten des Unternehmens zu verschaffen, und empfiehlt dann für das Liquiditätsmanagement sinnvolle Optionen. Die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit kann den Unternehmenserfolg beträchtlich steigern. Das Interesse am Liquiditätsmanagement ist auch bei kleineren Unternehmen in den vergangenen Jahren gewachsen, so eine Studie der Fachhochschule für den Mittelstand (FHM).

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Ef­fek­ti­ves For­de­rungs­ma­nagement ist Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment

Was die an sie gestellten Forderungen betrifft, haben viele Unternehmer die Möglichkeit, Skonti zu ziehen. Das sollten sie nutzen – Schnelligkeit spart bares Geld. Manche Zulieferer räumen auch Rabatt ein, wenn sie regelmäßige Zahlungen per Lastschrift einziehen dürfen. Ansonsten ist für Unternehmer immer hilfreich, sich zeitlich Luft bei an sie gerichteten Forderungen zu verschaffen und möglichst lange Zahlungsfristen auszuhandeln. Bei den eigenen offenen Forderungen sollten Unternehmer dagegen auf schnelle Abwicklung dringen.

Li­qui­di­täts­ma­nagement fordert durchdacht

Dass Unternehmer offene Forderungen nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten, davon war hier bereits zu lesen. Konsequentes Forderungsmanagement ist beim funktionierenden Liquiditätsmanagement ein wichtiger Bestandteil. Ausgefallene oder verzögerte Forderungen kosten Liquidität – schließlich muss das Unternehmen die Verzögerung überbrücken. Schnelligkeit ist daher im Forderungsmanagement die Devise. Die steigert die Liquidität enorm. Unternehmer sollten Rechnungen also rasch stellen und in Verträgen oder Auftragsbestätigungen auf klare Verhältnisse achten – so fällt es später leichter, Forderung gegebenenfalls auch durchzusetzen. Diese Möglichkeiten haben Sie dafür:

  • Telefonisch nachfassen: Bleiben Rechnungen offen, sollte die Buchhaltung zügig telefonisch beim Kunden nachfassen – also, sobald die Forderung ein oder zwei Tage fällig ist. Oft ist die Rechnung liegengeblieben und wird auf den Anruf hin schnell beglichen. Der positiven Kundenbeziehung ist dieses Vorgehen zuträglich.
  • Mahnen: Bleibt das freundliche Nachfassen erfolglos, sollten Sie rasch und konsequent mahnen – also spätestens eine Woche nach Fälligkeit. Schon aus Beweisgründen sollte dies am besten schriftlich geschehen.
  • Gerichtliches Mahnverfahren: Unternehmen sollten das gerichtliche Mahnverfahren in Gang setzen, wenn zu befürchten steht, dass der Kunde nicht zahlen kann. Nach Mahnbescheid und Ablauf einer bestimmten Frist können sie einen Vollstreckungsbescheid beantragen und – falls der Kunde nicht widerspricht – die Zwangsvollstreckung einleiten.
  • Gerichtliches Klageverfahren: Das gerichtliche Klageverfahren kommt in Gang, falls der Kunde während des gerichtlichen Mahnverfahrens einen Einspruch einlegt oder nicht auf die Mahnung des Anwalts reagiert beziehungsweise ihr widerspricht. Vor einer Klage sollten Unternehmen ihre Erfolgsaussichten prüfen. Hierfür sind schriftliche Verträge oder Auftragsbestätigungen hilfreich.

Gegebenenfalls ist für Unternehmer interessant, Forderungen im Rahmen von Factoring zu verkaufen. Diese Möglichkeit steht Mittelständlern oder Handwerksbetrieben schon länger offen.

 

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Zum Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment ge­hört auch kluge Fi­nanzierung

Was die Finanzierung betrifft, kommt Unternehmern geschenktes oder zinsgünstig überlassenes Geld natürlich besonders gelegen. Beim Liquiditätsmanagement sollte der Finanzierungsmix also auch mit Blick auf Fördermittel oder -kredite optimiert werden. Mithilfe des Steuerberaters können Unternehmer ihren Finanzierungsmix analysieren und gegebenenfalls umstrukturieren. Für mehr Eigenkapital – die Eigenkapitalquote ist mit Blick auf die verschiedenen Liquiditätskennzahlen eine wichtige Größe – bietet sich auch Leasing an. Nicht nur für Firmenwagen, sondern ebenso Maschinen, Anlagen, Gebäude oder Bürogeräte. Über das Gesellschafterdarlehen war hier kürzlich bereits zu lesen. Informationen über diese und andere mezzanine Finanzierungsformen wie etwa stille Beteiligungen, Genussrechte oder Nachrangdarlehen gibt es beim Steuerberater.

Liquidität, Forderungsmanagement, Working Capital Management, FinanzierungBeim be­weg­li­chen Ver­mögen packt Li­qui­di­täts­ma­na­ge­ment an

Im wahrsten Sinne zupackender geht es bei der weiteren Optimierung des Umlaufvermögens zu, beim sogenannten Working Capital Management. Neben dem Abbau von Forderungen und Verbindlichkeiten gilt es hier, mittel- bis langfristig Lagerbestände zu reduzieren. Es macht bei der Liquidität einen großen Unterschied, ob etwa der Schreiner sein Holz oder der Zahntechniker sein Gold in kleinen Chargen kauft oder in einem Schwung für mehrere Jahre. Im zweiten Fall wäre das Geld nicht mehr kurzfristig verfügbar. Was also – auch mit Blick auf Mengenrabatt oder mögliche Lieferengpässe – sinnvoller ist, gilt es durch professionelles Liquiditätsmanagement zu prüfen. Dabei können Unternehmer gleich über tiefgreifende Veränderungen in Prozessen nachdenken. Vielleicht haben auch die eine Optimierung dringend nötig. Kurzfristig ist das natürlich nur bedingt ein Rezept für mehr Liquidität. Aber langfristig wirkt es in vielen Fällen auch hierfür wahre Wunder.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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