Technologie

Diesel ohne Softwareupdate müssen von der Straße

Unternehmer mit betroffenen Autos müssen sich schnell entscheiden: Verlassen sie sich darauf, dass das Update funktioniert? Oder kaufen sie einen Neuwagen und trauen dem Rücknahmeversprechen der Hersteller?

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Ziemlich was los in Sachen Abgasskandal. Daimler muss 238.000 Autos zurückrufen, in denen eine unzulässige Abschaltvorrichtung arbeiten soll. Audi-Chef Rupert Stadler gerät weiter ins Visier der Staatsanwaltschaft – sie führt den Topmanager nun als persönlich Beschuldigten, der für den Einsatz von Schummelsoftware mit verantwortlich ist. In Aachen drohen als Folge eines aktuellen Urteils flächendeckende Fahrverbote, gegen die die Hamburger Streckensperrungen ein Klacks sind. Zugleich wächst die Kritik an der geplanten Musterfeststellungsklage, mit der Kunden in Fällen wie dem Abgasskandal künftig gemeinsam gegen rechtsbrüchige Unternehmen vorgehen könnten. So sagt etwa der Deutsche Anwaltverein (DAV), sie dürfe nicht auf Geschäfte zwischen Verbrauchern und Unternehmen beschränkt sein. Sonst müssten Handwerker, Freiberufler oder Selbständige mit abgasmanipulierten Dieselfahrzeugen weiter auf eigenes Risiko gegen Konzerne vorgehen.

Es wird höchste Zeit für das Softwareupdate

Eine weitere Nachricht drohte dabei fast unterzugehen: Vor ein paar Tagen ließ die Stadt München erstmals ein mit Schummelsoftware fahrendes Auto von der Polizei aus dem Verkehr ziehen – der Halter hatte sich dem Softwareupdate innerhalb der dafür gesetzten 18-Monats-Frist verweigert. Auf der Stilllegungsliste des Münchner Kreisverwaltungsreferats stehen insgesamt 41 Autos, deren Gnadenfrist ausläuft. Es passiert also, wovor an dieser Stelle schon gewarnt worden war: Ohne Softwareupdate erlischt die Betriebserlaubnis. Bundesweit könnten davon in absehbarer Zeit gut 15.000 Autos betroffen sein. Wer eines der betroffenen Modelle fährt, sollte dringend mit dem Anwalt die richtige Reaktion besprechen. So verständlich die Angst vor höherem Verbrauch oder Motorschäden durch ein Softwareupdate ist: Mit zwangsweise stillgelegten Firmenwagen ist keinem Firmenchef geholfen. Also muss geklärt werden, ob Widerspruch beim Kraftfahrtbundesamt sinnvoll wäre. Und es stellt sich die Frage, ob mit dem Autohaus eine Vereinbarung für den Fall getroffen werden kann, dass das Softwareupdate zu Problemen führt. Schließlich will der Händler ja auch keinen Kunden verlieren und zeigt sich vielleicht kulant. Oder man entscheidet sich doch für einen Neuwagen und vertraut auf das Rücknahmeversprechen des Herstellers.

Bei einer Kontrolle drohen Bußgeld und Punkte

Eines jedenfalls sollte jedem Unternehmer klar sein: Das Fahren mit einem stillgelegten Auto verbietet sich von selbst – schon deshalb, weil sonst nach einer Kontrolle ein Bußgeld und Punkte in Flensburg drohen. Wer dort schon mehrere Einträge gesammelt hat, riskiert sogar seinen Führerschein – dann wäre er ebenso zwangsweise aus dem Verkehr gezogen wie sein Wagen. Und über die versicherungsrechtlichen Folgen nach einem Unfall mit einem stillgelegten Auto will vermutlich erst gar niemand nachdenken…

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.