Wirtschaft & Recht

Die richtige Versicherung für den Betrieb finden

Gute Absicherung ist für Unternehmer persönlich wie auch für den Betrieb wichtig. Noch wichtiger aber ist, Risiken zu erkennen und zu beherrschen. Erst so wird klar, welche Versicherung sinnvoll ist.

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Unternehmer müssen einen Wust an Gesetzen und Verordnungen einhalten. Haftungsrisiken lauern überall. An dem Bonmot, als Geschäftsführer stehe man stets mit einem Bein im Gefängnis oder zumindest vor dem Richter, ist etwas dran – Stichwort DSGVO, Stichwort GoBD, Stichwort Kassennachschau im Speziellen und Steuerrisiken im Allgemeinen. Nicht zu vergessen das Urheberrecht oder die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern. Der Firmenchef hat also – im übertragenen Sinne – stets die Hand an der Kreissäge. Er braucht daher gute Versicherungspolicen – für den Betrieb und für sich selbst. Dennoch sollten Unternehmer nicht vorschnell auf Angebote der Versicherer anspringen und bei der nächstbesten D&O-Police zuschlagen. Besser, sie minimieren ihre Risiken erst einmal mit Bedacht – und wägen dann ab, welche Versicherung sie abschließen und welche sie sogar kündigen sollten.

Unternehmer können persönliche Haftungsrisiken abdecken

Angesichts wachsender persönlicher Haftungsrisiken hatten Managerhaftpflichtversicherungen in den letzten Jahren kräftigen Zulauf, insbesondere von Führungskräften aus Konzernen, aber auch von selbständigen Unternehmern. Sogenannte D&O-Policen (D&O = Directors & Officers) gelten manchen Experten als wichtiger Bestandteil auch der Absicherung im Mittelstand. Doch obwohl viele Versicherer die Bedingungen mittlerweile so gestalten, dass die Angebote auch für kleinere Betriebe interessant sind: Inhaber dieser Unternehmen haben eben nicht zahlreiche Bereichsleiter auf mittleren Führungsebenen unter sich. Es gelingt ihnen eher, die Dinge im Blick und im Griff zu behalten – das ist ja meistens der persönliche Anspruch im Mittelstand. Insofern stellt sich schon die Frage, ob solche Policen für das Führungspersonal wirklich sinnvoll sind, zumal manche Versicherungsbedingungen die Abdeckung im Schadensfall immer noch löchrig machen wie einen Schweizer Käse.

Viele D&O-Policen bieten aber nur lückenhafte Absicherung

Ob die Versicherung im Ernstfall zahlen muss, ist oft strittig. Viele Fälle werden vor Gerichten ausgefochten und enden zulasten der versicherten Führungskräfte, zuletzt in einem insolvenzrechtlichen Haftungsfall vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Das Urteil: Die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für Firmenleitungen und leitende Angestellte muss nicht für Insolvenzschäden einstehen, wenn der Geschäftsführer nach der Insolvenzreife noch Zahlungen angewiesen hat. Der Gesellschaft sei kein Schaden entstanden und ein Haftungsanspruch der Gläubiger auch nicht mit einem über die D&O-Police abgesicherten Schadensersatz vergleichbar, so die OLG-Richter. Die Versicherung muss also nicht leisten. Eine weitere Versicherungslücke im Bereich der D&O-Absicherung. Diese Lücken wachsen seit Jahren, und auch der Markt für die bisher als vernünftig angepriesenen Policen dreht. Nachdem Verträge zuletzt teurer wurden, kündigen erste Versicherer nun Kunden mit teuren Schäden oder stellen gleich ganz ihren Geschäftsbetrieb ein.

Wichtig ist vor allem eine detaillierte Risikoanalyse

Vermutlich ist eine D&O-Versicherung für Inhaber kleinerer Betriebe meistens aber sowieso eine Lachnummer: Fahrlässigkeit in der Dimension eines Martin Winterkorn dürften sich die wenigsten Firmeninhaber je leisten können, das ist allen sehr klar. Für Einzelunternehmer ist eine solche Police im Zweifel sowieso nichts. Statt über eine Versicherung möglicher Fehlentscheidungen nachzudenken, sollten sich Inhaber kleinerer Betriebe besser auf gute Arbeit konzentrieren – und sich gerade vor wichtigen Entscheidungen oder dem Abschluss größerer Geschäfte zur Vermeidung unnötiger Risiken eng mit Anwalt und Steuerberater abstimmen. Vor allem auf unbekanntem geschäftlichem Terrain oder bei Geschäften in von Politik und Regulierung beeinflussten Bereichen macht der Anwalt auf abseitig scheinende Risiken aufmerksam und hilft, diese zu minimieren.

Cyberpolicen werden langsam wichtiger als D&O-Policen

Vielleicht gibt die Beschäftigung mit dem Thema D&O auch den Anstoß dazu, als Unternehmer generell seine Versicherungen unter die Lupe zu nehmen. Welche davon ist nach Abwägen der Risiken wichtig? Welche kann weg? Es ist sicher kein Zufall, dass der Markttrend von der D&O-Police zur Cyberpolice dreht. Die Risiken im virtuellen Raum sind für Unternehmer in den vergangenen Jahren stark gewachsen und werden schnell existenzbedrohend. Hier kann es sinnvoll sein, neben den nötigen technischen Vorkehrungen auch Cyberrisiken zu versichern – natürlich mit Bedacht und gründlicher Risikoabwägung.

Unabhängige Beratung durch Anwalt und Experten zählt

Unternehmer sollten sich ruhig mal von einem unabhängigen Versicherungsexperten oder vom Anwalt über sinnvolle Versicherungen für ihren Betrieb beraten lassen. Bedarf besteht überall dort, wo das Unternehmen durch unerwartete Ereignisse in seiner Existenz bedroht sein könnte. Dann mag je nach Tätigkeitsbereich auch eine Warenkreditversicherung, eine Elementarschadenspolice oder eine Prozessfinanzierungsversicherung sinnvoll sein. Immer mehr Policen gibt es via Internet. Unternehmer sollten sich daher ruhig auch online umschauen, nach einer Kfz-Versicherung beispielsweise – aber richtig, also ebenfalls mit Bedacht.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.