Technologie

Bei der Cebit einen Blick in die Zukunft wagen

Die Cebit findet im Sommer statt, lockt junge Leute mit einem Pop-Programm, wendet sich an Mittelstand und Handwerk. Unternehmer können dort Trends studieren und Kontakt zu Fachkräften suchen.

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Neues Datum. Ja. Neues Konzept. Ja. Neue Zielgruppe? Ja, auch das. Heute beginnt nach Jahrzehnten mit März-Terminen die erste Sommer-Cebit. Diese Verlegung in die warme Jahreszeit soll der IT-Messe einen Festival-Charakter verleihen und mehr junge – oder junggebliebene – Besucher anlocken. Unterstrichen wird die neue Richtung nicht zuletzt durch ein spannendes Pop-Programm, unter anderem mit Auftritten von Musikstars wie Jan Delay und Mando Diao, mit einer Wearables-Modenschau sowie mit der Fuckup-Night: Unternehmer sprechen hier – oft durchaus unterhaltsam – über ihr Scheitern und was andere aus ihren Fehlern lernen können. Den Gästen soll an allen Messetagen so viel Show und Unterhaltung geboten werden, dass sich „heise online“ zur Überschrift „Cebit 2018: Remmidemmi auf dem d!campus“ veranlasst sah. Viel Neues also bei der Cebit.

Cebit hat Handwerk und Mittelstand viel zu bieten

Auch für manchen Firmenchef könnte die Neuorientierung bei der Zielgruppe eine gute Sache sein. Nicht wegen des Remmidemmis, sondern weil die Cebit sich offenbar thematisch stärker kleinen Firmen öffnet. Im Programm geblieben ist die Veranstaltung „scale11“, sie macht die Cebit zur größten Startup-Plattform Europas. Hier können etablierte Unternehmer auf Gründer und Querdenker treffen, um Impulse für Tagesgeschäft oder strategische Entscheidungen zu finden und vielleicht sogar neue Partnerschaften einzugehen. Hinzu kommt nun der „Digital Friday“, der sich an kleine und mittelgroße Unternehmen sowie speziell an Handwerker richtet. Experten stellen dort Ideen zur Digitalisierung in Handwerk und Mittelstand vor und stehen den Messebesuchern ganztägig für den direkten Austausch über Detailfragen zur Verfügung. Die Themen reichen von „Blockchain“ über „Influencer Marketing“ bis zu „Digitalisierung praktisch gestalten“. Praxisnahe Infos zu Dimensionen und Vorteilen der Digitalisierung im kaufmännischen Bereich liefert übrigens auch DATEV – etwa mit einem interaktiven digitalen Erlebnisparcours, der die Entwicklungsstufen eines fiktiven Unternehmens von der Phase des Startups bis zum erfolgreichen Marktteilnehmer simuliert.

Mittelstand investiert zu wenig in Digitalisierung

Dass sich die Cebit mehr den KMU zuzuwenden scheint, ist eine gute Nachricht. Zwar sind bei der Digitalisierung schon viele kleinere Betriebe quer durch alle Branchen mit dabei – vom Handwerker, der Drohnen zur Baustellenkontrolle nutzt, bis zum Friseur, dessen Kunden einen Termin per App vereinbaren können. Aber diese Pioniere dürfen nicht stehenbleiben. Und zahlreiche Firmenchefs verkennen weiter die Bedeutung der Digitalisierung für ihren Betrieb und ihre Branche. Damit verpassen sie nicht nur Wachstumschancen, sondern gefährden mittelfristig die Existenz des Unternehmens. Laut einer Studie von KfW Research hat zwischen 2014 und 2016 nur jeder vierte kleine und mittelgroße Betrieb ein Digitalisierungsprojekt realisiert und dafür im Schnitt nur 18.000 Euro investiert. „Die Digitalisierung steckt im deutschen Mittelstand noch immer in den Kinderschuhen“, meint Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. „Vor allem die vielen Kleinunternehmen hierzulande scheinen wenig Vorstellungen davon zu haben, welchen Nutzen digitale Technologien für ihr Geschäftsmodell haben können.“

Digitalisierung scheitert oft am Fachkräftemangel

Deren Chefs könnte ein Besuch der neuen Cebit einen Blick in die Zukunft der Wirtschaft eröffnen. Und sie könnten dort vielleicht auch lernen, wie junge Leute ticken, die künftig die Digitalisierung in den Unternehmen vorantreiben müssen – und eventuell sogar Kontakt zu potenziellen Mitarbeitern herstellen. Denn das ist nach einer Studie von Ernst&Young eine große Hürde auf dem Weg zur Digitalisierung: Der Fachkräftemangel.

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.