Steuern & Finanzen

Treiben Sie offene Forderungen jetzt ein, nicht zum Jahresende

Viele offene Rechnungen verjähren zum 31. Dezember. Unternehmer sollten schon jetzt mit Anwalt oder Steuerberater klären, welche Forderungen das trifft und wie sich die Verjährung verhindern lässt.

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Die Unterlagen für die Steuererklärung sind sortiert und abgegeben. Aufgeräumt hat der Unternehmer auch. Wer jetzt nicht gerade im verdienten Sommerurlaub ist, sollte gleich das nächste Thema in Angriff nehmen: Die Prüfung, welche Forderung am Jahresende verjährt. Noch ist Zeit, die in diesem Fall nötigen Schritte mit Hilfe des Steuerberaters in Ruhe einzuleiten und die Verjährung zu verhindern – statt in der üblichen Hektik zum Jahresende eventuell Termine zu verpassen und so möglicherweise auf Geld verzichten zu müssen.

Offene Forderungen deutlich vor Jahresende anmahnen

Regulär verjähren Forderungen drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem sie entstanden sind. Es zählt also nicht das Rechnungsdatum plus drei Jahre, sondern es bleibt stets Zeit bis zum 31. Dezember des entsprechenden Jahres, bis die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren zu laufen beginnt. Sich unabhängig vom Rechnungsdatum der offenen Forderung schon jetzt ums Geldeintreiben zu kümmern, ist sinnvoll. Zum Jahresende wird die Zeit dafür womöglich knapp – vor allem, wenn umfassendere Maßnahmen erforderlich sind, um die Forderung vor der Verjährung zu bewahren. Denn das Verfallsdatum muss nicht nur klassische Ausgangsrechnungen betreffen – es kann auch um andere Arten von Forderungen gehen. Unternehmer sollten das mit dem Steuerberater besprechen. In manchen Fällen ist die Verjährungsfrist länger, wie für Forderungen auf Schadenersatz aus Kapitalanlagefällen oder auch bei Rückzahlungsansprüchen auf Bearbeitungsgebühren, hier kann es auch um zehn Jahre gehen. Solche Themen müssen in jedem Einzelfall mit dem Anwalt geklärt werden.

Wenn Verjährung droht, sollten Experten übernehmen

Erster Ansprechpartner für die Verjährung von Rechnungen bleibt aber der Steuerberater. Unternehmer sollten ihn am besten die Lage der Außenstände umfassend sichten lassen. Er empfiehlt, welche Maßnahme sich aktuell für welche Forderung anbietet, und kann die entsprechenden Schritte einleiten. Dazu gehört auch, Verzugszinsen in Höhe von 8,12 Prozent – bei Privatkunden 5,12 Prozent – über dem Basiszinssatz geltend zu machen. Im Einzelfall dürfte es zudem darum gehen, die Verjährung zu hemmen, wie es im Juristendeutsch heißt: Dafür zu sorgen, dass die Verjährung erst später eintritt. Dies erreichen Unternehmer mit Verhandlungen über die Forderung, einem gerichtlichen Mahnbescheid, einer Leistungsklage oder einer einstweiligen Verfügung. Die Verjährungsfrist kann so ganz neu zu laufen beginnen. Gerade bei höheren Forderungen empfiehlt es sich, dafür einen Anwalt einzuschalten.

Für gerichtliche Mahnverfahren empfiehlt sich ein Anwalt

Außenstände, Verjährung, Forderung, Forderungsmanagement, LiquiditätEin Mahnschreiben des Anwalts macht sicher mehr Eindruck als noch ein Brief des Unternehmers. Zudem hilft der Anwalt, richtig vorzugehen und nicht womöglich unter Druck einen Fehler zu machen, der Nerven und vielleicht viel Geld kostet. Auch für das gerichtliche Mahnverfahren empfiehlt sich der Gang zum Anwalt, selbst wenn das formal nicht nötig ist – schon weil Mahnbescheidsanträge oft falsch ausgefüllt werden. Zudem ist sein Einsatz hilfreich, da er später kurzfristig Anträge begründen und ein eventuell startendes Verfahren auch führen sowie Zwangsvollstreckungen oder sonstige Schritte einleiten kann. Das gerichtliche Klageverfahren kommt in Gang, wenn der Kunde im gerichtlichen Mahnverfahren Einspruch einlegt oder nicht auf die außergerichtliche Mahnung des Anwalts reagiert oder ihr widerspricht. Der Anwalt prüft natürlich vor der Klage die Erfolgsaussichten. Dafür sollten Unternehmer alle schriftliche Verträge und Auftragsbestätigungen bereitstellen.

Offene Rechnungen sind für Unternehmen teuer

Kein Unternehmer kann sich auf Dauer offene Forderungen leisten. Manchen Firmenchefs scheint nicht klar zu sein, was sie sich mit verzögertem Zahlungseingang und verschlepptem Mahnwesen einbrocken. Der in die DATEV-Software integrierte Forderungsausfallrechner zeigt, wie viel zusätzlichen Umsatz ein Betrieb machen müsste, um einen bestimmten Forderungsausfall zu kompensieren. Und müssen ausstehende Forderungen mit Krediten ausgeglichen werden, geht das zusätzlich ins Geld. Auch sollten sich Unternehmer vor Augen halten, dass ausgefallene oder verzögerte Forderungen ein häufiger Insolvenzgrund sind.
Wer also mit den zum Jahresende verjährenden Forderungen durch ist, sollte danach gleich zusammen mit dem Steuerberater schauen, welche Rechnungen noch offen sind, und auch hier die notwendigen Schritte einleiten. Das ist schon lange vor der drohenden Verjährung möglich und kann sich richtig lohnen. Nach Angaben der Creditreform nehmen die Zahlungsverzögerungen bei Firmenkunden derzeit nämlich wieder zu.

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.