Personal & Führung

Neues Teil­zeit­recht kann Mit­ar­bei­ter­zu­friedenheit steigern

Viele Firmen­chefs fürch­ten das Ge­setz zur Brücken­teil­zeit. Wich­tiger aber wäre, die Re­geln genau zu stu­dieren. Klei­ne Be­trie­be ble­iben aus­ge­nom­men. Au­ßer­dem könn­ten die Neu­erun­gen ei­nen Un­ter­neh­mer dazu inspi­rie­ren, von sich aus flexi­bler zu pla­nen und da­mit die Mit­ar­bei­ter­zu­frie­den­heit zu stei­gern.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Wer weniger als 45 Mitarbeiter beschäftigt, muss nicht fürchten, dass die mit dem Anspruch auf befristete Teilzeit errichtete Brücke breiter wird als der Fluss. Diese Sorge verband schon der alte Sophokles mit Überbrückungslösungen. Das ruft ein Kommentar von „Legal Tribune Online“ in Erinnerung. Inhaber kleiner Betriebe sollten sich das geänderte Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) aber trotzdem gut ansehen, selbst wenn sie die neue Brückenteilzeit nicht betrifft. Nicht nur, dass ihr Unternehmen vielleicht mal in eine entsprechende Größe hineinwächst. Firmenchefs könnten sich von den Regelungen zur Brückenteilzeit  inspirieren lassen und die aus Arbeitnehmersicht positiven Aspekte der Flexibilität nutzen, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern. Die ist gerade in Branchen mit Fachkräftemangel ein starkes Argument im Wettbewerb um qualifizierte Bewerber.

Mehr Mitarbeiterzufriedenheit bedeutet auch mehr Leistung

Wer etwas über die Vorteile von mehr oder flexiblerer Teilzeit erfahren will, sollte mal einen Blick nach Neuseeland werfen. Dort zeigt das Experiment der Vermögensberatungsgesellschaft Perpetual Guardian: Teilzeit kann sogar bei vollem Lohnausgleich attraktiv sein und sich für das Unternehmen nicht nur wegen steigender Mitarbeiterzufriedenheit lohnen. Das Wochenende beginnt dort bereits am Donnerstagabend, aber die Mitarbeiter erhalten wie zuvor den vollen Lohn für fünf Tage. Überraschender Effekt des wissenschaftlichen Versuchs: Nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit stieg, auch die Produktivität war messbar höher. Wissenschaftler der Auckland-Universität rieten deshalb, dieses Modell zum Dauerzustand zu machen. Und das am besten sogar nicht nur in dem untersuchten Unternehmen, sondern gleich in ganz Neuseeland. Das klingt natürlich zunächst krass, ist aber des Nachdenkens durchaus wert.

Größere Flexi­bi­li­tät sorgt für hö­here Mit­ar­bei­ter­zu­frie­denheit

Teilzeitbeschäftigte leisten mehr als Vollzeitkräfte – darüber wird auch in Europa diskutiert. Förderlich ist weniger Arbeitszeit zum gleichen Lohn nicht nur der Mitarbeiterzufriedenheit – es spart Betriebskosten oder erlaubt eine räumliche Verkleinerung, die wiederum Kosten spart. Außerdem könnte es sich anbieten, die Brückenteilzeit mit Home-Office-Modellen zu kombinieren: Für mehr Mitarbeiterzufriedenheit und damit Konkurrenzfähigkeit beim Werben um gefragte Fachkräfte. Davon war hier schon zu lesen. Im Bundesarbeitsministerium steht demnächst ein Recht auf Heimarbeit auf der To-Do-Liste. Erstmal soll aber die Brückenteilzeit insbesondere eine Teilzeitfalle beseitigen: Gerade Frauen mussten bisher mit einer stärkeren finanziellen Abhängigkeit vom Partner und einer niedrigeren Altersrente dafür bezahlen, dass sie beruflich kürzer treten und später keinen vollen Job finden. Dabei würden viele Teilzeitkräfte gern wieder Vollzeit arbeiten. Neben der besseren Absicherung zielt die gesetzliche Neuerung auf höhere Mitarbeiterzufriedenheit.

Auch bes­sere Ab­si­che­rung stei­gert die Mit­ar­bei­ter­zu­friedenheit

An Mitarbeiterzufriedenheit wird also gedacht. An die Flexibilität der Unternehmen stellt die Brückenteilzeit indes hohe Anforderungen – zumindest ab 45 Beschäftigten. Seit Jahresbeginn kann ein Arbeitnehmer mit drei Monaten Vorlaufzeit verlangen, seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit zu verringern: Befristet für einen Zeitraum von mindestens einem und maximal fünf Jahren. Danach schreibt der Gesetzgeber durch die Brückenteilzeit das Recht fest, zur ursprünglichen Stundenzahl zurückzukehren. Dabei haben die vorübergehenden Teilzeitarbeiter einen großen Spielraum, ihre Einsatzzeit nach Belieben zu reduzieren und neu zu verteilen. So sollen sie zusätzliche freie Zeit für Phasen wie etwa den Schulstart des Kindes freischaufeln können. Die Rede ist auch von Teilzeitphasen für Quasi-Sabbaticals. Weil das Gesetz einen relativ großen Interpretationsspielraum lässt, fürchten manche Arbeitgeber sogar, jemand könne seinen Antrag auf Brückenteilzeit so formulieren, dass er stets zur Karnevalssession eine Auszeit zum Feiern nimmt.

Unter­neh­mer soll­ten das Ge­setz mit dem An­walt analysieren

Nicht nur wegen solcher Ängste sollten vom Gesetz betroffene Unternehmer rasch mit ihrem Anwalt klären, was das Gesetz tatsächlich erlaubt. Denn es stehen ja echte Fragen im Raum: Wie läuft das Antragsverfahren? Wie viele Anträge müssen gleichzeitig genehmigt werden? Haben bei hoher Nachfrage manche Wünsche eventuell Vorrang? Gibt es nach der Brückenteilzeit einen Anspruch auf einen bestimmten Job? Darüber sollten Unternehmer sich kundig gemacht haben, wenn ihre Beschäftigten ein möglicherweise sehr hohes Interesse an der neuen Brückenteilzeit zeigen. Auch das gehört zum Thema Mitarbeiterzufriedenheit: Als Firmenchef vielleicht nicht jeden Wunsch erfüllen zu können, das aber stets freundlich und fundiert zu begründen. Zumindest auf eine der drängendsten Frage hat der Gesetzgeber eine Antwort gegeben und den Unternehmen damit noch mehr organisatorische Probleme erspart: Die Brückenteilzeit gilt nicht rückwirkend, sondern nur für Anträge, die ab dem 1. Januar 2019 eingehen.

Produktbox_Teilzeit_Packshot

Produktempfehlung von Datev

Kompaktwissen „Neuregelung bei Teilzeit und Befristung ab 2019“

In diesem Leitfaden erfährt der Leser, wie befristete Arbeitsverhältnisse rechtssicher abgeschlossen werden und Teilzeitwünsche zu behandeln sind.

Print

E-Book

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.