Steuern & Finanzen

Die Steuer kann Mitarbeitern schnell den Appetit verderben

Verpflegungspauschale, Mehrwertsteuersatz, steuerbegünstigtes Extra – falsch verbuchtes Butterbrot, Snack oder Imbiss macht Unternehmern Ärger. Oft hat nur noch der Steuerberater den Überblick.

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Ich kenne Leute, die bei einem längeren Auslandsaufenthalt vor allem das deutsche Brot vermissen. Graubrot, Roggenbrot, auch Sonnenblumenleinsamen- oder Kürbiskernkartoffelmischbrot – am besten mit viel Butter drauf. Mochte ich auch immer sehr gern. Vermutlich ist der heutige Internationale Tag des Butterbrots ein ziemlich deutsches Ding, obwohl das Butterbrot mit viel Herzblut sogar im fernen Ausland gefeiert wird – wenn es sich denn irgendwo auftreiben lässt.

Snacks mindern nicht den Verpflegungsmehraufwand

Das Butterbrot ist beliebt und mag je nach Machart auch gesund sein – ob es deshalb als täglicher Mittagssnack für die Arbeit taugt, ist aber wohl Geschmacks- und Gewohnheitssache. Ich persönlich bevorzuge ja warme oder zumindest zuvor mal erwärmte Mittagsmahlzeiten. Steuerlich jedenfalls gilt: Wenn Unternehmer ihren Mitarbeitern auf einer Dienstreise einen Snack in Form von Chips, Schokolade oder auch Brezeln spendieren, dann brauchen sie hierfür nicht die Verpflegungspauschale zu kürzen. Ob auch das Butterbrot als steuerbegünstigtes Goodie durchgeht, sollten Firmenchefs vorsichtshalber lieber den Steuerberater fragen – zumindest wenn sie ihren Mitarbeitern oft Stullen auftischen oder sich etwas anderes Leckeres für sie einfallen lassen, über das noch kein Finanzgericht sein Urteil gefällt hat.

Für fliegende Wiesn-Brezn gilt ermäßigte Umsatzsteuer

Wer seine Mitarbeiter zum Oktoberfest einlädt, lässt sie wohl eher zur Brezn als zum Butterbrot greifen. Und das ist steuerlich völlig unproblematisch: Nicht nur bleibt die Verpflegungspauschale der Mitarbeiter somit qua Regierungsanordnung unangetastet, auch bei der Umsatzsteuer sind Unternehmer auf der sicheren Seite: Die von den Breznverkäufern zwischen den Wiesn-Zelten angebotenen Backwaren unterliegen dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent. Denn, so die Richter vom Bundesfinanzhof: Es handelt sich nicht um einen restaurantähnlichen Umsatz, da der Verkäufer das Lebensmittel praktisch als fliegender Händler liefert, ohne dass der Kunde mit dem Kauf der Brezn das Recht auf einen Tisch erwirbt. Klar wie Kloßbrühe. Zum Lachen ist das aber wohl auch nur für jene von uns, die die Verwirrung um die Mehrwertsteuer bei der Imbissverpflegung schon wieder verdrängt haben.

Vorsicht beim Essen bei Theater- oder Circus-Vorstellungen

Vorsichtig müssen Firmenchefs abrechnen, die Mitarbeiter zum Jahresende ins Theater, ein Konzert, den Circus oder eine andere steuerermäßigte Veranstaltung ausführen, vielleicht zu einer Art Weihnachtsfeier unterwegs: Für die dort verzehrte Verpflegung ist der volle Mehrwertsteuersatz anzusetzen – Unternehmer sollten hier also bei der Vorsteuer nicht leichtfertig etwas verschenken. Auch gern gebuchte Banden- und Trikotwerbung bei den ebenfalls steuerbegünstigten Sportveranstaltungen geht übrigens zum vollen Steuersatz – aber das nur ganz unkulinarisch nebenbei. Am besten fragt man hiernach sowieso einen Steuerberater: Mit intelligenter Gestaltung lässt sich da einiges an Kosten sparen.
 

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.