Steuern & Finanzen

So spa­ren Sie mit Son­der­aus­gaben noch Steuern

Kurz vor Jah­res­en­de lässt sich mit Son­der­aus­ga­ben noch die Steu­er­last sen­ken. Der Gang zu Zahn­arzt oder Op­ti­ker kann sich eben­so loh­nen wie zu­sätz­liche Zah­lun­gen für die Al­ters­vor­sor­ge oder Spenden.

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Unternehmer können Betriebsausgaben steuerlich geltend machen und so ihren Gewinn mindern. Außerdem können sie dann in der Einkommensteuererklärung zusätzlich einen Teil ihrer privaten Ausgaben einkommensmindernd ansetzen – wie jeder andere Steuerpflichtige auch. Als private steuerlich abzugsfähige Ausgaben sind dabei – zusätzlich zu den Sonderausgaben wie etwa Beiträge zur Sozialversicherung oder Ausgaben für die Altersvorsorge – laut Einkommensteuergesetz unter anderem außergewöhnliche Belastungen und Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen steuerlich berücksichtigungsfähig. In diesem Sinne zumindest teilweise steuerbegünstigt ist, was Steuerpflichtige rund um Haus, Garten, Kinder oder Tiere privat ausgeben. Zum Jahresende lassen sich auch noch Steuern mit einem neuen Brillengestell oder einer Zahnbehandlung sparen – wie auch Sonderausgaben privat, aber eine außergewöhnliche Belastung.

Son­der­aus­gaben gel­ten nur im Jahr der Zah­lung

Sparen kann mit Sonderausgaben, wer ein steuerpflichtiges Einkommen oberhalb des Grundfreibetrags von derzeit 9.000 Euro hat. Bei gemeinsam veranlagten Eheleuten sind es 18.000 Euro. Wer weniger verdient, kann den Fiskus nicht an den Kosten beteiligen – anders als beispielsweise betriebliche Verluste sind Sonderausgaben nicht auf andere Steuerjahre übertragbar. Auch wer insgesamt nicht mehr als 36 Euro beziehungsweise bei gemeinsamer Veranlagung 72 Euro ausgegeben hat, kann sich die Mühe mit der Erklärung der Sonderausgaben sparen. Denn in dieser Höhe ist bereits ein Pauschbetrag in der Steuererklärung eingepreist. Für alle, die höhere Ausgaben für Versicherungen und Co. haben, lohnt es sich, über das Thema Sonderausgaben nachzudenken.

Bei Ver­sicherungen sparen durch Abzug der Son­der­aus­ga­ben­

So können Steuerpflichtige ihre Beiträge zur Basiskrankenversicherung in voller Höhe als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Wer seinen Versicherungsschutz unter Beteiligung des Fiskus verbessern will, sollte dies aber detailliert mit dem Steuerberater besprechen – damit die Ausgabe steuerlich nicht ins Leere läuft. Eine zusätzliche Krankengeldpolice etwa zählt nicht zum Basisschutz. Mehrkosten hierfür bleiben steuerlich außen vor.

Für gesetzlich Krankenversicherte mit Anspruch auf Krankengeld gilt: Abziehbar ist der aufgewendete Betrag minus pauschal vier Prozent. Interessant könnte es unter steuerlichem Aspekt sein, die Basisbeiträge zur privaten oder freiwilligen gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung im Voraus zu zahlen. Das Finanzamt erkennt im Zahlungsjahr dann Sonderausgaben bis zum 2,5-fachen des Jahresbeitrags an. Auf diese Weise ließe sich in den Folgejahren der Höchstbetrag von 1.900 Euro beziehungsweise 2.800 Euro für andere Versicherungen nutzen – bei Verheirateten sind es die doppelten Beträge. Aber auch hier gilt: Das sollte mit dem Steuerberater besprochen werden.

Kosten der Kin­der bei Son­der­aus­gaben ansetzen

Weitere Versicherungen gelten als Sonderausgaben bis zur jährlichen Höchstgrenze von 2.800 Euro – für angestellte Familienmitglieder liegt der jährliche Höchstbetrag für Vorsorgeaufwendungen bei 1.900 Euro. Falls diese Summe nicht bereits ausgeschöpft ist, können Unternehmer etwa zusätzlich noch Beiträge für Erwerbs- und Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherungspolicen ansetzen. Auch die private Haftpflicht- oder Lebensversicherung und Beiträge zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung addieren sich als Sonderausgaben zu dieser Höchstgrenze.

