Wirtschaft & Recht

Die neuen Trends für Onlineshops kennen und nutzen

Viele Onlinehändler beschäftigen sich derzeit vor allem mit der DS-GVO. Trotzdem müssen sie auch weiter auf Trends im E-Commerce reagieren: Augmented Reality, Contextual Commerce und Fotoshopping könnten den Umsatz erheblich steigern.

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verbindlich umzusetzen – zwei Tage vorher informiert ein mittelständischer Onlinehändler seine Kunden per Mail darüber, ihre Konten seien gelöscht worden. Zur Erklärung heißt es, dass die DS-GVO neue Anforderungen in Sachen Datenschutz stellt, die der Versender künftig erfüllt – verbunden mit dem Hinweis, in diesem Zusammenhang werde der überarbeitete Internetauftritt freigeschaltet. Damit sich hier sofort viele Altkunden umsehen und am besten gleich einen neuen Account anlegen, lobt der Händler für die Neuregistrierung einen Fünf-Euro-Gutschein aus und auch einen für das Abonnieren des Newsletters. Gute Idee: Zehn geschenkte Euro dürften viele Käufer als Belohnung für den – nicht wirklich großen – Aufwand bei Anmeldung oder Double-Opt-In begrüßen. Das Unternehmen wiederum ist durch die Löschaktion sicher, dass nur noch mit aktuellen, rechtssicher gesammelten Daten gearbeitet wird sowie das Shop-System nach der umfassenden Neuaufsetzung technisch auf dem neuesten Stand ist – deshalb sind die Zehn-Euro-Gutscheine eine sinnvolle Kombi-Investitionen in Kundenbindung, Datenschutz und Compliance.

An Datenschutzerklärung und Newsletter denken

Wenige im Onlinehandel oder -marketing aktive Unternehmen dürften so weit gegangen sein. Viele haben sich damit begnügt, ihre Kunden per Mail zu informieren, dass angesichts der DS-GVO die Datenschutzbestimmungen geändert wurden – verbunden mit der Empfehlung, über einen Link die neue Version zu lesen. Vermutlich wird das kaum jemand tun. Von einigen Onlineshops, bei denen Daten gespeichert sind oder aktive Accounts existieren, haben die Kunden im Rahmen der DS-GVO gar nichts gehört. Sie gehören zur Kategorie der DS-GVO-Ignorierer, die jetzt eine Last-Minute-Liste abarbeiten sollten, um zumindest die gröbsten DS-GVO-Verstöße zu beseitigen und so möglichen Abmahnern zu entgehen. Aber über komplette Löschungen von Kundendaten im Onlineshop und der Neugestaltung des Webauftritts wurde kaum berichtet, obwohl dies doch die konsequenteste Reaktion auf die DS-GVO ist.

Ein Fünftel der kleinen Betriebe im Internethandel aktiv

Aber nicht nur darauf. Trends und Technologien im Internet ändern sich schnell, und damit die Anforderungen an einen Webauftritt. Darum war die Entscheidung des mittelständischen Onlinehändlers goldrichtig, anlässlich der DS-GVO gleich seinen ganzen Shop neu aufzusetzen. Frisches Design und bessere Funktionalität sind auch ein gutes Verkaufsargument, nicht nur Tiefpreise – schließlich ist ihre Webseite für viele Onlinehändler das wichtigste Schaufenster, selbst wenn sie noch bei Facebook oder anderswo im Netz aktiv sind. Wie bedeutsam die Internetpräsenz für kleine und mittelgroße Betriebe inzwischen ist, zeigt eine repräsentative Sonderauswertung von KfW Research auf Basis des KfW-Mittelstandspanels 2017: Jedes fünfte Unternehmen war 2016 im Onlinegeschäft tätig, insgesamt erzielten sie einen Umsatz von rund 200 Milliarden Euro – ein Plus von 49 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Die neuen Trends im Onlinevertrieb verstehen und nutzen

So gut läuft das Geschäft aber nur, falls Erwartungen der Kunden in Sachen Navigation, Information und anderen zur Customer Journey zählenden Aspekten erfüllt werden. Interessenten kommen wieder, wenn Onlineshopping eine angenehme Erfahrung ist. Wer sich in den vergangenen Monaten darauf konzentriert hat, die Vorgaben der DS-GVO im Internet umzusetzen, sollte jetzt überlegen, wie sich Besucher der Webseite oder des Onlineshops besser führen, umfassender informieren, leichter unterhalten, insgesamt mehr begeistern lassen. Gerade kleine Anbieter können sich zwar keinen opulenten Auftritt leisten, der quasi als eierlegende Wollmilchsau alle technischen Spielereien integriert, die irgendwie machbar sind. Aber jeder im Internet aktive Unternehmer muss überlegen, welcher Trend auch für seine Netzpräsenz unabdingbar ist.

Mobiloptimierung und funktionierende Suche sind ein Muss

An der Optimierung für Mobilgeräte etwa kommt niemand vorbei – immer mehr Privat- wie Gewerbekunden wollen von unterwegs rasch Preise checken, Informationen abrufen oder Bestellungen aufgeben. Auch andere Tipps von „mittelstand-nachrichten.de“ sind gerade für Inhaber kleinerer Betriebe beachtenswert: Optimierte Suchfunktionen; Abomodelle; getrennte Shops für Privat- und Gewerbekunden, weil ihre Anforderungen unterschiedlich sind; durchdachte Integration von Shop- und kaufmännischer Software, damit Kunden in Echtzeit die Informationen zur Verfügbarkeit erhalten und die Buchführung leicht alle Daten weiterverarbeiten kann. Klingt logisch, wird aber oft nicht gemacht. Hier kann der Steuerberater viele Tipps zur Prozessoptimierung geben.

Kunden mit hyper-personalisierten Angeboten gewinnen

Wer insgesamt moderner auftreten oder technikaffine Zielgruppen ansprechen will, sollte über weitere Funktionalitäten nachdenken. Image- oder Erklärvideos sind schon auf vielen Seiten zu finden. Wer seine Produkte noch besser ins rechte Licht rücken will, kann auf Augmented Reality setzen – indem etwa um virtuelle Bestandteile erweiterte Realbilder zeigen, wie ein Stuhl im eigenen Wohnzimmer aussehen würde. Wer das spontane Bestellen erleichtern will, kann sich mit Contextual Commerce beschäftigen – dabei werden Buy-Buttons außerhalb des eigentlichen Shops oder Marktplatzes angebracht, damit der Nutzer einen gefundenen Artikel ohne Besuch des Onlineshops kaufen kann. Wer Zielgruppen adressiert, die in sozialen Medien wie Instagram unterwegs sind, kann Fotoshopping und visuelle Suche in die Vertriebsstrategie integrieren. Im Netz finden sich viele interessante Tipps für einen besseren Onlineverkauf. Dazu zählt das digitale Handelsmagazin „e-tailment“ auch digitale Gesprächsassistenten für eine verbesserte Produktsuche oder Beratung sowie hyper-personalisierte Angebote.

Weiterhin mit Rechtsanwalt das Thema Daten besprechen

Spätestens damit wäre der Unternehmer wieder bei der DS-GVO. Viele der kommenden Methoden und Technologien leben natürlich von der umfassenden Nutzung der Kundendaten oder führen zur Erhebung immer neuer, großer Datenmengen. Selbst wer jetzt schon DS-GVO-konform arbeitet, sollte sich deshalb laufend mit seinem Rechtsanwalt darüber austauschen, worauf er in Zukunft beim Einsatz solcher Methoden und Technologien noch achten muss.

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.