Steuern & Finanzen

Vor­sicht bei Ge­sell­schaf­ter­dar­le­hen zur Er­hö­hung der Ei­gen­kapitalquote

Mit dem ei­gen­ka­pi­tal­er­set­zen­den Ge­sell­schaf­ter­dar­lehen lässt sich die Ei­gen­ka­pi­tal­quote ein­fach er­hö­hen. Aber im In­sol­venz­fall droht ein To­tal­ver­lust. Die Fra­ge, ob er an­der­wei­tig steu­er­lich ge­nutzt wer­den kann, ist um­strit­ten. Dies sollte de­tail­liert mit dem Steu­er­be­ra­ter be­spro­chen werden.

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Noch läuft die Wirtschaft, aber für Unternehmer wächst die Unsicherheit. Grund zur Besorgnis liefert unter anderem das anhaltende Geschacher um den Brexit. Die heftigen Attacken von US-Präsident Donald Trump und seinem Statthalter in Berlin, Botschafter Richard Grenell, auf deutsche Firmen bringen auch Unruhe. Dazu kommen verhaltenere Konjunkturausblicke der Wirtschaftsforscher. Unsicherheit ist schlecht für die Wirtschaft – und für Unternehmer ein guter Grund, die Finanzkraft des Betriebs sicherheitshalber mehr zu stärken als eigentlich geplant. Ganz wichtig für die Finanzkraft: die Eigenkapitalquote. Früher galt ein eigenkapitalersetzendes Darlehen dafür als bewährte Lösung. Grundsätzlich auch zurecht: Der Gesellschafter kann es seinem Unternehmen relativ umstandslos gewähren. Allerdings gibt es über die steuerlichen Folgen eines Verlusts im Insolvenzfall heftige Auseinandersetzungen – das bedingt hohe Rechtsunsicherheit. Unternehm­er sollten den Einsatz dieser Finanzierungsform daher besonders intensiv mit ihrem Steuerberater besprechen.

Ver­lust aus ei­­gen­­ka­pi­­tal­­er­­set­zen­­dem Dar­­le­­hen min­­dert Steuer nicht mehr

Mancher Finanzexperte meint mit Blick auf den juristischen Streit um das eigenkapitalersetzende Darlehen, als Finanzierungsform sei es tot. Also nicht mehr sinnvoll zur Erhöhung der Eigenkapitalquote. Zur Begründung dieser Position dient erstens das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) vom November 2008. Und zweitens ein Urteil des Bundesfinanzhofs von 2017. Damit strich der BFH die Möglichkeit, ein im Insolvenzfall eigentlich verlorenes Gesellschafterdarlehen als nachträgliche Anschaffungskosten steuerlich geltend zu machen. Dies war bis dahin üblich, um den Schaden für die Gesellschafter zu begrenzen. Zur Begründung verwiesen die Richter auf das MoMiG und forderten vom Bundesfinanzministerium eine Stellungnahme. Damit änderte der BFH seine bisherige Rechtsprechung. Immerhin versahen die Richter das Urteil mit einer Vertrauensschutzregelung. Die neuen Rechtsprechungsgrundsätze sollen nur für neue Darlehen gelten, die nach der Urteilsveröffentlichung am 27.09.2017 gewährt wurden.

Weiter gute Mög­lich­keit zur Er­hö­hung der Ei­gen­ka­pi­tal­quote?

Die endgültige Entscheidung zum steuerlicher Umgang mit möglichen Verlusten steht aber aus. Für Gesellschafter gibt es wieder Hoffnung, die Eigenkapitalquote über ein eigenkapitalersetzendes Darlehen zu steigern und dabei ein steuerlich abgefedertes Verlustrisiko eingehen zu können. Das Finanzgericht Münster wertet in einem neuen Urteil den insolvenzbedingten Verlust aus einem eigenkapitalersetzenden Darlehen als steuerlichen Verlust aus einer Kapitalanlage. Auf diesem Umweg wären insolvenzbedingte Verluste durch ein Gesellschafterdarlehen also zumindest vorerst wieder steuerlich absetzbar. Die Richter gestanden einem gemeinsam veranlagten Ehepaar das Recht zu, die Verluste im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen steuermindernd geltend zu machen. Allerdings ließen sie eine Revision zu.

Dar­le­hen zur Stär­­kung der Ei­­gen­­ka­­pi­­tal­­quo­­te erst ge­­nau prüfen

Das Verfahren ist vor dem Bundesfinanzhof anhängig unter dem Aktenzeichen IX R 9/18. Die Auseinandersetzung über steuerliche Folgen des Verlusts aus dieser Variante zur Stärkung der Eigenkapitalquote geht also weiter. Die Frage, ob die vom Finanzgericht Münster festgelegte Linie rechtlich zulässig ist, hat eine neue steuersystematische Diskussion ausgelöst. Unternehmer, die gern ein eigenkapitalersetzendes Darlehen zur Erhöhung der Eigenkapitalquote nutzen wollen, sollten dies intensiv mit ihrem Steuerberater diskutieren. Er kann einschätzen, ob sie diese Finanzierungsform rechtssicher nutzen können.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.