Wer dann noch Luft bis zum Höchstbetrag haben sollte: Auch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für Kinder mit Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag lassen sich als Sonderausgaben ansetzen – unabhängig davon, wer Versicherungsnehmer ist. Dann kann das Kind die Beträge allerdings natürlich nicht selbst steuerlich geltend machen. Der Steuerberater hilft auch bei Sonderausgaben bei der Entscheidung, was noch sinnvoll ist – etwa Beiträge für die private Krankenversicherung eines unterhaltsberechtigten Ehe- oder Lebenspartners anzusetzen. Grundsätzlich nicht als Sonderausgaben gelten private Sachversicherungen, wie etwa die private Rechtsschutz-, Kfz-, Kasko-, Hausrat-, Gebäude- oder Reiserücktrittsversicherung. Steuerlich gesehen sind sie für Angestellte wie Selbständige reine Privatsache.

Al­ters­vor­sor­ge als Son­der­aus­ga­ben sieht der Fis­kus groß­zügiger

Großzügiger sind die Höchstbeträge bei Sonderausgaben für die Altersvorsorge. Wer sie nicht ausgeschöpft hat, kann Steuern mit zusätzlich gezahlten Beiträgen sparen. Aufwendungen zur so genannten Basisversorgung bei der Altersvorsorge können auch Unternehmer bis zum Höchstbetrag von 23.712 Euro als Sonderausgaben ansetzen. Für Eheleute gilt das Doppelte. Zur Basisversorgung zählen steuerlich als Sonderausgaben die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, berufsständischen Versorgungswerken, landwirtschaftlichen Alterskassen sowie Rürup– und Riester-Rentenversicherungsverträgen – die ja auch Selbständigen offen stehen.

Für 2018 erkennt das Finanzamt 86 Prozent der Ausgaben einkommensmindernd an. Der Prozentsatz steigt jedes Jahr um weitere zwei Prozent. Von 2025 an ist der volle Abzug möglich. Rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer sowie freiwillig gesetzlich versicherte Selbständige und Beamte können für Riester-Sparverträge einen Abzug von Sonderausgaben in Höhe von zusätzlich maximal 2.100 Euro ihrer eingezahlten Beiträge geltend machen. Nicht als Sonderausgaben ansetzbar sind Investitionen in Aktien, selbst bewohnte Immobilien oder sonstige Kapitalanlagen – auch wenn diese der Absicherung im Alter dienen sollen.

Ren­ten­ver­sicherung ist für Son­der­aus­gaben in­teressant

Für Unternehmer, die ihre Vorsorgebeträge noch nicht ausgeschöpft haben, kann es sich lohnen, freiwillige Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Sie können so Rentenansprüche erwerben, sichern oder erhöhen. Diese Beträge sind Sonderausgaben. Wer damit rechnet, dass er für zusätzlich aufgewendete Altersvorsorgebeträge bereits vorausgezahlte Steuern zurückerhält – womöglich gar später mal zuzüglich Zinsen – kann der als unattraktiv geltenden Rendite der staatlichen Rente vielleicht etwas abgewinnen. Einen Schönheitsfehler hat diese Steuersparstrategie allerdings: Sie steht nur Unternehmern oder deren Partnern offen, die im betreffenden Jahr nicht sowieso gesetzlich pflichtversichert sind. Manches berufsständische Versorgungswerk bietet seinen Mitgliedern auch an, freiwillige Beiträge zusätzlich einzuzahlen. Wer mit Blick auf Zusatzbeiträge die Qual der Wahl hat, sollte diese Frage bei seinem Steuerberater ansprechen.

Wohl­tätige Spen­de zäh­len zu den Son­der­ausgaben

Wer privat Geld spendet, kann dies ebenfalls als Sonderausgaben geltend machen. Gute Zwecke gibt es genug und mit Blick auf Sonderausgaben auch nicht so viel zu beachten, wie bei der wohltätigen unternehmerischen Tätigkeit, etwa per Sponsoring oder der Organisation von Ehrenamtstagen. Es bleibt also nur die Überlegung, wofür man Geld spenden möchten – und der Hinweis, dass bei Spenden über 200 Euro eine Spendenquittung erforderlich ist. Für Beträge darunter reicht der Kontoauszug. Wer sichergehen will, dass das Geld steuerlich und ethisch sinnvoll angelegt ist, kann nach der Vorauswahl einen Blick in die Liste des quasi als Spenden-TÜV fungierenden Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen (DZI) tun.

Auch Kin­der­be­treu­ung ver­ur­sacht Son­der­ausgaben

Umgangssprachlich wird darüber hinaus oft als Sonderausgaben bezeichnet, was Haus und Garten schöner macht. Steuersystematisch sind dies „sonstige vom Einkommen abzuziehende Beträge“ oder „Steuerermäßigungen“, die direkt von der Steuerlast abgezogen werden können. Zu den echten Sonderausgaben nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG zählt seit einigen Jahren auch die Kinderbetreuung – bis zu maximal 4.000 Euro können Unternehmer zwei Drittel der Aufwendungen dafür als Sonderausgaben geltend machen. Der Steuerberater hilft bei der Aufteilung, falls die Eltern getrennt sind und das Kind nicht im Haushalt des Selbständigen lebt. Einkommensmindernd wirken sich Kosten aus für

  • die Unterbringung in Kindergarten oder Kindertagesstätte, Kinderhort sowie Kinderkrippen oder bei Tagesmüttern;
  • die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen und Kinderschwestern;
  • die Beschäftigung von Hilfen im Haushalt, soweit sie Kinder betreuen;
  • die Beaufsichtigung des Kindes bei den häuslichen Schulaufgaben.

Nicht steuerlich ansetzen können Unternehmer ihre Aufwendungen für Musikunterricht, Sportverein oder andere Freizeitbetätigungen und die Verpflegung des Kindes. Kosten für Nachhilfeunterricht sind ebenfalls keine Sonderausgabe. Nur ausnahmsweise sind die Kosten für Nachhilfe abziehbar, wenn die Nachhilfe wegen Nachholbedarfs nach einem beruflich bedingten Umzug nötig wird oder weil das Kind eine Lernstörung hat, wie etwa Legasthenie.

Im Haus­halt kön­nen eben­falls Son­der­aus­gaben ent­stehen

Auch Kosten zur Betreuung von Haustieren lassen sich bei der Steuer ansetzen – allerdings nur wie die Kosten für Putzhilfe oder auch Gärtner in Form von haushaltsnahen Dienstleistungen, also ausschließlich in den eigenen vier Wänden. Achtung: Das Geld für solche haushaltsnahen Dienstleistungen müssen Unternehmer wie alle anderen Steuerpflichtigen auch dafür überweisen und den Überweisungsbeleg an die Rechnung heften – sonst ist der Steuerabzug futsch. Das gleiche gilt für Handwerkerrechnungen, die auch für die Privatwohnung des Unternehmers als Steuerermäßigungen statt als Sonderausgaben – in dem Fall als Handwerkerleistungen – ansetzbar sind.

Wer regelmäßig Arbeiten im Haushalt zu erledigen hat, vom Putzen bis zur Altenpflege, kann hierfür auch privat zum Arbeitgeber werden: im Rahmen eines Minijobs. Anders als bei den betrieblichen Minijobbern gibt es hierfür bei der Minijobzentrale das Haushaltsscheckverfahren. Die Aufwendungen für Haushaltsdienstleistungen in Form von Minijobs können mit 20 Prozent der Aufwendungen, maximal 510 Euro unmittelbar von der Einkommensteuerschuld gekürzt werden; andere Haushaltsdienstleistungen, also etwa sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse, bis maximal 4.000 Euro.

Gesundheitskosten gelten nicht als Sonderausgaben

Aufwendungen für Brille, Zahnersatz und andere Gesundheitskosten können zwar als Leistung für die Mitarbeiter eine Betriebsausgabe sein. Als Investition in die eigene Gesundheit sind sie aber nicht als Sonderausgabe ansetzbar, sondern nur als außergewöhnliche Belastung – also nur, sofern die Belastungsgrenze überschritten wird. Die ist dank einer vom Bundesfinanzhof (BFH) vorgeschriebenen neuen Berechnungsmethode aber nun schneller erreicht als früher. Bis 15.340 Euro sind je nach Familienstand und Kinderzahl zwischen einem und fünf Prozent des zu versteuernden Einkommens als außergewöhnliche Belastung zumutbar. Bis 51.130 Euro gilt zwischen einem und sechs Prozent als zumutbar, ab 51.130 Euro zwischen zwei und sieben Prozent.

Bei den Einkünften wird die zumutbare außergewöhnliche Eigenbelastung in jeder Einkommensstufe ermittelt und dann zum Gesamtbetrag der zumutbaren Belastung addiert. Sind in einem Jahr bereits größere Ausgaben aufgelaufen oder fällt das Einkommen vielleicht besonders niedrig aus, könnte es sich lohnen, noch ein paar anstehende Anschaffungen oder Arzttermine vorzuziehen – umso mehr wirken die Kosten sich dann steuerlich aus. So kann etwa das schnell noch im Dezember gekaufte Brillengestell oder die kurzfristig eingeschobene Zahnreinigung einen Steuervorteil bringen.

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter lady-godiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.

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